BIP-Aktuell #397: Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels in der Kritik

33 Rechtswissenschaftler halten den Entwurf für unvereinbar mit dem Grundgesetz

1. Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels in der KritikMaria
2. Reicher-Marek: Das Recht zu existieren
3. UNRWA rettete Dokumente zur Nakba
4. New York Times berichtet über weit verbreitete sexuelle Gewalt gegenüber Palästinensern

Die hessische Landesregierung brachte am 8.5. einen Gesetzentwurf in den Bundesrat ein, der die Leugnung des „Existenzrechts Israels“ unter Strafe stellen soll, wenn sie öffentlich oder in einer Versammlung in einer Weise erfolgt, die geeignet ist, die Bereitschaft zu antisemitischen Gewalt- oder Willkürmaßnahmen zu fördern.

1. 33 Rechtswissenschaftler halten den Entwurf für unvereinbar mit dem Grundgesetz
Am selben Tag übermittelten 33 Rechtswissenschaftler, darunter auch Mitglieder von BIP, dem Präsidenten des Bundesrates, dem Rechtsausschuss dieses Organs und den Landesregierungen einen offenen Brief, in dem sie darlegten, warum sie diesen Gesetzentwurf für verfassungswidrig halten. Der Brief hat folgenden Wortlaut:

An den
Präsidenten des Bundesrates
Herrn Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte
und den
Rechtsausschuss des Bundesrates
und die Landesregierungen
Am 8. Mai 2026 stellt Hessen im Bundesrat den Entwurf eines Gesetzes vor, mit dem die öffentliche Leugnung des Existenzrechts von Israel und der öffentliche Aufruf zur Beseitigung des Staates Israel unter Strafe gestellt werden sollen, wenn dies „geeignet ist, die Bereitschaft zu antisemitischen Gewalt- oder Willkürmaßnahmen zu fördern”.
Wir teilen die Sorge über eine Zunahme von Antisemitismus und antisemitischer Gewalt, halten aber den Entwurf für unvereinbar mit dem Grundgesetz.

  1. Der Begriff der „Leugnung“ suggeriert zwar eine Parallele zur nach § 130 Abs. 3 StGB strafbaren Holocaustleugnung. Tatsächlich geht es bei der Frage nach einem Existenzrecht Israels aber nicht um eine Tatsache, sondern um eine Meinung. Die Meinungsfreiheit kann aber nach Artikel 5 Abs. 2 GG nur durch ein allgemeines Gesetz eingeschränkt werden; das Verbot einer bestimmten Meinung, wie es der Entwurf vorsieht, ist danach nicht zulässig.
  2. Von dem Grundsatz, dass Gesetze nicht spezifische Meinungen verbieten dürfen, hat das Bundesverfassungsgericht nur für die Verherrlichung, Billigung oder Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft eine Ausnahme anerkannt (Beschl. v. 4.11.2009 – 1 BvR 2150/08 (Wunsiedel)). Der Entwurf will diese Ausnahme auf die Leugnung des Existenzrechts von Israel erweitern. Er ignoriert damit, dass das Bundesverfassungsgericht sich im Wunsiedel-Beschluss ausdrücklich gegen eine Verallgemeinerung dieser Ausnahme gewandt und betont hat, es handle sich bei der Ablehnung des Nationalsozialismus um eine „die geschichtsgeprägte Identität der Bundesrepublik Deutschland betreffende, auf andere Konflikte nicht übertragbare einzigartige Konstellation“ (Rn 66).
  3. Der Gesetzentwurf argumentiert, dass die Errichtung und Bewahrung des Staates Israel als Konsequenz aus dem Nationalsozialismus unmittelbar identitätsprägend für die Rechtsordnung und damit eine verfassungsimmanente Schranke der Meinungsfreiheit sei. Während die Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft durch den Gesetzgeber verboten werden kann, unterliegen jedoch die verschiedenen Ansichten darüber, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, als politische Programme der Meinungskonkurrenz. Das gilt auch für die im Gesetzentwurf benannte „Staatsräson“. Als Form der „politischen Absichtsbekundung“ kann sie nicht aus sich heraus zur Einschränkung von Grundrechten herangezogen werden (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 21.11.2025 – 15 B 1300/25, Rn 25).

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Erstunterzeichner*innen
Prof. Dr. Kai Ambos
Prof. Dr. Clemens Arzt
Prof. Dr. Cengiz Barskanmaz
Prof. Dr. Sigrid Boysen
Prof. Dr. Ninon Colneric
Prof. Dr. Christoph Enders
Prof. Dr. Andreas Engelmann
Prof. Dr. Anuscheh Farahat
Prof. Dr. Isabel Feichtner
Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano
Prof. Dr. Günter Frankenberg
Prof. Dr. Claudio Franzius
Prof. Dr. Matthias Goldmann
Prof. Dr. Thomas Groß
Prof. Dr. Michaela Hailbronner
Prof. Dr. Hans-Michael Heinig
Prof. Dr. Romy Klimke
Prof. Dr. Markus Krajewski
Prof. Dr. Pia Lange
Prof. Dr. Anna Katharina Mangold
Prof. Dr. Christian Marxsen
Prof. Dr. Florian Meinel
Prof. Dr. Ralf Michaels
Jerzy Montag
Prof. Dr. Norman Paech
Prof. Dr. Sibylle Raasch
Prof. Dr. Mareike Schmidt
Prof. Dr. Tobias Singelnstein
Maximilian Steinbeis
Prof. Dr. Alexander Thiele
Prof. Dr. Antje Wiener
Prof. Dr. Felix Wirth Hanschmann
Prof. Dr. Lothar Zechlin



BIP schließt sich dieser Stellungnahme an.

Screenshot von KriSol Post über den RIAS-Bericht zum Antisemitismus. Quelle: 2025, KriSol.

2. Maria Reicher-Marek: Das Recht zu existieren
Das BIP-Mitglied Maria Reicher-Marek veröffentlichte am 10. Mai 2026 in ihrem Blog einen Beitrag, in dem sie konstatiert, dass es im Völkerrecht ein Recht eines Staates zu existieren nicht gibt, und der Frage nachgeht, was denn eigentlich mit der Anerkennung des Existenzrechts des Staates Israels gemeint sein könnte:

«Wenn es nach dem Hessischen Landtag geht, dann wird es bald – in ganz Deutschland – ein Straftatbestand sein, „das Existenzrecht des Staates Israel zu leugnen“. Mit bis zu fünf Jahren Haft soll bestraft werden, „wer in einer Weise, die geeignet ist, die Bereitschaft zu antisemitischen Gewalt- oder Willkürmaßnahmen zu fördern, öffentlich oder in einer Versammlung das Existenzrecht des Staates Israel leugnet oder zur Beseitigung des Staates Israel aufruft.“ Dieser Antrag wurde am 23. April an den Bundesrat übermittelt. (https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2026/0201-0300/227-26.pdf?__blob=publicationFile&v=1)
Was sich die Antragsteller unter diesem neuen Straftatbestand konkret vorstellen, erläutern sie an Beispielen:

  • „der Gebrauch der Losung ,From the river to the sea, Palestine will be free‘ oder der arabischen Originalfassung ,From water to water, Palestine will be arab‘“, 
  • „die Parole ,We don´t want no two-state, we want 48‘ oder auch ,There is only one state, Palestine 48’“, 
  • sowie „die Darstellung der Flagge Israels oder des Davidsterns in einem Mülleimer unter der Forderung ,keep the world clean‘“ 
  • oder „die Abbildung der Landkarte des Nahen Ostens unter Tilgung des Staates Israel“.

Dieses Gesetz ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit im Allgemeinen. Spezifisch sollen damit propalästinensische Stimmen in Deutschland zum Schweigen gebracht werden.
Anerkenne ich eigentlich „das Existenzrecht des Staates Israel“?
Zu dieser Frage fällt mir ein jüdischer Witz ein:
Fragt ein Goi einen Juden: „Sag mal, warum antwortet ihr Juden eigentlich auf jede Frage mit einer Gegenfrage? – Sagt der Jude: „Na, was soll man denn sonst sagen?“
Wenn mich jetzt jemand fragen würde, ob ich das Existenzrecht Israels anerkennen würde, dann würde ich mit einer Gegenfrage antworten: „Was meinst du mit dieser Frage?“ Tatsächlich würde ich die Frage gern beantworten, wenn ich sie verstehen würde. Aber ich verstehe sie nicht. Ich frage mich:

  • Was ist hier gemeint mit „anerkennen“? Ist hier gemeint ein „anerkennen“ im Sinne von „die Wahrheit von etwas anerkennen“/„die Realität anerkennen“? Oder ist „anerkennen“ gemeint im Sinne der Bereitschaft, gemäß einer bestimmten Norm zu handeln („ein Gesetz oder eine Regel anerkennen“)? Oder ist damit gemeint ein Anerkennen im Sinne einer positiven Einstellung, im Sinne von „etwas billigen“ bzw. „etwas gutheißen“?
  • Was ist hier gemeint mit „Existenzrecht“? Soll dieses „Existenzrecht“ ein Recht im Sinne des bestehenden Völkerrechts sein (des „positiven“ Rechts, wie die Rechtstheoretiker sagen)? Oder soll damit ein moralisches Recht gemeint sein? Oder ein gottgegebenes Recht? Oder was sonst?
  • Was ist hier gemeint mit „der Staat Israel“? Ist damit gemeint ein Staat innerhalb der Grenzen des von der UNO beschlossenen Teilungsplans? Oder innerhalb der Grenzen nach Beendigung des Krieges 1949? Oder innerhalb der Grenzen nach dem 6-Tage-Krieg von 1967? Oder ein Staat auf jenem Territorium, das derzeit von israelischen Truppen besetzt ist? Oder innerhalb der Grenzen jenes von manchen Regierungsmitgliedern angestrebten Groß-Israel, zu dem noch sehr viel mehr Land gehören würde?
  • Ist mit „der Staat Israel“ gemeint ein Staat, für den die Vertreibung und/oder Unterwerfung und/oder Ermordung der nichtjüdischen Bevölkerung „Staatsräson“ ist? Ist damit gemeint ein Staat, der in seiner Verfassung die Vorherrschaft des jüdischen Volkes festschreibt, und in dem für Nichtjuden andere Gesetze gelten als für Juden? Ist damit gemeint ein Staat, der seine Nachbarn überfällt, dort Millionen Menschen vertreibt, ganze Landstriche dem Erdboden gleichmacht und deren Führer ermordet? Oder ist damit gemeint ein Staat, in dem Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt, in gegenseitigem Respekt und friedlich zusammenleben, ein Staat, der die staatliche Souveränität seiner Nachbarn respektiert?

Die völkerrechtlichen Fragen sind schnell geklärt: Das Völkerrecht kennt kein Existenzrecht von Staaten. Es kennt ein Existenzrecht von Völkern und von Menschen, aber nicht von Staaten. Kein Staat hat die Pflicht, einen anderen Staat anzuerkennen.
Im Völkerrecht verankert ist jedoch ein Gewaltverbot: Kein Staat hat das Recht, gegen einen anderen Staat mit Waffengewalt vorzugehen. Andererseits hat jeder Staat das Recht auf Selbstverteidigung; und jedes Volk hat das Recht des Widerstands gegen eine Besatzung oder eine Kolonialmacht. Gewaltfreie politische Mittel, die sich gegen die Politik eines Staates richten (wie Boykotte und Sanktionen), fallen nicht unter das Gewaltverbot.
Ich anerkenne das Völkerrecht, insbesondere das Gewaltverbot. Ich anerkenne die Existenz des Staates Israel als eine politische Tatsache. Daher anerkenne ich auch, dass der Staat Israel – wie jeder andere Staat der Welt – durch das generelle Gewaltverbot geschützt ist.
Gutheißen kann ich die Existenz des Staates Israel jedoch nicht. Ich kann die Existenz eines Staates nicht gutheißen, dessen Ziel die Vertreibung/Unterwerfung/Ermordung der indigenen Bevölkerung eines Landes ist. Ich kann die Existenz eines Staates nicht gutheißen, der seit seiner Gründung das Existenzrecht eines anderen Volkes verneint. Ich kann die Existenz eines Staates nicht gutheißen, der an jedem einzelnen Tag seiner Existenz die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung mit Füßen tritt.
Habe ich jetzt „das Existenzrecht des Staates Israel“ geleugnet? – Ich habe keine Ahnung, und es ist mir gleichgültig.
Das „Existenzrecht des Staates Israel“ ist eine Blendgranate, die uns daran hindern soll, die Wahrheit klar zu sehen. Die Wahrheit ist: Nicht der Staat Israel ist in seiner Existenz bedroht, sondern das palästinensische Volk. Das Problem ist nicht, dass die Palästinenser das Existenzrecht des israelischen Staates nicht anerkennen, sondern dass der Staat Israel das Existenzrecht des palästinensischen Volkes nicht anerkennt. Nicht der Staat Israel bedarf des besonderen Schutzes der internationalen Gemeinschaft, sondern das palästinensische Volk, die palästinensischen Menschen.»
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Vierte Internationale BIP-Konferenz vom 29. – 31. Mai 2026 in Nürnberg:
Wir möchten Sie zur Vierten Internationalen Konferenz einladen, die das Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) vom 29. bis 31. Mai 2026 in der Meistersingerhalle in Nürnberg ausrichtet. Das Thema heißt: Die Zukunft Palästinas.
Es werden Referenten aus Israel, Palästina, USA und Deutschland sprechen und zum großen Teil persönlich anwesend sein.
Programm: https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
Zu Beginn der Konferenz wird der Menschenrechtspreis an die britische Ärztin Dr. Victoria Rose verliehen, die während des Gazakrieges unter Einsatz ihres Lebens unzählige Schwerverletzte versorgte.
Das ZDF-heute journal brachte ein Interview mit Dr. Rose:
https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/sgs-sievers-rose-100.html
Musikalisch umrahmt wird die Preisverleihung von Prof. Michael Barenboim.
Für Rückfragen stehen zur Verfügung:  Prof. Dr. Ninon Colneric: ninon.colneric@t-online.de oder Ekkehart Drost: e1944drost@gmx.de
Konferenzanmeldungen sind noch möglich per E-Mail an Dr Götz Schindler: goetz.schindler@t-online.de
Frau Marina Popp vom Reservierungsbüro des Ramada-Hotels in Nürnberg teilte uns mit, dass noch Zimmer im Rahmen des vergünstigten BIP-Kontigents verfügbar sind: reservierung@ramada-nuernberg.de
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

Bemerkenswert:  UNRWA rettete Dokumente zur Nakba
Für viele Palästinenser ist das Archiv zur Nakba mehr als nur eine Dokumentation. Es bewahrt Erinnerungen, Identitäten und Zeugnisse von Leben, die entwurzelt, aber niemals ausgelöscht wurden. Da die Gefahr bestand, dass die Dokumente durch militärische Angriffe oder durch andere israelische Maßnahmen zerstört werden, hat UNRWA sie in Sicherheit gebracht.

