
BIP-Gespräch #29: Sarah el-Bulbeisi


Das Oberste israelische Gericht nutzt die Ausweisung einer Militärzone durch die israelische Armee als Vorwand für die Vertreibung von über 1.000 Palästinensern
Ein Richter, selbst Siedler, wies den Einspruch von über 1.000 Menschen zurück, mit dem sie ihre Vertreibung von ihrem Land, auf dem sie nachweislich vor 1981 lebten, verhindern wollten. Jahrzehntelange Anstrengungen, viel Geld und Mühe waren vergeblich, als das Gericht beschloss, ein 3.000 Hektar großes Gebiet von Palästinensern zu säubern.
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Mehr als 100 zivilgesellschaftliche Organisationen starten eine Kampagne zur Sammlung von einer Million Unterschriften von EU-Bürger*innen, um den europäischen Handel mit illegalen Siedlungen in besetzten Gebieten zu beenden.
Dabei handelt es sich nicht um eine Petition, sondern um eine verbindliche Kampagne, die die Europäische Kommission dazu zwingen soll, den rechtlichen Status von Produkten zu erörtern, die aus den besetzten Gebieten in Palästina und Westsahara eingeführt werden.
Hier kann man teilnehmen.
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Mitten in der Nacht zum 4. Mai veröffentlichte der Oberste Gerichtshof Israels seine Entscheidung, die Berufung von Palästinensern aus acht Dörfern in der Region Masafer Yatta in den südlichen Hebron-Bergen zurückzuweisen. Darüber hinaus verlangte das Gericht von ihnen die Zahlung von 40.000 NIS (11.000 Euro) Gerichtsgebühren. Über 1.000 Palästinenser, die in dem Gebiet leben, werden davon betroffen sein, etwa die Hälfte davon sind Kinder.

Familien aus Masafer Yatta und Menschenrechteaktivistinnen warten auf die Entscheidung des Gerichts. Quelle: Oren Ziv, 2022, Activestills.
Hagar Shezaf von Haaretz berichtete über den Prozess. Sie zitierte aus den dem Gericht vorgelegten Beweisen (Quelle auf Hebräisch): 1981 sagte der israelische Landwirtschaftsminister Ariel Sharon, der später Verteidigungsminister und Premierminister wurde, im gemeinsamen Siedlungsausschuss der Regierung und der World Zionist Organization (WZO), dass “die Armee zusätzliche Trainingszonen an den Hängen des Hebron-Gebirges neben der Wüste Judäa [gemeint ist Masafer Yata] sperren sollte, um die Ausbreitung der arabischen Bergbewohner in Richtung Wüste zu stoppen und diese Gebiete in unserer Hand zu behalten.” Haaretz zeigte 2014 in einer Studie auf, dass die militärischen Sperrzonen eng mit den Gebieten übereinstimmen, die für den Siedlungsausbau vorgesehen sind.
Tatsächlich erklärte das Militär 1981 das Gebiet zu einer geschlossenen Militärzone (Closed Military Zone), vertrieb aber die Bewohner nicht. Daher legten die palästinensischen Bewohner erst 1997 Einspruch gegen die Anordnung ein, als sie erfuhren, dass ihre Ausweisung unmittelbar bevorstand. Die erste Ausweisung wurde 1999 angeordnet, und 700 Menschen wurden aus dem Gebiet vertrieben. Im Jahr 2000 legten sie beim Gericht Einspruch ein. Das Gericht ordnete an, dass sie zurückkehren durften, bis über ihre Berufung entschieden sei. Im Jahr 2012 gab der Staat bekannt, dass der Vertreibungsplan geändert wurde und die Palästinenser nicht aus 12 Dörfern, sondern „nur“ noch aus 8 Dörfern vertrieben werden sollen. Das Gericht wies die Palästinenser an, ihre Berufung zurückzuziehen, wogegen sie 2013 eine neue Berufung einlegten. Dieser zweite Einspruch wurde nun zurückgewiesen (Quelle auf Hebräisch).
Im Mittelpunkt der Berufung stand die Frage, ob die in Masafer Yatta lebenden Palästinenser bereits vor 1981 dort gelebt haben, als das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt wurde. Der Staat Israel betrachtet die Palästinenser als „Eindringlinge“, doch beweisen Luftaufnahmen, dass sie schon lange vor 1981 dort lebten (Quelle auf Hebräisch). Der Richter David Mintz führte den Vorsitz bei den Beratungen des Gerichts. Er ist selbst Siedler aus der illegalen Siedlung Dolev und entschied, den Luftaufnahmen von palästinensischen Dörfern in dem Gebiet vor 1981 „keinen Glauben“ zu schenken. Er lehnte auch einen Antrag des Regionalrats von Masafer Yatta auf Teilnahme am Gerichtsverfahren ab und beschloss, die finanziellen Kosten des Gerichtsverfahrens den Palästinensern aufzuerlegen, die die Klage eingereicht und ihre Häuser und ihr Land ohne Entschädigung verloren haben.
Amira Hass kommentierte in Haaretz, dass der Oberste Gerichtshof Israels die Berufung der Dorfbewohner am Vorabend der Feiern zum 74. Jahrestag der Unabhängigkeit Israels abgelehnt hat, weil er weiß, dass keine internationalen Sanktionen gegen Israel als Reaktion auf die ethnische Säuberung von Masafer Yatta verhängt würden. In Anbetracht der Sanktionen gegen Russland wegen der Invasion und der Eroberung von Teilen der Ukraine könnte Hass’ pessimistische Schlussfolgerung jedoch unzutreffend sein. Die UNO hat die Entscheidung des Gerichts bereits scharf verurteilt und festgestellt, dass gewaltsame Umsiedlungen nach internationalem Recht verboten sind.

Militärische Ausbildung der israelischen Armee in dem Dorf Jinba in Masafer Yatta. Quelle: Keren Manor, 2021, Activestills.
Der Guardian bezeichnete die Entscheidung des Gerichts als “eine der größten Vertreibungsentscheidungen seit dem Beginn der Besatzung 1967”. Mit Ausnahme der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nahmen keine deutschen Medien das Kriegsverbrechen zur Kenntnis.
Oda Basharat von Haaretz schrieb, dass sich die Augen der Welt auf den Krieg in der Ukraine richten, wer kümmere sich da um weitere tausend Flüchtlinge, die durch einen schnellen Gerichtsbeschluss entstanden sind? Er kommentierte: “Statt ‘nie wieder!’ lautet das Motto heute ‘immer wieder!'” (Quelle auf Hebräisch) Hagai El-Ad, der Geschäftsführer von B’tselem, kommentierte: “So wird die jüdische Vorherrschaft seit 74 Jahren gefestigt”.
Am Mittwoch, den 11. Mai, begannen die israelischen Streitkräfte mit dem Abriss der Häuser in Masafer Yatta und zerstörten 19 Gebäude.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Eine palästinensische Familie wird von Siedlern brutal angegriffen und anschließend von der Polizei verhört
Gideon Levy berichtete am 6. Mai in Haaretz über ein weiteres, unvorstellbares Beispiel von Unmenschlichkeit:
„Dutzende von Siedlern stürzten sich auf eine palästinensische Familie, die auf ihrem Olivenhain arbeitete, warfen Steine und schlugen sie. Drei Palästinenser wurden verletzt, der älteste von ihnen ist noch im Krankenhaus. Als die Familie Anzeige erstattete, wurden sie verhört, weil sie angeblich Steine geworfen hatten.
Raja Nevahin, ein 70-jähriger Beduine, ein pensionierter Stuckateur und Landwirt, Vater von neun Töchtern und drei Söhnen, wurde letzte Woche von Siedlern aus Ma’aleh Amos, einer Siedlung im östlichen Etzion-Block südlich von Jerusalem, mit einem Eisenrohr geschlagen, das ihn an Kopf und Armen verletzte. Nevahin wird mindestens eine weitere Operation an seiner Nase benötigen. Er ist körperlich und geistig schwer getroffen.
Es ist schwer vorstellbar, wie Siedler immer wieder auf ältere, hilflose Palästinenser einschlagen. Vor zweieinhalb Monaten berichtete diese Kolumne darüber, wie Dutzende von Siedlern einen 73-jährigen Hirten, Mohammed Shalalda, auf dem Berg Qanub, nicht weit von hier, angriffen. Jetzt wurde ein weiterer älterer Bauer brutal niedergeschlagen.
´Sehen Sie, er geht in meinen Olivenhain´, sagte Ibrahim Nevahin, der Bruder des Verwundeten, plötzlich, teils aus Angst, teils aus Resignation, aber auf keinen Fall aus Wut. Wir saßen auf einem Felsen am Hang eines Hügels, von dem aus man das Tal überblicken kann. Die Häuser und Wohnwagen von Ma’aleh Amos liegen auf der anderen Seite des Weges, die Häuser des Dorfes Kisan, das nur wenige Autominuten von Hindaza entfernt ist, liegen hinter uns. Im Tal zwischen den beiden Gemeinden sehen wir in der Ferne eine Gestalt, die sich langsam auf den Olivenhain der Familie Nevahin zubewegt.
´Da ist er, er geht hinunter zu meinen Oliven, er trägt eine grüne Hose… Ich weiß nicht, warum er dorthin geht. Vielleicht wird er ein paar Bäume fällen´, sagt Nevahin. ´Wenn ich jetzt zu meinem Land hinuntergehen würde, würde er pfeifen und seine Freunde herbeirufen, die shabab al thilal – die Hügeljugend -, wie sie es letzte Woche getan haben, und sie würden mich schlagen und steinigen.´
Seit Dienstag, dem 26. April, haben die Nevahims Angst, das Land zu besuchen, das ihnen gehört, etwa 50 Dunam (12,5 Hektar), die ihr Vater 1957 gekauft hat. Seht her, sagen sie, hier sind die Eigentumsdokumente.
Nach jahrelangen guten Beziehungen zu Ma’aleh Amos hat der Vorfall von letzter Woche sie schwer erschüttert. Bei den Angreifern handelte es sich nicht um alteingesessene Bewohner der Siedlung, sondern um junge Leute, die in den Wohnwagen leben, die am Rande der Siedlung aufgestellt wurden.
Am Dienstag, dem 26. April, fuhren die beiden älteren Brüder Raja und Ibrahim mit zweien ihrer Söhne und zweien ihrer Enkelkinder zu ihrem relativ jungen Olivenhain, um ihn mit Hilfe eines von ihnen verlegten, etwa drei Kilometer langen Leitungssystems zu bewässern. Als sie gegen 16.00 Uhr ankamen, sahen sie zu ihrem Erstaunen ein grünes Wohnmobil auf ihrem Grundstück, das offenbar über Nacht dort hingebracht worden war (es wurde später von den israelischen Behörden entfernt).
Etwa 15 Jugendliche räkelten sich darin, erzählte Ibrahim. ´Wir gingen zu dem Wohnmobil und ich sagte: Hallo, Kinder´, erinnerte er sich in seinem unnachahmlichen Hebräisch. ´Sie sagten uns: Raus hier, ihr Hurensöhne. Ich sagte: Ihr seid Hurensöhne. Ich will die Polizei, ich will die Armee. Ich habe sie gefragt, wer für sie zuständig ist.´
Die Jugendlichen zeigten auf einen Mann von etwa 35 Jahren, der in der Nähe stand. Er fragte Ibrahim, wer er sei. ´Ich sagte ihnen, dass ich ein Freund dieses Landes bin. Es gehört mir. Er sagte: Du hast drei Minuten Zeit, um von hier zu verschwinden.´
Ibrahim entgegnete, er wolle die Polizei rufen, hatte aber keine andere Wahl, als sich zurückzuziehen. ´Ich saß etwa drei oder vier Minuten da und betrachtete meine Oliven mit dem Rücken zur Siedlung. Und dann kamen 30 oder 40 weitere Leute herunter; sie schienen zwischen 20 und 25 Jahre alt zu sein. Sobald sie ankamen, sprühten sie uns Pfefferspray in die Augen. Meinem alten Bruder schlugen sie mit einem Eisenrohr auf den Kopf. Mein Sohn nahm meine Hand, mein Neffe eilte zu seinem Vater, und die Enkelkinder weinten und schrien. Ich sagte zu den Enkelkindern: Lauft weg – schnell. Ich konnte wegen des Pfeffersprays nichts sehen.´
´Vierzig Jahre lang waren wir ihre Nachbarn und es gab keine Probleme – fragen Sie in Ma’aleh Amos, ob wir dort Chaos verursacht haben. Aber diese Kinder, die Hügeljugend … Ich bitte die israelische Regierung: Lasst mich auf mein Land kommen. Lasst mich meine Oliven bewässern. Ich sage jedem Menschen in Israel: Beschützt eure Kinder, so wie ich meine Kinder beschütze.´
Am nächsten Tag erstattete Ibrahim auf der Polizeiwache in der Haredi-Siedlung Betar Ilit Anzeige wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Er zeigt uns das entsprechende Dokument, Fall Nr. 206129/2022. Zwei Tage später erhielt er einen Anruf von derselben Wache, in dem er, sein Sohn und sein Neffe aufgefordert wurden, sich zur Vernehmung wegen Steinwürfen auf Siedler zu melden. Ein bitteres Lächeln überzog Ibrahims Gesicht, als er mit uns sprach. ´Wir waren sechs und sie waren 60, und wir haben Steine auf sie geworfen?´
Die drei wurden verhört und gegen eine Kaution von 1.500 Schekel (etwa 450 Dollar) freigelassen; sie hatten nur 1.400 Schekel, und damit begnügte sich die Polizei. Es besteht die Möglichkeit, dass sich das Trio vor Gericht verantworten muss; die Kaution soll sicherstellen, dass sie auch erscheinen.
Laut Ibrahim hat die Polizei ihnen gesagt, dass sie sich ihren Olivenhainen bis auf Weiteres nicht nähern dürfen. Wie lange wird das sein, wollte Ibrahim wissen. Eine Woche? Ein Jahr? Zehn Jahre? Alles, was er will, ist, die Bäume zu gießen, bevor sie verdorren und sterben.
Die israelische Polizei antwortete diese Woche auf die Anfrage von Haaretz folgendermaßen: ´Im Kern geht es bei dem fraglichen Vorfall um einen Konflikt um Landbesitz, in dessen Zusammenhang beide Seiten bei der Polizei Anzeige erstattet haben. Nach deren Eingang hat die Polizei eine Untersuchung eingeleitet, um die Wahrheit herauszufinden, und beide Seiten haben ihre Version des Vorfalls dargelegt. Die Ermittlungen dauern noch an, so dass zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen gegeben werden können.“
https://www.haaretz.com/israel-news/twilight-zone/.premium.HIGHLIGHT.MAGAZINE-a-palestinian-family-is-brutally-attacked-by-settlers-then-interrogated-by-police-1.10781773?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Gideon%20Levy&utm_term=20220506-12:40
Aus aktuellem Anlass fügen wir einen Bericht von Samidoun, The Palestinian Prisoner Solidarity Network hinzu:
„Die palästinensische Journalistin Shireen Abu Aqleh, eine prominente Reporterin von Al Jazeera, die seit über 20 Jahren zu den bekanntesten Gesichtern gehört, die in den arabischsprachigen Medien über die aktuelle Lage in Palästina berichten, wurde am Mittwoch, den 11. Mai, in den frühen Morgenstunden von den israelischen Besatzungstruppen beim Einmarsch in Dschenin erschossen. Sie wurde in den Kopf geschossen, als sie ihre “Presse”-Weste trug, was zu einer Welle der Empörung über ihre Ermordung und die systematischen Angriffe auf palästinensische Journalisten führte.“
https://email.samidoun.net/lists/?m=82&uid=a8dc47da7ab10cfbf52a67f1d1b89dba&p=view&pi=ViewBrowserPlugin
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.
Die israelischen Kontrollmechanismen sind nicht nur Instrumente der Besatzung, sondern der Apartheid
Eine neue Anordnung schreibt vor, dass Besucher des Westjordanlandes eine Genehmigung erhalten müssen, die nach dem Ermessen der israelischen Behörden erteilt wird. Diese Genehmigungsregelung diskriminiert die palästinensischen Universitäten und nimmt den Palästinensern selbst im Gebiet A des Westjordanlandes jede Hoffnung auf Autonomie.
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Im Februar 2022 veröffentlichte die Coordination of Government Activities in the Territories (COGAT), die israelische Militäreinheit, die faktisch als Militärgouverneur des Westjordanlandes und des Gazastreifens fungiert, ein 97-seitiges Dokument mit dem Titel: “Procedure for entry and residence of foreigners in the Judea and Samaria area” (“Verfahren für die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern im Gebiet Judäa und Samaria”). Es ersetzt ein bisheriges vierseitiges Dokument, das die Einreise von Ausländern in das Westjordanland regelte und soll am 22. Mai in Kraft treten.

