BIP-Aktuell #323: Der Plan des Generals

Ethnische Säuberung, Aushungern der Bevölkerung und Kolonisierung

BIP-Aktuell #323:

  1. Der Plan des Generals
  2. Erfreulich
  3. Jüdische Siedler greifen palästinensische Bauern an
     

Generalmajor a.D. Giora Eiland entwickelte zwei Pläne zur ethnischen Säuberung und Übernahme des Gazastreifens. Der zweite dieser Pläne, der so genannte “Plan der Generäle”, hat in Israel breite Unterstützung gefunden, und es gibt Anzeichen dafür, dass das israelische Militär damit begonnen hat, ihn umzusetzen, indem es sich bei seinen Angriffen auf den nördlichen Teil des Gazastreifens, insbesondere auf die Stadt Jabalia, konzentriert und humanitäre Hilfe für die Menschen in diesem Gebiet verweigert. Rechtsextreme Gruppen in Israel unternehmen die ersten Schritte zur illegalen Kolonisierung des Gebiets, das gerade von Palästinensern gesäubert wird.

Der andauernde Völkermord, den Israel im Gazastreifen begeht (siehe BIP-Aktuell #285), ist keine organisierte Ausrottungskampagne mit einem klaren Ziel, sondern eher eine chaotische und unorganisierte Kombination aus Luft- und Artilleriebeschuss, Aushungern als Waffe (siehe BIP-Aktuell #311), angeheizt durch eine Kombination aus rassistischer Hetze (siehe BIP-Aktuell #277) zusammen mit einem endlosen Nachschub an Waffen, hauptsächlich aus den USA und aus Deutschland.



Generalmajor a.D. Giora Eiland schmiedet konkrete Pläne für Genozid und ethnische Säuberung. Quelle: 2004, Wikipedia.



Nach der Definition der Internationalen Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes setzt das Verbrechen des Völkermordes die klare Absicht voraus, eine ganze Gruppe von Menschen zu töten. Teile der israelischen Gesellschaft und sogar innerhalb der Regierung haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was Israel in einem Krieg in Gaza erreichen soll. So hat beispielsweise Geheimdienstminister Gila Gamliel einen Plan zur ethnischen Säuberung angenommen, der von der rechtsgerichteten Denkfabrik Misgav formuliert wurde (siehe BIP-Aktuell #279). Aber dieser Plan wurde nie offiziell von der israelischen Regierung als Ganzes angenommen.

Das israelische Militär schmiedet derweil seine eigenen Pläne. Die prominenteste Stimme ist die des pensionierten Generalmajors Giora Eiland. Eiland war ein ranghoher Offizier der Fallschirmjäger, der in mehreren Kriegen gekämpft hatte und während der zweiten Intifada ein leitender Offizier für strategische Planung war. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst bekleidete er verschiedene zivile Funktionen in der Regierung, in denen er sich dafür einsetzte, dass militärische Werte und militärstrategische Überlegungen in die Regierungspolitik einfließen. Im Jahr 2004 wurde er zum Vorsitzenden des Rates für nationale Sicherheit ernannt, trat jedoch 2006 zurück, nachdem er den Rückzug der israelischen Regierung aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 kritisiert hatte. Er arbeitete einige Jahre in der Privatwirtschaft, unter anderem als Berater für die israelische private Spionagefirma Black Cube.

Kaum hatte Israel eine völkermörderische Invasion des Gazastreifens gestartet und mit der wahllosen Tötung von Zivilisten begonnen, da verkündete Giora Eiland seinen Plan für Israels Strategie: die gesamte 2,3 Millionen Einwohner zählende Bevölkerung des Gazastreifens an die schmale Küste des Gazastreifens zu zwingen und dann alle Gebäude im Gazastreifen zu zerstören, um ihn unbewohnbar zu machen, die gesamte Bevölkerung zur Auswanderung zu zwingen und den gesamten Gazastreifen dauerhaft als Teil Israels zu annektieren. Dieser Plan wurde nicht umgesetzt.

Im September veröffentlichte Giora Eiland ein kurzes Video in hebräischer Sprache, in dem er einen neuen Plan vorstellte. Er schlug vor, den nördlichen Teil des Gazastreifens, der bereits vom israelischen Militär belagert wird und in dem sich derzeit etwa 300.000 Palästinenser aufhalten, vollständig abzuriegeln.  Die Bevölkerung soll angewiesen werden, das Gebiet durch streng bewachte Ausgänge zu verlassen und dabei umfassende Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Ab diesem Zeitpunkt würden keine Lebensmittel oder andere humanitäre Güter mehr in das Gebiet gelassen. Er ging davon aus, dass etwa 5.000 Hamas-Kämpfer übrigbleiben würden, die sich ergeben oder eben verhungern müssten. In dem Plan wurden diejenigen nicht erwähnt, die zu krank, alt oder behindert sind und nicht evakuiert werden können. Er lässt das absichtliche Verhungernlassen von Menschen – nicht etwa aufgrund ihrer Handlungen, sondern aufgrund ihrer Unwilligkeit oder Unfähigkeit, ihre Häuser zu verlassen – unerwähnt und behauptet sogar, der Plan stehe “im Einklang” mit den Forderungen des internationalen Rechts.

Dieser Plan wurde auf Ynet vorgestellt, das zu Yedioth Ahronot, Israels größter Zeitung, gehört und das offizielle Logo der Zeitung trägt. Dutzende ranghoher Offiziere äußerten ihre Unterstützung für Eilands Plan, der daraufhin in Israel als “Plan der Generäle” bezeichnet wurde. Da der Plan die ethnische Säuberung eines Gebietes unter illegaler israelischer Militärbesetzung und den Einsatz von Hunger als Kriegswaffe vorsieht, ist er nicht nur per se völkerrechtswidrig – bereits sein Vorschlag stellt ein Kriegsverbrechen dar. Es handelt sich damit um einen Plan zur Tötung und Aushungern der Palästinenser mit der Absicht, einen Völkermord zu begehen.

Eiland wiederholte, dass seine Strategie ein wirksames Mittel sei, um den Hamas-Chef Yihya Sinwar unter Druck zu setzen und die öffentliche Meinung in Gaza gegen ihn zu mobilisieren. Obwohl Sinwar bereits am 16. Oktober von Israel getötet wurde, führte das nicht dazu, dass der “Plan der Generäle” fallen gelassen wurde.

Seit Anfang Oktober haben die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe im nördlichen Teil des Gazastreifens, insbesondere in der Stadt Jabalia, verstärkt. Die Soldaten forderten die palästinensischen Bewohner auf, die Stadt zu verlassen, doch viele Palästinenser weigerten sich, weil sie befürchteten, dass sie nie wieder zurückkehren dürfen. Diese Angriffe gipfelten in einem Massaker in Jabalia in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, bei dem die israelische Luftwaffe Wohnhäuser angriff und etwa 150 Menschen tötete. Palästinenser, die aus Jabalia flohen, bezeugten, mit welchen Mitteln das israelische Militär sie terrorisierte und zum Verlassen zwang. Die Zeugen berichteten von Quadcoptern, kleinen Drohnen mit Lautsprechern, Bomben und Gewehren, die die Menschen aufforderten zu gehen und das Feuer auf sie eröffneten. Berichten zufolge haben die Soldaten auch verletzte Palästinenser geschlagen. Am 27.10. ging das Massaker dort weiter: Bei der Zerstörung eines Schulgebäudes wurden mindestens 30 Palästinenser getötet.

Die israelische Rechte wertet die Angriffe als Zeichen dafür, dass die Regierung den “Plan der Generäle” stillschweigend angenommen hat. Mehrere Gruppen haben damit begonnen, konkrete Pläne für die Besiedlung des nördlichen Gazastreifens mit israelischen Siedlungen zu schmieden und Pläne für den “Wiederaufbau” der illegalen Siedlungen, die 2005 geräumt wurden, sowie für deren Ausbau zu entwickeln. Zu den Knessetmitgliedern, die diese Siedlungspläne vorantreiben, gehören auch Mitglieder der Regierungspartei Likud. Teil des Plans ist die Beauftragung privater Sicherheitsfirmen wie der US-Firma Global Delivery Company (GDC) und auch von Siedlermilizen mit der Sicherung des Gazastreifens zum Zwecke der jüdischen Besiedlung.




TRT World hat über die Folgen des israelischen Bombenangriffs in Jabalia in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober berichtet. Dies ist ein Screenshot aus ihrem Bericht. Quelle: 2024, Twitter.



Am 20. Oktober veranstaltete die rechtsgerichtete Siedlerorganisation Nahala 3 km vom Gazastreifen entfernt eine Versammlung zu den Sukkot-Feiertagen, bei der konkrete Pläne für die Besiedlung von Gaza vorgestellt wurden. Die Leiterin von Nahala, Daniella Weiss, brüstete sich damit, dass Familien bereit seien, das Gebiet zu besiedeln. Ein millionenschwerer Vertrag über temporäre Unterkünfte zur Vorbereitung der dauerhaften Besiedlung des Gazastreifens sei bereits unterzeichnet worden. Sie sagte: “Sie werden sehen, wie Juden nach Gaza kommen und Araber aus Gaza verschwinden werden”.

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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter werden wir in Zukunft an dieser Stelle die Rubrik „Erfreulich“ platzieren – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 323 „Erfreulich“:

https://www.palestinechronicle.com/death-sentence-more-israeli-soldiers-refuse-to-serve-unless-exchange-deal-reached/

  • Auch die ZEIT berichtet inzwischen ausführlich über die Gräueltaten: Israel hat die Hamas-Spitze ausgeschaltet. Glauben die Bewohner von Gaza, dass es nun ein Ende der Gewalt geben kann?  von Lea Frehse: „Ausländische Reporter lässt die israelische Armee nicht unabhängig aus Gaza berichten, doch Journalisten aus Gaza arbeiten weiter, in großer Gefahr. Unter ihnen ist Mohamad, 59 Jahre alt, mit dem die ZEIT bei Besuchen in Gaza vor dem Krieg zusammenarbeitete, der Kontakte vermittelte und übersetzte. Wir telefonieren, einige Tage nachdem Hamas-Chef Jahia Sinwar, der Drahtzieher des Massakers in Israel am 7. Oktober 2023, von der israelischen Armee getötet wurde. Welche Reaktionen darauf nimmt er in Gaza wahr?

https://epaper.zeit.de/article/8e6f1bbbbd733b3f57fa9cab82db95ee673c46ecb239165794ac53636ece21c3