«Die Rettung der Nakba: Geheime UN-Mission rettete Millionen von Unterlagen palästinensischer Flüchtlinge
16. Mai

Eine verdeckte Operation der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) rettete Millionen historischer palästinensischer Flüchtlingsdokumente aus Gaza und dem besetzten Ostjerusalem, wie aus einem Bericht des Guardian hervorgeht.
Die Operation, die zehn Monate dauerte und an der Mitarbeiter aus mehreren Ländern beteiligt waren, hatte zum Ziel, Aufzeichnungen zu bewahren, die Generationen palästinensischer Vertreibung, Familiengeschichten und Fluchterfahrungen seit der Nakba von 1948 dokumentieren.
Dem Bericht zufolge betrachteten UNRWA-Beamte die Dokumente nicht nur für administrative Zwecke als unverzichtbar, sondern auch als historische Aufzeichnungen über die Existenz und Vertreibung der Palästinenser.
„Ihre Zerstörung wäre katastrophal gewesen“, sagte Roger Hearn, ein hochrangiger UNRWA-Beamter, der die Aktion leitete, gegenüber The Guardian.
„Sollte es jemals eine gerechte und dauerhafte Lösung für diesen Konflikt geben, dann sind dies die einzigen Beweise, mit denen die Menschen belegen können, dass einst Palästinenser an einem bestimmten Ort gelebt haben“, fügte er hinzu.
Wettlauf gegen die Bomben in Gaza
Die erste Phase der Operation fand in Gaza statt, nachdem israelische Streitkräfte kurz nach Beginn ihrer Militäroffensive die Evakuierung von Gaza-Stadt angeordnet hatten. UNRWA-Beamte befürchteten, dass die im Hauptquartier der Organisation in Gaza gelagerten Archive durch Bombardements zerstört oder möglicherweise beschlagnahmt werden könnten.
„Es bestand die reale Gefahr, dass die Israelis einmarschieren und sie zerstören würden, oder dass sie einfach durch einen Brand oder eine Explosion zerstört würden“, sagte Sam Rose, amtierender Direktor für UNRWA-Angelegenheiten in Gaza, gegenüber der Zeitung.
Ein kleines Team kehrte Berichten zufolge während der anhaltenden israelischen Angriffe nach Gaza-Stadt zurück und transportierte die Dokumente mit gemieteten Lastwagen nach Süden nach Rafah. Die Mission fand inmitten weitreichender Zerstörung und der Befürchtung statt, dass Cyberangriffe bereits digitalisierte Materialien löschen könnten. „Es gab diese sehr gefährliche Zeit, in der wir jeden Tag viele Angriffe hinnehmen mussten“, sagte Hearn.
Geschichte über Grenzen hinweg schmuggeln
Die Operation stieß auf weitere Hindernisse, nachdem ägyptische Behörden Berichten zufolge eine Konsultation bezüglich jeglicher Verbringung von Archiven über die Grenzen Gazas verlangten. UNRWA-Beamte befürchteten Berichten zufolge, die israelischen Behörden könnten die Bedeutung des Materials erkennen und dessen Transfer verhindern.
Stattdessen transportierten Mitarbeiter mit internationalen Pässen die Dokumente stillschweigend aus Gaza heraus. „Wenn jemand an der Grenze angehalten wurde, sagten sie einfach, sie hätten Papierkram dabei“, sagte Rose.
Die Dokumente wurden schließlich in Ägypten gesammelt, bevor sie mit Militärflügen, die humanitäre Hilfsmissionen beförderten, nach Jordanien gebracht wurden.
Dem Bericht zufolge verließen die letzten Lieferungen den Ort nur wenige Wochen vor dem Einmarsch israelischer Truppen in Rafah.
Ostjerusalem wurde zur nächsten Front
Die Operation verlagerte sich später in Richtung des UNRWA-Hauptquartiers in Ostjerusalem, während der Druck Israels auf die Organisation zunahm. Dem Bericht zufolge war das Gelände mit Protesten, Brandanschlägen und zunehmenden Bemühungen konfrontiert, die darauf abzielten, die UNRWA-Aktivitäten zu beenden.
„In Ostjerusalem hatten wir monatelang Warnungen, dass wir den Zugang verlieren würden“, sagte Rose. Mitarbeiter sollen über mehrere Monate hinweg Archivmaterial entfernt und es heimlich nach Jordanien gebracht haben, bevor israelische Maßnahmen später die UNRWA-Aktivitäten im besetzten Palästina verhinderten.
Die Geschichte eines staatenlosen Volkes bewahren
Heute sind in Jordanien fast 30 Millionen Dokumente im Rahmen eines Projekts digitalisiert worden, das hauptsächlich von Luxemburg finanziert wurde.
UNRWA-Vertreter sagen, das Archivprojekt könnte palästinensischen Flüchtlingen letztendlich den Zugang zu ihrer Familiengeschichte ermöglichen und es ihnen gestatten, Vertreibungsmuster seit 1948 nachzuvollziehen. Jean-Pierre Filiu, Professor für Nahoststudien an der Sciences Po in Paris, bezeichnete die Aufzeichnungen als „entscheidend für die palästinensische Erfahrung“. Die Historikerin Anne Irfan vom University College London sagte, die Archive seien von außerordentlicher Bedeutung, da die Palästinenser nach wie vor ein Volk ohne ein einheitliches nationales Archiv seien. „Die Palästinenser sind ein staatenloses Volk“, sagte sie und fügte hinzu, dass die Sammlung eine „umstrittene Geschichte“ bewahre, deren Auswirkungen weit über die Vergangenheit hinausreichen.»
https://www.palestinechronicle.com/rescuing-the-nakba-secret-un-mission-saved-millions-of-palestinian-refugee-records/?utm_source=emailoctopus&utm_medium=email&utm_campaign=The%20Palestine%20Chronicle%20Newsletter%2C%20May%2016
Übersetzt mit DeepL.com

