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Deutschlands Militärstrategie ist völkerrechtlich fragwürdig

21.9.2026

  1. Deutschland macht sich von israelischen Waffen abhängig
  2.  Auszeichnung des Films „NAZA“ in Venedig und die Folgen
  3. Der Palästinenser Raji Sourani erhält den Internationalen Hrant DinkPreis
  4. Anlasslose tödliche Schüsse israelischer Soldaten auf palästinensische Autos mit Kindern

Israel zählt zu den wichtigsten Waffenlieferanten Deutschlands. Israelische Rüstungsunternehmen verkaufen Drohnen, Raketen, Radarsysteme und Roboter an Deutschland – vieles davon im Einsatz gegen Palästinenser erprobt. Dazu kommen Joint Ventures und Verträge zur Cyberüberwachung wie „Pegasus“. Deutschland erhöht seine Militärausgaben für israelische Luftabwehrsysteme und vertieft damit seine Abhängigkeit von Israel. Ein völkerrechtliches Rechtsgutachten legt dar, warum in der derzeitigen Situation ein Waffenembargo geboten ist, das auch den Kauf und die Einfuhr von Waffen aus Israel sowie die gemeinsame Forschung im Rahmen bilateraler und multilateraler militärischer Projekte oder Projekte mit doppeltem Verwendungszweck umfasst.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 vor der israelischen Knesset sprach und erklärte, Israels Sicherheit sei Deutschlands „Staatsräson“, geschah dies im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Verträge über den Bau von U-Booten für Israel. Es sind jedoch nicht nur Waffen von Deutschland an Israel geliefert worden. Israel zählt zu den wichtigsten Waffenlieferanten Deutschlands.

Angela Merkel in der Knesset. Quelle: 2008, Die Knesset, Facebook.

Die israelische Friedensforschungsorganisation DIMSE (The Database of Military and Israeli Security Export) führte eine 2026 aktualisierte Studie zum deutsch-israelischen Waffenhandel durch. Es handelt sich um eine der umfassendsten Untersuchungen darüber, welche Waffen Deutschland von Israel bezieht. Laut DIMSE gehört Israel zu den fünf größten Waffenexporteuren nach Deutschland. Allein im Jahr 2025 kaufte Deutschland (ohne die Vereinbarung über die Panzerabwehrrakete Spike) Waffen im Wert von 315 Millionen Euro von Israel und erteilte Aufträge im Wert von mehreren Milliarden Euro (Quelle auf Hebräisch).
 
Israels größter staatlicher Rüstungskonzern ist IAI (Israeli Aerospace Industries). Von IAI hat Deutschland das Arrow-3-System bezogen, ein Raketenabwehrsystem, das hochfliegende, ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abfangen soll. Der Verkauf des Arrow-3-Systems an Deutschland hatte zunächst ein Volumen von 3,6 Milliarden Euro und war damit bereits das größte Rüstungsexportgeschäft in der Geschichte Israels. Das Abkommen wurde 2025 um weitere 3,1 Milliarden aufgestockt, so dass sich das Gesamtvolumen auf 6,7 Milliarden Euro beläuft.IAI vermietete Heron-TP-Angriffsdrohnen an die Bundeswehr. Diese Drohnen waren in Israel stationiert, damit deutsche Soldaten mit ihnen trainieren konnten. Als Israel im Oktober 2023 den Gazastreifen angriff, übergab der deutsche Verteidigungsminister Pistorius die Drohnen – mit dem schwarzen Kreuz der deutschen Luftwaffe – an die israelische Luftwaffe, die die Waffen nutzte, um den Gazastreifen zu bombardieren. Dies wird auch in dem Antrag auf Erlass vorsorglicher Maßnahmen erwähnt, den Nicaragua gegen Deutschland wegen Verstoßes gegen die Völkermordkonvention und andere internationale Normen beim Internationalen Gerichtshof einreichte. Nach dem Einsatz im Gazastreifen holte die Bundeswehr die Heron-TP im Jahr 2024 nach Deutschland.
 
IAI lieferte das autonome U-Boot „BlueWhale“ an Deutschland. Die IAI-Tochter ELTA verkaufte Deutschland ELM-2180-Watchguard-Radargeräte und organisierte Schulungen, Schulungsmaterialien und Ersatzteile für den Betrieb der Radargeräte.