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Palestine Chronicle berichtet: Angriff von Siedlern – Zwei Palästinenser verletzt, drei Häuser im Westjordanland in Brand gesetzt
„Jüdische Siedler greifen palästinensische Bauern an, die im Westjordanland ihre Oliven ernten. Der Angriff ist der jüngste in einer Welle von Gewalt durch Siedler in den besetzten Gebieten, einschließlich einer Zunahme von Angriffen auf Familien, die versuchen, ihre Oliven zu ernten.
Zwei Palästinenser wurden verletzt, nachdem zahlreiche bewaffnete illegale jüdische Siedler das Dorf Jalud bei Nablus im Westjordanland gestürmt hatten, die Bewohner angriffen und mindestens drei Grundstücke und eine Geflügelfarm in Brand setzten.
Die verletzten Palästinenser erlitten Verletzungen im Gesicht und am Kopf, nachdem sie am Samstag von den Siedlern angegriffen worden waren, wie die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA unter Berufung auf den Palästinensischen Roten Halbmond mitteilte.
Raed Haj Mohammed, Vorsitzender des Dorfrats von Jalud, sagte, die Siedler hätten es auf die Ostseite des Dorfes abgesehen und drei Häuser, eine Geflügelfarm und umliegende landwirtschaftliche Flächen in Brand gesetzt.
Haj Mohammed sagte, die Siedler hätten die Eigentümer der Häuser, die in der Gegend Oliven ernteten, daran gehindert, ihre Häuser zu erreichen. Sie warfen auch mit Steinen und Felsbrocken nach Häusern und beschädigten so Eigentum.
Diese Angriffe finden oft unter dem Schutz israelischer Streitkräfte statt.
Olivenernte im Visier
Am Freitag töteten israelische Streitkräfte eine 59-jährige Palästinenserin, als sie mit ihrer Familie im Dorf Faqqu’a östlich von Jenin im besetzten Westjordanland Oliven erntete. Hanan Abu Salameh wurde am Donnerstag in den Rücken geschossen. Versuche, sie wiederzubeleben, schlugen fehl, so die Palestine Red Crescent Society, die vom Middle East Monitor (MEMO) zitiert wurde.
Das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) gab an, dass israelische Streitkräfte in der Nähe der Trennmauer im besetzten Gebiet ´ohne vorherige Warnung` mehrere Schüsse auf die Erntearbeiter abfeuerten.
Ebenfalls am Freitag wurde eine ausländische Aktivistin von einem maskierten israelischen Siedler angegriffen. Während israelische Streitkräfte daneben standen, schlug der Siedler mit einem Holzknüppel auf die Aktivistin ein und traf sie an den Rippen.
Das OHCHR erklärte, dass das Pflücken von Oliven für die jährliche Ernte „eine zunehmend riskante Tätigkeit“ sei. In der ersten Woche der offiziellen palästinensischen Olivenernte verzeichnete das UN-Menschenrechtsbüro Dutzende von Gewalttaten gegen palästinensische Erntearbeiter und Störungen des Zugangs zu Olivenhainen.

Gefährdung der Existenzgrundlagen
Am Donnerstag warnte UN-Sprecher Farhan Haq, dass die zunehmenden Angriffe illegaler Siedler während der Olivenernte die Sicherheit und die Existenzgrundlagen der Palästinenser in der Region gefährden.
Haq wies darauf hin, dass seit Anfang Oktober 32 Angriffe illegaler Siedler dokumentiert wurden, bei denen 39 Palästinenser verletzt und etwa 600 Olivenbäume zerstört oder gestohlen wurden.
UN-Experten warnen davor, dass palästinensische Landwirte im Westjordanland ´die gefährlichste Olivensaison aller Zeiten` bevorsteht.
´Die Olivenernte ist für das Leben und die Kultur der Palästinenser von zentraler Bedeutung. Die Beziehung des palästinensischen Volkes zu Olivenbäumen, die Hunderte von Jahren alt werden können, ist auch eine Beziehung zu ihren Vorfahren und zu ihrer Zukunft`, so die Experten in einer Erklärung.
Über 16.000 Angriffe
Am Sonntag gab das palästinensische Gesundheitsministerium bekannt, dass die Zahl der Palästinenser, die seit dem Ausbruch der israelischen Aggression am 7. Oktober 2023 von israelischen Streitkräften und Siedlern im Westjordanland, einschließlich Jerusalem, getötet wurden, auf 759 gestiegen ist.
In einer Erklärung stellte das Ministerium fest, dass sich unter den Opfern 165 Kinder und 18 Frauen befanden, zusätzlich zu mehr als 6.500 registrierten Verletzten im gleichen Zeitraum.“ https://www.palestinechronicle.com/category/


Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #322: Israels Streit mit der UNO

Die UNO duldet israelische Verstöße gegen ihre Resolutionen und ihre Charta

BIP-Aktuell #322:

  1. Israels Streit mit dem UNO
  2. Erfreulich
  3.  Bauernhöfe in Außenposten sind die Vorhut des diebischen und gewalttätigen Siedlungsunternehmens in den besetzten Gebieten

Die angespannten Beziehungen Israels zu den UN haben einen Explosionspunkt erreicht. Israel sabotiert aktiv die Arbeit der UN, zerstört ihre Einrichtungen und tötet ihre Mitarbeiter, während es sie diffamiert und delegitimiert. Die UNO hat eine Reihe von Resolutionen verabschiedet, die von Israel ignoriert werden. Die weitere Teilnahme Israels an der UN-Generalversammlung wird von einem  Journalisten und einem Rechtsprofessor in Frage gestellt.

Israels angespannte Beziehungen zur UNO waren bereits ein Thema in BIP-Aktuell #197 vor drei Jahren. Das berühmte Ben-Gurion-Zitat „Um-Schmum“ (die UNO ist „ein Nichts”), als ob die Organisation keine Bedeutung für Israel hätte, spiegelt eine Meinung wider, die unter vielen führende israelische Politiker  vorherrscht: Die Mehrheit der Staaten in der UNO würde Israel niemals akzeptieren, daher habe es keinen Sinn, in der UNO mitzuarbeiten. Dennoch hat Israel in seiner Geschichte in vielen Fragen eng mit der UNO zusammengearbeitet. Israel beansprucht sein so genanntes „Existenzrecht“ auf der Grundlage des UN-Teilungsplans von 1947. Nach der Besetzung der palästinensischen Gebiete im Westjordanland und im Gazastreifen setzte sich Moshe Dajan dafür ein, dass das Hilfswerk  UNRWA seine Mission fortsetzen konnte, sich um all jene zu kümmern, die durch den Krieg von 1948 zu Flüchtlingen geworden sind. Israel entsandte seine besten Staatsmänner als Botschafter zu den Vereinten Nationen, darunter Aba Eban, Yitzhak Rabin, auch Benjamin Netanjahu.




Israels UN-Botschafter Gilad Erdan schreddert die UN-Charta. Am 20. August erklärte Erdan, das UN-Gebäude in New York solle geschlossen und von der Erdoberfläche getilgt werden. Quelle: 2024, YouTube.



Nach dem 7. Oktober Überfall und dem Beginn der völkermörderischen Kampagne in Gaza haben sich die Beziehungen Israels zu den Vereinten Nationen rapide verschlechtert. Nachdem UN-Generalsekretär António Guterres erklärte hatte, der Überall der Hamas  am 7. Oktober  sei nicht im luftleeren Raum entstanden,  forderte Israel seine Abberufung. Israel verweigert der UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese (siehe BIP-Aktuell #298),  wie schon ihren Vorgängern den Zugang zu dem Gebiet, das es illegal besetzt hält. Israel verhindert auch, dass ein UN-Untersuchungsausschuss Beweise zu den Anschlägen vom 7. Oktober sammeln kann. Es lässt keine Überprüfung der israelischen Behauptungen über den palästinensischen Angriff zu. Israel hat eine massive Diffamierungskampagne gegen das UNRWA, den größten und wichtigsten Anbieter humanitärer Hilfe für die Palästinenser, gestartet, um die Palästinenser in Gaza auszuhungern (siehe BIP-Aktuell #291).

Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen Gilad Erdan, der früher als Minister für strategische Angelegenheiten (Propagandaministerium Hasbara)  tätig war (siehe BIP-Aktuell #114), zerriss auf dem Podium der Generalversammlung ein Exemplar der UN-Charta und sagte, dass die Vereinten Nationen „geschlossen und vom Antlitz der Erde getilgt werden sollten“. Premierminister Netanjahu sprach vor der UN-Vollversammlung in New York und nannte die UN „verachtenswert“, „ein Haus der Finsternis“ und einen „Sumpf aus antisemitischer Galle“. Israels Außenminister Israel Katz beschuldigte UN-Generalsekretär António Guterres fälschlicherweise, den Angriff des Irans auf Israel am 1. Oktober nicht verurteilt zu haben und erklärte ihn zur „Persona non grata“, was dazu führte, dass ihm die Einreise nach Israel untersagt wurde. Das letzte Land, das den Generalsekretär der Vereinten Nationen zur unerwünschten Person erklärte, war die Sowjetunion im Jahr 1961. Israelische Medien bezeichneten die Erklärung zur „Persona non grata“ als „kindisch“ (Quelle auf Hebräisch).

Während seines Völkermords im Gazastreifen hat Israel UN-Schulen, Lagerhäuser mit Lebensmitteln und Medikamenten sowie Flüchtlingslager bombardiert und 228 UN-Mitarbeiter getötet – die höchste Zahl von UN-Mitarbeitern, die in einem einzigen Konflikt seit der Gründung der Vereinten Nationen getötet wurden. Gleichzeitig bringen Knessetabgeordnete einen Gesetzentwurf ein, der UNRWA als „terroristische Organisation“ einstuft und die Beschlagnahme des UNRWA-Hauptquartiers in Ostjerusalem vorsieht. Im Südlibanon meldete die UNO, dass Israel UNIFIL-Stützpunkte angegriffen und 15 Blauhelme verletzt hat. Die israelische Armee ging aktiv gegen die Kameras der UNIFIL vor, um die Dokumentation ihrer Kriegsverbrechen im Libanon zu verhindern. UNIFIL-Soldaten meldeten Symptomen bei Verletzungen, die darauf hinweisen, dass Israel möglicherweise eine chemische Waffe eingesetzt hat.

Die USA haben seit den 1970er Jahren mehr als 50 Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen Israel kritisiert wird, mit ihrem Veto blockiert. Dennoch haben die UN-Gremien im letzten Jahr nach Kräften gegen Israels Gräueltaten protestiert. Die UN-Generalversammlung rief am 27. Oktober 2023 mit einer Zweidrittelmehrheit zu einem Waffenstillstand auf. Sogar der Sicherheitsrat forderte am 25. März einen Waffenstillstand – die USA legten kein Veto gegen die Resolution ein, die jedoch von Israel ignoriert wurde. Der UN-Menschenrechtsrat forderte am 5. April ein Waffenembargo gegen Israel. Am 18. September nahm die UN-Generalversammlung mit Zweidrittelmehrheit eine Resolution an, in der sie das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 19. Juli annahm, in dem die israelische Besatzung für illegal und zu einem Akt der Apartheid erklärt und Israel 12 Monate Zeit gegeben wird, die besetzten Gebiete zu verlassen. Ebenso werden Sanktionen, einschließlich eines Waffenembargos, gefordert.