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
„Das Schweigen angesichts der Vergewaltigung von Palästinensern“, von Nicholas Kristof, New York Times vom 11.5.2026
Palästinensische Männer und Frauen berichten von brutalen sexuellen Übergriffen durch israelische Gefängniswärter, Soldaten, Siedler und Verhörbeamte.
(…)
Es gibt keine Beweise dafür, dass israelische Führer Vergewaltigungen anordnen. Doch in den letzten Jahren haben sie einen Sicherheitsapparat aufgebaut, in dem sexuelle Gewalt, wie es ein Bericht der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr formulierte, zu einer der „Standardvorgehensweisen“ Israels und zu „einem wesentlichen Element der Misshandlung von Palästinensern“ geworden ist. Ein im letzten Monat veröffentlichter Bericht des Euro-Med Human Rights Monitor, einer in Genf ansässigen und oft Israel-kritischen Interessenvertretung, kommt zu dem Schluss, dass Israel „systematische sexuelle Gewalt“ einsetzt, die „weit verbreitet als Teil einer organisierten staatlichen Politik praktiziert wird“.
Wie sieht diese Standardvorgehensweise aus? Sami al-Sai, 46, ein freiberuflicher Journalist, berichtet, dass eine Gruppe von Wachen ihn zu Boden warf, als er nach seiner Festnahme im Jahr 2024 in eine Gefängniszelle gebracht wurde.
(…)
„Sie versuchten, ihn [einen Gummiknüppel] mir in den Anus zu schieben, und ich spannte mich an, um das zu verhindern, aber ich konnte es nicht“, sagte er mit zunehmender Angst. „Es war so schmerzhaft.“ Die Wachen lachten ihn aus, sagte er. „Dann hörte ich jemanden sagen: ‚Gib mir die Karotten‘“, erinnerte er sich und fügte hinzu, dass sie dann eine Karotte benutzten. „Es war extrem schmerzhaft“, sagte er. „Ich betete um den Tod.“
Al-Sai hatte die Augen verbunden, sagte er, und hörte jemanden auf Hebräisch, das er versteht, sagen: „Mach keine Fotos.“ Das ließ ihn vermuten, dass jemand eine Kamera gezückt hatte. Eine der Wachen war eine Frau, die ihn, wie er sagte, am Penis und an den Hoden packte und scherzte: „Die gehören mir“, und dann so fest zudrückte, bis er vor Schmerz schrie.
(…)
Nachdem er in seine Zelle geworfen worden war, kam er zu dem Schluss, dass der Ort, an dem er vergewaltigt worden war, schon zuvor benutzt worden war, denn er fand Erbrochenes, Blut und abgebrochene Zähne anderer Menschen, die in seine Haut gedrückt waren.
Al-Sai sagte, man habe ihn gebeten, Informant für den israelischen Geheimdienst zu werden, und er glaube, der Zweck seiner Verhaftung und Inhaftierung im Rahmen des Verwaltungshaftsystems sei gewesen, ihn unter Druck zu setzen, damit er zustimme. Da er stolz auf seine journalistische Professionalität sei, habe er abgelehnt.
(…)
Ich begann, mich für die Berichterstattung über sexuelle Übergriffe auf palästinensische Gefangene zu interessieren, nachdem Issa Amro, ein gewaltfreier Aktivist, der manchmal als der palästinensische Gandhi bezeichnet wird, mir erzählte, als ich ihn zuvor besuchte, dass er von israelischen Soldaten sexuell missbraucht worden sei und dass er glaube, dies sei weit verbreitet, werde aber aus Scham nicht gemeldet.
Einer Zählung zufolge hat Israel seit den Angriffen vom 7. Oktober allein im Westjordanland 20.000 Menschen festgenommen, und mehr als 9.000 Palästinenser befanden sich diesen Monat noch immer in Haft. Viele wurden nicht angeklagt, sondern unter vagen Sicherheitsgründen festgehalten, und seit 2023 wurden den meisten Besuche des Roten Kreuzes und von Anwälten verweigert.
„Israelische Streitkräfte setzen systematisch Vergewaltigung und sexuelle Folter ein, um palästinensische weibliche Häftlinge zu demütigen“, heißt es in dem Euro-Med-Bericht. Darin wird eine 42-jährige Frau zitiert, die angab, nackt an einen Metalltisch gefesselt worden zu sein, während israelische Soldaten zwei Tage lang gewaltsam Sex mit ihr hatten und andere Soldaten die Übergriffe filmten. Danach, so sagte sie, wurden ihr Fotos gezeigt, auf denen sie vergewaltigt wurde, und man drohte ihr, diese zu veröffentlichen, falls sie nicht mit dem israelischen Geheimdienst kooperieren würde.
(…)
Ich habe vierzehn Opfer ausfindig gemacht, indem ich mich bei Anwälten, Menschenrechtsgruppen, Helfern und gewöhnlichen Palästinensern selbst umgehört habe. In vielen Fällen war es möglich, die Schilderungen der Opfer teilweise zu bestätigen, indem ich mit Zeugen sprach oder, was häufiger der Fall war, mit denjenigen, denen sich die Opfer anvertraut hatten, wie Familienangehörigen, Anwälten und Sozialarbeitern; in anderen Fällen war dies nicht möglich, vielleicht weil die Scham die Betroffenen davon abhielt, den Missbrauch selbst gegenüber ihren Angehörigen zuzugeben.
Save the Children gab im vergangenen Jahr eine Umfrage unter Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren in Auftrag, die sich in israelischer Haft befunden hatten; mehr als die Hälfte berichtete, sexuelle Gewalt miterlebt oder erlebt zu haben. Save the Children erklärte, die tatsächliche Zahl liege wahrscheinlich höher, da einige aufgrund des Stigmas nicht bereit seien, zuzugeben, was ihnen widerfahren sei.
Das Committee to Protect Journalists, eine angesehene amerikanische Organisation, befragte 59 palästinensische Journalisten, die nach den Angriffen vom 7. Oktober von den israelischen Behörden freigelassen worden waren. Drei Prozent gaben an, vergewaltigt worden zu sein, und 29 Prozent sagten, sie hätten andere Formen sexueller Gewalt erlitten.
Die israelische Regierung weist Vorwürfe zurück, sie würde Palästinenser sexuell missbrauchen, genauso wie die Hamas bestritt, israelische Frauen vergewaltigt zu haben. Israel begrüßte einen Bericht der Vereinten Nationen, der sexuelle Übergriffe von Palästinensern auf israelische Frauen dokumentiert, wies jedoch die Forderung des Berichts zurück, israelische Übergriffe auf Palästinenser zu untersuchen. Netanjahu hat „unbegründete Anschuldigungen sexueller Gewalt“ gegen Israel verurteilt.
(…)
Ein Grund, warum diese Misshandlungen nicht mehr Beachtung finden, sind Drohungen der israelischen Behörden, die Gefangene bei ihrer Entlassung regelmäßig ermahnen, zu schweigen, so die Aussagen von freigelassenen Palästinensern. Ein weiterer Grund, so erzählten mir palästinensische Überlebende, ist, dass die arabische Gesellschaft vermeidet, über das Thema zu sprechen, aus Angst, die Moral der Familien der Gefangenen zu beeinträchtigen und das palästinensische Narrativ von trotzigen und heldenhaften Häftlingen zu untergraben.
(…)
Ein Bauer willigte zunächst ein, dass ich seinen Namen in diesem Artikel nenne. Er wurde Anfang dieses Jahres nach monatelanger Verwaltungshaft – ohne dass Anklage erhoben worden war – freigelassen und berichtete, was seiner Aussage nach an einem Tag im letzten Jahr geschah: Ein halbes Dutzend Wärter hielten ihn fest, indem sie seine Arme und Beine festhielten, während sie ihm Hose und Unterhose herunterzogen und ihm einen Metallstock in den Anus einführten. Die Vergewaltiger lachten und jubelten, sagte er.
Einige Stunden später, so sagte er, sei er ohnmächtig geworden und in die Gefängnisklinik gebracht worden. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, sei er erneut vergewaltigt worden, wieder mit dem Metallstock.
(…)
Nachdem er in seine Zelle zurückgebracht worden war, habe er einen Wachmann um Stift und Papier gebeten, um eine Beschwerde über die Übergriffe zu schreiben. Die Bitte wurde abgelehnt. Und an jenem Abend kam eine Gruppe von Wärtern in die Zelle.
„Wer ist derjenige, der eine Beschwerde einreichen will?“, spottete ein Wärter, sagte er, und ein anderer Wärter zeigte auf ihn. „Die Schläge begannen sofort“, erinnert er sich. Und dann vergewaltigten sie ihn an diesem Tag ein drittes Mal mit dem Schlagstock, sagte er.
Er erinnerte sich, dass einer sagte: „Jetzt hast du noch mehr, was du in deine Beschwerde schreiben kannst.“
Ein paar Tage, nachdem ich ihn interviewt hatte, rief der Bauer an, um zu sagen, dass er doch nicht wollte, dass sein Name genannt wird. Er hatte gerade Besuch vom Shin Bet erhalten und wurde gewarnt, keinen Ärger zu machen, und er befürchtete auch, dass seine Familie schlecht auf die Aufmerksamkeit reagieren würde.
„Der grassierende sexuelle Missbrauch palästinensischer Gefangener ist eine Tatsache; er ist zur Normalität geworden“, sagte Sari Bashi, eine israelisch-amerikanische Menschenrechtsanwältin und Geschäftsführerin des Öffentlichen Komitees gegen Folter in Israel. „Ich sehe keine Beweise dafür, dass dies angeordnet wurde. Aber es gibt anhaltende Hinweise darauf, dass die Behörden wissen, dass es geschieht, und nichts dagegen unternehmen.“
(…) Bashi sagte, ihre Organisation habe Hunderte von Beschwerden eingereicht, in denen schreckliche Misshandlungen palästinensischer Häftlinge detailliert beschrieben werden – und in keinem einzigen Fall führten diese zu einer Anklage. Straflosigkeit, so sagte sie, gebe den Tätern „grünes Licht“.
Ein palästinensischer Gefangener aus dem Gazastreifen wurde Berichten zufolge im Juli 2024 mit einem Riss im Rektum, gebrochenen Rippen und einer punktierten Lunge ins Krankenhaus eingeliefert. Ermittler beschafften sich ein Gefängnisvideo, das angeblich die Misshandlung zeigt. Die Behörden nahmen neun Reservisten fest – doch Israels Rechte reagierte mit empörter Empörung, und eine Menge wütender Demonstranten, darunter auch Politiker, drang in das Gefängnis ein, um ihre Unterstützung für die Wärter zu bekunden. Die letzten Vorwürfe gegen die Soldaten wurden im März fallen gelassen, und im vergangenen Monat genehmigte das Militär die Rückkehr der Soldaten in den Dienst.
Netanjahu lobte die Aufhebung der Anklagen als das Ende einer „Blutverleumdung“. „Der Staat Israel muss seine Feinde jagen – nicht seine heldenhaften Kämpfer“, sagte er.
Bashi beschrieb das Ergebnis so: „Ich würde sagen, die Anklage fallen zu lassen – das ist eine Erlaubnis zum Vergewaltigen.“
Dieser Gefangene, der Berichten zufolge danach einen Stomabeutel benötigte, um seine Ausscheidungen aufzufangen, wurde nach Gaza zurückgebracht, und ein Bekannter von ihm sagte, er habe Monate in einem Krankenhaus verbracht, um sich von seinen inneren Verletzungen zu erholen. Der Bekannte sagte, der ehemalige Gefangene habe ein Interview abgelehnt.
(…)
Wie kommt es zu dieser Art von Gewalt? Jahrzehntelange Berichterstattung über Konflikte hat mich gelehrt, dass eine Kombination aus Entmenschlichung und Straffreiheit Menschen in einen Hobbes’schen Naturzustand treiben kann. (…)
Die schonungslose Realität ist: Wenn es keine Konsequenzen gibt, sind wir Menschen zu ungeheurer Verderbtheit gegenüber jenen fähig, die wir als Untermenschen verachten sollen.
Itamar Ben-Gvir, Israels Minister für nationale Sicherheit, bezeichnete Gefangene als „Abschaum“ und „Nazis“ und prahle damit, die Haftbedingungen für Palästinenser zu verschärfen. Wenn solche Einstellungen vorherrschen, kann sexueller Missbrauch zu einem weiteren Mittel werden, um Palästinensern Schmerz und Demütigung zuzufügen.
(…) B’Tselem, eine israelische Menschenrechtsorganisation, dokumentierte „ein gravierendes Muster sexueller Gewalt“ gegenüber Palästinensern. Sie zitierte den Bericht eines Gefangenen aus Gaza, Tamer Qarmut, der angab, mit einem Stock vergewaltigt worden zu sein. Folter, so B’Tselem, „ist zu einer akzeptierten Norm geworden“.
Ein ehemaliger israelischer Offizier in einer Gefängniskrankenstation beschrieb in einer Aussage gegenüber der israelischen Gruppe Breaking the Silence, was diese Art der Akzeptanz in der Praxis bedeutet: „Man sieht ganz normale, ziemlich gewöhnliche Menschen, die an einen Punkt gelangen, an dem sie Menschen zu ihrem eigenen Vergnügen misshandeln, nicht einmal für ein Verhör oder ähnliches. Aus Spaß, um den Jungs etwas zu erzählen zu haben, oder aus Rache.“
(…) Ich sprach mit einer palästinensischen Frau, die im Alter von 23 Jahren nach dem Hamas-Angriff im Oktober 2023 verhaftet wurde. Sie berichtete, dass die Soldaten, die sie festnahmen, drohten, sie, ihre Mutter und ihre kleine Nichte zu vergewaltigen. Ihre Tortur im Gefängnis begann mit einer Leibesvisitation durch weibliche Wärterinnen, „aber dann kam ein männlicher Soldat herein, als ich völlig nackt war“, fügte sie hinzu.
In den folgenden Tagen, so sagte sie, wurde sie wiederholt nackt ausgezogen, geschlagen und von Teams aus männlichen und weiblichen Wachen gleichermaßen durchsucht. Das Muster war immer dasselbe: Mehrere Wachen, Männer und Frauen zusammen, kamen in ihre Zelle, zogen sie gewaltsam nackt aus, fesselten ihre Hände hinter ihrem Rücken und beugten sie an der Taille nach vorne, wobei sie ihr manchmal den Kopf in die Toilette drückten. In dieser Position wurde sie geschlagen und am ganzen Körper begrapscht, sagte sie.
„Sie hatten ihre Hände überall an meinem Körper“, sagte sie. „Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob sie mich vergewaltigt haben“, sagte sie, da sie durch die Schläge manchmal das Bewusstsein verlor.
(…)
Als sie kurz vor ihrer Entlassung aus dem Gefängnis stand, sagte sie, wurde sie in einen Raum mit sechs Beamten gerufen und streng gewarnt, niemals Interviews zu geben.
„Sie drohten mir, dass sie mich vergewaltigen, mich töten und meinen Vater töten würden, wenn ich etwas sagen würde“, sagte sie. Es überrascht nicht, dass sie es ablehnte, in diesem Artikel namentlich genannt zu werden.
(…) Ein Journalist aus Gaza berichtete mir von den Misshandlungen, die er erlitten hatte, nachdem er 2024 inhaftiert worden war.
„Niemand entging sexuellen Übergriffen“, sagte er. „Nicht alle wurden vergewaltigt, würde ich sagen, aber jeder musste erniedrigende, widerwärtige sexuelle Übergriffe erdulden.“ Einmal, so berichtete er, fesselten die Wachen seine Hoden und seinen Penis stundenlang mit Kabelbindern, während sie auf seine Genitalien schlugen. Tage lang habe er danach Blut uriniert.
Einmal wurde er festgehalten und nackt ausgezogen, und während ihm die Augen verbunden und die Hände gefesselt waren, wurde ein Hund herbeigerufen. Auf Anfeuerung eines Hundeführers auf Hebräisch, so sagte er, bestieg ihn der Hund.
„Sie machten mit Kameras Fotos, und ich hörte ihr Lachen und Kichern“, sagte er. Er habe versucht, den Hund abzuschütteln, doch dieser drang in ihn ein.
AnderepalästinensischeHäftlinge und Menschenrechtsbeobachter haben ebenfalls Berichte über Polizeihunde angeführt, die darauf trainiert wurden, Häftlinge zu vergewaltigen. Der Journalist berichtete, dass ihn ein israelischer Beamter bei seiner Freilassung gewarnt habe: „Wenn du am Leben bleiben willst, wenn du zurückkehrst, sprich nicht mit den Medien.“
Warum war er also bereit zu sprechen?
„Es gibt Momente, in denen das Erinnern unerträglich ist“, sagte er. „Mein Herz hatte das Gefühl, es könnte stehenbleiben, als ich gerade mit Ihnen darüber sprach. Aber ich erinnere mich, dass dort immer noch Menschen sind. Deshalb spreche ich darüber.“
(…)
Israelische Siedler sind kein offizieller Arm des Staates in demselben Sinne wie das Gefängnissystem, doch die israelischen Streitkräfte schützen die Siedler zunehmend, wenn diese palästinensische Dorfbewohner angreifen und sexuelle Gewalt einsetzen, um Palästinenser zur Flucht zu zwingen. „Sexualisierte Gewalt wird eingesetzt, um Gemeinschaften unter Druck zu setzen“, ihr Land zu verlassen, so ein neuer Bericht des West Bank Protection Consortium, einer Koalition internationaler Hilfsorganisationen unter der Leitung des Norwegischen Flüchtlingsrats.
Das Konsortium befragte palästinensische Bauern und stellte fest, dass mehr als 70 Prozent der vertriebenen Haushalte angaben, dass Drohungen gegen Frauen und Kinder, insbesondere sexuelle Gewalt, der ausschlaggebende Grund für ihre Flucht waren. „Sexuelle Gewalt“, so Allegra Pacheco von der Koalition, „ist einer der Mechanismen, die Menschen von ihrem Land vertreiben.“
In einem abgelegenen Weiler von Beduinenbauern im Jordantal traf ich einen 29-jährigen Bauern, Suhaib Abualkebash, der erzählte, wie eine Bande von etwa 20 Siedlern durch die Häuser seiner Familie wütete, Erwachsene und Kinder gleichermaßen schlug und Schmuck sowie 400 Schafe stahl – und zudem seine Kleidung mit einem Jagdmesser zerschnitt und dann seinen Penis fest mit Kabelbindern fesselte und daran riss.
„Ich hatte Angst, sie würden mir den Penis abschneiden“, erzählte mir Abualkebash. „Ich dachte, das wäre das Ende für mich.“
Manche fragen sich vielleicht, ob Palästinenser Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe erfunden haben, um Israel zu diffamieren. Das erscheint mir weit hergeholt, da keiner der von mir Befragten mich aufgesucht hat oder wusste, mit wem ich sonst noch sprach, und sie zögerten, sich zu äußern. Dennoch gibt es Anzeichen dafür, dass sexueller Missbrauch durch Israel so häufig geworden ist, dass sich die Normen ändern und palästinensische Opfer etwas eher bereit sind, sich zu äußern.
„Sechs Monate lang konnte ich nicht darüber sprechen, nicht einmal mit meiner Familie“, sagte Mohammad Matar, ein palästinensischer Beamter, der mir erzählte, dass Siedler ihn entkleidet, geschlagen und ihm mit einem Stock in den Hintern gestochen hätten, während sie davon sprachen, ihn zu vergewaltigen. Während des Angriffs veröffentlichten die Angreifer in den sozialen Medien ein Foto von ihm, auf dem er mit verbundenen Augen und bis auf die Unterhose entkleidet zu sehen war.
Mit der Zeit beschloss Matar, sich zu äußern, um zu versuchen, das Stigma zu durchbrechen. Er hat nun einen vergrößerten Abzug des Fotos, das die Siedler von ihm gemacht haben, an der Wand seines Büros hängen.
Um zu versuchen, meine Erkenntnisse einzuordnen, rief ich Ehud Olmert an, der von 2006 bis 2009 Premierminister war. Olmert sagte mir, er wisse nicht viel über sexuelle Gewalt gegen Palästinenser, sei aber von den Berichten, die ich gehört hatte, nicht überrascht.
„Glaube ich, dass so etwas passiert?“, fragte er. „Auf jeden Fall.“
„In den Gebieten werden jeden Tag Kriegsverbrechen begangen“, fügte er hinzu.
Damit kommen wir auf den Punkt zurück, den ich am Anfang dieser Kolumne angesprochen habe: Die Unterstützer Israels hatten 2023 Recht, dass wir, unabhängig von unseren Ansichten zum Nahen Osten, in der Lage sein sollten, Vergewaltigung zu verurteilen.
„Wo zum Teufel seid ihr?“, fragte Netanjahu damals die internationale Gemeinschaft und forderte sie auf, die sexuelle Gewalt zu verurteilen, die von dem begangen wurde, was die israelische Regierung als das „Hamas-Vergewaltigungsregime“ bezeichnet hat.
Die Hamas hat in der Tat die Menschenrechte brutal verletzt. Israelische Amtsträger sollten jedoch auch auf ihre eigenen Verstöße blicken – insbesondere auf das, was ein 49-seitiger Bericht der Vereinten Nationen aus dem letzten Jahr als Israels „systematische“ Unterwerfung der Palästinenser unter „sexualisierte Folter“ bezeichnete, begangen mit zumindest „impliziter Ermutigung durch die oberste zivile und militärische Führung“.
Betrachten Sie es einmal so: Der schreckliche Missbrauch, den israelische Frauen am 7. Oktober erlitten haben, widerfährt nun Tag für Tag den Palästinensern. Er hält an wegen des Schweigens, der Gleichgültigkeit und des Versagens amerikanischer und israelischer Amtsträger gleichermaßen, Netanjahus Frage zu beantworten: Wo zum Teufel seid ihr?“
Dieser Artikel wurde von der Redaktion leicht gekürzt. Den vollständigen Artikel können Sie lesen unter https://archive.ph/2026.05.15-132237/https:/www.nytimes.com/2026/05/11/opinion/israel-palestinians-sexual-violence.html.
Anm. d. Red: Der Autor dieses Artikels ist zweifacher Pulitzer-Preisträger.