Pistorius und Gallant in Israel. Quelle: 2023, modisrael, Instagram.

Elbit Systems ist Israels größter privater Rüstungskonzern. Das Unternehmen unterhält eine Tochtergesellschaft namens Elbit Systems Deutschland mit Standorten in Ulm, Berlin, Koblenz und Norddeutschland. Elbit Systems schloss einen Vertrag über umgerechnet rund 55 Millionen Euro zur Lieferung des PULS-Raketenartilleriesystems an die Bundeswehr ab. Die PULS-Raketenartillerie hat eine Reichweite von 300 Kilometern und ist für offensive Kriegseinsätze konzipiert. Elbit Systems Land und die deutsche Firma Diehl Defense schlossen eine Kooperationsvereinbarung, deren Schwerpunkt auf Raketenartillerie-Munition für die Systeme PULS und EuroPULS liegt. Elbit Systems verkauft J-MUSIC-DIRCM-Systeme, die zum Schutz von Flugzeugen vor Raketen entwickelt worden sind, für die Airbus A400M-Flugzeuge der deutschen Luftstreitkräfte an Diehl Defence. Der israelische Konzern verkauft auch XACT nv33-Nachtsichtgeräte an die Bundespolizei.

Israels zweitgrößter staatlicher Rüstungskonzern heißt Rafael. Die Bundeswehr testet die Systeme „Fire Weaver“ und „BNET“, die Rafael anbietet. Diese Systeme nutzen künstliche Intelligenz, um Soldaten im Häuserkampf zu unterstützen. Sie wurden vom israelischen Militär in den besetzten palästinensischen Gebieten eingesetzt. Rafael verkauft die Panzerabwehrrakete „Spike“ an Deutschland, die über EuroSpike, ein europäisches Joint Venture, an dem Rafael (20 ‰ Anteil) sowie die deutschen Unternehmen Rheinmetall und Diehl (jeweils 40 ‰) beteiligt sind, geliefert werden. Die Spike-Rakete wird als Panzerabwehrrakete vermarktet, wurde jedoch nie gegen Panzer getestet, da Israel sie ausschließlich gegen zivile Fahrzeuge und Wohnhäuser einsetzt. Israel weigerte sich, den Verkauf der Spike-Rakete an die Ukraine zu genehmigen, wodurch sich gezeigt hätte, ob die Spike-Raketen gegen moderne Panzer wirksam sind. Rafael verkauft außerdem Trophy-Systeme für deutsche Panzer sowie „Litening 5“-Beobachtungs- und Leitsysteme für Waffen, die für den Einbau in Typhoon-Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe vorgesehen sind.

Vom israelischen Rüstungsunternehmen Roboteam gelieferte unbemannte Kampfroboter wurden von der Bundeswehr getestet. Das israelische Unternehmen Smartshooter verkauft SMASHx4-Systeme an die Bundeswehr, um die Durchschlagskraft der Infanterie zu erhöhen.

Deutschland und Israel verfolgen zahlreiche gemeinsame Projekte zur Entwicklung und Herstellung von Waffen. „Eurospike“ wurde bereits erwähnt. „Eurotrophy“ ist ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland, das sich mit der Vermarktung, dem Vertrieb und der Produktion des Schutzsystems (APS) „Trophy“ für Rad- und Kettenpanzer befasst. Es wurde von Krauss-Maffei Wegmann (KMW), General Dynamics European Land Systems (GDELS) und Rafael Advanced Defense Systems (Rafael) gegründet. Die „EuroPuls“-Trägerrakete, die die technischen und operativen Anforderungen der europäischen und der Nato-Streitkräfe erfüllen soll, beruht auf einer gemeinsamen Initiative von Elbit und KNDS Deutschland. In Osnabrück will Rafael das Volkswagen-Werk einschließlich der Arbeitnehmer übernehmen und Komponenten für den „Iron Dome“ produzieren. Elbit Systems ging mit Diehl Defence eine strategische Partnerschaft ein, um der Bundeswehr die Loitering-Munition „SkyStriker“ (umgangssprachlich auch als Kamikaze-Drohne bezeichnet) anzubieten; die lokale Fertigung und Montage des Systems soll gemeinsam mit Diehl erfolgen. IAI und das Land Berlin gegründeten ein Luft- und Raumfahrt-Verteidigungszentrum in Berlin. Rheinmetall und Elbit Systeams haben zahlreiche gemeinsame Projekte, von denen das bekannteste die automatisierte 155-mm-Haubitze auf Rädern ist – eine Waffe, die von Israel für Zerstörungen im Gazastreifen eingesetzt wurde. IAI arbeitet mit dem Rüstungsunternehmen MDBA Deutschland zusammen, um die Harop-Drohnen zu vermarkten. Gemeinsam mit Hensoldt führt IAI ein Projekt zur Herstellung von Radarsystemen für die Marine durch.