Israel spottet zwar über die UN-Resolutionen, was aber eine Gruppe europäischer und arabischer Staaten nicht davon abhielt, eine Notfalldelegation nach Israel zu entsenden, um vor Schritten zu warnen, die zum Zusammenbruch der UNRWA führen (Quelle auf Hebräisch). Nachdem Israel das UNRWA-Gelände in Ostjerusalem beschlagnahmt hatte, warnte der UNRWA-Direktor Philippe Lazzarini, dass es möglicherweise zu spät sei, um UNRWA zu retten, da diesem der Zusammenbruch drohe.




Die blaue Linie, die nach der israelischen Invasion im Libanon 1978 als Waffenstillstandslinie festgelegt wurde und von UNIFIL-Soldaten bewacht wird. Quelle: 2006, Thomas Blomberg, Wikipedia.



Mehdi Hasan schrieb im Guardian, dass Israel zu einem Schurkenstaat geworden sei. Daher müsse die UNO Schritte unternehmen, um Israel ganz aus der UNO auszuschließen oder es zumindest von der Generalversammlung zu suspendieren, wie es die UNO schon früher bei Staaten getan hat, die nicht mehr mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiteten, wie z.B. das Apartheid-Südafrika zwischen 1974-1994. Prof. Dr. Maryam Jamshidi von der University of Colorado hat im Verfassungblog  detaillierte juristische Argumente für die Suspendierung Israels von der UN-Generalversammlung dargelegt.

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Anmerkung der Redaktion: Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter werden wir in Zukunft an dieser Stelle die Rubrik „Erfreulich“ platzieren – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 321 „Erfreulich“:
Die Medien wachen auf:

Die Frage, ob man Israel Waffen für seine Angriffe liefern darf, spaltet die Gesellschaften des Westens. Die Bundesregierung reagierte jetzt auf Frankreichs Forderung nach einem Embargo.

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.

Haaretz Editorial vom 13. Oktober 2024:
„Bauernhöfe in Außenposten sind die Vorhut des diebischen und gewalttätigen Siedlungsunternehmens in den besetzten Gebieten. Laut einem Untersuchungsbericht von Haaretz, der am 11. Oktober veröffentlicht wurde, handelt es sich um ein Projekt, das durch staatliche Budgets, öffentliche Unterstützung und Legitimierung bis ins kleinste Detail versorgt wird. 
In den letzten Jahren sind diese Bauernhöfe in Außenposten der Siedler wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden geschossen und zählen nun 90. Die Logik dahinter ist einfach: Es handelt sich um eine Methode, um Palästinenser zu vertreiben, indem eine minimale Anzahl von Bewohnern auf einer maximal möglichen Fläche verteilt wird. Das wichtigste Werkzeug, um dies zu erreichen, sind Schafherden und Teenager. Mit den Worten des Siedlerführers Ze’ev „Zambish“ Hever: ´Das Gebiet, das diese Farmen einnehmen, umfasst 2,5-mal mehr Land als das Land, das von Hunderten von Siedlungen eingenommen wird.` 
Hinter dem beschönigenden Begriff ´Siedlerfarmen` verbirgt sich eine dunkle Realität: Palästinenser und viele linksgerichtete jüdische Aktivisten haben von gewalttätigen Angriffen und Drohungen berichtet, die palästinensische Gemeinden aus Angst um ihr Leben zur Flucht getrieben haben. Obwohl diese Außenposten ein gewalttätiges Instrument zur Schikanierung und Vertreibung sind, finanziert der Staat sie großzügig und unterstützt damit praktisch die Anwesenheit dieser Jugendlichen an gefährlichen Orten. 
Viele von ihnen sind sozial gefährdete Jugendliche und dienen als Vorhut bei der Gewalt gegen Palästinenser. Der Staat geht damit nicht nur gegen die  Palästinenser vor, sondern lenkt diese Jugendlichen auch auf einen Pfad der politischen Gewalt und Gesetzesübertretung.
Die Ministerien für Siedlungspolitik, Bildung, Landwirtschaft, Verteidigung und Angelegenheiten von Negev und Galiläa tragen alle direkt oder indirekt zu diesem florierenden Unternehmen bei. Einige von ihnen bieten Sicherheitsdienste an, ohne die diese Farmen nicht existieren könnten, während andere ihre Unterstützung durch gemeinnützige Organisationen wie Hashomer Yosh oder Artzenu leisten, deren Freiwillige der Treibstoff sind, mit dem diese Farmen betrieben werden. Der Jüdische Nationalfonds finanziert auch Programme für die Jugendlichen auf diesen Farmen, die in der Tat Soldaten in einem Krieg sind, der darauf abzielt, das Land von seiner arabischen Bevölkerung zu säubern.
Diese Farmen präsentieren sich gerne als Rehabilitationszentren für diese Jugendlichen. Man sollte sich von solchen Aussagen nicht täuschen lassen. Es handelt sich um illegale Einrichtungen (Finanzminister Bezalel Smotrich bemüht sich nach Kräften, dies zu ändern), deren Ziele kriminell sind, und sie gefährden die Jugendlichen, die allein an diese gefährlichen Orte geschickt werden, um die Herden zu hüten. 
Das Ministerium für Wohlfahrt und Soziales und die Regionalräte behaupten, dass diesen Jugendlichen geholfen werden sollte, wenn sie ihren Weg auf diese Farmen finden. In der Praxis legitimieren diese Behörden jedoch ihren Aufenthalt dort, unterstützt durch ein Regierungsprogramm, das von Sozialarbeitern in den Gebieten umgesetzt wird.
Die Eigentümer dieser Farmen stehen auf der Liste der Personen, gegen die die USA Sanktionen verhängt haben. Aber in Israel beeindruckt das niemanden. Als diese Sanktionen verhängt wurden, beeilten sich Regierungsbeamte, Solidaritätsbesuche auf diesen Farmen zu unterstützen, und der Sozialminister selbst traf kürzlich mit Hashomer Yosh, einer Organisation, die aufgrund ihrer Aktivitäten auf diesen Farmen ebenfalls auf der Boykottliste steht. Dies ist nicht nur eine Farce der Gerechtigkeit gegenüber den Palästinensern. Die aktive Unterstützung dieses Projekts durch Regierungsministerien gefährdet den Staat, der in Den Haag bereits mit ernsthaften Problemen konfrontiert ist, sowie die Minderjährigen, die auf diesen Farmen leben. 
Alle Institutionen, die dieses System am Laufen halten, müssen dies sofort unterlassen, um die Zukunft aller Bewohner dieses Landes zu sichern.
Der obige Artikel ist der Leitartikel von Haaretz, der in den hebräischen und englischen Ausgaben veröffentlicht wurde.“ https://www.haaretz.com/opinion/editorial/2024-10-13/ty-article-opinion/.premium/outposts-of-deception-how-farms-became-the-vangaurd-of-the-settler-movement/00000192-825d-dd80-af9a-dfff1abd0000?utm_source=mailchimp&utm_medium=Content&utm_campaign=daily-brief&utm_content=c30f6d4b7e


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BIP-Aktuell #321: Krieg im Libanon

Israel eskaliert und marschiert im Libanon ein

BIP-Aktuell #321:

  1. Krieg im Libanon
  2. Erfreulich
  3. „Unbestreitbar“ – Untersuchung bestätigt Anwesenheit der israelischen Armee, als Hind Rajab in Gaza getötet wurde
     

Israels Zusammenstöße mit der Hisbollah sind schnell eskaliert, mit einer Reihe von israelischen Kriegsverbrechen, Attentaten und einer sich ausweitenden Invasion. Die USA und Deutschland schweigen angesichts der israelischen Aggression. Auch diese Invasion dient der politischen Agenda von Netanjahu und seiner Regierung. Die israelische Öffentlichkeit ist davon überzeugt, dass der Sieg gegen die Hisbollah vollständig gelungen ist, jedoch wird der Abhängigkeit Israels von der Unterstützung der USA, die bis zu den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA zeitlich begrenzt ist, kaum Beachtung geschenkt.

An der Grenze zwischen Israel und dem Libanon kommt es seit dem 7. Oktober zu Zusammenstößen, Raketenbeschuss und Todesfällen. Israel ist in der Vergangenheit mehrfach in den Libanon einmarschiert, und die Hisbollah, eine gut bewaffnete und gut ausgebildete schiitische Miliz mit engen Verbindungen zum Iran, ist zu einer mächtigen Kraft geworden, die bislang weitere Invasionen verhindert hat (siehe BIP-Aktuell #183). Israel hält die Shebaa-Bauernhöfe, ein zwischen Libanon und Syrien umstrittenes Gebiet, weiterhin illegal besetzt, was Israel ausnutzt, um seine Besetzung fortzusetzen. Aber nicht diese Besetzung hat die Hisbollah nach dem 7. Oktober dazu veranlasst, Raketen auf Israel abzufeuern, sondern die von Israel in Gaza begangenen Gräueltaten (siehe BIP-Aktuell #298). Die Hisbollah erklärte, dass sie einem Waffenstillstand mit Israel zustimmen wird, sobald ein Waffenstillstand mit der Hamas vereinbart wird.



Infografik von Al-Jazeera, die das Ausmaß der israelischen Angriffe gegen den Libanon und der Angriffe der Hisbollah gegen Israel zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 31. Juli 2024 zeigt. Quelle: Al-Jazeera, 2024.



Kurz nach dem 7. Oktober, als die Israelis noch unter Schock standen, sprachen sich mehrere israelische Generäle dafür aus, dass Israel die Gelegenheit der westlichen Unterstützung, die es genießt, für einen Präventivschlag gegen den Libanon nutzen und versuchen sollte, die Hisbollah zu vernichten. Dies wurde vom Kabinett abgelehnt. In den Feuergefechten von geringer Intensität zwischen Israel und der Hisbollah jenseits der Grenze nach dem 7. Oktober hat sich die Hisbollah auf Raketen und Drohnen verlassen – konventionelle Waffen -, während Israel zwar auch konventionelle Waffen, aber auch weißen Phosphor eingesetzt und absichtlich Wälder in Brand gesetzt hat.

Im Februar lehnte Israel den von den USA vorgeschlagenen Waffenstillstand ab, den die Hamas akzeptierte, aber nur Monate später wurden die Proteste innerhalb Israels stärker. Netanjahu und seine Anhänger behaupteten, dass Wahlen und Rechenschaftspflicht nicht möglich seien, solange der Krieg wütet, doch die Opposition argumentierte, dass der Krieg weitergeht, weil Netanjahu sich weigert, einen Waffenstillstand zu unterzeichnen. Im August und September wurde Israels Ansehen sowohl weltweit als auch im Inneren geschwächt.