Schild an der Trennmauer in der Nähe des Dorfes Beit-Sira im Westjordanland. Quelle: Oyoyoy, 2013, Wikipedia.
Das Dokument wird als militärischer Befehl von COGAT eingestuft, obwohl nicht klar ist, ob es sich um einen Befehl handelt, der an israelische Soldaten gerichtet ist, um die neuen Regeln umzusetzen oder direkt an internationale Besucher des Westjordanlandes. Al-Jazeera veröffentlichte eine detaillierte Analyse des Befehls.
In dem Dokument wird der Begriff “Judäa und Samaria” verwendet, der in der internationalen Gemeinschaft nicht akzeptiert wird. Der Begriff wird von israelischen Institutionen als biblische Referenz verwendet, um die permanente israelische Kontrolle und Annexion des gesamten Gebietes zu rechtfertigen und die palästinensische Präsenz in diesem Gebiet zu verleugnen. Durch das Oslo-Abkommen wurde das Westjordanland in drei Gebiete unterteilt: A-Gebiet, B-Gebiet und C-Gebiet. Nach diesem Abkommen verfügt die Palästinensische Autonomiebehörde in den drei Gebieten über ein unterschiedliches Maß an Autonomie, wobei diese in den C-Gebieten praktisch nicht vorhanden ist. In dem neuen Dokument wird jedoch nicht zwischen den drei Gebieten unterschieden.
Dem Dokument zufolge gelten für ausländische Staatsangehörige aus Ländern, die mit Israel ein Abkommen über die Befreiung von der Visumpflicht geschlossen haben (z. B. EU-Länder), andere Regeln als für Länder, bei denen das nicht der Fall ist (z. B. Jordanien). Besucher aus Ländern, die keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten wie Iran, Indonesien oder Kuba, können nicht legal in das Westjordanland einreisen. Diese Situation bedeutet, dass die Palästinensische Autonomiebehörde nicht in der Lage ist, mit diesen Ländern offizielle politische Kontakte zu pflegen und Visaabkommen mit Ländern ihrer Wahl zu unterzeichnen.
Auch die Kontrolle über die Familienzusammenführung, z.B. wenn ausländische Staatsangehörige Palästinenser heiraten, liegt vollständig in den Händen der israelischen Behörden. Die Definition, wer als palästinensischer Einwohner gilt, wird nicht von den palästinensischen, sondern von den israelischen Institutionen bestimmt (siehe z. B. BIP-Gespräch #26). Daher ist die Palästinensische Autonomiebehörde auch nicht in der Lage, im Westjordanland innenpolitische Maßnahmen umzusetzen.
Ausländische Staatsangehörige, die in das Westjordanland einreisen wollen, müssen eine Genehmigung beantragen, in der der Zweck ihres Besuchs angegeben wird. Dazu gehören persönliche Angaben, u. a. welche Verwandte sie besuchen wollen, wie ihre Ausweisnummer lautet sowie über ihre sozialen Netzwerke. Auf diese Weise sammeln die israelischen Behörden personenbezogene Daten von Besuchern für ihre ständig wachsende Datenbank, die zur Überwachung von Akteuren der Zivilgesellschaft und von Menschenrechtsaktivisten in der ganzen Welt genutzt wird.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Abschnitt des Dokuments über die Hochschulbildung. Professoren, die an palästinensischen Universitäten unterrichten möchten, erhalten nur dann eine Genehmigung, wenn die COGAT-Beamten davon überzeugt sind, dass die Themen, die sie unterrichten und ihre Qualifikationen angemessen sind. So heißt es in dem Dokument: „Genehmigungen gemäß diesem Abschnitt werden erteilt, wenn zur Zufriedenheit des autorisierten COGAT-Beamten nachgewiesen wird, dass der Dozent wesentlich zur akademischen Lehre, zur Wirtschaft des Gebiets oder zur Förderung der regionalen Zusammenarbeit und des Friedens beiträgt.“
In den von der COGAT als “notwendig” erachteten Bereichen sind höchstens 100 ausländische Dozenten pro Jahr zugelassen. Gastdozenten dürfen auch nicht ohne Grund in das Westjordanland einreisen.
Darüber hinaus ist eine Quote von maximal 150 ausländischen Studenten erlaubt, die an palästinensischen Universitäten im Westjordanland studieren dürfen. Für israelische Universitäten, einschließlich der israelischen Siedleruniversität Ariel, die auf dem Gebiet der palästinensischen Stadt Salfit errichtet wurde, gelten keine derartigen Beschränkungen.
Die Benachteiligung palästinensischer Universitäten ist eine Politik, die sich negativ auf die Zukunft der palästinensischen Wirtschaft auswirkt. Sie beeinträchtigt außerdem das Recht ausländischer, auch deutscher Studenten. Wenn sie sich zum Beispiel an der Birzeit-Universität einschreiben wollen, stehen ihnen nur 150 Plätze zur Verfügung, während es an der Hebräischen Universität keine Begrenzung der Plätze gibt. Diese Diskriminierung wird von Organisationen, die zu einem akademischen Boykott israelischer Universitäten aufrufen, als eine der Rechtfertigungen für den Boykott angeführt. Keine israelische Universität hat einen offiziellen Protest gegen die neuen Verordnungen veröffentlicht, die israelische Universitäten gegenüber palästinensischen Universitäten in unfairer Weise bevorteilen.
Ob diese neue Verordnung auch Auswirkungen auf die deutschen Schulen in den besetzten Gebieten haben wird (z.B. Thalita Kumi in Beit Jala), ist uns bislang nicht bekannt.
Erstaunlicherweise sprach sich jetzt Crimson, die Studentenzeitung der Harvard-Universität, am 29. April für eine Unterstützung der BDS-Bewegung aus.