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #396: Die Zivilgesellschaft muss sich gemeinsam für Palästina einsetzen

Verantwortungsbewusstes Handeln allein reicht nicht aus, es bedarf kollektiven Handelns

1. Die Zivilgesellschaft muss sich gemeinsam für Palästina einsetzen
2. Bemerkenswert: Mehr als zwei Dutzend US-Abgeordnete der Demokratischen Partei haben einen Brief an Außenminister Marco Rubio geschickt; sie fordern die Trump-Regierung auf, ihr Schweigen zu Israels Atomwaffen zu brechen.

  • Treffen der Außenminister: EU einigt sich auf Sanktionen gegen israelische Siedler
  • Die Außenminister der Europäischen Union haben beschlossen , Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen zu verhängen, die mit Gewalt und der Enteignung von Palästinensern im Westjordanland in Verbindung stehen.

3. Menschenrechte: Ein palästinensischer Junge wurde von israelischen Soldaten erschossen. Sein Tod hat keine „soziologischen Konsequenzen“

Am 6. Mai sprach Shir Hever, Geschäftsführer von BIP, im Namen von BIP auf dem Symposium zur Rolle der Zivilgesellschaft, das vom UN-Ausschuss für die unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes in Brüssel organisiert wurde. Nachfolgend finden Sie  hier seinen Vortrag:

Dr. Shir Hever, Brüssel, 6. Mai 2026
Symposium zur Rolle der Zivilgesellschaft – Podiumsdiskussion zu bewährten Praktiken auf individueller Ebene
Exzellenzen, verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich danke Ihnen für die Einladung und die Gelegenheit, hier sprechen zu dürfen.

Titelbild vom UN-Ausschuss für die unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes. Quelle: 2026, UN.

Avi Bluth, Chef des israelischen Zentralkommandos, sagte: „Es ist ein Wunder, dass die Palästinenser dem jüdischen Terror gegenüber gleichgültig sind“, und fügte hinzu: „Wir töten so, wie wir seit 1967 nicht mehr getötet haben.“ Dies wurde in den Medien berichtet, und vielleicht haben Sie davon gehört, aber ich möchte die korrekte Übersetzung aus dem Hebräischen klarstellen. Bluth sagte, dass die Palästinenser den an ihnen begangenen Gräueltaten gegenüber „gleichgültig“ seien. Ich bin mir sicher, dass hier niemand glaubt, dass eine Familie gegenüber Gewalt gleichgültig sein kann – gegenüber der Tötung und Verletzung von Familienmitgliedern, der Zerstörung von Häusern, dem Raub von Land und Eigentum.

Die Tatsache, dass das israelische Militär glaubt, die Palästinenser seien gleichgültig, ist eine Botschaft an uns: Wir haben unsere Pflicht, die Aggression zu stoppen und die Bevölkerung zu schützen, nicht erfüllt. Es ist uns nicht gelungen, der Straffreiheit Israels ein Ende zu setzen.

Da ich hier in Brüssel, dem Sitz der Europäischen Union, spreche, halte ich es für wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Zivilgesellschaft von unseren Staats- und Regierungschefs enttäuscht ist. Amnesty International, eine der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen, bezeichnete die Europäische Union vor zwei Wochen in Luxemburg als „Anführer der Feiglinge“.

Ich möchte nun auf den Titel dieser Podiumsdiskussion eingehen: „Individuelle Best Practices“ (Bewährte Verfahren auf individueller Ebene) – ein Titel, der meiner Meinung nach kritisch hinterfragt werden muss. Er hat eine doppelte Bedeutung: Sind die Akteure Einzelpersonen, von denen erwartet wird, dass sie Best Practices umsetzen, oder werden Handlungen in einzelne Schritte zerlegt, die selbst Best Practices sein sollten?

Ich lehne beide Interpretationen ab. Akteure müssen gemeinsam handeln, nicht als Einzelpersonen. Maßnahmen müssen als Teil einer umfassenden Strategie ergriffen werden, nicht als eine Reihe isolierter Handlungen.

Die Verantwortung zum Handeln liegt in der Tat beim Einzelnen. Jeder von uns muss sich fragen: Was kann ich tun? Wie kann ich mir selbst in den Spiegel schauen oder meinen Kindern erklären, was ich getan habe, um einen Völkermord zu verhindern? Wir können uns der Verantwortung nicht entziehen, indem wir sie auf die Organisation abwälzen, für die wir arbeiten.

Aber handeln bedeutet, wirksam zu handeln – nicht, um unser Gewissen zu beruhigen, sondern um alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Gräueltaten zu stoppen, israelische Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen und die Rechte der Palästinenser vor ethnischer Säuberung, Apartheid, Besatzung und Völkermord zu schützen.

Die Zivilgesellschaft ist ein Kollektiv, das unsere Bemühungen effektiv bündeln und Ergebnisse erzielen kann. Wir handeln gemeinsam, um die Umsetzung des Völkerrechts, der Menschenwürde und der Anständigkeit einzufordern – um uns gegen Israels rassistische Politik und Europas rassistische Komplizenschaft mit dieser Politik zu stellen.

Was ist die beste Vorgehensweise? Kollektives Handeln ist die beste Vorgehensweise.

Kollektives Handeln ist nicht nur im Sinne der Akteure kollektiv, sondern auch in dem Sinne, dass es Teil einer umfassenden Strategie ist. Wir alle haben eine Rolle zu spielen. Um die illegalen und unmoralischen Waffenlieferungen nach Israel zu stoppen, müssen Gewerkschaften in Häfen und Flughäfen handeln – und Hafenarbeiter haben immer wieder gezeigt, dass sie sich wehren und sich weigern, illegale Anweisungen zu befolgen. An den Universitäten haben wir gesehen, wie Studierende und Lehrende Maßnahmen ergriffen haben, um die Beziehungen zur israelischen Wissenschaft abzubrechen – als wirksames Druckmittel, um europäische Universitäten vor Komplizenschaft zu schützen und ethische Richtlinien aufrechtzuerhalten. Finanzinstitute – und hier möchte ich jede Organisation mit einem Stiftungsvermögen einschließen, das Investitionen tätigen kann, wie beispielsweise  Kirchen – müssen Maßnahmen ergreifen, um sich von Unternehmenzurückzuziehen, die die Besatzung, die Apartheid und den Völkermord durch Israel ermöglichen.

Zusammen entfalten diese Maßnahmen eine enorme und wirkungsvolle Kraft. Israel befindet sich in einer Wirtschaftskrise von beispiellosem Ausmaß – einer Krise, die es mit verschiedenen Mitteln zu verschleiern versucht –, weil ihm die für die Begehung dieser Verbrechen notwendigen Ressourcen ausgehen und weil Hunderttausende Israelis das Land verlassen, da sie keine Zukunft für sich in Israel sehen. Angesichts anhaltender globaler gemeinsamer Maßnahmen ist es Israel unmöglich, weiterhin gegen das Völkerrecht zu verstoßen.

Die Zivilgesellschaft nimmt in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedliche Formen an. Hier im Westen entstand die Zivilgesellschaft mit dem Ziel, die politische Führung gegenüber der Öffentlichkeit zur Rechenschaft zu ziehen – um sicherzustellen, dass die Bevölkerung nicht ignoriert wird. Ihr wisst alle, dass die öffentliche Meinung, selbst in Europa, überwiegend gegen Waffenlieferungen an Israel, gegen das Assoziierungsabkommen mit Israel und gegen die Straffreiheit israelischer Soldaten ist, die in Europa Urlaub machen und dann zurückkehren, um Kinder in Gaza zu töten. Umfragen zeigen dies. Straßenproteste zeigen dies. Mehr als eine Million Unterschriften für die Europäische Bürgerinitiative zur Aussetzung des Assoziierungsabkommens zeigen dies. Und doch haben die europäischen Regierungen bisher nicht darauf gehört.

Wie Seine Exzellenz Riad Mansour feststellte, haben wir die Macht. Die Zivilgesellschaft hat die Macht – aber gegen wen richtet sie sich? Wir können Panzer, Artillerie und Kampfflugzeuge nicht aufhalten. Wir haben Macht über unsere eigenen Regierungen, und genau so sind wir verpflichtet, sie einzusetzen. Es liegt in unserer individuellen Verantwortung, gemeinsam in zivilgesellschaftlichen Organisationen zu handeln, um unsere Regierungen dazu zu bewegen, Sanktionen gegen Israel zu verhängen.

Ich möchte noch etwas zum Problem der sogenannten „individuellen Best Practices“ sagen. Es erinnert an die Logik verantwortlichen Verhaltens. Die Verantwortlichkeit („responsibility of conduct“) ist ein Rechtsbegriff, der von europäischen Akteuren missbraucht wurde, um Maßnahmen zu vermeiden – mit dem Ergebnis, dass das Völkerrecht systematisch verletzt wurde.

Politiker in Europa behaupten nämlich, sie seien nicht in der Lage, Europas Mitschuld am Völkermord zu beenden, da ihre Verhaltenspflicht sich nur auf das von ihnen bekleidete Amt beziehe. In meiner Arbeit für die BDS-Bewegung habe ich gesehen, wie verschiedene europäische Gerichte dieses Konzept missbrauchen. Als Anwälte rechtliche Schritte einleiteten, um Waffenlieferungen an Israel zu stoppen, erklärten die Gerichte, sie würden nur entscheiden, wenn nachgewiesen würde, dass europäische Regierungen ihre Verhaltenspflicht verletzt hätten. Anstatt eine allgemeine Anordnung zu erlassen, um den Versand von Waffen und Gütern mit doppeltem Verwendungszweck nach Israel zu stoppen, verlangten diese Gerichte den Nachweis, dass eine bestimmte Waffe aus einem bestimmten Land an einem bestimmten Ort in Gaza zu einer bestimmten Zeit gegen bestimmte Personen eingesetzt wurde.

Israel weiß das und macht sich dies zunutze. Eine Organisation – die ich hier nicht namentlich nennen möchte – strebte ein Urteil zum Verbot von Waffenexporten nach Israel an und fand einen Palästinenser in Gaza, der bereit war, auszusagen und über den konkreten Einsatz einer Waffe zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort zu berichten. Israel ermordete die Familie dieses Zeugen, um andere davon abzuschrecken, auf diese Weise vor Gericht auszusagen.

Demonstration in Paris gegen den Völkermord im Gazastreifen. Quelle: 2025, Anews.

Die Verantwortung eines Gerichts muss aber darin bestehen, zum Schutz des Völkerrechts zu handeln – nicht nur innerhalb der engen Grenzen der Verantwortlichkeit.

Das extremste Beispiel dafür, wie dieses Konzept missbraucht wird, um Völkermord zu ermöglichen und zu begehen, sind die israelischen Soldaten, die KI-Systeme – die bekannten Systeme „Lavender“, „Gospel“, „Where’s Daddy“ und andere – einsetzen, um Rechtfertigungen für Angriffe auf bestimmte Ziele zu generieren. Israelische Soldaten sagten aus, sie seien überzeugt gewesen, dass ihre Ziele legitim waren, und dass sie ihrer Verhaltenspflicht bei der Anwendung tödlicher Gewalt gemäß den Regeln des Krieges nachgekommen seien. Angesichts der mehr als 20.000 Kinder, die in Gaza von diesen Soldaten getötet wurden, können wir genau erkennen, was diese Verantwortlichkeit wert ist, wenn wir die Augen vor dem Gesamtbild verschließen und uns nur auf den einzelnen Akteur und die einzelne Handlung konzentrieren.

Vielen Dank.