Der israelische Angriff auf den Libanon begann am 18. September, am selben Tag, an dem die Generalversammlung der Vereinten Nationen über eine Resolution abstimmte, in der das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) vom 19. Juli angenommen wurde. Darin wird die Besatzung als illegal verurteilt und Israel als Apartheidstaat bezeichnet. Zugleich wurden Sanktionen und ein militärisches Embargo gegen Israel gefordert. Die israelische Regierung wusste, dass die Abstimmung wahrscheinlich mit großer Mehrheit angenommen werden würde, was auch der Fall war, aber die israelischen Zeitungen kommentierten kaum über die Abstimmung der UN-Generalversammlung. Über den Pager-Angriff auf Mitglieder der Hisbollah und Zivilpersonen im Libanon berichteten sie jedoch ausführlich. Am 18. September explodierten etwa 4.000 Pager mit versteckten Sprengsätzen, die der israelische Geheimdienst zuvor angebracht hatte. Die explodierenden Pager töteten 37 Menschen, darunter Zivilisten, und verletzten Tausende. Der Einsatz von versteckten Sprengsätzen in einem wahllosen Angriff stellt einen Verstoß gegen Artikel 7 des Protokolls über das Verbot und die Kontrolle des Einsatzes von Minen dar und ist ein schweres Kriegsverbrechen. Einige Staats- und Regierungschefs haben dies auch als terroristischen Akt bezeichnet.

Die Kritik an der Verletzung des Völkerrechts und die Zunahme der Länder, die ein militärisches Embargo gegen Israel verhängen werden, wurden in Israel ignoriert. Die Medien berichteten über den Pager-Angriff als uneingeschränkten Erfolg (Quelle auf Hebräisch).

Am 27. September warf die israelische Luftwaffe 80 Tonnen Bomben auf den Bunker ab, in dem sich der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, aufhielt, und tötete ihn und alle Anwesenden. Am 30. September startete Israel eine Bodeninvasion im Libanon, einem UN-Mitgliedsstaat. Am 1. Oktober schoss der Iran in Abstimmung mit der Hisbollah Raketen auf Israel, die ihrerseits Raketen auf Israel abfeuerte; das zeigt, dass die Ermordung Nasrallahs ihre Kampfkraft nicht beeinträchtigt hat. Am 8. Oktober behauptete Israel, dass Nasrallahs Stellvertreter Haschem Safi al-Din ebenfalls ermordet wurde.

Die israelische Invasion im Libanon dauert an. Es handelt sich um eine Kombination aus Bodentruppen, einschließlich Panzern und Artillerie, die in den Libanon eindringen, und Luftangriffen. Dutzende Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt und Zehntausende aus ihren Häusern vertrieben. Am 9. Oktober eröffnete Israel erstmals und in den folgenden Tagen nochmals das Feuer auf UNIFIL-Kräfte (United Nations Interim Force in Lebanon, deutsch: Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon) und verletzte zwei UNIFIL-Soldaten im Rahmen einer Operation, die darauf abzielte, die Kameras und die Dokumentationsausrüstung der UNIFIL im Libanon zu zerstören, damit die vom israelischen Militär begangenen Gräueltaten nicht aufgezeichnet werden.

Die israelischen Medien sprechen mit einer Stimme: Der Krieg im Libanon ist ein “uneingeschränkter Erfolg” (Quelle auf Hebräisch). Die Hisbollah bat am 8. Oktober um einen Waffenstillstand und gab die Forderung nach einem Waffenstillstand in Gaza als Bedingung auf. Netanjahu hat die Bombenanschläge, die Attentate und die Invasion genutzt, um sein Image als Held aufzupolieren und an Popularität zu gewinnen. Israelische Journalisten begleiten die Armee in den Libanon und berichten, dass die Soldaten tapfer sind, nie müde werden und alles gut läuft (Quelle auf Hebräisch). Obwohl jeden Tag israelische Soldaten in Hinterhalten der Hisbollah getötet werden, überwiegt in der israelischen Öffentlichkeit der Stolz auf die israelische Soldaten.

In den israelischen Medien wird nur wenig über die Unterstützung der Invasion in den Libanon durch die USA berichtet. Die USA liefern Israel Geheimdienstinformationen, ohne die die Ermordung von Nasrallah nicht möglich gewesen wäre. Die USA fangen die auf Israel abgefeuerten Raketen unter großem Aufwand ab und versorgen Israel mit einem endlosen Vorrat an Waffen und Munition, um die Invasion fortzusetzen. Der deutsche Bundeskanzler Scholz versprach, weiterhin Waffen an Israel zu liefern, obwohl dies wie die Unterstützung der USA  völkerrechtswidrig ist.

Der israelische General Yitzhak Brick vertritt die Ansicht, dass Israels Krieg im Libanon selbstmörderisch ist (Quelle auf Hebräisch). Die Hisbollah ist stärker als die Hamas und könnte Israel enormen Schaden zufügen. Der Iran verfügt über Tausende moderner Raketen. Syrien ist daran interessiert, den syrischen Golan zurückzuerobern, den Israel 1967 besetzt hat. Gegenwärtig führt die Hisbollah nur einen Verteidigungskrieg, der Iran setzt nur einen kleinen Teil seines Raketenarsenals ein, und Syrien unternimmt nichts. Die Hamas hat die Verhandlungen mit Israel abgebrochen, weitet aber die Kämpfe gegen Israel im Gazastreifen nicht aus.




Die Zerstörung im Süden Beiruts nach den israelischen Luftangriffen. Quelle: 2024, UNICEF/Dar al Mussawir und Ramzi Haidar.


Es stellt sich die Frage, was der Grund für das Vergießen von so viel Blut ist? Jede Antwort auf diese Frage könnte als Rechtfertigung für den Krieg angesehen werden, aber es ist dennoch wichtig, zu spekulieren und dadurch die Interessen zu analysieren, wer von diesem Krieg profitieren könnte. Der Elefant im Raum sind die Wahlen in den USA. Die USA sind tief in die israelische Aggression verwickelt und geben Israel materielle und diplomatische Rückendeckung, können dies aber nur bis zur Wahl des amerikanischen Präsidenten tun. Deshalb versucht Israel, die Hisbollah noch vor der Wahl zu zerstören, zumal die Hisbollah, der Iran und die Hamas abwarten können, solange die USA mit ihrer Innenpolitik beschäftigt sind, um nach der Wahl einen Gegenangriff zu starten, wenn Israel möglicherweise keine externe Unterstützung hat.

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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter werden wir in Zukunft an dieser Stelle die Rubrik „Erfreulich“ platzieren – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn: „Aufgeben ist keine Option“!

BA 321 „Erfreulich“:

  • “Das ist kein Land, für das ich mein Leben opfern werde”: Warum 130 israelische Soldaten den Dienst verweigern:
     

https://www.haaretz.com/israel-news/2024-10-09/ty-article-magazine/.premium/this-isnt-a-country-ill-sacrifice-my-life-for-the-israeli-soldiers-refusing-to-serve/00000192-7157-d478-adf7-755f7bb00000?utm_source=mailchimp&utm_medium=Content&utm_campaign=israel-at-war&utm_content=4e0f5813b1
Mattan Refuser Network schrieb am 13.10. info@refuser.org:
„Wir, Reservisten und reguläre Soldaten und Soldatinnen, Offiziere und Soldaten, erklären hiermit, dass wir unter diesen Umständen nicht weitermachen können. Der Krieg in Gaza verurteilt unsere entführten Brüder und Schwestern zum Tode. An jenem verfluchten Tag, dem 7. Oktober, erwachten wir zu einem schrecklichen und willkürlichen Massaker, bei dem mehr als tausend Menschen getötet und Hunderte entführt wurden. Wir meldeten uns sofort zum Kampf für die Verteidigung unseres Landes und zur Rettung der in Gaza festgehaltenen Geiseln.
Es ist nun klar, dass die Fortsetzung des Krieges in Gaza nicht nur die Rückkehr der Geiseln verzögert, sondern auch ihr Leben gefährdet: Viele Geiseln wurden durch Bombenangriffe der israelischen Armee getötet, viel mehr als diejenigen, die bei Militäroperationen gerettet wurden.
Wir, die wir mit Hingabe gedient haben und weiterhin dienen und dabei unser Leben riskieren, kündigen hiermit an, dass wir nicht mehr in der Lage sein werden, unseren Dienst fortzusetzen, wenn die Regierung nicht sofort ihren Kurs ändert und auf eine Einigung hinarbeitet, um die Geiseln nach Hause zu bringen. 
Für einige von uns wurde die rote Linie bereits überschritten, und für andere rückt sie immer näher: der Tag, an dem wir mit gebrochenem Herzen aufhören werden, uns zum Dienst zu melden.
Wir fordern die Regierung auf: Unterzeichnen Sie jetzt ein Abkommen, um die lebenden Geiseln zu retten!“

  • In einem ungewöhnlich langen Artikel in der FAS vom 13.10. berichtet der Autor Michael Martens von einem Gespräch mit dem Rabbi Itamar Cohen, in dem dieser am Ende begründet, warum er Israel verlassen hat und in Berlin lebt: „Sie bauen ein Haus auf palästinensischem Boden und schicken das israelische Militär, um das Haus zu schützen. Dann werden mehr Häuser gebaut, eine Siedlung entsteht, Straßen werden besetzt und Felder zerstört. Die Regierung ist formal dagegen, aber selbstverständlich werden solche Häuser alle an Strom und Wasser angeschlossen und von der Armee beschützt.“ Es sei falsch, aus der Thora das Recht abzuleiten, Land zu besetzen, doch einige Rabbis predigten genau das: „Alles wird dann einfach und klar. Wir sind die Guten, die anderen die Bösen.“ Es sei aber gefährlich, aus der Tatsache, dass man Land kontrolliere, auf die eigene moralische Überlegenheit oder göttliche Auserwähltheit zu schließen. Auch solche Überlegungen hätten dazu beigetragen, dass er Kantor geworden sei. https://www.faz.net/aktuell/politik/krieg-in-nahost/deutsche-geschichte-und-israel-die-richtigen-lehren-110025975.html?premium=0x7cdbcb8b6701cdf83dafc014bdb6c180eb1bd66798099f00d755186b862b502e

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.

„Unbestreitbar“ – Untersuchung bestätigt Anwesenheit der israelischen Armee, als Hind Rajab in Gaza getötet wurde

„Der Vorfall ereignete sich am 29. Januar, als Hind und ihre Verwandten versuchten, aus dem Stadtteil Tel al Hawa zu fliehen, der an diesem Tag von Israel angegriffen wurde, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Die Familie wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei Hind und sechs weitere Personen, nämlich der Onkel ihrer Mutter, Bashar Hamada, seine Frau Ana’am und ihre vier Kinder Layan, Raghad, Sarah und Mohammad, in ein kleines schwarzes Auto stiegen, während der Rest zu Fuß weiterging.
Nur wenige Minuten nach der Abfahrt wurde das Auto in der Nähe einer Tankstelle, nur 350 Meter vom Ausgangspunkt entfernt, von Schüssen getroffen.
Hinds Mutter, Wissam Hamada, die zu Fuß unterwegs war, wurde Zeugin des Angriffs, konnte aber zunächst nicht begreifen, dass das Auto ihrer Tochter ins Visier genommen wurde.