Flugblatt der Organisation Academics for Palestine. Quelle: Akademiker für Palästina, 2014.
Die neue COGAT-Verordnung sieht vor, dass Besuche bei palästinensischen Familien im Voraus eine Sondergenehmigung erfordern, Besuche bei Siedlerfamilien in den illegalen Siedlungen im selben Gebiet jedoch nicht. So können pro-israelische Touristengruppen wie z. B. rechtsgerichtete evangelikale Christen aus den USA, Siedlungen besuchen und sie ungestört unterstützen, während Organisationen, die zu Palästinensern Kontakt aufnehmen wollen, daran gehindert werden. Die Unterdrückung der Autonomie der Palästinenser, die Verweigerung ihrer Freiheit und die Einschränkung ihrer akademischen Einrichtungen: Dies sind alles Merkmale und Maßnahmen einer militärischen Besatzung. Die Unterscheidung zwischen zwei Bevölkerungsgruppen in ein und demselben Gebiet auf der Grundlage ihrer ethnischen Zugehörigkeit ist ein Akt der Apartheid, der nach internationalem Recht verboten ist.
**********************************************************Eine neue Folge von BIP-Gespräch ist da. Diese Woche sprechen wir mit Michael Kellner, einem BIP-Mitglied, der auch der Vorsitzende der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem (https://www.koeln-bethlehem.de) ist.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Einladung zum Webinar:
Das Recht der palästinensischen Kinder auf Bildung schützen
Am Montag, den 16. Mai um 19:00 Uhr findet ein Webinar von Just Vision und 972 – Advancement of Citizen Journalism statt, in dem man mehr erfährt über die systematischen Angriffe auf Schulen im Westjordanland und darüber, wie palästinensische Gemeinden darauf reagieren, um das Recht ihrer Kinder auf Bildung zu schützen. Um sich anzumelden, klicken Sie bitte hier: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_cMoCgwV2TnuEw8tdYInsAQ
Hintergrund: Seit 2016 haben die israelischen Behörden mindestens 10 palästinensische Schulen im Westjordanland abgerissen, die alle in ländlichen und unterversorgten Gemeinden liegen. Dutzende weiterer Schulen in Gebiet C – 60 % des Westjordanlandes, die vollständig unter israelischer Kontrolle stehen – sind gefährdet. Einigen wird der Zugang zu Grundbedürfnissen wie Strom und fließendem Wasser verweigert, andere erhalten Anordnungen zum sofortigen Abriss.
Rula Salameh, Journalistin, Community-Organisatorin und Just Vision-Direktorin für Bildung und Öffentlichkeitsarbeit in Palästina, und Basil al-Adraa, Aktivist aus den südlichen Hebron-Hügeln und Reporter von Local Call und +972 Magazine, berichten über die Bedrohungen, denen palästinensische Schüler und Pädagogen im gesamten Westjordanland ausgesetzt sind, sowie über lokale Initiativen zum Schutz ihres Zugangs zu Bildung. Das Gespräch wird moderiert von Haggai Matar, Geschäftsführer von 972 – Advancement of Citizen Journalism, und Suhad Babaa, Geschäftsführer von Just Vision.
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

Die israelischen Streitkräfte verletzen die religiösen Grundfreiheiten der Muslime in Palästina
Die israelische Entweihung der Al-Aqsa-Moschee ist für die israelischen Interessen strategisch katastrophal und schweißt die Palästinenser für einen gemeinsamen Kampf zusammen, aber kurzfristig wird die israelische Regierung durch die derzeitige politische Krise zu derartigen populistischen Maßnahmen gezwungen.
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Hier kann man teilnehmen.
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Die Gewalt an der Al-Aqsa-Moschee und der heiligen Stätten um sie herum, dem Haram Al-Sharif, breitet sich dieses Jahr während des heiligen Monats Ramadan aus, genau wie im letzten Jahr bei den Ereignissen im Mai 2021 (siehe BIP-Aktuell #170). Viele Gründe für die Gewalt im letzten Jahr sind auch jetzt noch die gleichen, aber es gibt auch viele Unterschiede.
Seit Beginn des Ramadan stürmen israelische Streitkräfte das Gelände und setzen Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcke ein. Dutzende von Gläubigen wurden verletzt und Dutzende wurden verhaftet. Die israelischen Streitkräfte setzten eine Drohne ein, um Tränengaskanister aus der Luft abzuwerfen – eine Taktik, die gegen den Großen Marsch der Rückkehr im Gazastreifen entwickelt und eingesetzt wurde und in Jerusalem noch nie zum Einsatz gekommen ist. Im März und April haben die israelischen Streitkräfte nicht nur massenhaft Palästinenser verhaftet, sondern auch vermehrt Verhaftungen ohne Anklageerhebung vorgenommen. Die Zahl der Administrativhäftlinge ist um 109 auf insgesamt 579 angestiegen. Eine ähnlich hohe Zahl von Häftlingen in Administrativhaft wurde zuletzt im Oktober 2016 registriert, als 610 Personen inhaftiert waren. Hagar Shezaf von Haaretz stellt fest, dass die Inhaftierung einer großen Zahl von Palästinensern ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren und ohne Vorlage von Beweisen auch im vergangenen Jahr zur Taktik der Behörden gehörte.
Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren müssen seit Mitte April ihren Personalausweis hinterlegen, um die Al-Aqsa-Moschee zum Beten betreten zu dürfen, was einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit darstellt. Viele haben sich geweigert, ihre Ausweise abzugeben und durften die Moschee nicht betreten. Von denjenigen, die der Aufforderung Folge leisteten und ihre Ausweise abgaben, wurde berichtet, dass sie nach dem Gebet und der Bitte um Rückgabe ihres Ausweises aufgefordert wurden, diesen auf der Polizeiwache abzuholen. Dort wurden sie von der Polizei verhört, bevor man ihnen ihren Ausweis zurückgab.

Mit Plastikkabelbindern gefesselte Gläubige auf dem Boden der Al-Aqsa-Moschee. Quelle: Richard Silversteins Blog, 2022.
Unmittelbar nach der Eroberung Ost-Jerusalems im Jahr 1967 haben die israelischen Behörden einen Status quo für die Altstadt geschaffen, der bis heute gilt. Das Mughrabi-Viertel (“marokkanisches” Viertel) am Fuße der Klagemauer wurde abgerissen und in einen Platz verwandelt, auf dem nur Juden beten dürfen. Das Gelände des Haram Al-Sharif wurde dem Waqf, der islamischen Verwaltung der Moschee, anvertraut, der es unter relativ autonomen Bedingungen verwaltet. Israel hat im Friedensvertrag mit Jordanien zugestimmt, dass der Haram-al-Sharif Jordanien untersteht (Art. 9, Abs. 2).
Hochrangige Rabbiner verschiedener jüdischer Glaubensrichtungen haben bereits vor Jahrhunderten ein striktes Verbot erlassen, das Juden das Beten auf dem Tempelberg, wie sie das Gelände des Haram al-Sharif nennen, untersagt. Ihre Begründung ist theologischer Natur und beruht auf der Überzeugung, dass sich an dieser Stelle der alte Tempel befand, zu dem auch ein Raum (das “Allerheiligste”) gehörte, in dem nur der Hohepriester beten durfte, und zwar nur zu bestimmten Zeiten. Dass ein Jude im Haram al-Sharif versehentlich das „Allerheiligste“ betritt, stellt ein gewaltiges Sakrileg dar. Natürlich ist der Grund für das Verbot auch politischer Natur, um eine religiöse Konfrontation zwischen Juden und Muslimen zu vermeiden. Im Gegensatz zu den meisten religiösen Vorschriften des jüdischen Glaubens wird diese Vorschrift von der israelischen Polizei durchgesetzt, die Juden das Beten im Haram al-Sharif verbietet. Obwohl also das Beten für Juden verboten ist, schützt sie die Polizei beim Betreten des Haram al-Sharif.

Das Schild des Oberrabbinats des Staates Israel, das Juden verbietet, den Haram al-Sharif zu betreten. Quelle: Chadica, 2008, Wikipedia.
Die Bewegung, die sich selbst “The Temple Mount Movement” (Bewegung für den Tempelberg) nennt, ist eine rechtsextreme und religiös extremistische christliche und jüdische Bewegung, die es darauf anlegt, die jüdische religiöse Vorschrift und das israelische Gesetz zu verletzen und im Haram al-Sharif zu beten. Diese Bewegung will die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom abreißen, den alten Tempel wieder aufbauen und Tieropfer wieder aufnehmen. Anhänger der Bewegung bringen sogar Ziegen mit in den Haram al-Sharif und bereiten sie zum Schlachten vor. In den letzten Jahren ist diese Bewegung immer stärker geworden. Einer ihrer Anführer ist Itamar Ben-Gvir, der jetzt Mitglied der Knesset ist, der seine Macht und seinen Einfluss nutzt, um den Haram al-Sharif zu betreten und im Ostjerusalemer Stadtteil Sheik Jarrah auf der Straße ein Zelt aufschlägt, um die palästinensischen Bewohner zu provozieren.
Die Al-Aqsa-Moschee ist die drittheiligste Stätte der Muslime. Die Unterdrückung der Religionsfreiheit durch die israelische Regierung, die Provokationen der Tempelberg-Bewegung und die Gewalt im Ramadan scheinen alle auf religiöse Ursachen für die Ereignisse hinzudeuten, als ob es sich um einen religiösen Konflikt handele. Gideon Levy warnt jedoch vor dieser Einschätzung: Die Religion diene nur als Vorwand, um die wahren kolonialen Absichten der israelischen Regierung und der Tempelberg-Bewegung zu verbergen. Sie sind nicht daran interessiert, Muslime zum Judentum zu bekehren, sondern die Palästinenser aus Jerusalem und den heiligen Stätten zu vertreiben und die Kontrolle über die Altstadt zu erlangen. Ali Abunimah hat ebenfalls darauf hingewiesen, dass es im Interesse der israelischen Regierungen liegt, die Gewalt als “religiösen Konflikt” darzustellen, als ob zwei Religionen um dasselbe Gebiet kämpfen würden, obwohl es in Wirklichkeit kein religiöser Konflikt ist, sondern ein Kampf um das Land.
Verhaftungen, Bombenanschläge im Gazastreifen und Razzien in der Al-Aqsa-Moschee gab es im vergangenen Jahr, aber auch 2008, 2012 und 2015 – zu einem Zeitpunkt der politischen Krise in Israel und kurz vor den Wahlen. Die Koordinatorin der Koalition, Idit Silman von der Jamina-Partei, ist aus der Regierungskoalition ausgetreten, weil Gesundheitsminister Nitzan Horowitz die Entscheidung des israelischen Obersten Gerichtshofs durchgesetzt hat, wonach Krankenhäuser ihren Patienten nicht verbieten dürfen, während des Pessach-Festes nicht-koschere Speisen mit ins Krankenhaus zu bringen. Da die Koalition offensichtlich ihre Mehrheit verloren hat und möglicherweise Neuwahlen anstehen, haben Premierminister Bennett und seine Koalitionspartner die Palästinenser scharf angegriffen und die repressiven Maßnahmen verschärft, um bei den jüdischen israelischen Wählern an Popularität zu gewinnen.