Israelische Rüstungsunternehmen werden zur Teilnahme an Rüstungsmessen in Deutschland eingeladen, wie beispielsweise der „Enfforce Tac“ in Nürnberg, obwohl Frankreich israelischen Unternehmen die Präsentation von Angriffswaffen auf der Rüstungsmesse „Eurosatory“ in Paris untersagt hat. Israelische und deutsche Soldaten trainieren Seite an Seite bei gemeinsamen Militärübungen wie „Blue Flag“ und im Rahmen des „Heron TP“-Trainings. Im letzten Juni hielten Deutschland und Israel vor der Küste von Haifa eine gemeinsame Marineübung ab.

Deutschland erwirbt zudem offensive israelische Cyber-Überwachungsinstrumente wie „Pegasus“. Es hat ein Cybersicherheitsabkommen mit Israel unterzeichnet. Israelische Spionageunternehmen könnten auf diese Weise auch Zugang zu personenbezogenen Daten deutscher Bürger erhalten.

Israel hat im Laufe der Zeit seine Marketingstrategie für Waffen geändert. Bis 2023 argumentierte es, dass seine Präzisionswaffen sowie Überwachungs- und Kontrollinstrumente Kollateralschäden reduzieren können und dass europäische Kunden israelische Waffen kaufen sollten, um unerwünschte Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise Flüchtlinge, zu kontrollieren, ohne sie zu töten. Nach dem 7. Oktober 2023 änderte Israel seine Vermarktungsstrategie und argumentierte stattdessen, dass europäische Kunden keine andere Wahl hätten, als israelische Waffen zu kaufen, da sie sonst zu schwach wären. In dem Film „The Lab“ aus dem Jahr 2013 kommentierte Yoav Gallant, damals Israels Generalmajor, die Reaktion der Europäer auf die Vermarktung israelischer Waffen so: „Da steckt viel Heuchelei dahinter: Sie verurteilen euch politisch, während sie euch fragen: Was ist euer Trick, ihr Israelis, um Blut in Geld zu verwandeln.“

Einige Staaten, wie beispielsweise Spanien, äußerten Abscheu gegenüber dem Völkermord Israels und kündigten Waffenverträge, doch Deutschland stockte seine Käufe israelischer Waffen zu einer Zeit auf, in der Israel Schwierigkeiten hatte, seine Kriegsmaschinerie zu finanzieren, und auf Waffenexporte angewiesen war, um Einnahmen zu generieren.

Griechenland, das ebenfalls den Fehler begeht, israelische Waffen zu importieren, hat den Quellcode des von Israel gekauften Luftabwehrsystems angefordert. Doch die israelischen Rüstungsunternehmen lehnten dies ab, da sie die griechische Abhängigkeit von israelischen Waffen aufrechterhalten wollen – genauso wie sie Deutschland von israelischen Waffen abhängig halten wollen.

The Economist“ meinte, dass Europas Abhängigkeit von israelischen Waffen Israel „sanktionssicher“ mache.

Generalmajor Amikam Norkin erklärte bei Beendigung seiner Amtszeit als Kommandeur der israelischen Luftwaffe im Jahr 2023, dass der Kauf des Raketenabwehrsystems „Arrow 3“ durch Deutschland (BIP-Aktuell #202) von entscheidender Bedeutung für die Finanzierung des israelischen Militärs und die Entwicklung neuer Waffen gewesen sei (Quelle auf Hebräisch). Die Waffen, auf die er sich bezog, wurden nur zwei Monate nach dem Interview in Gaza eingesetzt und trugen entscheidend zu den hohen Opferzahlen und der extremen Zerstörung bei.