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Vierte Internationale BIP-Konferenz vom 29. – 31. Mai 2026 in Nürnberg:
Wir möchten Sie zur Vierten Internationalen Konferenz einladen, die das Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) vom 29. bis 31. Mai 2026 in der Meistersingerhalle in Nürnberg ausrichtet. Das Thema heißt: Die Zukunft Palästinas.
Es werden Referenten aus Israel, Palästina, USA und Deutschland sprechen und zum großen Teil persönlich anwesend sein.
Programm: https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
Zu Beginn der Konferenz wird der Menschenrechtspreis an die britische Ärztin Dr. Victoria Rose verliehen, die während des Gazakrieges unter Einsatz ihres Lebens unzählige Schwerverletzte versorgte.
Das ZDF-heute journal berichtete in einem Interview mit Dr. Rose:
https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/sgs-sievers-rose-100.html
Musikalisch umrahmt wird die Preisverleihung von Prof. Michael Barenboim. Für Rückfragen stehen zur Verfügung:  Prof. Dr. Ninon Colneric: ninon.colneric@t-online.de oder Ekkehart Drost: e1944drost@gmx.de
Konferenzanmeldungen sind noch möglich per E-Mail an Dr Götz Schindler: goetz.schindler@t-online.de
Frau Marina Popp vom Reservierungsbüro des Ramada-Hotels in Nürnberg teilte uns mit, dass noch Zimmer im Rahmen des vergünstigten BIP-Kontigents verfügbar sind: reservierung@ramada-nuernberg.de
https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 396 Bemerkenswert:
Mehr als zwei Dutzend Abgeordnete der US-Demokratischen Partei haben einen Brief an Außenminister Marco Rubio geschickt; sie fordern die Trump-Regierung auf, ihr Schweigen zu Israels Atomwaffen zu brechen.
„Die Vereinigten Staaten erkennen die Atomwaffenprogramme des Vereinigten Königreichs, Frankreichs, Indiens, Pakistans, Russlands, Chinas und Nordkoreas offen an. Wir fordern, dass Israel denselben Maßstäben unterworfen wird wie jedes andere Land, und dass die Regierung der Vereinigten Staaten offen über ihre potenziellen Atomwaffenkapazitäten spricht, wie auch immer diese aussehen mögen“, heißt es in dem Schreiben, das von dem Abgeordneten Joaquin Castro (D-TX) initiiert wurde. „Wir können keine kohärente Nichtverbreitungspolitik für den Nahen Osten entwickeln – auch nicht in Bezug auf das zivile Atomprogramm des Iran und die zivilen nuklearen Ambitionen Saudi-Arabiens –, wenn wir gleichzeitig eine Politik des offiziellen Schweigens über die Atomwaffenkapazitäten einer Partei beibehalten, die im laufenden Konflikt, an dem die Vereinigten Staaten direkt beteiligt sind, eine zentrale Rolle spielt“, heißt es weiter.
https://newsletters.mondoweiss.net/emails/webview/59730/186835793340269908

Treffen der EU-Außenminister einigt sich auf Sanktionen gegen israelische Siedler
Stand: 11.05.2026 • 18:12 Uhr
Ungarn hat seine Blockade-Haltung aufgegeben: Bei ihrem Treffen in Brüssel haben sich die Außenminister der EU auf Sanktionen gegen gewalttätige israelische Siedler geeinigt. Auch sprach man sich für weitere Strafmaßnahmen gegen Russland aus.
Die Außenminister der EU-Staaten haben sich nach dem Ende einer langen ungarischen Blockade auf die Verhängung weiterer Sanktionen wegen der Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland verständigt.
“Es ist vollbracht”, schrieb der französische Außenminister Jean-Noel Barrot im Onlinedienst X. EU-Vertretern zufolge wurden mindestens sieben Siedler oder Siedlerorganisationen auf die Sanktionsliste gesetzt, ebenso wie Vertreter der militant-islamistischen Palästinenserorganisation Hamas.
Die geplanten Sanktionsbeschlüsse werden unter anderem zur Folge haben, dass in der EU Vermögenswerte eingefroren werden müssen. Für Personen würde zusätzlich ein EU-Einreise- und Durchreiseverbot gelten.
Wohl keine Sanktionen gegen Minister
Details zu den betroffenen Personen und Organisationen sollen laut der Nachrichtenagentur dpa erst dann bekanntgegeben werden, wenn die Sanktionen vermutlich in den kommenden Wochen formell beschlossen werden.
Den Angaben zufolge werden allerdings nicht, wie ursprünglich in Erwägung gezogen, auch Finanzminister Bezalel Smotrich und Polizeiminister Itamar Ben-Gvir sanktioniert. Für diesen Schritt gebe es weiterhin nicht den erforderlichen Konsens, hieß es.“ https://www.tagesschau.de/ausland/europa/treffen-eu-aussenminister-israel-ukraine-100.html

Der EU-Rat beschließt Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen
11.5. 2026
Die Außenminister der Europäischen Unionhaben heute beschlossen, Sanktionen gegen vier Siedlerorganisationen zu verhängen, die mit Gewalt und der Enteignung von Palästinensern im Westjordanland in Verbindung stehen.
Die sanktionierten Organisationen sind: Amana, HaShomer Yosh, Regavim und Nachala. Neben diesen Organisationen hat die EU außerdem beschlossen, Sanktionen gegen drei Siedler zu verhängen, die diese Gruppen leiten.
Peace Now: Dies ist ein ernstes Warnsignal, das uns die Europäische Union sendet. Die grassierende Gewalt der Siedler im Westjordanland, die von der Regierung gefördert und unterstützt wird, führt Israel in einen moralischen Abgrund und hinterlässt einen unauslöschlichen Makel auf dem Staat Israel. Die Entscheidung der Europäischen Union ist auch ein Aufruf an die israelische Öffentlichkeit, die Augen zu öffnen und die Realität zu sehen, die wir durch jahrzehntelange Kontrolle und Besiedlung der besetzten Gebiete geschaffen haben. Es ist an der Zeit, den Verfall zu stoppen und den langen Weg hin zu einer politischen Einigung und zum Frieden zu beschreiten. Der erste Schritt ist die Einstellung der Siedlungsaktivitäten.
Nähere Informationen über die Organisationen finden Sie hier:
https://peacenow.org.il/en/the-eu-council-decides-to-impose-sanction-on-four-settler-organizations

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden:
Ein palästinensischer Junge wurde von israelischen Soldaten erschossen. Sein Tod hat keine „soziologischen Konsequenzen“
„Der Chef des Zentralkommandos der israelischen Streitkräfte hat den Truppen faktisch befohlen, Steinewerfer sofort zu erschießen – sofern es sich um Palästinenser handelt. Die Soldaten setzen dies um. Der 15-jährige Youssef Shtayyeh wurde aus 100 Metern Entfernung erschossen, als er floh. Avi Bluth, der oberste Offizier des Zentralkommandos der israelischen Streitkräfte, hat diese Woche den seit langem bestehenden Ethikkodex der Armee neu formuliert – und der Stabschef schwieg.
Laut Generalmajor Bluth ist es zulässig und vielleicht sogar notwendig, auf Steinewerfer zu schießen – bei denen es sich in fast allen Fällen um Kinder oder Jugendliche handelt –, solange es sich um Palästinenser handelt. Sind es Juden, dürfen sie wegen der „soziologischen Konsequenzen“ einer solchen Tat nicht erschossen werden, wie er es in seiner verdrehten Apartheid-Sprache formulierte.
Soziologische Folgen des Tötens von Kindern entstehen also nur, wenn die Erschossenen Juden sind, Mitglieder des auserwählten Volkes, nicht aber, wenn es sich um minderwertige, soziologisch unbedeutende Palästinenser handelt. Bluth, der hier auch einen neuen teuflischen Begriff in den Diskurs einführte – „hinkende Denkmäler“, womit er erbärmliche Arbeitssuchende meinte, denen von seinen Soldaten gnadenlos in die Beine geschossen wird und die damit lebenslang zum Invaliden gemacht werden –, prahlte zudem damit, dass die IDF unter seiner Führung mehr Palästinenser getötet habe als je zuvor. Das ist natürlich falsch, da in den Jahren der Intifada mehr Menschen getötet wurden, aber allein die Tatsache, dass ein so hochrangiger Kommandeur stolz auf die Zahl der Einheimischen ist, die seine Truppen getötet haben, ist absolut widerwärtig.
Und all das löste in Israel nur ein Gähnen aus.
Ganze 96 Prozent der in den letzten drei Jahren Getöteten seien in Terrorismus verwickelt gewesen, erklärte der für das Militär im Westjordanland und im Jordantal zuständige General. Offensichtlich. Schließlich ist für ihn jeder geborene Palästinenser irgendwie untrennbar mit dem Terrorismus verbunden.
Bluth würde daher sicherlich Youssef Shtayyeh, einen 15-Jährigen aus Nablus, als zum Tode bestimmt betrachten. Nach dem bizarren Moralverständnis des Offiziers haben seine Truppen das Richtige getan, als sie ihn vor einigen Wochen kaltblütig aus beträchtlicher Entfernung töteten, während er floh, ohne eine sichtbare Gefahr für sie darzustellen. Die Auszeichnung des Generals ist bereits in der Post.
(…)
„Das ist unser Schicksal. Wir verlieren unsere Kinder ohne jeden Grund. Die Armee hat mir Youssef weggenommen, ihn mitgenommen und ist vom Tatort geflohen“, sagt Sameh. Er nennt Youssef „mein Baby“, wenn er auf Hebräisch und Arabisch spricht. Das mit seinem Blut befleckte Handy des Jungen steckt in der Tasche seines Vaters.
Am 23. April, einem Donnerstag, machten sich die drei Brüder auf den Weg zur Schule: Abdullah und Youssef wurden wie üblich mit einem Taxi zu ihrer Schule im nahegelegenen Dorf Beit Iba gebracht; Mohammed fuhr mit dem Bus zu seiner Grundschule in Nablus.
Sameh versprach, sie alle am Ende des Tages abzuholen, aber er verspätete sich und fuhr schließlich zuerst nach Hause. Abdullah wartete auf ihn, aber Youssef fuhr mit dem Taxi nach Hause. Als Sameh nach Hause kam, sah er Youssefs Schultasche, aber der Junge war nicht da. Nidah erzählte ihm, dass sie das Taxi bezahlt hatte und dass Youssef unmittelbar danach gegangen war. Es gab damals Gerüchte, dass die IDF in die Stadt eingedrungen sei und dass Soldaten auf dem Weg nach Rafidia seien.
Ein paar Minuten, nachdem Sameh gegen 13 Uhr losgefahren war, um Abdullah abzuholen, waren in der Nachbarschaft Schüsse zu hören. Zuerst ein Schuss und dann vier oder fünf weitere. Unterwegs bemerkte Sameh zwei Autos auf der Straße. Er konnte damals noch nicht wissen, dass sein Sohn in einem davon lag und im Sterben lag.
Seine Angst wuchs. Auch seine Frau rief verzweifelt immer wieder ihren Sohn an. Ihre Sorge vergrößerte sich, als Verwandte anriefen und fragten, wie es Youssef ginge – sie hatten bereits begriffen, was Sameh nur vermutete. Zunächst sagte ihm jemand, der Teenager sei am Bein verwundet worden und liege im Rafidia-Krankenhaus, doch als er und Nidah dort ankamen, wurde ihnen mitgeteilt, dass kein Verwundeter aufgenommen worden sei.
Laut Salma a-Deb’i, einer Feldforscherin bei B’Tselem – dem israelischen Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten – rasten am frühen Nachmittag drei Armeejeeps in die Stadt. In Nablus heißt es, die Truppen seien gekommen, um einen Verdächtigen aus einer israelisch-arabischen Verbrecherfamilie festzunehmen, doch die Pressestelle der IDF nannte in ihrer später veröffentlichten Erklärung keinen Grund für den Einfall.
Es gab keine Zusammenstöße, während die Truppe in der Stadt war, bemerkt a-Deb’i, und es wurden keine Steine geworfen. Die Truppen waren gerade dabei, die Stadt zu verlassen – es ist unklar, ob sie jemanden festgenommen hatten –, als der Schulunterricht endete. Als die Fahrzeuge die Hauptstraße verließen und in Richtung des Stadtteils Rafidia fuhren, versammelten sich fünf oder sechs junge Leute, darunter Youssef, und warfen einige Steine auf sie. Die Jeeps waren etwa 100 Meter entfernt, sagt a-Deb’i, und die Steine stellten keine Gefahr für die Insassen der gepanzerten Jeeps dar; es ist unwahrscheinlich, dass sie den Fahrzeugen überhaupt nahekamen. Die Jugendlichen versuchten zu fliehen, doch die Soldaten beschlossen offenbar, mit tödlichen Mitteln gegen sie vorzugehen. Die Jeeps hielten an, und drei Soldaten stiegen aus einem von ihnen aus. Augenzeugen berichteten a-Deb’i, dass einer zum ersten Jeep ging, mit einem Offizier sprach und dann auf einem Knie eine Schussposition einnahm. Die Jungen begannen zu fliehen.
Der Soldat zielte und feuerte einen einzigen Schuss ab, der Youssef auf der rechten Seite des oberen Rückens traf, als dieser davonlief. Das Erschießen und Töten einer Person, die um ihr Leben rennt, scheint im Westjordanland zur Routine geworden zu sein. A-Deb’i berichtete, dass Augenzeugen ihm erzählten, der Soldat habe, nachdem Youssef getroffen worden war, weitere vier oder fünf Schüsse auf ihn abgefeuert.
Die Pressestelle der IDF erklärte, die ordnungsgemäßen Verfahren zur Festnahme von Verdächtigen seien eingehalten worden, doch laut den Zeugenaussagen geschah es genau umgekehrt: Zuerst wurde der Teenager getötet, und erst danach wurden Warnschüsse abgegeben. Ein verschwommenes Video, das von einem Augenzeugen aus der Ferne aufgenommen wurde, dokumentiert Youssefs letzte Momente. Man sieht, wie er auf ein vorbeifahrendes Privatfahrzeug zustolpert. Die Insassen des Wagens, ein älteres Ehepaar, erzählten der B’Tselem-Feldforscherin, dass sie zunächst nicht begriffen hätten, dass der Junge wollte, dass sie anhalten, doch dann nahmen sie den verängstigten und verwirrten Jugendlichen in ihr Auto auf. Die Soldaten, so sagten sie, feuerten noch einige Schüsse auf Youssef ab, als er sich dem Auto näherte, und das Paar fürchtete um sein eigenes Leben. Erst als der Teenager plötzlich auf dem Rücksitz zusammenbrach, sahen sie Blut aus seiner Brust strömen, an der Austrittsstelle der Kugel.
Das Auto raste zur privaten Klinik in der Stadt; das Paar sagte später, sie hätten Angst gehabt, nach Rafidia zu fahren, da die Armee noch immer auf der Hauptstraße stand.
Die Truppen verließen den Ort des Geschehens unmittelbar nach den Schüssen. In der Vergangenheit, so betont a-Deb’i, feuerten Soldaten Tränengas oder Blendgranaten auf Steinewerfer ab, doch in den letzten zwei Jahren schießen sie, um zu töten.
Die Pressestelle der IDF begnügte sich diese Woche mit einer standardmäßigen, trockenen, allgemeinen Stellungnahme: „Am 23. April warf während eines Einsatzes der Sicherheitskräfte in Nablus, im [der Shomron-Brigade zugewiesenen] Gebiet, ein Terrorist Steine auf die Streitkräfte. Die Streitkräfte führten das Verfahren zur Festnahme des Verdächtigen durch [und] eröffneten am Ende das Feuer auf den Terroristen. Die Behauptung, dass ein Palästinenser an Ort und Stelle getötet wurde, ist bekannt.“
So läuft es: Der Junge ist ein „Terrorist“, sein Tod ist „bekannt“ – für denjenigen, der ihn kaltblütig getötet hat. Im Krankenhaus wurde Sameh und Nidah mitgeteilt, dass Youssef auf dem Operationstisch gestorben sei. Das Personal hatte versucht, die Bekanntgabe des Todes ein wenig hinauszuzögern – ihr Sohn war tatsächlich bereits bei der Einlieferung tot.
„Der Soldat hat gezielt auf mein Kind geschossen“, erzählt uns der trauernde Vater. „Ich möchte Sie fragen: Hilft die Tötung meines Sohnes dem großen Israel? Wie kann ein Land wie Israel Kinder erschießen? Und noch eine Frage: In Tel Aviv demonstrieren Menschen und bewerfen die Polizei mit Gegenständen – werden sie getötet? Mein Sohn hat keine Raketen gebaut. Er hat keinen Soldaten gefährdet. Das Erschießen von Kindern schadet eurem internationalen Ansehen. „Ich trage den Tod meines Sohnes in meinem Herzen“, fuhr er fort. „Aber ihr [in Israel] müsst verstehen, dass ein Land ohne Moral nicht stark ist. Es ist nicht normal, dass sich ein Land wie Israel wie eine kriminelle Bande verhält. Das Töten von Kindern ist keine Lösung für irgendetwas. Die Soldaten haben keine Sekunde an mein Kind gedacht. Das ist Bandenverhalten. Solche Soldaten müssen aus der Armee ferngehalten werden.“
https://www.haaretz.com/israel-news/twilight-zone/2026-05-09/ty-article-magazine/.highlight/a-palestinian-boy-was-shot-dead-his-death-has-no-sociological-consequences/0000019e-0af8-d930-adde-bbfe6ab60000?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Gideon+Levy&utm_term=20260509-07:58