Der Felsendom im Haram Al-Sharif. Quelle: Umme Photos, 2021, Pixabay.
Am 20. April verteidigte der israelische Premierminister Naftali Bennett seine Politik in einem Live-Interview mit Christiane Amanpour auf CNN. Bennett behauptete, muslimische Palästinenser hätten ihre eigene Moschee entweiht, die israelische Polizei sei in die Moschee eingedrungen, um das Recht “anständiger” Muslime auf das Gebet zu schützen. Bennett erwähnte nicht, dass die Verantwortung für die Unantastbarkeit der Moschee beim Waqf liegt, nicht bei der israelischen Polizei. In diesem Interview behauptete Bennett sogar, “wir sehen nicht, dass Israelis Palästinenser ermorden”, obwohl seit Beginn des Jahres 46 Palästinenser von israelischen Streitkräften getötet wurden.
Die islamische Partei in Bennetts Koalition, Raam, distanzierte sich von den Behauptungen Bennetts, nach denen die Razzien in der Al-Aqsa-Moschee im Interesse der Muslime seien. Die Partei hat vielmehr die israelische Schändung der Moschee als “rote Linie” bezeichnet, die sie daran hindere, die Koalition zu unterstützen. Inmitten von Aufrufen der Palästinenser an die Raam, die Koalition aus Protest zu verlassen, erklärte der Parteivorsitzende Mansour Abbas, dass die Raam ihre Beteiligung an der Koalition “aussetzen” und die parlamentarische Arbeit der Koalition nicht unterstützen werde, bis die Streitkräfte aus dem Haram Al-Sharif abziehen. Aber die Knesset tagt derzeit ohnehin nicht, so dass die Erklärung der Raam bedeutungslos ist. Der Vorsitzende der Vereinten Liste der Opposition, Ayman Odeh, kommentierte: “Die parlamentarische Arbeit auszusetzen, wenn die Knesset nicht tagt, ist wie eine Diät während des Ramadan.”
Die Hamas-Partei hat im Mai 2021 bewiesen, wie wichtig Jerusalem und Al-Aqsa für sie sind. Sie stellen auch eine Quelle für die öffentliche und symbolische Unterstützung dar. So gelang es der Hamas damals, verschiedene palästinensische Gruppen aus dem Gazastreifen, dem Westjordanland und innerhalb Israels zu vereinen, um Proteste gegen die israelische Entweihung der Al-Aqsa-Moschee im vergangenen Jahr auszulösen. Israelische Generäle spekulierten, dass die Hamas versuchen werde, die Gewalt eskalieren zu lassen, um eine Führungsposition unter den palästinensischen Gruppen zu erlangen, während andere palästinensische Gruppen, wie der Waqf, versuchten, die Feindseligkeiten zu deeskalieren (Quelle auf Hebräisch). Schließlich einigte sich Israel mit der Hamas auf einen geheimen Kompromiss und öffnete den Erez-Kontrollpunkt zwischen dem Gazastreifen und Israel teilweise wieder, wodurch ein eingeschränkter Warenverkehr ermöglicht wird und auch Arbeiter aus Gaza wieder in Israel arbeiten können, um einen einheitlichen palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besatzung zu verhindern.
Die Rolle der führenden internationalen Politiker, insbesondere in den arabischen und muslimischen Ländern, war kontraproduktiv und hat dem Streben der Palästinenser nach Freiheit, einschließlich dem Streben nach Religionsfreiheit, geschadet. Sie haben so gut wie nicht eingegriffen oder Stellung bezogen, obwohl die israelischen Streitkräfte seit Beginn des Jahres 46 Palästinenser getötet haben. Als jedoch die Spannungen in Jerusalem zunahmen und die israelische Polizei die Al-Aqsa-Moschee stürmte, fand der jordanische König Abdullah scharfe Worte. Auch der türkische Präsident Recip Erdogan kritisierte die israelische Aggression deutlich. Dies ist eine Botschaft an die Palästinenser, dass sie nur dann mit arabischer (internationaler) Unterstützung rechnen können, wenn sie sich für eine religiöse Sache und ihre Treue zur Al-Aqsa-Moschee einsetzen, nicht aber, wenn sie für grundlegende Menschenrechte und das Recht auf ein Leben frei von militärischer Besatzung kämpfen.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Sechs anerkannte palästinensische Organisationen werden von Israel des Terrorismus beschuldigt – mit weitreichenden Konsequenzen. Sie rufen in einer gemeinsamen Erklärung die internationale Gemeinschaft auf, dagegen zu intervenieren.
„Sechs Monate sind vergangen, seit Israel sechs der führenden palästinensischen Menschenrechts- und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Rahmen seines Antiterrorgesetzes von 2016 als “Terrororganisationen” verboten hat. Dieses Gesetz wurde später auf die besetzten palästinensischen Gebiete ausgeweitet, indem die Organisationen durch einen am 3. November 2021 veröffentlichten Militärbefehl zu `ungesetzlichen Vereinigungen` erklärt wurden.
Seitdem haben die Organisationen, vertreten durch das Adalah Legal Center und die Büros von Rechtsanwalt Michael Sfard und Rechtsanwalt Jawad Boulous, förmliche Verfahren eingeleitet, um die Beweiskraft der Militärbefehle anzufechten. Am 16. November 2021 schickte das Anwaltsteam der Organisationen ein Schreiben an die israelischen Behörden und forderte sie auf, alle `Beweise` offenzulegen, die die Grundlage für das Verbot bilden. Daraufhin erklärte der israelische Militärstaatsanwalt in einem Schreiben vom 2. Januar 2021, dass `der Kern der Erklärungen auf geheimen … Informationen beruht, die nicht offengelegt werden können`. Daraufhin legten die Organisationen verfahrensmäßig Einspruch gegen die militärischen Anordnungen ein und verwiesen auf die Rechtswidrigkeit der Erklärungen, das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens und das Fehlen einer Beweisgrundlage für die Erklärung.
Die pauschale Kriminalisierung und Ächtung unserer Organisationen durch Israels siedlerkoloniales Apartheidregime kann sich jederzeit in Razzien in unseren Büros, der Beschlagnahmung aller Vermögenswerte, willkürlichen Verhaftungen von Mitarbeitern und dem Verbot der Finanzierung und/oder sogar der öffentlichen Unterstützung unserer Aktivitäten äußern. Wie im Anti-Terror-Gesetz von 2016 festgelegt, das in der palästinensischen Autonomiebehörde rechtswidrig angewandt wird, drohen den Direktoren und leitenden Angestellten der Organisationen bis zu 25 Jahre Gefängnis, einschließlich anderer willkürlicher Maßnahmen gegen Mitarbeiter und Unterstützer.
Wir verstehen die jahrzehntelangen Verleumdungskampagnen Israels und seiner regierungsnahen Einrichtungen und stellvertretenden Gruppen als Teil der systematischen Politik Israels, die darauf abzielt, die Opposition zum Schweigen zu bringen, um sein Apartheidsystem über das gesamte palästinensische Volk aufrechtzuerhalten. Genauer gesagt, die Bezeichnung an sich stellt eine Verfolgung und Apartheid im Sinne von Artikel 2(f) der Apartheid-Konvention dar.
Auch wenn die sechs palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen nur vorübergehend und willkürlich benannt wurden, haben sie die ernsten Auswirkungen der israelischen Benennungen zu spüren bekommen:
– Die Entscheidung der niederländischen Regierung vom 5. Januar 2022, die Finanzierung der Union of Agricultural Work Committees (UAWC) einzustellen;
– die willkürliche Einstellung der Finanzierung eines von der Europäischen Union (EU) finanzierten Projekts von Al-Haq durch die Europäische Kommission;
– Die Verurteilung der Präsidentin der Union der palästinensischen Frauenkomitees, Khitam Sa’afin, zu 16 Monaten Haft durch einen israelischen Militärrichter am 13. Februar 2022 am Militärgericht Ofer im besetzten Westjordanland nach fast 15 Monaten willkürlicher Inhaftierung wegen ihrer Rolle als Direktorin einer bestimmten Organisation; und
– die anhaltende Schikanierung und Verfolgung des Menschenrechtsverteidigers und Rechtsanwalts Addameer Salah Hamouri, der am 7. März 2022 willkürlich verhaftet und vom 10. März bis zum 6. Juni für drei Monate in Verwaltungshaft genommen wurde, wobei die Möglichkeit besteht, dass seine Haftanordnung auf unbestimmte Zeit verlängert wird.
Es ist inakzeptabel, dass Staaten und Akteure es versäumt haben, Israels Kriminalisierung der palästinensischen Zivilgesellschaft nicht einmal verbal anzuprangern; es ist unerträglich, dass sie stattdessen Entscheidungen treffen, die die Verfolgung der sechs palästinensischen Organisationen verschärfen, ohne konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen.
Wir rufen die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Vereinigten Staaten, die EU-Mitgliedstaaten und die zwischenstaatlichen Organisationen dazu auf, sofortige konkrete Maßnahmen gegen Israels fortgesetzte Schikanierung und Kriminalisierung von palästinensischen Menschenrechtsverteidigern und zivilgesellschaftlichen Organisationen zu ergreifen, indem sie den israelischen Verteidigungsminister auffordern, den Beschluss vollständig zurückzunehmen;
– den sechs palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen weitere Unterstützung zuzusagen, erforderlichenfalls auch finanzielle Unterstützung der palästinensischen zivilgesellschaftlichen Organisationen;
– Beendigung der Komplizenschaft und des Schweigens gegenüber dem israelischen Siedler-Kolonial- und siedlerkolonialen Apartheidregime;
Darüber hinaus rufen wir engagierte Einzelpersonen aus der ganzen Welt auf, auf diesen pauschalen Angriff auf die palästinensische Zivilgesellschaft und die Menschenrechte aufmerksam zu machen und sich unverzüglich und dringend an ihre gewählten Vertreter zu wenden und darauf zu drängen, dass sie die israelischen Behörden zur Rechenschaft ziehen und die Menschenrechte in Palästina schützen.“
https://www.alhaq.org/advocacy/19949.html 21. Apr 2022
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.
Israelische Kolonisierungsbemühungen gehen auf beiden Seiten der Grünen Linie weiter
Die israelische Regierung genehmigte die Errichtung von sieben Siedlungen, die nur jüdische Bewohner im Negev aufnehmen sollen, um die Freiheit der einheimischen Beduinenbevölkerung einzuschränken und sie in ein kleineres Gebiet zu zwingen. Diese Politik der unverhohlenen Apartheid und Kolonisierung wird von rechten Israelis als “Judaisierung des Negev” bezeichnet. Israelische Minister der Rechten und der Linken beteiligen sich bei dieser Dehumanisierung der Beduinen.
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Mehr als 100 zivilgesellschaftliche Organisationen starten eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) zur Sammlung von einer Million Unterschriften von EU-Bürger*innen, um den europäischen Handel mit illegalen Siedlungen in besetzten Gebieten zu beenden.
Dabei handelt es sich nicht um eine Petition, sondern um eine verbindliche Kampagne, die die Europäische Kommission dazu zwingen soll, den rechtlichen Status von Produkten zu prüfen, die aus den besetzten Gebieten in Palästina und Westsahara eingeführt werden.
Hier kann man teilnehmen.
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Am Sonntag, den 10. April hat die israelische Regierung einen Plan gebilligt, der von zwei israelischen Ministern, der Innenministerin Ayelet Shaked von der Jamina-Partei (siehe BIP-Aktuell #209 und BIP-Aktuell #210) und dem Minister für Wohnungsbau und Jerusalem Ze’ev Elkin von der Partei Neue Hoffnung, vorgelegt wurde. Dem Plan zufolge sollen sieben neue Siedlungen nur für Juden im Negev, dem südlichen Teil des Staates Israel, der innerhalb der international anerkannten Grenzen des Staates Israel liegt, errichtet werden. Bei den sieben Siedlungen handelt es sich um eine landwirtschaftliche Siedlung, eine Stadt namens Tela und fünf kommunale Siedlungen.

Das nicht anerkannte Dorf Al-Araqib wurde seit 2010 198 Mal abgerissen. Seine behelfsmäßigen Strukturen werden von den Beduinen, die keinen anderen Platz zum Leben haben, immer wieder neu aufgebaut. Quelle: Keren Manor, Activestills, 2017.
Hintergrund der Entscheidung sind die Spannungen und die Gewalt im Negev, wo den Beduinen ihr Land entzogen wird, ihre Dörfer vom Staat nicht anerkannt werden und sie keine Grundversorgung erhalten (siehe BIP-Aktuell #202). Die israelische Regierung betrachtet die Beduinen als “widerspenstige Kriminelle” und “Eindringlinge”. Ayelet Shaked erklärte, die Errichtung von sieben jüdischen Siedlungen im Negev sei “wichtig für die Sicherheit”, da die jüdische Besiedlung des Landes die Bewegungsfreiheit der „widerspenstigen Beduinen“ einschränke.
Am 13. April erklärte Shaked offen, dass es ihr Ziel sei, den Negev zu “judaisieren”. Ultraorthodoxe Juden sollen rekrutiert werden, damit sie in rein jüdische Siedlungen ziehen, um sie zur Teilnahme am zionistischen Projekt zu bewegen (Quelle auf Hebräisch).
Im März propagierte die Regierung einen anderen Plan zur Errichtung von fünf Siedlungen, vier für Juden und eine für Beduinen. Dieser Plan diskriminiert bereits die Beduinen im Negev, die die ursprüngliche Bevölkerung des Gebiets ausmachen. Er wurde nach dem Anschlag in Be‘er-Sheva, das im Negev liegt und bei dem vier Israelis getötet wurden, vorangetrieben. Kommunikationsminister Yoaz Hendel von der Partei Neue Hoffnung sagte daraufhin: “Wo es keine Landwirtschaft und Siedlungen gibt, greifen andere zu” (Quelle auf Hebräisch) – eine Aussage, die das Recht der Beduinen, in ihren eigenen Häusern zu leben und Landwirtschaft zu betreiben, nicht anerkennt. Sie werden als “Andere” bezeichnet. Nadin Abu-Laban vom Forum gegen Aufwiegelung und Rassismus unter den Arabern des Negev schrieb, der Vorschlag sei “ein Finger im Auge der Beduinen” (Quelle in Hebräisch). Schließlich wurde auch dieser Plan abgelehnt und durch einen noch extremeren Plan ersetzt, der den Bau von sieben Siedlungen nur für Juden, aber keine Siedlungen für Beduinen vorsieht.
Siedlungen, die nur für eine einzige ethnische Gruppe innerhalb eines Staates bestimmt sind, bedeuten eine direkte Anwendung der Apartheid. Die israelische Regierung kann Siedlungen für eine bestimmte Bevölkerung ausweisen, indem sie sich auf Artikel 8 des Gesetzes über Zulassungsausschüsse aus dem Jahr 2011 beruft. Dieses Gesetz, das in der von der Rechtsschutzorganisation Adalah zusammengetragenen Datenbank rassistischer Gesetze enthalten ist, erlaubt es einer Siedlung, einen Zulassungsausschuss einzurichten, der “dem Charakter der Siedlung entsprechend” definiert, wer in der Siedlung leben darf. In der Praxis handelt es sich dabei um ein Apartheidgesetz, das die Errichtung von Siedlungen legalisiert, die nur Juden vorbehalten sind.