Irene Pietrapaoli, die Senior Research Fellow im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte und Direktorin des Forums für Wirtschaft und Menschenrechte des British Institute for International and Comparative Law ist, erstellte im Auftrag der palästinensischen Menschenrechtsorganisation Al-Haq und der niederländischen Stiftung SOMO, die sich mit der Macht multinationaler Unternehmen befasst, ein Rechtsgutachten zu den Verpflichtungen von Drittstaaten und Unternehmen zur Verhinderung und Ahndung von Völkermord in Gaza. Sie untersuchte darin die rechtlichen Folgen der einstweiligen Anordnung, die der Internationale Gerichtshof (IGH) am 26. Januar 2024 in dem Verfahren Südafrika gegen Israel erließ. Israel werden in diesem Verfahren Verstöße gegen die Völkermordkonvention aufgrund seiner Handlungen im Gazastreifen seit dem 7. Oktober 2023 vorgeworfen. Das Gutachten von Irene Pietrapaoli befasst sich unter völkerrechtlichem Blickwinkel nicht nur mit der Lieferung von Waffen nach Israel, sondern auch mit dem Bezug von Waffen aus Israel. Es kommt zu dem Ergebnis, dass ein Waffenembargo gegen Israel geboten ist, dass auch den Kauf und die Einfuhr israelischer Waffen sowie die gemeinsame Forschung im Rahmen bilateraler und multilateraler militärischer Projekte oder Projekte mit doppeltem Verwendungszweck umfasst.

Zentral für ihre Argumentation ist insoweit das Urteil des IGH vom 26.2.2007 im Fall Bosnien gegen Serbien. Wie der Gerichtshof in diesem Fall klargestellt habe, beginnt die Verpflichtung zur Verhinderung von Völkermord und die damit verbundene Handlungspflicht, „in dem Moment, in dem der Staat von der Existenz einer ernsthaften Gefahr, dass ein Völkermord begangen wird, Kenntnis erlangt oder normalerweise hätte erlangen müssen“. „Ab diesem Zeitpunkt ist der Staat, sofern ihm Mittel zur Verfügung stehen, die wahrscheinlich eine abschreckende Wirkung auf diejenigen haben, die im Verdacht stehen, einen Völkermord vorzubereiten, oder bei denen der begründete Verdacht besteht, dass sie einen besonderen Vorsatz (dolus specialis) hegen, verpflichtet, diese Mittel so einzusetzen, wie es die Umstände zulassen.“ (Randnummer 431). Irene Pietrapaoli zieht hieraus den Schluss, dass die Staaten den Kauf und Import von Waffen von israelischen Unternehmen einstellen und von den in ihrem Hoheitsgebiet ansässigen Unternehmen verlangen sollten, dies ebenfalls zu tun.

Im Februar 2024 gab das japanische Unternehmen Itochu Aviation bekannt, dass es die mit Elbit Systems unterzeichnete Absichtserklärung zur strategischen Zusammenarbeit „unter Berücksichtigung der Anordnung des Internationalen Gerichtshofs vom 26. Januar“ beendet habe. Folgendes Gedankenspiel ist auf Basis der japanischen Entscheidung zwar noch spekulativ, aber eine Überlegung wert: Was würde passieren, wenn weltweit Länder ihre militärischen Beziehungen zu Israel abbrechen und ein beidseitiges Waffenembargo verhängen würden? Israels Rüstungsunternehmen, die bereits unter Liquiditätsengpässen leiden (Quelle auf Hebräisch), würden in finanzielle Schwierigkeiten geraten und könnten in Konkurs gehen. Die Bundeswehr würde dann feststellen, dass sie keine Schulungen, keinen technischen Support und keine Ersatzteile mehr für die von Israel gekauften Waffen erhalten kann. Die deutsche Luftwaffe, Marine und das Heer würden geschwächt und wären auf Systeme angewiesen, die zunehmend veralten.

Deutschland erhöht seine Militärausgaben und kürzt gleichzeitig dringend benötigte Sozialausgaben in den Bereichen Gesundheit, Infrastruktur, Bildung und Sozialwesen. Stattdessen deckt es sich mit „Iron Dome“- und „Arrow-3“-Raketen ein. Eine verfehlte Prioritätensetzung.