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #395: Die kolonialistische Aneignung der palästinensischen Steuereinnahmen

Israel stürzt das Westjordanland in eine Wirtschaftskrise

  1. Die kolonialistische Aneignung der palästinensischen Steuereinnahmen
  2. Über 450 ehemalige europäische Minister, Botschafter und hochrangige Beamte fordern die EU wegen der israelischen Planungen für das E1-Gebiet zum Handeln auf
  3. Spanien verleiht der UN-Rechtsexpertin Francesca Albanese eine seiner höchsten zivilen Auszeichnungen
  4. Palästinensische Kommunalwahlen unter völkerrechtswidrigen Bedingungen

Das Pariser Abkommen regelt die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Israel verstößt gegen die Vereinbarungen und weigert sich, die Steuern, die es im Namen der PA erhebt, weiterzuleiten. Dies hat eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst, die zu einem hohen Haushaltsdefizit und drastischen Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst geführt hat – und das zu einer Zeit, in der die palästinensische Wirtschaft im Westjordanland stark unter der Gewalt der Siedler leidet.
 
Im April 1994 unterzeichneten Israel und das palästinensische Verhandlungsteam in Paris das Pariser Abkommen, in dem sie sich auf eine vorübergehende wirtschaftliche Regelung zwischen Israel und der neu gegründeten Palästinensischen Autonomiebehörde einigten. Die Palästinenser strebten wirtschaftliche Unabhängigkeit an, doch das israelische Verhandlungsteam, das damals unter der Leitung von Shimon Peres stand, wollte die enge wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den beiden Volkswirtschaften aufrechterhalten, um durch Ausbeutung Gewinne für die israelische Wirtschaft zu erzielen. Das palästinensische Verhandlungsteam akzeptierte die wirtschaftliche Abhängigkeit, da die israelische Delegation damit drohte, Palästinensern die Arbeit in Israel zu verbieten, sollten sie auf wirtschaftlicher Autonomie bestehen.

Screenshot eines Artikels von Nadia Naser-Najjab aus dem Jahr 2016 im Magazin „+972“ über das Vermächtnis von Shimon Peres. Der Text lautet: „Eine palästinensische Perspektive auf das Vermächtnis von Shimon Peres; von +972 Magazine, 28. September 2016; Das Misstrauen, mit dem Palästinenser dem israelischen Friedenslager begegnen, erscheint internationalen Beobachtern oft als Überraschung oder gar als Affront. Doch der Unterschied zwischen der israelischen Linken und der Rechten ist allzu oft eher gradueller als qualitativer Natur“.

Das Pariser Abkommen hat ein System von Zollkontrollen geschaffen. Israel kontrolliert alle Grenzübergänge und erhebt Zölle. Es erhebt zudem Mehrwertsteuer auf Produkte, die an Palästinenser in den besetzten Gebieten verkauft werden. Dies gilt sowohl für das Westjordanland als auch für den Gazastreifen, der bis heute vollständig unter der Kontrolle der israelischen Wirtschaft steht und gezwungen ist, die israelische Währung zu verwenden.

Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin war mit Peres’ Agenda der wirtschaftlichen Ausbeutung nicht einverstanden, da er eine vollständige Trennung der Bevölkerungen anstrebte. Rabin ersetzte das Verhandlungsteam und weigerte sich, den Artikel des Pariser Abkommens umzusetzen, der palästinensischen Arbeitern die Freiheit gab, in Israel zu arbeiten. Er hielt jedoch an dem Pariser Abkommen fest. Israel kontrolliert dadurch weiterhin die palästinensische Wirtschaft.

Gemäß dem Pariser Abkommen ist Israel verpflichtet, die Zolleinnahmen und die Mehrwertsteuereinnahmen, die es im Namen der Palästinenser einzieht, jeden Monat an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) zu überweisen. Israel erhebt zudem Einkommensteuern von palästinensischen Arbeitnehmern, die in Israel arbeiten sowie Sondersteuern auf Kraftstoff, Tabak und Zement. Nachdem Israel von diesem Betrag verschiedene Gebühren und Provisionen abgezogen hat, wie beispielsweise die Kosten für die medizinische Behandlung von Palästinensern in israelischen Krankenhäusern, überweist es den Differenzbetrag an die PA. Dies macht etwa zwei Drittel des gesamten palästinensischen Haushalts aus.

Im Jahr 2018 verabschiedete die Knesset ein gegen die PA gerichtetes Gesetz, das es Israel erlaubt, entgegen dem Pariser Abkommen einen Teil der Gelder, zu deren Überweisung an die PA es verpflichtet ist, als Strafe einzubehalten (BIP-Aktuell #164), weil die PA den Familien palästinensischer Gefangener eine Unterstützung zahlt. Obwohl Israel das Abkommen einseitig verletzt, wurden keine Sanktionen gegen das Land verhängt, und es setzte diese Praxis fort. Aus diesem Grund leidet die Palästinensische Autonomiebehörde unter einer anhaltenden Finanzkrise und steht kurz vor dem Bankrott. Bislang hat Israel darauf geachtet, den Zusammenbruch der palästinensischen Autonomie zu verhindern, da es im Interesse Israels liegt, dass die palästinensische Bevölkerung von einer externen Kraft verwaltet und kontrolliert wird, auch wenn die Besatzung andauert (BIP-Aktuell #242).

Am 3. Mai veröffentlichte die Haaretz-Journalistin Amira Hass einen Artikel mit ausführlichen Informationen darüber, dass das israelische Finanzministerium unter der Leitung des rechtsextremen Siedlers Bezalel Smotrich nicht mehr versucht, die PA vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Seit Oktober 2023 hat Israel auch den Anteil des Gazastreifens an den Geldern einbehalten, die es an die PA überweisen muss. Im Jahr 2025 beschloss Smotrich, als Strafe dafür, dass die Palästinensische Autonomiebehörde mit internationalen Organisationen wie dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel zusammenarbeitet, den Rest der zu überweisenden Gelder zu beschlagnahmen. Der Gesamtbetrag der im Namen der Palästinenser eingezogenen und von Israel beschlagnahmten Zölle und Steuern, der sich seit 2019 angesammelt hat, beläuft sich auf 14 Milliarden NIS, etwa 4 Milliarden Euro.

Das israelische Militär warnte die israelische Regierung, dass eine finanzielle Aushungerung der Palästinensischen Autonomiebehörde zu einem Aufstand im Westjordanland führen könnte. Zudem argumentieren israelische Sicherheitsexperten, Israel solle das Verbot für Palästinenser aus dem Westjordanland, in Israel zu arbeiten, aufheben, um die wirtschaftliche Lage im Westjordanland zu verbessern und einen gewaltsamen Aufstand zu verhindern. Die Einnahmen aus Überweisungen palästinensischer Arbeiter aus dem Westjordanland, die in Israel beschäftigt waren, beliefen sich auf etwa eine Milliarde NIS pro Monat. Diese Einnahmen sind seit Oktober 2023 fast vollständig weggebrochen. Die Zahl der Arbeitslosen im Westjordanland stieg von 129.000 im Jahr 2023 auf 290.000 Ende 2025.

Angriffe von Siedlern und die Beschlagnahmung von landwirtschaftlichen Flächen belasten die palästinensische Wirtschaft zusätzlich und führen zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Die PA ist auf die Steuereinnahmen angewiesen, die sie in den Gebieten A und B des Westjordanlands erheben kann. Sie kann damit jedoch weniger als ein Drittel ihres Haushalts finanzieren. Ende März verabschiedete die PA einen Nothaushalt, der von Einnahmen in Höhe von 5 Milliarden NIS und Ausgaben in Höhe von 17 Milliarden NIS ausgeht, was zu einem hohen Defizit führen wird. Unter Berücksichtigung der Haushaltsbeihilfen der Geberländer an die PA prognostiziert die palästinensische Wirtschaftsforschungsorganisation MAS, dass das Defizit für 2026 bei 11,9 Milliarden NIS (3,45 Milliarden Euro) liegen wird.




Screenshot eines BBC-Berichts über einen Angriff von Siedlern auf ein palästinensisches Lagerhaus in Beit Lid im Westjordanland. Quelle: 2025.



Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in den letzten zwei Jahren um 20 bis 50 % kürzen müssen, doch selbst das reicht nicht aus. Ende April kündigte die PA an, dass alle Regierungsangestellten (Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer, Sicherheitspersonal, Beamte usw.) einen Mindestlohn von 2.000 NIS pro Monat – etwa 580 Euro – erhalten werden. Dennoch hat die Gesamtverschuldung der PA Ende 2025 fast 50 Milliarden NIS (14,5 Milliarden Euro) erreicht.

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Werde Mitglied im Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) und unterstütze unsere Arbeit. Jahresbeitrag für stimmberechtigte ordentliche Mitglieder 150 €, für Fördermitglieder 100 €. 
Ein Aufnahmeantrag ist an den Vorstand zu stellen: info@bip-jetzt.de.
Weitere Informationen: www.bip-jetzt.de
Wenn Sie die Arbeit von BIP unterstützen möchten – dies ist unser Spendenkonto: BIP e.V., IBAN: DE 43 2545 1345 0051 0579 58, BIC NOLADE21PMT
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Vierte Internationale BIP-Konferenz vom 29. – 31. Mai 2026 in Nürnberg:

Wir möchten Sie zur Vierten Internationalen Konferenz einladen, die das Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) vom 29. bis 31. Mai 2026 in der Meistersingerhalle in Nürnberg ausrichtet. Das Thema heißt: Die Zukunft Palästinas.
Es werden Referenten aus Israel, Palästina, USA und Deutschland sprechen.
Programm: https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
Zu Beginn der Konferenz wird der Menschenrechtspreis andie britische Ärztin Dr. Victoria Rose verliehen, die während des Gazakrieges unter Einsatz ihres Lebens unzählige Schwerverletzte versorgte. Musikalisch umrahmt wird die Preisverleihung von Prof. Michael Barenboim.
Das ZDF-heute journal berichtete darüber in einem Interview mit Dr. Rose:
https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/sgs-sievers-rose-100.html
Für Rückfragen stehen zur Verfügung:  Prof. Dr. Ninon Colneric: ninon.colneric@t-online.de oder Ekkehart Drost: e1944drost@gmx.de
Konferenzanmeldungen sind noch möglich per E-Mail an Dr Götz Schindler: goetz.schindler@t-online.de
Frau Marina Popp vom Reservierungsbüro des Ramada-Hotels in Nürnberg teilte uns mit, dass noch Zimmer im Rahmen des vergünstigten BIP-Kontigents verfügbar sind: reservierung@ramada-nuernberg.de
https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 395 Bemerkenswert:
Über 450 ehemalige europäische Minister, Botschafter und hochrangige Beamte fordern die EU-Spitzenpolitiker auf, gegen die Annexion des E1-Gebiets im Westjordanland durch Israel vorzugehen
In ihrem am 6.5. veröffentlichten Aufruf heißt es:
„Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen gemeinsam mit ihren Partnern unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um Israel davon abzuhalten, seine illegale Annexion palästinensischen Landes im Westjordanland durch den Bau eines riesigen neuen illegalen Siedlungsblocks im strategisch wichtigen E1-Gebiet weiter voranzutreiben. Israel verfolgt das Ziel, das Westjordanland in zwei Teile zu spalten und jegliche Aussichten auf eine „Zweistaatenlösung“ zunichte zu machen. Zu diesem Zweck beabsichtigt die israelische Regierung, am 1. Juni eine erste Ausschreibung für den Bau von 3401 Wohneinheiten im E1-Gebiet zu veröffentlichen, um bis zu 15.000 illegalen Siedlern Wohnraum zu bieten. Diese E1-Ausschreibung wird fortgesetzt, obwohl die EU und gleichgesinnte Länder seit vielen Jahren beharrlich versuchen, Israel in einen kritischen Dialog einzubinden, um zu verhindern, dass es palästinensisches Land illegal mit Gewalt an sich reißt.
Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen jetzt handeln – unter anderem auf der Tagung des Außenminister-Rates am 11. Mai –, um gemeinsam mit ihren Partnern den illegalen Siedlungsmaßnahmen Israels, insbesondere im E1-Gebiet, entgegenzutreten. Als erste Reaktion muss die EU, ad minimum, gezielte Sanktionen verhängen, darunter Visumsverbote und Verbote für geschäftliche Aktivitäten in der EU für alle, die an illegalen Siedlungsaktivitäten beteiligt sind, insbesondere für diejenigen, die den E1-Plan fördern, Ausschreibungen dafür durchführen und ihn umsetzen. Zu diesen Einrichtungen und Personen gehören Politiker, Siedlerführer, die israelische „Landbehörde“, Vertreter lokaler Behörden, Planer, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure, Bauträger, Bauunternehmer, Banken und andere Finanzinstitute.
Für Zögern und Unklarheiten gibt es keinen Raum mehr.
Die rote Linie des E1-Plans steht kurz davor, überschritten zu werden. Wir müssen gemeinsam, individuell und vor allem jetzt handeln.“
Liste der Unterzeichner