Verzweifelte Schreie
Nach stundenlangen Versuchen, mit den Insassen des Fahrzeugs Kontakt aufzunehmen, konnte die 15-jährige Layan, eine der Passagiere, einen Anruf entgegennehmen. Sie berichtete, dass alle Insassen „schliefen“ und dass sie und Hind verwundet worden seien.
Layan reichte das Telefon schließlich an Hind weiter, deren verzweifelte Hilferufe durch erneute Schüsse unterbrochen wurden.
Die Palästinensische Rote-Halbmond-Gesellschaft (PRCS) versuchte, einen Krankenwagen zu entsenden, benötigte jedoch die Genehmigung des israelischen Militärs, um in das Gebiet zu gelangen, das zu einer militärischen Sperrzone erklärt worden war.
Obwohl nach mehreren Stunden grünes Licht gegeben wurde, endete die Rettungsaktion in einer Tragödie. Ein vom Al-Ahli-Krankenhaus entsandter Krankenwagen wurde beschossen, als er sich dem Einsatzort näherte, wobei beide Sanitäter im Fahrzeug. Getötet wurden.

Militärfahrzeuge in der Nähe
Die Ermittler von Sky News erhielten Satellitenbilder und untersuchten Pressematerial der israelischen Armee und kamen zu dem Schluss, dass sich zum Zeitpunkt des Vorfalls mehrere Militärfahrzeuge in unmittelbarer Nähe befanden, was den Behauptungen des israelischen Militärs widerspricht, dass keine Streitkräfte anwesend waren.
Der Sender untersuchte Satellitenbilder, die am 29. Januar, dem Tag des Angriffs, aufgenommen wurden.
´Sie zeigen mindestens 15 Militärfahrzeuge im Stadtteil Tel al Hawa – wo das Auto der Familie gefunden wurde. Das nächstgelegene Militärfahrzeug ist nur 300 m entfernt. Ein Satellitenbild wurde um 16:31 Uhr Ortszeit aufgenommen – etwas mehr als eine Stunde, bevor das PRCS angab, die Genehmigung für die Entsendung eines Krankenwagens erhalten zu haben`, heißt es in dem Bericht.
´Satellitenbilder, die in den Tagen nach dem Angriff aufgenommen wurden, zeigen, wie stark die Militärpräsenz blieb, wobei am 7. Februar mindestens 13 Militärfahrzeuge zu sehen waren. Einen Tag später, am 8. Februar, wurden mindestens neun Militärfahrzeuge in der Gegend in der Nähe der Islamischen Universität in Gaza-Stadt gesichtet`, heißt es in dem Bericht weiter.

Großkalibrige Waffe
Die israelische Armee stritt zunächst jegliche Beteiligung ab, bevor sie eine Pressemitteilung zurückzog, in der sie ihre Anwesenheit im Stadtteil Tel al Hawa zum Zeitpunkt des Angriffs bestätigte.
Der Schaden am Krankenwagen, der verkohlt und verlassen aufgefunden wurde, deutete darauf hin, dass er von einer großkalibrigen Waffe getroffen wurde, während das Auto der Familie Dutzende von Einschusslöchern auf der rechten Seite aufwies.
Sky News analysierte Aufnahmen sowohl des Autos als auch des Krankenwagens, um den Schaden an den Fahrzeugen zu ermitteln. Es zitierte Amael Kotlarski, einen Waffen-Teamleiter bei JANES, das Sicherheits- und Verteidigungsanalysen erstellt, mit den Worten, dass der Schaden zeige, dass ´der Krankenwagen mit einer ‚Großkaliberwaffe‘ getroffen wurde, wobei das Austrittsloch des Projektils auf der Rückseite des Fahrzeugs sichtbar ist`.
Das PRCS hat erklärt, dass seine Krankenwagen nicht ohne vorherige Koordination in Militärzonen einfahren, da wiederholt Sanitäter von israelischen Streitkräften angegriffen wurden. Das israelische Militär behauptet jedoch, dass für den Krankenwagen keine besondere Koordination erforderlich war, da sich zu diesem Zeitpunkt keine Streitkräfte in der Gegend befanden.

I Need Justice
Sky News gab an, ´das am 10. Februar veröffentlichte IDF-Filmmaterial geolokalisiert zu haben, das drei Streitkräfte zeigte – die 401. Brigade, Shayetet 13 und das 52. Bataillon, die weniger als 650 m von dem Auto entfernt operierten, in dem Hind gefunden wurde.
Obwohl nicht klar ist, an welchem Datum das Filmmaterial in der Veröffentlichung gedreht wurde, ist die Anwesenheit der IDF in dem Gebiet unbestreitbar`, so der Sender.
Hinds Mutter, Wissam Hamada, fordert, dass ´diejenigen, die dieses brutale Verbrechen begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden`.
Am 30. April besetzten protestierende Studenten der Columbia University die Hamilton Hall und benannten sie in Hinds Hall um, indem sie ein großes Banner aus den Fenstern über dem Eingang des Gebäudes hängten.“ https://www.palestinechronicle.com/undeniable-probe-confirms-israeli-army-presence-when-hind-rajab-was-killed-in-gaza/


Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #320: Ein Jahr des Grauens

Zusammenfassung der Ereignisse des Jahres seit dem 7. Oktober 2023

BIP-Aktuell #320:

  1. Ein Jahr des Grauens
  2. Erfreulich
  3. Berichte von B’tselem und DCI

Die Ereignisse des Jahres, die am 7. Oktober mit einem Überraschungsangriff auf Israel begannen und sich zu einem andauernden Völkermord in Gaza und einem regionalen Krieg ausweiteten, sind aufgrund der einseitigen Unterstützung des Westens für Israel eskaliert. Kein noch so großes Maß an Leid, Zerstörung und Töten in Gaza reicht aus, um die zerfallende israelische Gesellschaft und Wirtschaft zu stabilisieren. Der Krieg in Gaza ist zu einem regionalen Krieg geworden, und die ganze Welt ist daran beteiligt. Mit seinen Waffenlieferungen an Israel hat Deutschland dazu beigetragen, dass das Völkerrecht mit Füßen getreten wird: Die deutschen Medien haben nicht genug über die Fakten und Hintergründe berichtet, die deutsche Regierung hat gegen das Völkerrecht verstoßen und die Öffentlichkeit falsch informiert.

Am 7. Oktober 2023 wurden bei einem Überraschungsangriff der Hamas auf Israel Hunderte von Zivilisten und Soldaten getötet und Hunderte als Geiseln genommen. 845 Zivilisten und über 350 Soldaten wurden getötet, die meisten durch die Hamas und einige durch Beschuss durch eigene Truppen. 239 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt.


Die 155-mm-Haubitze L52 wurde von Rheinmetall und Elbit Systems gemeinsam entwickelt und ist die tödlichste und zerstörerischste Waffe, die von der israelischen Armee nach dem 7. Oktober gegen Zivilisten eingesetzt wurde. Quelle: 2023, Twitter.



Der Angriff erschütterte das Vertrauen der israelischen Bevölkerung in die militärische Überlegenheit ihres Landes. Die rechtsextreme Regierung Israels (siehe BIP-Aktuell #237) reagierte unverhältnismäßig. Aufrufe zur Ausrottung der gesamten Bevölkerung des Gazastreifens von Israels höchster Führungsebene (siehe BIP-Aktuell #277) waren keine leeren Worte. Innerhalb weniger Stunden mobilisierte Israel seine Armee für einen beispiellosen militärischen Angriff auf den Gazastreifen, der sich nicht nur gegen die Hamas, sondern vor allem gegen die Zivilbevölkerung richtete – schwere Bombardierungen aus der Luft und mit schwerer Artillerie, direkter Beschuss mit Panzern und Handfeuerwaffen sowie der Einsatz des Hungers als Waffe, der unermessliches Leid, Unterernährung und Krankheiten mit nachhaltiger Wirkung verursachte (siehe BIP-Aktuell #311).

Die Kombination aus der Absicht, die Bevölkerung auszurotten (siehe BIP-Aktuell #298), der offenen Entmenschlichung einer ganzen Gruppe von Menschen, indem sie die Palästinenser als Tiere bezeichnen oder leugnen, dass es in Gaza Zivilisten gibt und der systematischen Tötung von Zivilisten, ohne ihnen auch nur die Möglichkeit zu geben, zu fliehen oder sich zu ergeben, ist ein Akt des Völkermords (siehe BIP-Aktuell #285). Südafrika hat deshalb beim IGH einen Dringlichkeitsantrag gegen Israel wegen des Verbrechens des Völkermords eingereicht. Am 26. Januar entschied der IGH, dass Israels Vorgehen als “plausiblen” Völkermord zu bezeichnen ist, und wies Israel an, das Töten von Zivilisten einzustellen. Israel ignorierte das Urteil. Letzte Woche veröffentlichte Al-Jazeera einen Film, in dem die Beweise dafür untersucht wurden, dass israelische Soldaten vorsätzlich rassistisch, nationalistisch und religiös motivierte Gräueltaten begangen haben. Die Soldaten wussten, dass sie für Verbrechen gegen Palästinenser nicht bestraft werden (siehe BIP-Aktuell #303).

Am 20. Mai beantragte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ISGH) Karim Khan Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu, Yoav Gallant, Yahiyah Sinwar, Ismail Haniyeh und Mohammed Diab Ibrahim Al-Masri wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen. Die Hamas begrüßte die Ankündigung und erklärte, sie sei bereit, sich einem Prozess zu stellen, doch der israelische Geheimdienst ermordete Ismail Haniyeh in Teheran am 31. Juli, bevor er verhaftet werden konnte. Netanjahu hingegen bezeichnete den IStGH als antisemitisch. Der Gerichtshof hat die Haftbefehle noch nicht öffentlich ausgestellt, entweder aufgrund des Drucks der USA oder weil geheime Haftbefehle möglicherweise besser geeignet sind, Kriegsverbrecher zu fassen, wenn sie in Staaten reisen, die das Römische Übereinkommen des IStGH unterzeichnet haben. Deutschland hat das Übereinkommen unterzeichnet und erklärt, dass es die Haftbefehle des IStGH anerkennt, auch gegen Israelis.

Teil der israelischen Strategie war es, das UNRWA, den größten und wichtigsten Lieferanten humanitärer Hilfe für die Bevölkerung des Gazastreifens, anzugreifen, um die Palästinenser ohne Lebensmittel, Wasser und Medikamente zurückzulassen. Israel nutzte Desinformationen, um das UNRWA ohne Beweise des Terrorismus zu beschuldigen und überzeugte westliche Staaten, darunter auch Deutschland, die Finanzierung des UNRWA auszusetzen (siehe BIP-Aktuell #291), während israelische Soldaten 222 UNRWA-Mitarbeiter in Gaza töteten.

Am 29. Juli griff ein israelischer Mob das Gefangenenlager Sde Teiman an, um eine Untersuchung gegen Soldaten zu verhindern, die im Verdacht stehen, palästinensische Gefangene, die unter unmenschlichen Bedingungen gehalten wurden, zu vergewaltigen, zu foltern und zu verstümmeln. Der Vorfall machte das Ausmaß von Aufwiegelung zu rassistischer Gewalt in der Politik und Teilen der israelischen Gesellschaft und die Straffreiheit der israelischen Soldaten deutlich (siehe BIP-Aktuell #315).