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Bemerkenswert

Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

Auszeichnung des Films NAZA in Venedig und die Folgen

Am 12.9. wurde der Dokumentarfilm „NAZA“ von Yuval Abraham and Rachel Szor bei den 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Der Film beruht auf Interviews mit israelischen Soldaten. Auf der Website der Filmfestspiele wird sein Inhalt so zusammengefasst: „Der Film, der nachts auf den Dächern von Tel Aviv gedreht wurde, beleuchtet detailliert die Mechanismen hinter Israels gezielten Massenmorden an palästinensischen Zivilisten im Gazastreifen.“ Das Publikum applaudierte 25 Minuten lang.

Die Reaktionen in Israel waren heftig und kulminierten in der Forderung des Kultusministers Miki Zohar, den beiden Regisseuren die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Über tausend israelische Filmemacher unterzeichneten am 14.9. eine Erklärung, in der sie ihre Solidarität mit Yuval Abraham und Rachel Szor bekundeten. Zu den Unterzeichnern gehörten prominente israelische Filmemacher wie Ari Folman, Shlomi Elkabetz, Ran Tal und Michal Aviad. In der Erklärung heißt es: „In den letzten Tagen wurden wir Zeugen einer beispiellosen Kampagne der Hetze und Anstiftung gegen die Macher des Films, und der Abstand zwischen dieser Kampagne und der Anstiftung zur Gewalt sowie der physischen Bedrohung ihres Lebens wird immer geringer.“

Auch Juristen schalteten sich sein. Eine Gruppe von 14 Völkerrechtsexperten aus verschiedenen israelischen akademischen Einrichtungen, darunter Experten für Kriegsrecht, forderte am 15.9. eine „unabhängige Untersuchung“ mutmaßlicher Verstöße gegen das Völkerrecht und Kriegsverbrechen während des Gaza-Kriegs, einschließlich des Verhaltens hochrangiger Beamter und politischer Entscheidungsträger. Die Experten knüpften an die ablehnende Reaktion der israelischen Streitkräfte auf den Film „NAZA“ an und argumentierten, dass die darin erhobenen Vorwürfe eine unabhängige und effektive Untersuchung des Verhaltens Israels im Hinblick auf das Völkerrecht erforderten. In der Erklärung der Rechtswissenschaftler hieß es, sie hätten sich während des Krieges mehrfach an die zuständigen israelischen Behörden gewandt und auf mögliche Verstöße hingewiesen, darunter die Anstiftung zur Zerstörung von Infrastruktur ohne militärische Notwendigkeit, unverhältnismäßige Schäden für Zivilisten sowie die Behinderung oder Verzögerung humanitärer Hilfe.

Diplomaten erklärten, dass die Drohungen der israelischen Regierung gegen die Filmemacher die Berichterstattung über einen Film verstärkt hätten, der zuvor außerhalb von Festival- und Kulturkreisen kaum Beachtung gefunden hatte.

Der Palästinenser Raji Sourani erhält den Internationalen Hrant Dink-Preis

Hrant Dink, ein Armenier mit türkischer Staatsbürgerschaft, war Journalist und einer der Herausgeber der in Istanbul erscheinenden zweisprachigen Wochenzeitung Agos. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Henri-Nannen-Preis, der ihm 2006 für seine Verdienste um die Pressefreiheit verliehen wurde. Die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkriegs im damaligen Osmanischen Reich hatte er mehrfach als Völkermord bezeichnet. Er wurde wegen „Beleidigung des Türkentums“ zu einer Haftstrafe verurteilt und 2007 vor dem Verlagshaus von Agos erschossen.

Der Internationale Hrant Dink-Preis wird jährlich am 15. September, dem Geburtstag von Hrant Dink, an zwei Personen oder Organisationen verliehen, „die den Menschen Inspiration und Hoffnung geben, damit sie ihren Kampf fortsetzen, die sich für eine gerechte Welt ohne Diskriminierung, Rassismus und Gewalt einsetzen, die persönliche Risiken eingehen, um diese Ideale zu verwirklichen, die mit Klischees brechen und die Sprache des Friedens sprechen“.