Der Protest gegen die Versuche, den Negev zu judaisieren, geht von einem Plan zum nächsten. Vor einem Jahrzehnt förderte die israelische Regierung den Prawer-Plan, der vorsah, Beduinen in kleinen, dichten Städten zu konzentrieren und sie mit rein jüdischen, landwirtschaftlichen Siedlungen zu umgeben. Der Plan wurde wirksam bekämpft. Quelle: Tal King, 2013, Flickr.
Jaffar Farah, der Direktor des Mossawa-Zentrums für die Rechte der arabischen Bürger Israels, spielte auf die politische Krise in Israel an, die zum Sturz der Regierung und zu einer weiteren Wahlrunde führen könnte, indem er sagte: “Eine weitere populistische Entscheidung einer Regierung am Ende ihrer Tage, die öffentliche Gelder verschwendet und nicht in der Lage ist, Arbeitsplätze und Wohnraum in Rahat, in Mitzpe Ramon und in Dimona bereitzustellen”, wobei er drei bestehende Städte im Negev nannte, von denen nur Rahat als Beduinenstadt gilt. Amir Basharat, der Berater des Landesrates der arabischen Gemeinden, sagte dazu (Quelle auf Hebräisch):
“Die Regierung entscheidet sich dafür, den Finger in die Wunde zu legen und jede Ausweitung der Beduinensiedlungen und die Anerkennung der Dörfer, denen die Anerkennung verweigert wird, zu verhindern. Damit verstärkt sie die Polarisierung zwischen den verschiedenen Gruppen im Negev, anstatt eine nachhaltige Entwicklung für alle Bewohner des Negev, Juden und Araber, zu schaffen.”
Besonders bemerkenswert war die Antwort von Umweltministerin Tamar Zandberg von der Meretz-Partei. Zandberg vertritt die zionistische Linke in Israel, und es wurde erwartet, dass sie sich gegen einen rassistischen Plan zur Vertiefung der Apartheid im Negev aussprechen würde. Zandberg ist zwar gegen den Plan, aber ihre Gründe sind nicht politischer und rechtlicher Art, sondern ökologischer Natur. Zandberg verweist auf die Analyse von Experten (Quelle auf Hebräisch), nach denen offene und unbebaute Flächen im Negev für die Pflanzen- und Tierwelt in der Region unerlässlich sind. Vielmehr sollten die bestehenden Siedlungen erweitert werden, anstatt neue zu bauen. Einige Tierarten sind vom Aussterben bedroht, wie z. B. die Kragentrappe und die Große Wüstenspringmaus. Natürlich muss die einzigartige und wertvolle ökologische Vielfalt der Negev-Wüste erhalten werden, aber Zandbergs Argumente gegen den Plan, die sich auf den Schutz von Vögeln und Nagetieren und nicht auf den Schutz von Menschen stützten, umgehen die politische Problematik, sind zudem rassistisch und beleidigend.
Drei israelische Menschenrechtsorganisationen: Die Assocation for Civil Rights in Israel (ACRI), Bimkom („Alternative“) und Sikkui (“Chance”) haben bei der Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt und sie als rassistisch und diskriminierend bezeichnet (Quelle auf Hebräisch). Die Generalstaatsanwältin kann die Entscheidung nicht aufhalten, aber sie kann die Regierung warnen, dass sie selbst nicht in der Lage sein wird, die Regierung zu verteidigen, wenn die Menschenrechtsorganisationen beim Obersten Gerichtshof Berufung einlegen werden.
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Eine neue Folge von BIP-Gespräch ist da. Diese Woche sprechen wir mit Dr. Michael Lüders, Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.
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Liebe Nahost -Interessierte,
BIP organisiert eine große internationale Konferenz in Nürnberg vom 27. bis 29. Mai in der Meistersingerhalle. Renommierte Referenten und Referentinnen aus dem In- und Ausland werden das Konferenzthema Israelis und Palästinenser – Leben unter Diskriminierung und Rechtlosigkeit? diskutieren.
Leider hat Frau Aydan Özoguz aus terminlichen Gründen ihre Teilnahme absagen müssen.
Folgende Informationen bitte ich zu beachten:
2. Die Kosten für die Konferenz betragen inklusive Verpflegung 125€ (für Rentner mit Grundsicherung/Studenten/HartzIV-Empfänger 80€). Bitte überweist den Betrag an BIP Bündnis für Gerechtigkeit, Stichwort BIP-Konferenz, Kontonummer DE43 2545 1345 0051 0579 58.
3. Wenn Ihr nach einer Hotelunterkunft sucht, so gibt es neben vielen anderen Möglichkeiten:
a. das Ramada-Parkhotel https://ramada-nuernberg.de Münchner Str. 21 in unmittelbarer Nähe der Meistersingerhalle (fußläufig 2 Minuten). Mit dem Manager des Ramada haben wir Folgendes vereinbart:
Jeder Gast muss sich selbst anmelden: (im Ramada info@ramada-nuernberg.de), und dann auch selbst an der Rezeption bezahlen.
Das Ramada verfügt über etwa 200 Zimmer. Die mit dem Manager abgesprochenen Kosten betragen: Für das EZ 65€ und für das DZ 110€, jeweils inkl. Frühstück. Bitte gebt bei der Reservierung an: „BIP-Konferenz“.
b. Falls Ihr andere Hotelwünsche habt, so gibt es z.B. auch das ibis am Hauptbahnhof (EZ 78€) sowie das B&B am Bahnhof, das mit 48€ das günstigste ist. Beim ibis könnt Ihr reservieren unter „BIP-Konferenz“.
Liebe Nahost-Interessierte, es sind noch Anmeldungen möglich. Wir würden uns freuen, wenn Ihr diese Einladung auch großflächig weiterleiten könntet.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
In den letzten zwei Wochen wurden 17 Palästinenser getötet. Gideon Levy fragt (Haaretz, 14.April): Das soll kein Terrorismus sein?
„Abdul Karim Saadi erwartete uns an unserem üblichen Treffpunkt, dem Hof einer Lederfabrik außerhalb von Tulkarem. Saadi stieg aufgeregt in sein Auto, er versuchte vergeblich, seine Tränen zu unterdrücken. Saadi war entsetzt über das, was er im Flüchtlingslager von Jenin erlebt hatte. “Sie treiben das gesamte Lager in die Arme der Terroristen”, sagte der zurückhaltende, erfahrene B’Tselem-Ermittler mit gebrochener Stimme. Er arbeitet in dieser Gegend und hat schon alles gesehen.
Es geschah letzte Woche, wenige Tage nach dem Terroranschlag in der Dizengoff-Straße in Tel Aviv, während der Fahndung nach dem Vater des Angreifers, Raad Hazem. Dieser reizte die Sicherheitskräfte mit seinen Reden über den bevorstehenden palästinensischen Sieg, was sie dazu veranlasste, ihn zusammen mit seinen noch lebenden Söhnen zu jagen.
“In eurer Generation werdet ihr den Sieg erleben”, rief der Vater den jungen und erregten Freunden seines Sohnes zu, die sich unter dem Balkon seines Hauses versammelt hatten. Aber: Der Shin Bet und die IDF mögen keine Palästinenser, die so reden. Palästinenser dürfen nur den Kopf senken und kriechen oder schweigen. Nur wir Israelis dürfen drohen und uns brüsten. Unsere trauernden Eltern dürfen natürlich alles sagen, was ihnen in ihrer Trauer durch den Kopf geht, sie dürfen um sich schlagen und aufhetzen, aber palästinensische trauernde Eltern dürfen nicht einmal so genannt werden. Es soll ihnen kein Hauch von Menschlichkeit anhaften.
Die Soldaten schossen auf ein Auto, in dem sie den Bruder des Angreifers vermuteten. “Es gab Treffer, und die Verfolgung geht weiter”, ermutigte der Armeesprecher die Israelis, die auf den Tod des Vaters warteten. Die Verfolgungsjagd diente nur dazu, die Flammen im Flüchtlingslager von Jenin weiter zu schüren. Der trauernde Vater wurde bislang noch nicht festgenommen – ein echter Fehler der Sicherheitskräfte, aber man kann sich darauf verlassen, dass der Shin Bet und das Militär ihn nicht seinem Kummer überlassen und so viel Macht einsetzen, wie sie aufbringen können, bis er wegen Aufwiegelung verhaftet oder möglicherweise eliminiert wird.
In den ersten beiden Aprilwochen gab es 20 Tote, drei Israelis auf der Dizengoff-Straße und 17 Palästinenser im Westjordanland und in Aschkelon. All dies folgte auf die Welle von Anschlägen im letzten Monat, bei denen 11 Israelis und 11 Palästinenser getötet wurden.
In einer Atmosphäre von Terroranschlägen fallen die letzten Hemmungen, die die Armee zurückhalten. Siebzehn tote Palästinenser in zwei Wochen, die alle als Terroristen galten, von denen die meisten den Tod aber nicht verdient hatten.
Die Medien berichteten, wenn überhaupt, nur kurz, und immer im Duktus der von den Sicherheitsdiensten vorgegebenen Propaganda-Informationen, die zumindest zum Teil aus Lügen bestehen, bequemen Lügen für die Ohren aller Israelis: Die blinde Witwe hat versucht, jemanden zu erstechen, und, verdammt, als kein Messer bei ihr gefunden wurde, nicht einmal eine Schlinge, lautete die Erklärung, dass sie vielleicht versucht habe, Selbstmord zu begehen. Der Anwalt, der seinen Neffen zur Schule brachte, war an Zusammenstößen beteiligt; der tote Junge hatte einen Molotowcocktail geworfen; sogar der verkrüppelte und krebskranke Jugendliche, der kaum stehen kann, wurde von Soldaten verhaftet, nachdem er angeblich mit seinen ausgemergelten Armen, die kaum einen Schuh heben können, tödliche Steine geworfen hatte. Die Israelis haben das alles blindlings, vielleicht sogar mit Begeisterung, hingenommen, denn wenn es um das Leben von Palästinensern geht, ist alles erlaubt.
Jeder dieser Todesfälle bedeutet für eine Familie Trauer und in vielen Fällen auch das Ende ihrer letzten Lebensgrundlage. Ihr geliebter Mensch wurde getötet, ungeachtet der Umstände? Die Konsequenz: Die Arbeitserlaubnis für Israel wird für viele Jahre entzogen, um mögliche Racheakte abzuwehren. Eine Katastrophe ist nicht genug, zwei sind besser.
Siebzehn Tote in 15 Tagen. Ein Mega-Anschlag, der nicht als Terror bezeichnet wird.“
Anmerkung der Redaktion: Abdul Karim Saadi, Fieldworker von B´Tselem, ist nicht nur seit vielen Jahren Gideon Levys Freund und Kontaktperson im besetzten Westjordanland. Er hat auch mit seinen Informationen Generationen von EAPPI-Freiwilligen bei deren Arbeit geholfen. Wolfgang Sréter (München) hat über seine Arbeit einen Artikel in junge Welt am 12.08.17 unter dem Titel veröffentlicht: “Entmündigt im eigenen Land”.
https://www.haaretz.com/opinion/.premium-17-palestinians-have-been-killed-in-the-past-two-weeks-that-s-not-terrorism-1.10745788?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Gideon%20Levy&utm_term=20220417-00:26
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