Das israelische Militär verfügte nicht über genügend Waffen und Munition, um die unerbittliche Bombardierung des Gazastreifens länger als ein paar Tage fortzusetzen, aber seine Verbündeten im Westen versorgten es mit einem fast unbegrenzten Vorrat an Waffen und Munition. Die USA sind Israels größter Waffenlieferant, gefolgt von Deutschland und Italien. Im April reichte Nicaragua daher eine Klage gegen Deutschland wegen Mittäterschaft an Israels Völkermord ein, ein Verfahren, das noch nicht abgeschlossen ist, obwohl einige deutsche Zeitungen fälschlicherweise so berichteten, als habe Deutschland den Fall “gewonnen”: Deutschland behauptet, die Ausfuhrgenehmigungen für Kriegswaffen nach Israel eingeschränkt zu haben (siehe BIP-Aktuell #300), und seit kurzem ist Serbien der zweitgrößte Waffenlieferant Israels, basierend auf einer Vereinbarung zwischen Serbien und Israel, nach der beide Staaten den vom anderen begangenen Völkermord nicht als solchen anerkennen.

Die Waffenlieferungen an Israel und die völkerrechtswidrige diplomatische Unterstützung durch die USA ermutigten Israel zur Eskalation der Kämpfe. Die Gefahr eines regionalen Krieges (siehe BIP-Aktuell #280) wurde leider zur Realität, als Israel in den Libanon einmarschierte, einen illegalen Angriff mit in Pagern versteckten Sprengsätzen startete und Hassan Nasrallah, den Generalsekretär der Hisbollah, ermordete.

Ein Jahr nach dem Angriff vom 7. Oktober liegt der Gaza-Streifen in Trümmern. Über 60 % der Gebäude sind zerstört, alle Universitäten wurden vernichtet, und alle Krankenhäuser wurden angegriffen (siehe BIP-Aktuell #281). Das Gesundheitssystem in Gaza ist nicht mehr in der Lage, genaue Schätzungen über die Zahl der Opfer abzugeben, die offiziell mit über 42.000 Toten angegeben wird, auch wenn die tatsächliche Zahl vermutlich viel höher ist. Darüber hinaus verübt Israel auch im Westjordanland Massaker, bei denen im letzten Jahr fast 700 Menschen getötet wurden. Dabei wurden immense Schäden an der Infrastruktur und der Wirtschaft angerichtet (siehe BIP-Aktuell #290).

Die israelische Regierung, hat keine politische Strategie, sondern verfolgt ausschließlich militärische Ziele: töten und zerstören. Die Folge ist, dass sich Israel in einer tiefen Krise befindet. Das politische System wurde von der extremen Rechten gekapert (siehe z.B. BIP-Aktuell #255), die Familien der Geiseln sind der Überzeugung, dass die Regierung keine Anstrengungen unternimmt, die Geiseln zu befreien, die Kluft zu den Ultra-Orthodoxen ist tiefer denn je (siehe BIP-Aktuell #316), die israelische Wirtschaft befindet sich in einem Zustand des beispiellosen Niedergangs (siehe BIP-Aktuell #313), und viele Israelis verlassen das Land. Das israelische Militär hat Opfer zu beklagen, gibt aber nicht die volle Zahl der getöteten und verletzten Soldaten und Zivilisten an. Es macht auch keine Angaben über das Ausmaß der Schäden, die durch den Raketenbeschuss aus dem Libanon, Iran, Irak und Jemen verursacht wurden, ebenso wenig wie über die Kosten für das Abfangen von Raketen und Drohnen.

Gaza ist zu einem globalen Thema geworden. Die Europäische Union ist in der Frage gespalten, ob sie sich an das Völkerrecht halten und Sanktionen gegen Israel verhängen soll, zumal Israel in weiten Teilen der Welt als Modell für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gilt, ein Staat, der ausschließlich der Maxime „militärische Sicherheit zuerst“ folgt. Der Globale Süden hat sich gegen den westlichen Imperialismus und Kolonialismus, den Israel aus ihrer Sicht verkörpert, zusammengeschlossen, allen voran Südafrika vor dem IGH, aber auch Kolumbien, das seine Beziehungen zu Israel abbrach und ein Energieembargo verhängte, Malaysia, das seine Hoheitsgewässer für israelische Schiffe sperrte, Namibia, das ein Schiff mit Waffen nach Israel blockierte (siehe BIP-Aktuell #318), die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die 57 Staaten vertritt und Israel des Völkermordes beschuldigt. An Universitäten auf der ganzen Welt errichteten Studenten Protestcamps, um ein Ende des Genozids zu fordern (siehe BIP-Aktuell #305). Bei der Abstimmung in der UN-Generalversammlung über die Annahme des Gutachtens des IGH, in dem die israelische Besatzung als illegal und Israel als Apartheidstaat bezeichnet wird und Sanktionen gefordert werden, stimmten 124 Staaten dafür (darunter Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Portugal, Slowenien und Spanien). 42 Staaten enthielten sich der Stimme, darunter Österreich, Dänemark, Deutschland und Italien. 14 Staaten stimmten dagegen, darunter Israel, Ungarn, Tschechien und die USA.

Die USA haben Glaubwürdigkeit und diplomatische Macht verspielt, indem sie Israels Völkermord unterstützten, und Kamala Harris könnte deswegen sogar die Wahlen verlieren. Auch die Wahlergebnisse in Großbritannien und Frankreich wurden durch den Krieg in Gaza beeinflusst. Die Heuchelei der NATO, die sich gegen Invasionen und Besetzungen Russlands ausspricht, aber Israels Invasionen und Besetzungen unterstützt, hat ihre Glaubwürdigkeit untergraben, mit katastrophalen Folgen für die Ukraine.

In Deutschland wurde über die Ereignisse des vergangenen Jahres seit dem 7. Oktober zumeist sehr einseitig berichtet. Die Polizei ging hart gegen die Redefreiheit der Palästinenser vor, und sogar der Slogan “From the river to the sea Palestine will be free” wurde bei vielen Demonstrationen verboten. Deutsche Zeitungen versäumten es, über den Völkermord zu berichten, der teilweise mit deutschen Waffen begangen wurde. Die deutsche Regierung behauptete, dass Israel im Gazastreifen legal operiere. Erst Mitte September, nach 11 Monaten Völkermord, beschwerten sich deutsche Journalisten offen darüber, dass Israel ihnen nicht erlaubt, über die Fakten aus Gaza zu berichten. Trotz dieser Behinderungen der Berichterstattung konnte sich jeder, der es wissen wollte, aus UN-Quellen, aus internationalen Medien und sogar aus deutschsprachigen Quellen informieren. Niemand kann sich damit herausreden, er habe nicht gewusst, was vor sich geht.

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BA 320 „Erfreulich“:

  • Für ihren Einsatz gegen die israelische Siedlungspolitik bekommt die Jugend gegen Siedlungen (Youth against Settlements), und der Gründer Issa Amro, den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award) Gelobt wird vor allem ihre Gewaltfreiheit.

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-10/alternativer-nobelpreis-yas-issa-amro-right-livelihood-award

  • Das Recherchekollektiv “Forensic Architecture” erhält ebenfalls den Alternativen Nobelpreis. Ein Interview mit ihrem Gründer Eyal Weizman: https://www.zeit.de/kultur/2024-10/eyal-weizman-forensic-architecture-recherchekollektiv-alternativer-nobelpreis-kritik
  • Immerhin: Zum ersten Mal wird es im Kongress eine Abstimmung über die Blockierung von Waffenlieferungen an Israel geben. Senator Bernie Sanders hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, um einen kürzlich von der Regierung Biden genehmigten Waffenverkauf an Israel im Wert von 20 Milliarden Dollar zu blockieren. „Traurigerweise wurde ein Großteil des Gemetzels im Gazastreifen mit von den USA bereitgestellter militärischer Ausrüstung angerichtet“, so Sanders in einer Erklärung. „Die Bereitstellung weiterer Angriffswaffen zur Fortsetzung dieses katastrophalen Krieges würde gegen amerikanisches und internationales Recht verstoßen. Die Verkäufe würden Netanjahus extremistische Regierung belohnen, selbst wenn sie weiterhin massive Zerstörungen im Gazastreifen anrichtet, die Aussichten auf ein Waffenstillstandsabkommen untergräbt, das die Freilassung der Geiseln sichern würde, und ihre Bemühungen um eine illegale Annexion des Westjordanlandes vorantreibt. Der Kongress muss handeln, um Leben zu retten, amerikanisches und internationales Recht zu wahren und für die Interessen der USA einzutreten. Wir müssen unsere Komplizenschaft mit Israels illegaler und wahlloser Militärkampagne beenden, die massenhaft Tod und Leid unter der Zivilbevölkerung verursacht hat.“

https://mondoweiss.net/2024/10/for-the-first-time-ever-there-will-be-a-vote-in-congress-on-blocking-weapons-to-israel/?ml_recipient=134172530555487426&ml_link=134172519639811391&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_term=2024-10-03&utm_campaign=Daily+Headlines+RSS+Automation

NTV am 5. Okt.: Macron hat im Radiosender France Inter für einen internationalen Lieferstopp von Waffen an Israel plädiert, die im Gazastreifen zum Einsatz kommen. “Frankreich liefert keine”, sagte Macron. Es sei vorrangig, zu einer “politischen Lösung” zurückzukehren und Waffenlieferungen “für die Kämpfe im Gazastreifen zu beenden”.


BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.

B´Tselem berichtet:

  1. Deir Dobwan, Bezirk Ramallah: Soldat stiehlt palästinensisches Auto, nachdem er und zwei Siedler mit zivilem Pick-up den Weg versperrt haben

    „Am Dienstag, dem 10. September 2024, gegen 11:00 Uhr, fuhr Samir Safi mit seinem Auto im östlichen Teil des Dorfes Deir Dobwan, als ein ziviler Pick-up auf seine Spur fuhr und ihm den Weg versperrte. In dem Pick-up saßen ein Soldat und zwei Siedler. Safi setzte zurück und versuchte zu wenden. In diesem Moment stieg der Soldat aus dem Wagen, rannte zu Safis Auto, öffnete die Tür und befahl ihm auszusteigen. Der Siedler, der den Wagen fuhr, wendete und hielt an. Dann stieg er zusammen mit dem anderen Siedler aus, beide mit Knüppeln bewaffnet. Safi stieg aus seinem Auto aus, und der Soldat befahl ihm zu gehen. Safi entfernte sich, der Soldat stieg ins Auto und fuhr davon. Safi meldete den Diebstahl dem palästinensischen District Coordination Office (DCO).“
  2. Khirbet Wadi al-Faw, Jordantal: Aufgrund von Gewalt durch Siedler verließ eine Familie die Gemeinde und die letzte verbliebene Familie zog in die Nähe
    „In der ersten Septemberwoche 2024 drangen drei bewaffnete Siedler aus Richtung der Siedlung Maskiyyot und des Außenpostens Havat Eretz Shemesh in die Gemeinde Khirbet Wadi al-Faw im nördlichen Jordantal ein. Der Außenposten wurde Ende der 2010er Jahre in der Nähe der Gemeinde errichtet. Die drei Siedler umrundeten die Häuser der letzten beiden in der Gemeinde verbliebenen Familien.
    Am 5. September 2024 betraten etwa acht Siedler die Gemeinde, gingen um die Zelte herum, besprühten die Bewohner mit Pfefferspray, bedrohten sie mit vorgehaltener Waffe und forderten sie auf, die Siedlung zu verlassen.
    Aus Angst um ihr Leben bauten die Brüder Walid Ka’abneh und Mahmoud Ka’abneh und ihre Familien am nächsten Tag (6. September 2024) ihre Zelte ab, luden all ihre Habseligkeiten in ihr Fahrzeug und fuhren in die Gegend von ‘Atuf, um die Zelte aufzubauen. Am selben Abend jedoch trafen Soldaten und Mitglieder des Regionalrats für die Siedlung im Jordantal ein und untersagten ihnen, die Zelte aufzubauen. Die Familien waren gezwungen, zum Gemeinschaftsgelände in Wadi al-Faw zurückzukehren, wo Siedler auf sie warteten. Die Siedler schrien und beschimpften die Familien, während sie ihr Fahrzeug ausluden. Die Siedler gingen dann weg, und die Familien bauten einige der Zelte auf. Am nächsten Tag trafen Soldaten und Mitglieder des Siedlungsregionalrats ein, gingen um die Zelte herum und beschuldigten Mahmoud Ka’abneh, die Siedler am Vortag angegriffen zu haben, gingen aber wieder, ohne etwas zu unternehmen.
    Am 9. September 2024 befanden sich die beiden Familien immer noch auf dem Gemeindegelände, fürchten um ihr Leben und sind jederzeit bereit, die Siedlung zu verlassen.“