In diesem Jahr wurden der Palästinenser Raji Sourani und die aus der Türkei stammende Süheyla Doğan ausgezeichnet. Raji Sourani erhielt den Preis „für sein unermüdliches Engagement unter Bedingungen, die die rechtliche Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und die Durchsetzung der Rechenschaftspflicht nahezu unmöglich machen; dafür, dass er den Mächtigen die Wahrheit sagt, ohne sich jemals Drohungen, Druck oder Sanktionen zu beugen; dafür, dass er Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Würde der Opfer als Leitprinzipien seines beruflichen und moralischen Weges hochhält; und dafür, dass er uns gezeigt hat, dass das Recht die Straflosigkeit noch immer überwinden kann.“

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden

Anlasslose tödliche Schüsse israelischer Soldaten auf palästinensische Autos mit Kindern
B´Tselem berichtete am 7.9.:

„In einem Zeitraum von sechs Monaten, von Anfang Dezember 2025 bis Anfang Juni 2026, töteten israelische Streitkräfte im Westjordanland neun Menschen, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren sowie einen sieben Monate alten Säugling, bei fünf verschiedenen Vorfällen, bei denen sie ohne Vorwarnung auf Autos schossen, in denen sich Palästinenser in Wohngebieten befanden, obwohl diese keine Bedrohung darstellten. In allen Fällen eröffneten die Streitkräfte das Feuer auf die Fahrzeuge, nachdem diese ihre Geschwindigkeit verringert hatten, um anzuhalten. In zwei Fällen hatten die Fahrer aus eigenem Antrieb gebremst, nachdem sie in Panik geraten waren, als sie die Anwesenheit der Streitkräfte am Ort des Geschehens bemerkten, obwohl ihnen kein Anhaltbefehl erteilt worden war. Bei zwei weiteren Vorfällen waren sich die Fahrer der Anwesenheit der Streitkräfte überhaupt nicht bewusst, bevor sie unter Beschuss gerieten. Aus allen fünf von B’Tselem untersuchten Fällen ergibt sich ein wiederkehrendes Muster: tödlicher Schusswaffengebrauch gegen Fahrzeuge, in denen sich Zivilisten befanden, selbst wenn diese keine Gefahr für die Streitkräfte darstellten.
In drei der Fahrzeuge befanden sich Familien mit Kindern.
Bei einem Vorfall am 10. Januar 2026 schoss ein Soldat auf das Fahrzeug, in dem der 58-jährige Shaker Ja’bri, seine Tochter und ihre vier kleinen Kinder im Alter zwischen zwei und elf Jahren beförderte. Das Auto fuhr bergauf, und Ja’bri trat voll auf die Bremse, als er vor sich Soldaten sah. Sofort feuerte einer der Soldaten aus nur wenigen Metern Entfernung drei Schüsse auf das Auto ab. Ja’bri wurde an der Stirn getroffen und starb auf der Stelle.
Bei einem weiteren Vorfall, der sich am 15. März 2026 in der Stadt Tammun ereignete, eröffneten verdeckte Beamte der Grenzpolizei aus einer Entfernung von etwa 10 Metern heftiges Feuer auf ein Auto, in dem ein Ehepaar und ihre vier kleinen Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren saßen. Die Eltern – Wa’d und ‘Ali Bani ‘Odeh –, ihr sechsjähriger Sohn ‘Othman und ihr fünfjähriger Sohn Muhammad kamen dabei ums Leben. Die beiden überlebenden Kinder, der 11-jährige Khaled und der 8-jährige Mustafa, wurden leicht verletzt. Die Schüsse fielen unmittelbar, nachdem das langsam fahrende Familienauto eine Kurve auf einer der Straßen der Stadt genommen hatte. Der Vater, der am Steuer saß, wurde von den Soldaten nicht aufgefordert anzuhalten. Die Familie sah die israelischen Streitkräfte erst, als sie unter Beschuss geriet, und war sich ihrer Anwesenheit in der Gegend zuvor nicht bewusst.
Beim dritten Vorfall am 5. Juni 2026 in Hebron eröffnete ein Soldat das Feuer auf ein Auto, in dem sich das Ehepaar Dania Salama-Abu Haikal und ihr Ehemann Fahed Abu Haikal, ihr sieben Monate alter Sohn Sam, dessen 12-jähriger Bruder Kinan sowie die 80-jährige Großmutter der Kinder, Firyal Abu Haikal, befanden. Wie schon beim vorherigen Vorfall in Hebron ereignete sich die Schießerei, während das Auto langsamer wurde und kurz davor war, anzuhalten. Dennoch eröffnete einer der Soldaten aus einer Entfernung von etwa 20 Metern das Feuer auf das Auto und tötete dabei den Säugling.“

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Martin Breidert, BIP-Vorstand.

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