Spanien verleiht der UN-Rechtsexpertin Francesca Albanese eine seiner höchsten zivilen Auszeichnungen
Die spanische Regierung verlieh der UN-Rechtsexpertin Francesca Albanese eine ihrer höchsten zivilen Auszeichnungen in Anerkennung ihrer, wie es hieß, „umfangreichen Arbeit bei der Dokumentation und Anprangerung von Verstößen gegen das Völkerrecht im Gazastreifen“.
Albanese, eine italienische Menschenrechtsanwältin, die als UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten fungiert, hat Israels Militäroperationen in Gaza, die sie als Völkermord bezeichnet hat, lautstark kritisiert.
Sie hat zudem die internationale Gemeinschaft dafür kritisiert, dass sie es versäumt habe, Folter, Völkermord und andere schwere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und zu bestrafen.
Albanese sah sich in Deutschland der Gefahr einer Verhaftung wegen ihrer Wortwahl ausgesetzt und wurde von der US-Regierung mit Sanktionen belegt, weil sie den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) dazu aufgefordert hatte, gegen amerikanische und israelische Unternehmen und Einzelpersonen wegen ihrer mutmaßlichen Mittäterschaft an schweren Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln.“ https://share.google/ShiBGZHFganGOyaLc

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
Palästinensische Kommunalwahlen unter völkerrechtswidrigen Bedingungen
Art. 25 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte, den auch der Staat Palästina ratifiziert hat, verbietet unangemessene Einschränkungen bei Wahlen. Wie der folgende Artikel zeigt, wurde dieses Verbot bei den palästinensischen Kommunalwahlen, die kürzlich stattgefunden haben, missachtet.
«Die Palästinenser halten Kommunalwahlen ab, doch kaum jemand kandidiert. Hier ist der Grund, warum das von Bedeutung ist.
Faris Giacaman
Heute sollten die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen eigentlich neue Bürgermeister und Gemeinderäte wählen, doch an vielen Orten fand keine Wahl statt.
In diesem Jahr werden die palästinensischen Kommunalwahlen von mehreren wichtigen politischen Kräften boykottiert, was in vielen Städten und Gemeinden zu einem völligen Fehlen konkurrierender Kandidaten führt. Viele sehen darin ein Symptom für die allgemeine Lage der palästinensischen Gesellschaft und Politik nach zwei Jahren des Völkermords im Gazastreifen und einer brutalen israelischen Niederschlagung im Westjordanland.
(…)
Bei den Wahlen 2017 konkurrierten in Nablus, Hebron und Ramallah jeweils vier Wahllisten um die Stimmen. Im Jahr 2022 gab es in Nablus sechs Wahllisten, in Hebron sechs und in Ramallah fünf.
In diesem Jahr konkurrieren in Hebron jedoch nur zwei Wahllisten miteinander. In Nablus und Ramallah wird es überhaupt keine Wahl geben, da sich für jede Stadt nur eine Liste registriert hat. Die Stadträte dieser Städte, die im Westjordanland eine überragende politische Bedeutung haben, werden durch Vereinbarungen zwischen den Kandidaten und anderen lokalen sozialen und politischen Kräften gebildet werden.
Im Gazastreifen finden Wahlen nur in der Stadt Deir al-Balah im Zentrum von Gaza statt, da sie eine der wenigen Städte in Gaza ist, die noch weitgehend intakt ist. Große Städte wie Rafah und Khan Younis hingegen wurden dem Erdboden gleichgemacht und gewaltsam entvölkert, was jegliche kommunale Verwaltung unmöglich macht.
Das Wahlgesetz
Die diesjährigen Kommunalwahlen haben ihren einstigen Charakter als „Barometer“ verloren, vor allem weil die meisten großen politischen Kräfte, abgesehen von der Fatah, nicht daran teilnehmen. Die vier wichtigsten linken Oppositionsparteien – die PFLP, die DFLP, die Palästinensische Volkspartei und die Palästinensische Nationale Initiative – kündigten in einer gemeinsamen Erklärung an, dass sie die Wahl boykottieren würden. Die Hamas tat dasselbe in einer separaten Erklärung. Alle nannten denselben Grund: ein neues Wahlgesetz, das im vergangenen Jahr per Präsidialdekret geändert wurde.
Das Gesetz änderte wesentliche Teile des palästinensischen Wahlsystems. Vor allem führte es ein Modell der „offenen Listen“ für die Kommunalwahlen ein. Nach dem neuen Gesetz müssen die Wähler zusätzlich fünf einzelne Kandidaten aus der von ihnen gewählten Liste auswählen, sonst wird ihr Stimmzettel für ungültig erklärt. Das bedeutet, dass die interne Rangfolge der Kandidaten von den Wählern neu gemischt werden kann, wodurch den Parteien faktisch die Möglichkeit genommen wird, die Reihenfolge ihrer eigenen Kandidaten zu bestimmen.
Unterbindung von Debatten
Der umstrittenste Aspekt des neuen Gesetzes – und der Hauptgrund, warum die Oppositionsparteien ihre Teilnahme verweigerten – ist die Auflage, dass alle Kandidaten das politische Programm der PLO und der PA unterstützen müssen, einschließlich der mit Israel unterzeichneten Abkommen und der einschlägigen internationalen Resolutionen.
Diese Auflage unterbindet politische Debatten weit über den engen Bereich der kommunalen Dienstleistungen hinaus – nicht nur, weil die palästinensischen politischen Fraktionen in Bezug auf die Osloer Abkommen, nachfolgende Vereinbarungen und einen längst gescheiterten Verhandlungsprozess gespalten sind, sondern weil diese Spaltungen direkten Einfluss auf das tägliche Leben der Palästinenser und ihrer Gemeinschaften haben, was wiederum die Kommunalpolitik prägt.
(…)
In vielen Städten und Dörfern wird die Bildung des neuen Gemeinderats von Clans übernommen, unter teilweiser Beteiligung lokaler Vereinigungen. Doch in Gaza existieren Hunderte von lokalen Gemeinschaften gar nicht mehr.
„Die diesjährigen Wahlen zeigen, in welchem Maße das politische Leben – und sogar die gesellschaftliche Debatte – in Palästina von der Situation nach dem 7. Oktober und der Politik der Besatzungsmacht beeinflusst wurden“, sagte Abul Hayeh. „Es wird lange dauern, bis sich die Palästinenser davon erholt haben.“
Detaillierte Informationen können Sie nachlesen bei:
https://mondoweiss.net/2026/04/palestinians-are-holding-local-elections-but-hardly-anyone-is-running-heres-why-that-matters/?ml_recipient=185816586277357491&ml_link=185816545574782104&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_term=2026-04-27&utm_campaign=Daily+Headlines+RSS+Automation+-+8am

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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BIP-Aktuell #394: Krise im Bereich der psychischen Gesundheit in Israel

Moralische Verletzungen, Traumata, Drogenmissbrauch

  1. Krise im Bereich der psychischen Gesundheit in Israel
  2. Bemerkenswert: Verein Jüdische Stimme darf nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden
  3. Menschenrechte: Rattenangriff in Gaza – Eine wachsende Rattenplage quält die Zeltstädte im Gazastreifen

Das israelische Gesundheitssystem ist von einer beispiellosen Krise überfordert: Traumata, Schlaflosigkeit, Zwangsstörungen, Drogenabhängigkeit. Psychische Störungen sind besonders unter Soldaten weit verbreitet, wo die Selbstmordrate seit Beginn des Völkermords in Gaza stark angestiegen ist. Da die Regierung keine ausreichenden Mittel zur Bewältigung des Problems bereitstellt, warnen Organisationen, die sich mit der psychischen Gesundheit in Israel befassen und Behandlungen anbieten, vor weitgehenden Auswirkungen. Die psychische Gesundheitskrise ist nicht nur auf Angst infolge des Krieges zurückzuführen, sondern vor allem auf moralische Verletzungen: Schuldgefühle der Soldaten und der Zivilisten, die sie unterstützen, wegen der Gräueltaten in Gaza.

Das israelische Gesundheitssystem war nicht darauf vorbereitet, die Krise zu bewältigen, die sich während des Völkermords in Gaza entwickelte. Sie ist nicht nur durch die Abwanderung von Ärzten verursacht worden, sondern auch durch die psychische Belastung, die dadurch entstanden ist, dass Israel die von ihm begangenen Gräueltaten leugnet und gleichzeitig versucht, sie zu rechtfertigen.

Im Jahr 2024 gab Israel nur 7,3 % seines BIP für das Gesundheitswesen aus, verglichen mit einem Durchschnitt von 9,3 % in den OECD-Staaten (Quelle auf Hebräisch). Ein Drittel dieser Kosten wurde von den Betroffenen aus eigener Tasche bezahlt und nicht über das Krankenversicherungssystem. Jeder dritte Israeli benötigt irgendeine Form psychologischer Behandlung, und viele, die sich diese nicht leisten können oder durch das soziale Stigma abgeschreckt wurden, greifen zu illegalen Drogen. Prof. Shauli Lev-Ran, Gründer des ICA (Israeli Center for Addictions), schätzte, dass die Zahl der Drogenabhängigen in Israel in den Jahren 2024–2025 von 3 % auf über 5 % gestiegen ist (Quelle auf Hebräisch). In diesem Jahr ist die Lebenserwartung in Israel sowohl für Männer als auch für Frauen um 4 Monate gesunken, wobei die Auswirkungen von Kriegsopfern auf die Statistik nicht berücksichtigt sind (Quelle auf Hebräisch).


Der jordanische Sender Roya News berichtete über die Krise im Bereich der psychischen Gesundheit in Israel. Quelle: 2025, Instagram.



Das israelische Gesundheitssystem genoss im internationalen Vergleich früher einen guten Ruf, ist jedoch nicht darauf ausgerichtet, eine psychische Gesundheitskrise dieses Ausmaßes zu bewältigen.

Der Haaretz-Journalist Gid’on Lev (nicht zu verwechseln mit Gideon Levy) legte in einem ausführlichen Artikel das Ausmaß der psychischen Gesundheitskrise in Israel dar (Quelle auf Hebräisch, Stand: April 2026): Im Jahr 2026 ergaben Laboruntersuchungen von Abwasser in Israel, dass der Koffeinkonsum um 425 % gestiegen war, sich der Zigarettenkonsum verdoppelt hat und die Spuren von Stresshormonen in den Abwasserkanälen um 50 % zugenommen haben – im Vergleich zum Ausgangswert vor dem 7. Oktober 2023. Lev berichtet, dass Gesundheitsumfragen zufolge 21 % der Israelis posttraumatische Symptome im klinischen Bereich aufwiesen, wobei die Zahl der Fälle klinischer Schlaflosigkeit seit dem 7. Oktober 2023 von 5 % auf 28 % der Bevölkerung anstieg. Klinische Schlaflosigkeit ist definiert als Schlafstörungen an mindestens drei Nächten pro Woche, die sich auf die Leistungsfähigkeit am Tag auswirken. Die Rate der Zwangsstörungen (Obsessive Compulsive Disorder = OCD) stieg auf 7 % der Bevölkerung, was fast dem Vierfachen des weltweiten Durchschnitts entspricht.

Die psychische Gesundheitskrise zeigt sich besonders bei den israelischen Streitkräften. Über zweitausend israelische Soldaten wurden getötet und Tausende verletzt. Psychische Traumata haben zu einem beispiellosen Ausmaß an psychischen Belastungen geführt. Die Selbstmordraten bei Soldaten und ehemaligen Soldaten haben sich vervielfacht (Quelle auf Hebräisch). Daten zu Selbstmorden (nur unter aktiven Soldaten und unter Berücksichtigung ausschließlich vollendeter Selbstmorde) zeigen, dass in den zehn Jahren vor 2023 die durchschnittliche Zahl der Selbstmorde pro Jahr bei 12 lag. Die Zahl der Selbstmorde unter Soldaten ist in den Jahren 2023, 2024, 2025 und im ersten Quartal 2026 dramatisch gestiegen. Im Jahr 2024 stieg sie um 75 % an, im Jahr 2025 um weitere 5 % und im Jahr 2026 um 36 %. Den offiziellen Berichten zufolge gab es zwischen 2017 und Juli 2025 124 Fälle von Selbstmord. Mehr als ein Drittel davon ereignete sich nach dem 7. Oktober 2023. Während bis 2022 etwa 42 % bis 45 % der Selbstmorde unter Soldaten während ihres Einsatzes verzeichnet wurden, stieg dieser Anteil im Jahr 2024 auf 78 %, was darauf hindeutet, dass Soldaten, die direkt am Völkermord beteiligt waren, häufiger unter psychischen Problemen litten. Die Selbstmordzahlen stiegen 2025 weiter an und erreichten einen Höchststand von 22 Soldaten, die sich im aktiven Dienst das Leben nahmen, wobei wiederum diejenigen nicht mitgezählt wurden, die nach ihrer Entlassung Selbstmord begingen (Quelle auf Hebräisch). Die offizielle Erklärung des Militärs für die Zunahme der Selbstmorde lautet „Aktivierung des Reserveapparats“, als ob der einzige Grund für mehr Selbstmorde darin läge, dass es mehr Soldaten gibt.