DCI-Palestine berichtet:
„Sie steckten mich in eine geschlossene Kiste ohne Fenster“: Palästinensische Kinder werden von israelischen Streitkräften gefoltert und misshandelt
26. September 2024
Ramallah, 26. September 2024 – „Palästinensische Kindergefangene werden von israelischen Streitkräften schwer gefoltert und misshandelt. Diese Kinder erleiden körperliche Misshandlung, psychische Folter und schlechte Bedingungen, was eine schwerwiegende Verletzung ihrer Rechte und ihres Wohlergehens darstellt.
´Ein Soldat schlug mir mit dem Gewehrkolben auf den Kopf, bis ich blutete`, berichtete der 17-jährige Hasan, der im Megiddo-Gefängnis im Norden Israels inhaftiert ist, gegenüber Defense for Children International – Palestine. Das Megiddo-Gefängnis ist eines von mehreren Haftanstalten in Israel, in denen palästinensische Kinder festgehalten werden. Die Überstellung palästinensischer Gefangener, ob Erwachsene oder Kinder, aus den besetzten palästinensischen Gebieten nach Israel stellt nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen dar.
Israelische Militärverhaftungen, die oft zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens stattfinden, sind eine Hauptursache für Traumata bei inhaftierten palästinensischen Kindern. Laut den von DCIP gesammelten Unterlagen werden alle inhaftierten Kinder innerhalb der ersten 48 Stunden nach ihrer Festnahme von den israelischen Streitkräften in irgendeiner Form misshandelt.
57 Prozent der inhaftierten palästinensischen Kinder werden laut den von DCIP gesammelten Unterlagen mitten in der Nacht festgenommen. Viele Menschenrechtsgruppen haben auf die schädlichen Auswirkungen dieser Praxis hingewiesen. Nachtverhaftungen können die Erwartung eines Kindes, im Schlaf sicher zu sein, zunichte machen und unter anderem zu Schlafstörungen führen.
Israelische Streitkräfte nahmen Hasan fest, nachdem sie am 6. Juni gegen 5 Uhr morgens in sein Haus im Flüchtlingslager Jenin im nördlichen besetzten Westjordanland eingedrungen waren und es beschädigt hatten. Die israelischen Streitkräfte erklärten Hasan weder den Grund für seine Festnahme, noch hatten sie einen Haftbefehl. Sie blieben etwa eine Stunde lang im Haus und richteten ein riesiges Chaos an.
´Sie schlugen mich vor den Augen meiner Mutter und meiner beiden jüngeren Schwestern`, sagte Hasan. ‚Meine Mutter versuchte, mich zu verteidigen, aber einer der Soldaten stieß sie mit Gewalt und warf sie zu Boden. Ich war sehr wütend über dieses Verhalten, und die Szene hat mich bis heute nicht losgelassen.‘
Die israelischen Streitkräfte legten Hasan für etwa eine Stunde Handschellen an, verbanden ihm die Augen und brachten ihn in einem Militärfahrzeug in ein israelisches Militärlager in der Nähe der Stadt Muqeibla in Israel, in der Nähe des Grenzübergangs Al-Jalame, nördlich von Jenin. 
´Auf beiden Seiten des Militärfahrzeugs befanden sich Soldaten, und sie ließen mich zwischen ihnen auf dem Metallboden liegen`, sagte Hasan. ‚Sie hörten nicht auf, mich auf dem Weg mit Schlägen und Tritten mit ihren Militärstiefeln zu misshandeln.‘ 

´Sie beleidigten mich etwa eineinhalb Stunden lang. Das Militärfahrzeug fuhr sehr schnell, und wenn es über eine Bodenwelle fuhr, sprang ich in die Luft und schlug auf den Metallboden, der mit meinem Blut bedeckt war`, sagte Hasan. 
´Ich wurde gezwungen, bis 4 Uhr morgens am nächsten Tag im Militärlager auf dem Boden zu sitzen, währenddessen behandelten mich die Soldaten schlecht. Ich war immer von Soldaten umgeben, die mich willkürlich angriffen. Ich wurde weder mit Essen noch mit Wasser versorgt und durfte nicht auf die Toilette gehen`, sagte Hasan. 
Unabhängig vom Grund der Inhaftierung sind inhaftierte Kinder durch mehrere grundlegende Garantien der internationalen Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts geschützt, die ihr Recht auf Leben, Freiheit von Verhaftung und Schutz vor Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gewährleisten. Die israelischen Streitkräfte haben fast allen Kindern, die von DCIP befragt wurden, die Augen verbunden und die Hände gefesselt. Die Kinder berichten häufig, dass sie während des Verhörs Dokumente unterschrieben haben, die auf Hebräisch verfasst waren, einer Sprache, die sie nicht verstehen.
Die häufige und systematische Praxis Israels, Kinder festzunehmen, verstößt gegen seine völkerrechtlichen Verpflichtungen, Kinder nur als letztes Mittel festzunehmen und in Gewahrsam zu nehmen. Artikel 37 der UN-Kinderrechtskonvention sieht außerdem vor, dass Kinder, denen die Freiheit entzogen wird, ´weder der Folter noch einer anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen werden dürfen`“.

*Hasan ist ein Pseudonym, um die Privatsphäre und Sicherheit des Kindes zu schützen. https://www.dci-palestine.org/_they_placed_me_inside_a_closed_box_with_no_windows_palestinian_children_subjected_to_torture_and_ill_treatment_by_israeli_forces


Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #319: Die Europäische Koordination der Komitees für Palästina stellt völkerrechtlich begründete Forderungen

Das EU-Parlament, die Kommission und der Rat werden ihren Ansprüchen nicht gerecht

BIP-Aktuell #319:

  1. Die Europäische Koordination der Komitees für Palästina (ECCP)stellt völkerrechtlich begründete Forderungen
  2. Erfreulich
  3. Israel flößt seinen Kindern die Werte des Mobs ein

Die Europäische Koordination der Komitees für Palästina  (ECCP) führte in Brüssel mehr als 40 intensive Gespräche mit den europäischen Institutionen und stellte drei völkerrechtlich begründete Forderungen: Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel, Beendigung der Beteiligung Israels am Forschungsprogramm Horizon Europe und Verhängung eines umfassenden Militärembargos gegen Israel.

BIP e.V. ist Mitglied des ECCP (European Coordination of Committees and Associations for Palestine), einer 1982 gegründeten Koalition von 46 Organisationen aus 19 EU-Mitgliedsstaaten sowie aus der Schweiz und Norwegen, die sich für die Rechte der Palästinenser und für die Umsetzung des Völkerrechts durch die europäischen Institutionen, insbesondere den EU-Institutionen, einsetzt.




Das ECCP übergab die Erklärung, in der die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel gefordert wird, an die Europaabgeordnete Hanna Gedin von der Linkspartei aus Schweden.



Am 23.-24. September trafen sich ECCP-Mitglieder in Brüssel zu über 40 Gesprächen mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments, mit Beamten des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), mit Mitarbeitern der Kommissarin für Forschung und Innovation, Iliana Ivanova, und mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe Maschrik/Maghreb (MaMa). Die Treffen konzentrierten sich auf drei Themen, für die sich ECCP einsetzt:

  • die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel
  • den Ausschluss israelischer Unternehmen vom Forschungsprogramm Horizon Europe
  • und das Militärembargo.

Die Beendigung des Assoziierungsabkommens mit Israel (siehe BIP-Aktuell #258) hat eine hohe Priorität für ECCP. Im Februar forderte Irland eine dringende Überprüfung des Assoziierungsabkommens auf der Grundlage von Artikel 2 des Abkommens, in dem festgelegt ist, dass verbesserte Handelsbeziehungen von der Achtung der Menschenrechte abhängig gemacht werden. Diese Forderung wurde von Spanien und Belgien sowie von 78 Mitgliedern des EU-Parlaments unterstützt. Im März versprach der Hohe Vertreter Josep Borrell, eine Debatte einzuleiten. Obwohl die Europäische Kommission die Hüterin der Verträge des Assoziierungsabkommens ist, hat sie es versäumt, eine Überprüfung einzuleiten. In der Zwischenzeit sollte der Assoziationsrat mit Israel zusammentreffen, aber Israel weigerte sich, vor dem Rat zu erscheinen, wohl wissend, dass es mit kritischen Fragen konfrontiert werden würde.

Das Assoziierungsabkommen ist von entscheidender Bedeutung, da die EU Israels größter Handelspartner ist, auf den etwa ein Drittel der Ein- und Ausfuhren entfallen. In Anbetracht des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs (IGH) vom 19. Juli, in dem eindeutig festgestellt wird, dass die Unterstützung der illegalen israelischen Besatzung ein Kriegsverbrechen ist, ist die EU verpflichtet, jegliche direkte und indirekte Unterstützung der israelischen Besatzung zu beenden, wozu auch der Handel mit Materialien, Ausrüstung und Waffen gehört, die zur Landenteignung und zum Bau illegaler Siedlungen verwendet werden. Israel forderte, dass alle Debatten über das Assoziierungsabkommen während des ungarischen EU-Vorsitzes zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember stattfinden sollten, da Ungarn wahrscheinlich die völkerrechtlichen Verpflichtungen der EU ignorieren werde. Die  UN-Generalversammlung hat  in ihrer Abstimmung am 18. September mit Zweidrittelmehrheit in einer Resolution, die auf das Gutachten des IGH zurückgeht, Israel als Apartheidstaat bezeichnet.  Sie hat  Israel aufgefordert, allen Palästinensern, die während der Besatzung vertrieben wurden, die Rückkehr an ihren Herkunftsort zu ermöglichen und Wiedergutmachung für die durch die Besatzung verursachten Schäden zu leisten. Außerdem wurden sofortige Sanktionen und ein militärisches Embargo gefordert. Das Abstimmungsergebnis: 124 Stimmen dafür und nur 14 Stimmen dagegen, darunter Ungarn und die Tschechische Republik aus der EU. Die Mehrheit der Welt nimmt eine klarere und fortschrittlichere Position zu den Menschenrechten und zum Völkerrecht ein als die Europäische Union – ein alarmierendes Zeichen für die Schwäche der EU.