Rassismus und kollektive Bestrafung: Israels Reaktion auf drei Terroranschläge im März
Die drei Anschläge von Palästinensern im März haben die israelische Regierung, das Militär und die Polizei überrascht. Ihre aggressive Reaktion ist eine Kombination aus rassistischer Aufstachelung, kollektiver Bestrafung und grausamen Ungerechtigkeiten, die nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass solche Angriffe in Zukunft häufiger vorkommen werden.
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Mehr als 100 zivilgesellschaftliche Organisationen starten eine Kampagne zur Sammlung von einer Million Unterschriften von EU-Bürger*innen, um den europäischen Handel mit illegalen Siedlungen in besetzten Gebieten zu beenden.
Dabei handelt es sich nicht um eine Petition, sondern um eine verbindliche Kampagne, die die Europäische Kommission dazu zwingen soll, den rechtlichen Status von Produkten zu erörtern, die aus den besetzten Gebieten in Palästina und Westsahara eingeführt werden.
Hier kann man teilnehmen.
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Drei tödliche Anschläge in der letzten Märzwoche haben die israelische Gesellschaft erschüttert: Am 22. März wurden in Beer-Sheva fünf Menschen getötet (einschließlich des Angreifers) und zwei verletzt, am 27. März wurden in Hadera zwei israelische Soldaten getötet und fünf Israelis von zwei Palästinensern verletzt, die auf der Stelle erschossen wurden. Am 29. März wurden in Bnei Brak sechs Menschen getötet: vier Zivilisten, ein Polizist und der Angreifer, und zwei wurden verletzt. Insgesamt wurden 15 Menschen getötet, die vier Angreifer und ihre 11 Opfer.
Obwohl palästinensische Zivilisten wöchentlich von israelischen Soldaten und Siedlern getötet werden, wie wir regelmäßig in der Rubrik Menschenrechtsverletzungen am Ende eines jeden BIP-Aktuell berichten, gab es in letzter Zeit nur sehr wenige Angriffe von Palästinensern auf Israelis. Tatsächlich war der Angriff in Bnei Brak der palästinensische Angriff mit den meisten Opfern gegen Israelis seit 2014. Drei der vier Angreifer waren Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft.
Die Anschläge ereigneten sich zwanzig Jahre nach dem Massaker des israelischen Militärs im Flüchtlingslager Jenin während der Zweiten Intifada, bei dem mindestens 52 Palästinenser durch das israelische Militär getötet wurden. Politikwissenschaftler Prof. Yagil Levy schrieb in Haaretz (Quelle auf Hebräisch), dass israelische Generäle das Massaker in Jenin im Jahr 2002 als Beispiel für eine erfolgreiche Militäroperation zur Beendigung und Abschreckung des palästinensischen Terrors gegen Israelis bezeichneten, obwohl alle Fakten darauf hindeuten, dass die Tötung palästinensischer Zivilisten den Zorn der Palästinenser und ihre Bereitschaft, Israelis anzugreifen, nur erhöht hat.
Wie die Politiksoziologin Prof. Hilla Dayan in Haaretz (Quelle auf Hebräisch) schrieb, wurden die Anschläge von jungen Männern verübt, die sterben wollten und wussten, dass sie eher getötet als inhaftiert und verurteilt werden würden. Ihre Motivation für die Terroranschläge sei sozialer und psychologischer Natur gewesen, wobei muslimisch-religiöse Argumente erst in letzter Minute hinzukamen. Sie waren weder Mitglieder islamischer Organisationen (mit Ausnahme von Mohamed Abu el-Qian, der den Wunsch äußerte, sich dem Islamischen Staat anzuschließen) noch palästinensischer Widerstandsorganisationen.
Die Angreifer waren von den israelischen Behörden bereits verurteilt und inhaftiert worden, später jedoch wieder freigelassen. Obwohl Israel im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt mehr in Sicherheit und Verteidigung investiert als fast jeder andere Staat der Welt und obwohl es laut des Bonn International Centre for Conflict Studies als der militaristischste Staat der Welt gilt, sind die israelischen Sicherheitsorganisationen oft nicht in der Lage, die Sicherheit der israelischen Bürger zu gewährleisten. Dies ist ein Warnzeichen für Länder, die israelische Sicherheitsstrategien und -techniken übernehmen wollen. So äußerte sich auch der ukrainische Regierungschef Selenskyi nach einem Bericht in Haaretz vom 5. April. Der Satiriker B. Michael schrieb in Haaretz, dass die Angriffe einfach der Preis sind, den Israel für die Besatzung zahlen muss.
In der Tat wurde die israelische Regierung unvorbereitet getroffen und reagierte mit Verwirrung, Wut und Aggression. Während die Oppositionsparteien in Israel versuchen, aus den Angriffen Kapital zu schlagen und die Regierung beschuldigen, zu freundlich zu den Palästinensern zu sein, versucht die israelische Regierung, das Gegenteil zu beweisen.
Premierminister Naftali Bennett rief jetzt die Israelis auf, sich zu bewaffnen und ihre Waffen in öffentlichen Räumen zu tragen. Palästinensischen Arbeitnehmern wurde Einreise und Arbeit in Israel verwehrt; die Regierung entsandte sechs Bataillone, um die bekannten Lücken in der Trennmauer zu bewachen und palästinensische Arbeitnehmer ohne Arbeitsgenehmigung an der Einreise nach Israel zu hindern. Darüber hat Christian Meier in der FAZ berichtet.

Palästinensische Arbeiter ohne Arbeitsgenehmigung werden an der Einreise nach Israel gehindert. Quelle: Oren Ziv, 2022, Activestills.
Die israelischen Streitkräfte führten eine Reihe von Razzien in und um Jenin im Westjordanland durch, weil einer der Angreifer aus dem Dorf Yabad bei Jenin stammt. Der 16-jährige Sanad Mohammad Khalil Abu Atiya wurde am 31. März in Jenin getötet. Am 2. April wurden drei Palästinenser in Jenin in einem militärischen Hinterhalt getötet, der von den israelischen Behörden als Schießerei bezeichnet wurde. Die drei waren bewaffnet, aber die israelischen Soldaten erschossen sie nicht nur, sondern hinderten auch Sanitäter daran, sich ihnen zu nähern und ihnen medizinische Hilfe zu leisten. Dies macht die Schießerei eher zu einem Attentat. Die taz meldete zwar den Angriff als Tötung von drei bewaffneten Palästinensern, aber die Zeitung erwähnt nicht, dass viele der bei den drei Angriffen im März getöteten Israelis ebenfalls bewaffnet waren. Bewaffnete Palästinenser in Jenin im besetzten Westjordanland haben nach dem Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen von 1977, Art. 1, Abs. 4 das Recht, Waffen zu benutzen, um sich gegen einen fremden Eindringling in ihr Haus oder ihren Wohnort zu wehren, ebenso wie natürlich auch ukrainische Soldaten gegenüber russischen Soldaten.
Auch die israelische Polizei beteiligt sich an der Welle von Racheaktionen. Zu Beginn des Fastenmonats Ramadan ging die Polizei am Freitag hart gegen Palästinenser vor, die sich – wie jedes Jahr im Ramadan – am Damaskustor in Jerusalem zum Gebet versammelten und ihre Empörung zum Ausdruck brachten. Die Polizisten feuerten Blendgranaten und gummiummantelte Stahlkugeln ab, schlugen mit Schlagstöcken zu und stürmten zu Pferd in die Menge. Am Sonntag, dem 3. April, nahmen sie zehn Personen fest und verletzten mindestens 19.
Nicht nur die Regierung, das Militär und die Polizei, sondern auch Privatpersonen haben sich mobilisiert, um kollektive Rache an den Palästinensern zu nehmen. In israelischen Fernsehsendungen verlangten die Moderatoren, dass jeder palästinensische Gast das Interview mit einer Verurteilung der Terroranschläge beginnen soll, als ob er allein dadurch, dass er Palästinenser ist, daran Schuld trägt (Quelle auf Hebräisch). Das Model und Fernsehmoderatorin Natali Dadon sagte im Fernsehen, dass sie, wenn sie ein Taxi ruft, die Fahrt absagt, wenn der Fahrer einen arabisch klingenden Namen hat.
Siedler haben die Atmosphäre von Aufwiegelung und Rassismus genutzt, um am Mittwoch, den 30. März, eine Orgie der Gewalt im palästinensischen Dorf Tuba in den südlichen Hebron-Bergen im Westjordanland zu veranstalten. Die Siedler bewarfen die Palästinenser mit Steinen, schlugen die Scheiben ihrer Autos ein und bedrohten ihre Schafe und deren Futtervorräte. Dann kamen die israelischen Soldaten und anstatt die Palästinenser vor den Siedlern zu schützen, verhafteten sie einen der Palästinenser wegen Steinewerfens, obwohl nur die Siedler Steine warfen.
Hunderte von Baustellen, Bauernhöfen und anderen Arbeitsplätzen palästinensischer Arbeiter sind verwaist, weil jüdisch-israelische Arbeitgeber ihre palästinensischen Angestellten (unabhängig davon, ob sie israelische Staatsbürger sind oder aus dem Westjordanland kommen) angewiesen haben, zu Hause zu bleiben (Quelle auf Hebräisch). Palästinenser, die in jüdischen Schulen und Kindergärten als Reinigungskräfte arbeiten, wurden entlassen oder von der Arbeit suspendiert (Quelle auf Hebräisch).
In Bnei-Brak, dem Schauplatz des dritten Angriffs, war die Gewalt gegen palästinensische Arbeiter extrem. In einem Haaretz-Interview sagte ein Einwohner: “Ich möchte nicht jeden Araber verdächtigen, aber ich habe im Moment keine andere Wahl und werde nicht akzeptieren, als Rassist angesehen zu werden.” Palästinensische Arbeiter, die zur Arbeit kamen, mussten sich auf der Baustelle verstecken, da junge Juden sie mit Steinen bewarfen und ihnen ihre Besitztümer stahlen, darunter einen Personalausweis und eine Arbeitserlaubnis (siehe BIP-Aktuell #204). Jüdische Einwohner von Bnei Brak riefen “Tod den Arabern!” und verteilten Flugblätter, in denen sie die Arbeitgeber aufforderten, nicht-jüdische Arbeiter zu entlassen (Quelle auf Hebräisch).