Eine vom Knesset-Forschungszentrum auf Antrag des Knesset-Abgeordneten Ofer Cassif durchgeführte Untersuchung zu Selbstmorden unter Soldaten hat ergeben, dass das israelische Verteidigungsministerium Selbstmorde und Selbstmordversuche von Soldaten nicht erfasst, wenn diese nicht im aktiven Dienst stehen (Quelle auf Hebräisch). Solche Vorfälle, die sich ereignen, wenn die Soldaten nach Hause zurückkehren und beginnen, die von ihnen begangenen Gräueltaten zu verarbeiten, gehen in die offiziellen Berichte nicht ein. Die Zahl der Soldaten, die nach ihrer Entlassung Selbstmord begangen haben, ist unbekannt, doch der Journalist Tom Levinson schätzt sie auf 30 % der Zahl der Soldaten, die während ihrer Dienstzeit Suizid begehen. Das bedeutet, dass sich die Gesamtzahl um ein Drittel erhöhen würde, wenn man sie mitzählen würde. Diese Schätzung berücksichtigt weder gescheiterte Selbstmordversuche noch andere Formen der Selbstverletzung. Diejenigen, die nach dem Ablegen ihrer Uniform Selbstmord begehen, werden vom Militär ignoriert und erhalten weder ein militärisches Begräbnis noch den Status als „Kriegsopfer“. Aussagen von Hinterbliebenen geben Aufschluss über die Gründe für die Selbstmorde: Traumata durch den Verlust von Kameraden sowie durch das Miterleben und Begehen von Gräueltaten, Überlebensschuld und ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation aufgrund der Art und Weise, wie der Krieg unter starker Abhängigkeit von Technologie geführt wurde, wodurch er sinnlos und nicht als Verteidigungsakt erschien (Quelle auf Hebräisch).

Selbstmorde sind sowohl unter Berufssoldaten als auch unter Reservisten weit verbreitet. Die meisten Selbstmorde ereignen sich unter Soldaten, die zuvor keine psychologische Unterstützung erhalten hatten (Quelle auf Hebräisch). 75 % der Soldaten, die sich 2025 das Leben nahmen, waren nicht durch einen Militärpsychiater behandelt worden (Quelle auf Hebräisch). Auf jeden Selbstmord kamen etwa sieben gescheiterte Selbstmordversuche, von denen einige zu schweren Verletzungen führten.


Der Komiker Udi Kagan. Quelle: 2026, TikTok.



In einem viralen Monolog mit dem Titel „Shell Shock“ sprach der Komiker Udi Kagan über seine eigene posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach seinem Militärdienst in Jenin während der zweiten Intifada (BIP-Aktuell #268). Er erklärte, dass der Bewältigungsmechanismus, den er und viele Soldaten wie er angewandt haben, darin bestand, Drogen zu nehmen, um der Realität zu entfliehen und die immer wiederkehrenden Gedanken und Erinnerungen auszublenden. In dem 20-minütigen Monolog bemerkte er kurz: „Für das, was ich dort getan habe, verdiene ich es nicht zu leben.“ Das klingt fast wie ein Schuldeingeständnis, doch Kagan gibt nach wie vor keine Details darüber preis, was er als Soldat in Jenin getan hat. Kagans Monolog (siehe dazu auch BIP-Aktuell #374) zeigt den direkten Zusammenhang zwischen den von den Soldaten begangenen Gräueltaten und dem Trauma, unter dem sie leiden, ein Phänomen, das israelische Psychologen als „moralische Verletzung“ bezeichnen. Eine „moralische Verletzung“ wird definiert als psychische Krise, die aus einer Diskrepanz zwischen der moralischen Weltanschauung eines Individuums und den von ihm ausgeführten Handlungen resultiert. Ein Beispiel hierfür ist ein Soldat, der glaubt, dass es falsch ist, Kinder zu töten, aber dennoch Kinder in Gaza umbringt (Quelle auf Hebräisch). In einem sehr emotionalen Bericht in Haaretz vom 17.4. schildern israelische Soldaten ihre Empfindungen: Ich fühlte mich wie ein Monster. In ungewöhnlicher Deutlichkeit berichtete 3Sat-Kulturzeit am 30.4.26 über die Gräueltaten der israelischen Armee und die Traumata und moralischen Verletzungen vieler Soldaten.

Zu sehen, wie die Expertenrunde von Channel 14 einerseits die Bilder des Hungers aus dem Gazastreifen genießt, sie andererseits aber anzweifelt und Witze darüber macht, dass die Mutter eines verhungerten Mädchens „nicht dünn genug aussah“ und „vielleicht ihre Tochter gegessen hat“, ruft bei Außenstehenden ein Gefühl des Ekels hervor. Es ist ein kranker Humor, krank im klinischen Sinne. Witze über Kriegsverbrechen und der Stolz darauf, Gräueltaten begangen zu haben, können zu kognitiver Dissonanz und Traumata führen. Diejenigen, die sich von solchen Äußerungen abgestoßen fühlen, sich aber schämen, ihre Gefühle zu zeigen, versuchen manchmal, durch Drogenkonsum der Realität zu entfliehen. Israel verzeichnet angesichts des anhaltenden Gaza-Kriegs einen starken Anstieg der Suchterkrankungen.

Die Krise der psychischen Gesundheit ist schwerwiegend, was auf verschiedene Gründe zurückzuführen ist, darunter gezielte Desinformationskampagnen, moralische Verletzungen und die enttäuschten Erwartungen an die von Netanjahu gemachten Versprechen, einen „totalen Sieg“ zu erringen. Israelische Psychologen bezeichnen die israelische Gesellschaft als einen „Staat im Trauma“. Das Nationale Traumazentrum Israels („Natal“) verzeichnete jedes Mal, wenn Israel von Raketen aus dem Iran angegriffen wurde, aber auch jedes Mal, wenn Israel einen Waffenstillstand verletzte, einen sprunghaften Anstieg an Notrufen von Menschen, die unter Panik oder Selbstmordgedanken litten (Quelle auf Hebräisch). Die Krise der psychischen Gesundheit ist daher nicht einfach nur existenzielle Angst, sondern eine Krise der Realitätswahrnehmung. Wenn die Regierung, die die israelische Gesellschaft vertritt, behauptet, der Krieg sei für die Sicherheit notwendig und ein Waffenstillstand sei erforderlich, um die Freilassung israelischer Geiseln zu sichern, dann aber den Waffenstillstand bricht, schafft dies einen Vertrauensbruch, und die Menschen beginnen, ihre gesamte zionistische Erziehung in Frage zu stellen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der psychischen Gesundheitskrise lassen sich nur schwer beziffern, da sie sich auf unvorhersehbare Weise auf die Produktivität, Kreativität und Zuverlässigkeit der Arbeitskräfte auswirken. Die israelischen Dienste für psychische Gesundheit sind nach einem Reformplan aus dem Jahr 2015 stark unterfinanziert, was sie geschwächt und unvorbereitet auf den dringenden Bedarf an psychologischer Unterstützung nach dem Angriff vom 7. Oktober zurückließ. Die unzureichende Ausstattung der Dienste für psychische Gesundheit wurde bereits in einer Studie vom Mai 2023 thematisiert (Quelle auf Hebräisch). Der israelische Rechnungshof schätzt, dass 900.000 Israelis psychologische Hilfe benötigen, doch das israelische Gesundheitssystem ist nicht dafür ausgestattet, diese Leistungen zu erbringen. Das israelische Verteidigungsministerium hat die sog. emotionale Unterstützung für Soldaten – ein Programm, das die Soldaten emotional auf die Rückkehr ins zivile Leben vorbereiten sollte – gestrichen (Quelle auf Hebräisch). Yfat Reuveni, Ökonomin der israelischen Organisation Natal für psychische Gesundheit, berechnete, dass die Bewältigung der Krise mindestens fünf Jahre dauern und mindestens 500 Milliarden NIS (143 Milliarden Euro) kosten wird. Zum Vergleich: Das gesamte Budget des israelischen Gesundheitsministeriums für 2026 beläuft sich auf 63 Milliarden NIS bzw. 18 Milliarden Euro (Quelle auf Hebräisch).

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Frau Marina Popp vom Reservierungsbüro des Ramada-Hotels in Nürnberg teilte uns heute mit, dass bis mindestens zum 4.5. noch Zimmer im Rahmen des vergünstigten BIP-Kontigents verfügbar sind: reservierung@ramada-nuernberg.de
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 394 Bemerkenswert:
Verfassungsschutzbericht 2024: Verein Jüdische Stimme darf nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts

Berlin vom 27.04.2026 (Nr. 21/2026)
Der Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost – EJJP e.V. Deutschland darf in dem vom Bundesministerium des Innern herausgegebenen Verfassungsschutzbericht 2024 nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden. Das hat das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren entschieden.
Der Antragsteller ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein; er bildet die deutsche Sektion des Dachverbands „European Jews for a Just Peace“. Nach seiner Satzung will der Verein Personen jüdischer Herkunft eine Plattform dafür bieten, sich für Völkerverständigung und insbesondere für eine gerechte Friedenslösung zwischen Israel und Palästina einzusetzen. In dem vom Bundesministerium des Innern herausgegebenen Verfassungsschutzbericht 2024 wird der Verein als gesichert extremistisch bezeichnet und u.a. als ein Beispiel des säkularen propalästinensischen Extremismus aufgeführt. Er lehne in öffentlichen Beiträgen das Existenzrecht Israels ab und verharmlose bzw. rechtfertige terroristische Gewalttaten gegen den Staat Israel. Damit bestärke der Verein terroristische Gruppierungen in ihren Gewalttaten. Hiergegen begehrte der Antragsteller gerichtlichen Eilrechtsrechtsschutz.
Die 1. Kammer hat dem Eilantrag hinsichtlich der Einstufung im Verfassungsschutzbericht 2024 stattgegeben; der Verein dürfe dort nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden. Zwar zeige eine Gesamtschau der Belege der Antragsgegnerin, dass der Verein das Existenzrecht Israels verneine und teilweise Verständnis für Gewalttaten gegen den Staat Israel äußere. Es fehle jedoch die nach dem Bundesverfassungsschutzgesetz notwendige Gefährdung der auswärtigen Belange durch die Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen. Ferner habe die Antragsgegnerin auch keine Bestrebungen des Vereins aufgezeigt, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung richteten. Dies setze voraus, dass der Antragsteller in den internationalen Beziehungen Gewalt oder vergleichbar schwerwiegende völkerrechtswidrige Handlungen aktiv propagiere und fördere. Explizite Gewaltaufrufe oder eine eindeutige Sympathie für die Terrororganisation HAMAS und die von dieser verübten Angriffe könnten jedoch unter Berücksichtigung der Meinungsäußerungsfreiheit des Antragstellers nicht mit ausreichender Gewissheit festgestellt werden.
Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.
Beschluss der 1. Kammer vom 27. April 2026 (VG 1 L 787/25)
https://www.berlin.de/gerichte/verwaltungsgericht/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1665248.php

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
Eine wachsende Rattenplage quält die Zeltstädte im Gazastreifen

„Wir leiden unter zwei Kriegen“, sagte Majd Sukar, der Leiter der Abteilung für Präventivmedizin in Gaza-Stadt. „Dem Krieg der Bomben und dem Krieg der Ratten.“
Nahla Al-Majdob wachte letzte Woche mitten in der Nacht auf, als ihre siebenjährige Tochter Aya in ihrem Zelt schrie. „Ich schaltete das Licht meines Handys ein, sah aber zunächst nichts“, erzählte Al-Majdob Drop Site News. „Dann bemerkte ich Bissspuren an Ayas Zeh.“ Es war nicht das erste Mal. „Ich bin schon oft nachts aufgewacht und habe Ratten um unsere Matratzen herum entdeckt“, sagte sie. „Manchmal sind sie direkt neben uns und schnüffeln.“
Wie fast alle Palästinenser in Gaza wurden Al-Majdob und ihre Familie
durch den Krieg aus ihrem Zuhause vertrieben und leben seitdem in einem armseligen Zelt in der Nähe des ehemaligen Hafens an der Küste von Gaza-Stadt.
Zu den Strapazen der Vertreibung kommt eine wachsende Population von Nagetieren hinzu, die Familien in der gesamten Enklave bedrohen.
„Die Ratten kommen aus den Trümmern und dem Müll“, sagte Al-Majdob.
„Sie krabbeln über unsere Kleidung und versammeln sich dort, wo wir Lebensmittel lagern. Wenn wir etwas liegen lassen, wird es verseucht.“
Al-Majdob, ihr Mann und ihre Tochter sind alle Diabetiker, was sie besonders anfällig für Infektionen durch Rattenbisse macht. Ihre Familie hat Angst vor der Nacht, wenn die Ratten im Dunkeln auf Futtersuche gehen und sich durch Zelte, Kleidung und Fleisch nagen.
„Vor dem Krieg hätte ich niemals etwas gegessen, das von Nagetieren berührt wurde, aber jetzt, wenn ich sie im Weißmehl finde, siebe ich es und verwende es trotzdem“, sagte sie.
„Wenn ich alles wegwerfe, werden wir verhungern.“ Sie fügte hinzu, dass die Nagetiere auch mutiger geworden zu sein scheinen, da ihre Zahl gewachsen ist. „Sie haben keine Angst mehr vor uns“, sagte sie. „Ich verscheuche sie mit einem Stock oder allem, was ich finden kann, aber sie kommen nach ein paar Minuten immer wieder zurück.“
Palästinensische Familien in Gaza leben in überfüllten Zelten und behelfsmäßigen Unterkünften, umgeben von Müll und Trümmern, mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Zu den weit verbreiteten und schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken, die sich aus diesen Bedingungen ergeben, gehört laut einem Bericht der Vereinten Nationen von diesem Monat die Vermehrung von Nagetieren sowie von Kakerlaken, Fliegen und anderen Schädlingen, was zur Übertragung von Krankheiten beiträgt.
Praktisch alle betroffenen Familien berichteten von Hautinfektionen, darunter Krätze, Läuse und Bettwanzen, wobei im Jahr 2026 bisher mehr als 70.000 Fälle registriert wurden.
https://www.dropsitenews.com/p/gaza-rats-rodents-disease-displaced-palestinians-tents

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