ECCP erinnerte die EU-Beamten und -Politiker daran, dass die EU in der Vergangenheit das Assoziierungsabkommen mit Sri Lanka und Syrien ausgesetzt und entschiedene Maßnahmen ergriffen hat, als dies erforderlich war. Sie forderte die Mitglieder des Parlaments auf, Informationen über den Prozess der Aussetzung des Assoziierungsabkommens weiterzugeben, Konferenzen in Brüssel im oder in der Nähe des Parlaments zu organisieren und die rechtlichen Probleme im Zusammenhang mit dem Handel anzusprechen sowie die neue Hohe Vertreterin Kaja Kallas aufzufordern, dringend erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. ECCP überreichte den Abgeordneten des Europäischen Parlaments eine von 160 europäischen Organisationen unterzeichnete Erklärung.

In den Gesprächen mit EU-Vertretern wurde auch das  Forschungsabkommen Horizon Europe angesprochen, in dessen Rahmen sich israelische akademische Einrichtungen und Privatunternehmen um EU-Forschungsgelder bewerben können. Die Bestimmungen von Horizon Europe sind eindeutig: Forschung ist nur für rein zivile Zwecke erlaubt, niemals für militärische. Dennoch nutzen zwei israelische Rüstungsunternehmen, IAI und Elbit Systems, optische und Navigationssysteme für militärische Drohnen, die mit europäischen Mitteln entwickelt wurden. Die Kontrolle der Finanzierung endet gemäß den EU-Verordnungen, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Das heißt, wenn die Technologie für militärische Zwecke einsatzbereit ist, endet die Kontrolle. Die EU lehnt danach die Verantwortung für die Finanzierung militärischer Forschung ab, selbst wenn sie für die gezielte Tötung von Zivilisten eingesetzt wird. Darüber hinaus wurde der illegalen israelischen Ariel-Universität im besetzten Westjordanland (in der Siedlung Ariel) gestattet, sich für das Förderprogramm Horizont Europa anzumelden, wobei sie völkerrechtswidrig als Adresse “Ariel, Israel” angibt.



Die Abstimmung der UN-Generalversammlung am 18. September zeigt, dass viele EU-Mitgliedstaaten eine Stimme für eine repressive Politik in der Welt sind. Während die große Mehrheit der Länder der Welt für die Annahme des IGH-Urteils gestimmt hat, sind die EU-Mitgliedstaaten gespalten.


ECCP verteilte auch ein von der BDS-Bewegung verfasstes Dokument, das eine rechtliche Analyse der Verpflichtung von Drittstaaten und Privatunternehmen zur Beendigung der militärischen Beziehungen mit Israel enthält und sich auf die Bestimmungen des Waffenhandelsvertrags, den Gemeinsamen Standpunkt des Europäischen Rates, die Internationale Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes und das Urteil des IGH vom 19. Juli stützt. Das Dokument listet Beispiele dafür auf, wie die EU-Mitgliedstaaten ihrer völkerrechtlichen Verantwortung nicht gerecht werden. Staaten verkaufen Waffen an Israel, kaufen Waffen von Israel und transportieren Waffen nach Israel – alles verstößt gegen das Völkerrecht. Vier EU-Mitgliedsstaaten sind an dem Frachtschiff Kathrin beteiligt (siehe BIP-Aktuell #318). Die Europäische Union hat es versäumt, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen wahrzunehmen.

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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter platzieren wir an dieser Stelle die Rubrik „Erfreulich“ – in der Hoffnung, dass es auch Meldungen gibt, die uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 319 „Erfreulich“:

  • MIDDLE EAST MONITOR – 28. September 2024 – Spanien: Generalstreik gegen Völkermordkrieg in Palästina

In Spanien begann am Freitag ein 24-stündiger Generalstreik unter dem Motto „Gegen den Völkermord und die Besatzung in Palästina“, zu dem mehr als 200 Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen aufgerufen hatten.
https://www.middleeastmonitor.com/20240928-spain-general-strike-against-genocidal-war-in-palestine/

  • Deutsche Medien fordern ungehinderten Zugang zum Gazastreifen 

    In einem offenen Brief haben überregionale deutsche Medien die Regierungen von Israel und Ägypten dazu aufgefordert, Journalistinnen und Journalisten ungehinderten Zugang zum Gazastreifen zu gewähren. “Der fast absolute Ausschluss internationaler Medien bei einer Krise dieser enormen weltweiten Tragweite ist in der jüngeren Geschichte beispiellos”, heißt es in dem Appell von Chefredakteuren, Intendanten und dem ARD-Vorsitzenden. “Wer unabhängige Berichterstattung über diesen Krieg unmöglich macht, beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit. Wer uns verbietet, im Gazastreifen zu arbeiten, schafft die Voraussetzungen, dass Menschenrechte verletzt werden.” https://www.zeit.de/politik/2024-09/gazastreifen-krieg-israel-aegypten-journalismus-medien
  • Die britische Regierung hat beschlossen, mehrere Waffenlieferungen nach Israel aufgrund des anhaltenden Krieges in Gaza und der Sorge um weitreichende Schäden für die Zivilbevölkerung auszusetzen.

Außenminister David Lammy erklärte, es bestehe ein „eindeutiges Risiko“, dass einige Gegenstände dazu verwendet werden könnten, „eine schwerwiegende Verletzung des humanitären Völkerrechts zu begehen oder zu erleichtern“. https://www.haaretz.com/israel-news/2024-09-02/ty-article/u-k-suspends-some-arms-sales-to-israel-citing-clear-risk-of-intl-law-breach-in-gaza/00000191-b38e-dc3b-a7df-f3def2160000?utm_source=mailchimp&utm_medium=Content&utm_campaign=haaretz-today&utm_content=20d1e48b3c

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.

Israel flößt seinen Kindern die Werte des Mobs ein

25. September 2024
“Zilberman High School in Be’er Sheva. “Sie fragten mich, ob ich Palästina unterstütze, ich sagte nein und dass ich nur die kleinen Kinder in Gaza unterstütze, die in ihre Häuser zurückkehren”, sagte die Schülerin.

Stellen Sie sich Dutzende von Schülern in einer Schule vor, die ein 12-jähriges arabisches Mädchen aus der 7. Klasse umringen und laut ´Dein Dorf soll brennen`singen. So geschah es letzte Woche in der Zilberman-Schule in Be’er Sheva, nachdem das Mädchen es gewagt hatte, während einer Klassendiskussion Mitgefühl für die Kinder von Gaza auszudrücken.
Und was tat die Schule daraufhin? Er suspendierte sie. Und das Bildungsministerium? Er stützte die Suspendierung. Und die Eltern der anderen Schüler an der Schule? Sie forderten in einer WhatsApp-Gruppe, dass sie vom Unterricht ferngehalten wird. Und die Gemeinde? Nun, die stellvertretende Bürgermeisterin schlug vor, ihrer gesamten Familie die Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Das Mädchen erzählte Haaretz, dass sie in der Diskussion im Klassenzimmer sagte, dass Kinder in Gaza an Hunger leiden und sterben. Als der Unterricht zu Ende war, begannen die anderen Schüler in der Klasse, sie anzugreifen, beschuldigten sie, die Hamas zu unterstützen, beschimpften sie und sangen ´Dein Dorf sollte brennen`. Diese Mob-Kultur ist gut etabliert: Videos von der Schule wurden in den sozialen Medien gepostet, und die Reaktionen, die zur Gewalt aufriefen, haben ihren Zweck erfüllt.
Der Vater des Mädchens erzählte, dass ´sehr schnell die Schüler anfingen, sich um sie zu scharen` und dass ´der Lehrer einfach wegging und das Mädchen sich gegen die Schüler wehren ließ, bis ein anderer Lehrer kam, die Situation sah und sie zur Direktorin brachte.` Die Direktorin ihrerseits alarmierte den Vater und teilte ihm mit, dass seine Tochter für mehrere Tage suspendiert werde, ´um zu verstehen, woher die Winde wehen` und um seine Tochter vor Angriffen und Belästigungen zu schützen. Der Vater beschloss, auch seine zweite Tochter zu Hause zu behalten, aus Angst, dass sie belästigt werden würde, und er sagte, dass andere arabische Schüler an der Schule das Gleiche taten. Das Bildungsministerium berichtete, dass beschlossen wurde, das Mädchen aufgrund ihres Verhaltens von der Schule fernzuhalten, bis die Angelegenheit vollständig geklärt ist, und um Reibereien zwischen ihr und den anderen Schülern zu vermeiden.
Der Vorfall an der Zilberman-Schule ist ein weiterer Beweis dafür, dass sich in der Gesellschaft und im Land beunruhigende Entwicklungen vollziehen und dass der Krieg nur dazu beigetragen hat, sie zu beschleunigen. Jedes Glied in der Kette der Ereignisse und alle Beteiligten – Erwachsene und Kinder, auch auf privater, institutioneller, bildungsbezogener, kommunaler und nationaler Ebene – sind davon betroffen. Ein 12-jähriges Mädchen äußerte ihre Meinung während einer Diskussion in der Klasse. Sie ist dem Mobbing in der Gruppe überlassen und wenn Erwachsene so freundlich sind, einzugreifen, finden sie es angemessen, sie zu suspendieren.
Die Schule hat kläglich versäumt, das Mädchen zu verteidigen, und mit ihrer Entscheidung, sie zu suspendieren, unterstützt sie tatsächlich das Mobbing-Verhalten der anderen Schüler und vermittelt Werte, die die politische Verfolgung, die jüdische Vorherrschaft (dass jüdische Kinder angeblich alles über Araber sagen dürfen, während Araber sich nicht politisch äußern dürfen), Gruppenmobbing und Mob-Attacken unterstützen.
In einem ordentlich geführten Land wäre die richtige Adresse, um dieses Unrecht zu korrigieren, der Bildungsminister gewesen. In Israel ist das Yoav Kisch, ein erwiesener politischer Gesetzesbrecher und Teil einer rassistischen, nationalistischen Regierung. Man würde hoffen, dass jemand im Bildungsministerium, in der Gemeinde oder in der Schule zur Vernunft kommt und diese Schülerin schützt.“

https://www.haaretz.com/opinion/editorial/2024-09-25/ty-article-opinion/israel-is-instilling-mob-values-in-its-children/00000192-259c-d815-a393-7ffe091e0000?utm_source=mailchimp&utm_medium=Content&utm_campaign=haaretz-today&utm_content=80eb67a60c


Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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