Jüdische Einwohner von Bnei-Brak halten Schilder mit der Aufschrift “Wir wollen Rache” auf Hebräisch. Quelle: 2022, Facebook.
König Abdullah von Jordanien intervenierte und forderte Bennett auf, die Situation zu entschärfen und die Störung der muslimischen Gottesdienste in der Al-Aqsa-Moschee während des Ramadan zu beenden. Gemäß dem Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien ist das Jordanische Königreich zuständig für die Al-Aqsa-Moschee (Art. 9, Abs. 2).
Die Reaktion der israelischen Regierung und von Teilen der israelischen Öffentlichkeit ist unangemessen und wird dazu führen, unter den Palästinensern Zorn und Hass anzustacheln. Wenn sich die israelische Regierung weiterhin zu Hetze und Rassismus hinreißen lässt und versucht, der israelischen Öffentlichkeit zu beweisen, dass sie genauso aggressiv ist wie die rechte Opposition, ist eine Wiederholung der Ereignisse vom Mai 2021 mehr als wahrscheinlich.
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Liebe Nahost -Interessierte,
BIP organisiert eine große internationale Konferenz in Nürnberg vom 27. bis 29. Mai in der Meistersingerhalle. Renommierte Referenten und Referentinnen aus dem In- und Ausland werden das Konferenzthema Israelis und Palästinenser – Leben unter Diskriminierung und Rechtlosigkeit? diskutieren.
Leider hat Frau Aydan Özoguz aus terminlichen Gründen ihre Teilnahme absagen müssen.
Folgende Informationen bitte ich zu beachten:
1. Die Anmeldung für die Konferenz bitte nur an Dr. Götz Schindler per e-Mail goeschi42@googlemail.com, per Post: Breite Wiese 23, 85617 Aßling.2. Die Kosten für die Konferenz betragen inklusive Verpflegung 125€ (für Rentner mit Grundsicherung/Studenten/HartzIV-Empfänger 80€). Bitte überweist den Betrag an BIP Bündnis für Gerechtigkeit, Stichwort BIP-Konferenz, Kontonummer DE43 2545 1345 0051 0579 58.
2. Wenn Ihr nach einer Hotelunterkunft sucht, so gibt es neben vielen anderen Möglichkeiten:
a. das Ramada-Parkhotel https://ramada-nuernberg.de Münchner Str. 21 in unmittelbarer Nähe der Meistersingerhalle (fußläufig 2 Minuten). Mit dem Manager des Ramada haben wir Folgendes vereinbart:
Jeder Gast muss sich selbst anmelden: (im Ramada info@ramada-nuernberg.de), und dann auch selbst an der Rezeption bezahlen.
Das Ramada verfügt über etwa 200 Zimmer. Die mit dem Manager abgesprochenen Kosten betragen: Für das EZ 65€ und für das DZ 110€, jeweils inkl. Frühstück. Bitte gebt bei der Reservierung an: „BIP-Konferenz“.
b. Falls Ihr andere Hotelwünsche habt, so gibt es z.B. auch das ibis am Hauptbahnhof (EZ 78€) sowie das B&B am Bahnhof, das mit 48€ das günstigste ist. Beim ibis könnt Ihr reservieren unter „BIP-Konferenz“.
Liebe Nahost-Interessierte, es sind noch Anmeldungen möglich. Wir würden uns freuen, wenn Ihr diese Einladung auch großflächig weiterleiten könntet.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Gaza: Krieg in der Ukraine und ägyptisches Exportverbot beeinträchtigen Wiederaufbaubemühungen
Middle East Eye berichtet:
„Zehn Monate sind seit dem letzten israelischen Angriff auf den Gazastreifen vergangen, der – wie auch frühere Angriffe – einen Großteil der belagerten Enklave in Trümmern zurückließ. Trotz dieser Tatsache und trotz der Versprechen verschiedener internationaler Unterstützer sind nach offiziellen Angaben seit der Einstellung der Kämpfe im Mai letzten Jahres nur fünf Prozent des notwendigen Wiederaufbaus abgeschlossen worden.
Dies ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen: die Verzögerung bei der Bereitstellung von Wiederaufbaumitteln, die hohen Preise für Baumaterialien auf dem Weltmarkt und vor Ort sowie die Entscheidung Ägyptens, die Exporte in den Gazastreifen zu beschränken.
Die von der Hamas geführten Behörden im Gazastreifen schätzen die Kosten für den Wiederaufbau auf mehr als 400 Mio. USD, die sich aus den direkten Verlusten während des israelischen Krieges ergeben, in dem neben Hunderten von Toten auch Tausende von Häusern, Wohneinheiten, Infrastrukturen sowie Handels- und Industrieanlagen zerstört wurden.
Shawki Abu Salah, einer der mit dem Wiederaufbau beauftragten Firmen, sagte, er sei aufgrund der hohen Preise und der Knappheit an Baumaterialien gezwungen gewesen, die Bauarbeiten einzustellen. Dies hat ihn gezwungen, etwa 70 Mitarbeiter zu entlassen, so dass ihm nur noch 15 Arbeiter zur Verfügung stehen.
Abu Salah sagte, er schließe den völligen Zusammenbruch des Baugewerbes im Gazastreifen nicht aus, wenn der russische Krieg gegen die Ukraine nicht beendet werde, der viele Länder, darunter auch Ägypten, gezwungen habe, die Ausfuhr von Baumaterialien zu beschränken.
Palästinensische Beamte haben mit ägyptischen Beamten verhandelt, um den Gazastreifen von dem Exportverbot zu befreien – doch selbst wenn sie Erfolg haben, könnte es zu spät sein.
Abu Salah sagte, dass der Gazastreifen den größten Teil seines Eisenbedarfs aus Russland und der Ukraine importiert, während er bei anderen Baumaterialien hauptsächlich von Ägypten und anderen Quellen abhängig ist.
Die Bauunternehmer erwarten eine ´echte Katastrophe´, wenn ihr Sektor zusammenbricht, eine Katastrophe, die alle Aspekte des Lebens in Gaza betreffen wird.“
https://www.middleeasteye.net/news/gaza-reconstruction-egypt-export-ban-ukraine-war-hits
Israels Oberstes Gericht lehnt Petition ab, die einen Stopp der Spendensammlungen für Außenposten im Westjordanland fordert
Haaretz berichtet:
„Laut der Petition hat eine rechtsgerichtete NGO fast 100.000 Dollar für die Wiedererrichtung zweier illegaler Außenposten gesammelt, die vor zwei Wochen von israelischen Sicherheitskräften abgerissen wurden. Der Oberste Gerichtshof Israels lehnte am Sonntag eine Petition ab, in der gefordert wurde, dass die Polizei Gelder beschlagnahmt, die für die Wiedererrichtung von zwei illegalen Außenposten gesammelt wurden, die von den Behörden im Westjordanland abgerissen wurden. In der von der linken Organisation Peace Now eingereichten Petition wurde behauptet, dass die rechte NGO Vayarshtem Ota mehr als 320.000 Schekel (fast 100.000 Dollar) für die Wiedererrichtung der beiden Außenposten Maoz Esther und Aira Shachar aufgebracht habe, und argumentiert, das Gericht solle die Polizei anweisen, das Geld zu beschlagnahmen, um die Begehung illegaler Handlungen zu verhindern. Das Gericht begründete seine Entscheidung jedoch damit, dass die Polizei ´über einen weiten Ermessensspielraum bei der Ausübung ihrer Befugnisse´ verfüge und dass die Petenten der Polizei nicht genügend Zeit gegeben hätten, um auf ihre Aufforderung zum Handeln zu reagieren. Zu den Spendern gehörten Rabbiner Haim Druckman und der Knessetabgeordnete Bezalel Smotrich, der auch in einem Video zu Spenden aufrief. Inzwischen haben die Siedler mit dem Wiederaufbau der Außenposten begonnen. Peace Now reagierte auf die Ablehnung der Petition mit den Worten: ´Anstatt das Geld zu stoppen, bevor der illegale Bau beginnt, zieht es die Polizei vor, zu warten, bis die Strukturen gebaut sind, und dann 400 Polizeikräfte zu schicken, um eine Handvoll straffälliger Jugendlicher zu vertreiben… Das Oberste Gericht weigerte sich, in das Ermessen der Polizei einzugreifen, obwohl Beweise aus früheren Fällen vorgelegt wurden, in denen die Polizei nichts unternahm.´”
https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-israel-s-top-court-rejects-petition-calling-to-halt-fundraising-for-west-bank-outpos-1.10717031?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Hagar%20Shezaf&utm_term=20220403-19:40
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.
Deutschland bereitet sich darauf vor, Waffen zu kaufen, die eine militärische Besatzung finanzieren, um eine andere militärische Besatzung zu verhindern
Die CDU und Bundeskanzler Olaf Scholz fordern die Bundeswehr auf, israelische Raketenabwehrsysteme zu kaufen, ohne ihren Zweck, den sie erfüllen sollen sowie vor allem die moralischen Implikationen weder zu diskutieren noch zu berücksichtigen. Die israelischen Unternehmen haben ihre Waffen in Militäreinsätzen getestet, die ebenso illegal und unmoralisch sind wie die des russischen Militärs.
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Mehr als 100 zivilgesellschaftliche Organisationen starten eine Kampagne zur Sammlung von einer Million Unterschriften von EU-Bürger*innen, um den europäischen Handel mit illegalen Siedlungen in besetzten Gebieten zu beenden.
Dabei handelt es sich nicht um eine Petition, sondern um eine verbindliche Kampagne, die die Europäische Kommission dazu zwingen soll, den rechtlichen Status von Produkten zu erörtern, die aus den besetzten Gebieten in Palästina und Westsahara eingeführt werden.
Hier kann man teilnehmen.
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In eigener Sache:
Der Schwerpunkt dieses BIP Aktuell #212 mag manchem unserer Leser zu stark auf der Darstellung militärtechnischer Überlegungen liegen. Angesichts der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion halten wir aber fundierte Informationen über die fraglichen Waffensysteme für wichtig und gerechtfertigt. Wir möchten aber betonen, dass für uns als Redaktion eine Politik, die sich an Menschenrechten orientiert, ohne Alternative ist. Diese Position bezieht sich auch ausdrücklich auf den Kauf von Waffensystemen.
Am Sonntag, den 27. März, erwähnte Bundeskanzler Scholz, dass Deutschland den Kauf eines israelischen Verteidigungssystems in Erwägung ziehe, ohne jedoch zu präzisieren, ob er das Raketenabwehrsystem oder das Flugkörperabwehrsystem meinte. Die deutsche Regierung hat offenbar auch keine Bedenken, was es bedeutet, Waffensysteme zu kaufen, die an wehrlosen Zivilisten getestet wurden und nicht solche, die gegen ein reguläres Militär entwickelt wurden. Der Film von Yotam Feldman „Das Labor“ von 2013 zeigt die Methoden, die israelische Rüstungsfirmen nutzen, um Werbung für ihre Waffen zu machen – auf Kosten des Lebens von Palästinensern.
Yair Ramati, israelischer Ingenieur, ehemaliger Oberstleutnant der israelischen Streitkräfte, begrüßte überschwänglich die Entscheidung Deutschlands, den Verteidigungshaushalt zu erhöhen und sagte, dass dies den Verkauf israelischer Waffen steigern werde (Quelle auf Hebräisch).

Gaza Großerrückmarsch. Quelle: 2018, ECCP.
Die ursprünglichen Überlegungen in der deutschen Politik und medialen Öffentlichkeit bezogen sich auf das Iron-Dome-System, das entwickelt wurde, um palästinensische Qassam-Raketen aus dem Gazastreifen abzufangen, deren Raketen vom bewaffneten Flügel der Hamas-Partei, den Izz-ad-Din al-Qassam-Brigaden, entwickelt wurden. Sie sind billig in der Herstellung, haben eine kurze Reichweite, keinen Sprengkopf und sind daher nicht in der Lage, großen Schaden an befestigten Strukturen anzurichten.
Die Süddeutsche Zeitungberichtet, die deutsche Regierung neige dazu, das System Arrow-3 zu favorisieren, obwohl es noch nicht einsatzfähig ist. Arrow-3 ist eine gemeinsame Entwicklung des amerikanischen Unternehmens Boeing und des israelischen Unternehmens IAI und ist noch nicht ganz fertig. Es ist darauf ausgelegt, Raketen und möglicherweise sogar Satelliten im Weltraum abzufangen, theoretisch auch eine Atomrakete. Die israelischen Ingenieure, die es entwickelt haben, hatten nie Gelegenheit, es gegen echte feindliche Raketen zu testen, da seit 1973 kein Land mehr Langstreckenflugkörper auf Israel abgefeuert hat. Die Waffen der Hisbollah, des Irak und der Hamas, die auf Israel gerichtet waren, waren lediglich Raketen oder Kurzstreckenraketen. Daher gibt es keinen Hinweis darauf, dass dieses System wirksam ist.
Im Jahr 2014 führte Israel einen Test des Arrow-2-Systems im Mittelmeer durch. Die russische Regierung entdeckte den Raketenstart und veröffentlichte, die Arrow-2 sei gescheitert, wodurch sie die israelische Regierung in Verlegenheit brachte. Im Jahr 2019 ist eine israelische Abfangrakete in Syrien abgestürzt und wurde der russischen Armee übergeben (Quelle auf Hebräisch). Das bedeutet, dass das russische Militär über die Fähigkeiten der israelischen Raketenabwehrtechnologie Informationen besitzt.
Ein weiteres Indiz dafür ist die Tatsache, dass im Krieg Russlands gegen Georgien 2008 viele israelische Waffen an die georgische Armee verkauft wurden und von der russischen Armee erbeutet und analysiert wurden. Die Ukraine hat im Gegensatz zu Georgien nicht auf israelische Technologie zurückgegriffen, mit Ausnahme der Tavor-Gewehre, die von der rechtsextremen Miliz Asow-Bataillonverwendet werden. Das Asow-Bataillon hat sich für den Kauf israelischer Waffen entschieden, um dem Vorwurf zu entgehen, es handele sich um eine Neonazi-Gruppe.

Das russische Luftabwehrsystem S-300. Quelle: Vitaly V. Kuzmin, 2009, Wikipedia.
Ethische Überlegungen, erst recht die Unterstützung der universalen Menschenrechte, sollten für ein demokratisches Land absoluten Vorrang vor technischen und strategischen Erwägungen haben. Wenn aber Bundeskanzler Scholz ein Luftverteidigungssystem will, sind die besten heute verfügbaren Systeme die S-300 und S-400, die beide vom russischen Rüstungskonzern MZiK hergestellt werden. Die israelischen Raketenangriffe auf Syrien sind viel weniger wirksam geworden, nachdem Russland dort 2018 ein S-300-System installiert hat. Sollte Deutschland russische Luftabwehrsysteme kaufen? Die deutsche Regierung wird den Kauf russischer Waffen nicht in Betracht ziehen, weil sie Sanktionen gegen Russland verhängt, ein Land, das Kriegsverbrechen begeht und eine illegale militärische Besatzung betreibt. Es wäre inakzeptabel, dann Waffen von Israel zu kaufen, einem anderen Land, das Kriegsverbrechen begeht und eine illegale militärische Besatzung betreibt. Dies ist eine Doppelmoral, die Deutschlands Anspruch, eine Position zu vertreten, die sich an den Menschenrechten orientiert, untergräbt. Wenn Deutschland seinen Ruf als Staat, der militärische Aggression und Besatzung ablehnt, schützen will, kann es nicht die Aggression und Besatzung durch Israel finanzieren.
Diese Doppelmoral wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass alle israelischen Waffen, mit Ausnahme von Arrow-3, an wehrlosen Zivilisten getestet wurden. Arrow-3 wurde noch nie in einem tatsächlichen Konflikt getestet. Die Unternehmen, die die israelischen Waffen verkaufen, insbesondere die drei größten Unternehmen IAI, Elbit Systems und Rafael, betonen auf ihren Websites, dass ihre Systeme „kampferprobt“ sind. IAI, das Unternehmen, das an der Produktion von Arrow-3 beteiligt ist, ist zudem von Korruption durchzogen.
Auch sogenannte Verteidigungswaffen sind immer noch Kriegswaffen. Wie die Panzerung eines Panzers sind sie so konzipiert, dass sie einen Angriff ermöglichen, ohne selbst zerstört zu werden.
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Eine neue Folge des Podcasts BIP-Gespräch ist da. Diese Woche sprechen wir mit dem BIP-Mitglied Ahmed Tubail, der für die Universität Kassel arbeitet und von seiner Reise zu seiner kranken Mutter in den Gazastreifen erzählt.
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Der Sonderberichterstatter über die Lage der Menschenrechte in den seit 1967 besetzten Palästinensischen Gebieten, Michael Lynk, hat einen Sonderbericht veröffentlicht, der bestätigt, dass Israel in den besetzten palästinensischen Gebieten das Verbrechen der Apartheid praktiziert. Dabei handelt es sich um einen weiteren Bericht über die israelische Apartheid, der sich zu drei Berichten gesellt, über die wir in BIP-Aktuell berichtet haben (siehe BIP-Aktuell #154, BIP-Aktuell #169, BIP-Aktuell #205) . Der Bericht wurde in der New York Times und in der FAZ erwähnt.
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Liebe Nahost -Interessierte,
BIP organisiert eine große internationale Konferenz in Nürnberg vom 27. bis 29. Mai in der Meistersingerhalle. Renommierte Referenten und Referentinnen aus dem In- und Ausland werden das Konferenzthema Israelis und Palästinenser – Leben unter Diskriminierung und Rechtlosigkeit? diskutieren.
Leider hat Frau Aydan Özoguz aus terminlichen Gründen ihre Teilnahme absagen müssen.
Folgende Informationen bitte ich zu beachten:
2. Die Kosten für die Konferenz betragen inklusive Verpflegung 125€ (für Rentner mit Grundsicherung/Studenten/HartzIV-Empfänger 80€). Bitte überweist den Betrag an BIP Bündnis für Gerechtigkeit, Stichwort BIP-Konferenz, Kontonummer DE43 2545 1345 0051 0579 58.
3. Wenn Ihr nach einer Hotelunterkunft sucht, so gibt es neben vielen anderen Möglichkeiten:
a. das Ramada-Parkhotel https://ramada-nuernberg.de Münchner Str. 21 in unmittelbarer Nähe der Meistersingerhalle (fußläufig 2 Minuten). Mit dem Manager des Ramada haben wir Folgendes vereinbart:
Jeder Gast muss sich selbst anmelden: (im Ramada info@ramada-nuernberg.de), und dann auch selbst an der Rezeption bezahlen.
Das Ramada verfügt über etwa 200 Zimmer. Die mit dem Manager abgesprochenen Kosten betragen: Für das EZ 65€ und für das DZ 110€, jeweils inkl. Frühstück. Bitte gebt bei der Reservierung an: „BIP-Konferenz“.
b. Falls Ihr andere Hotelwünsche habt, so gibt es z.B. auch das ibis am Hauptbahnhof (EZ 78€) sowie das B&B am Bahnhof, das mit 48€ das günstigste ist. Beim ibis könnt Ihr reservieren unter „BIP-Konferenz“.
Liebe Nahost-Interessierte, es sind noch Anmeldungen möglich. Wir würden uns freuen, wenn Ihr diese Einladung auch großflächig weiterleiten könntet.
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BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.
Ein Teenager geht zur Arbeit. Wenige Minuten später wird sein Körper von 12 Kugeln durchbohrt
Gideon Levy schreibt: „Zwei palästinensische Jugendliche waren in Nablus auf einem Motorrad unterwegs, als ein Konvoi der Grenzpolizei vorbeifuhr. Die Beamten behaupteten zunächst, die beiden hätten auf sie geschossen, dann sagten sie, sie hätten nur eine Waffe auf sie gerichtet, die aber nie gefunden wurde. Das ändert aber nichts am Ergebnis: Die Beamten schossen auf einen der Jugendlichen, als dieser floh, und durchlöcherten seinen Körper mit Kugeln.
Schreckliche Bilder, die den Leichnam eines 16-jährigen Jungen zeigen, der von Einschusslöchern übersät ist. Der ganze Körper von Nader Rayan, Sohn einer Flüchtlingsfamilie aus dem an Nablus angrenzenden Flüchtlingslager Balata, ist mit tiefen, blutenden Einschusswunden übersät, tiefe Fleischwunden, sein Gehirn quillt heraus, sein Kopf und sein Gesicht sind durchlöchert. Die Soldaten der Grenzpolizei haben ihn mit krankhaftem Wahnsinn erschossen, in einem Wutanfall, brutal und hemmungslos. Sein Vater zählte 12 Einschusswunden im Körper seines Sohnes, alle tief, groß, blutüberströmt. Kopf, Brust, Bauch, Rücken, Beine und Arme: Es gibt keinen Körperteil seines Sohnes, der nicht ein großes, klaffendes Loch aufweist.
Nichts kann diese wiederholten Schüsse auf einen Teenager rechtfertigen, der um sein Leben rannte, schon gar nicht, nachdem er getroffen wurde und verwundet auf der Straße lag. Nicht einmal, wenn die ursprüngliche Darstellung der Grenzpolizei, die aus irgendeinem Grund in der darauf folgenden Woche auf magische Weise geändert wurde – dass der Jugendliche oder sein Freund auf die Truppen geschossen hat -, richtig ist. Nichts kann derartige Schüsse auf einen Jugendlichen rechtfertigen.
Der Vorfall ereignete sich am frühen Dienstagmorgen, dem 15. März. Um 6 Uhr morgens verließ Naders Vater Haytham das Haus. Er erzählt, dass er Nader noch schlafend auf dem Wohnzimmersofa sah. Nach Angaben der Familie stand Nader ein paar Minuten später auf, zog sich an und fuhr mit seinem Motorrad los, um seinen Freund aus der Nachbarschaft abzuholen, der auf dem Weg zu dem Kaffeestand war, den sie drei Wochen zuvor in Balata eröffnet hatten. Wenige Minuten später lag Nader tot am Straßenrand, sein Körper war von Kugeln durchlöchert.
Ein 90 Sekunden langes Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt, was dann geschah. Der Konvoi fährt die Straße entlang, das Motorrad nähert sich von der anderen Seite. Es ist 6:19 Uhr. Plötzlich hält das Motorrad an, der Beifahrer springt ab und rennt los. Unmittelbar nach ihm steigt auch der Fahrer ab, wirft das Motorrad auf der Straße ab und beginnt mit seinem Freund in Richtung der Gasse zu rennen, die von der Hauptstraße abzweigt. Die Gasse verschluckt sie. https://www.youtube.com/watch?v=Gcz477IbkjE
Der gepanzerte Konvoi kommt zum Stillstand. Es vergehen ein paar sehr lange Sekunden, bis sich die hintere Tür eines der Fahrzeuge öffnet. Fünf Grenzpolizisten springen heraus und rennen in die Gasse, um die Jugendlichen zu verfolgen, die sich außerhalb der Reichweite der Kamera befinden. Ein weiteres gepanzertes Fahrzeug erscheint aus der anderen Richtung. Ein zufällig vorbeikommendes Auto wird von einem Grenzpolizisten mit dem Gewehr in der Hand verjagt. Auf der Straße, die zu dieser frühen Stunde ansonsten leer und ruhig ist, werden keine Steine geworfen.
In einem Kommuniqué der Grenzpolizei, das nach dem Vorfall veröffentlicht wurde, heißt es: „Während der Tätigkeit der Mista’arvim [verdeckte Beamte, die sich als einheimische Araber ausgeben] der Grenzpolizei im Flüchtlingslager Balata wurde eine gesuchte Person festgenommen und ein Gewehr, das sich in seinem Besitz befand, beschlagnahmt. Als die Einsatzkräfte das Lager verließen, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen Sprengsätze, Steine und verschiedene Gegenstände auf die Polizisten geworfen wurden, die daraufhin die Menge vertrieben und mit dem Beschuss durch Ruger-Gewehre reagierten. Während dieser Aktion tauchte ein Motorrad auf, auf dem zwei Terroristen saßen. Einer der Terroristen stieg vom Motorrad ab und feuerte mit einer Pistole auf die Mista’arvim der Grenzpolizei, die sofort mit Schüssen antwortete und den Terroristen neutralisierte.“
https://www.haaretz.com/israel-news/twilight-zone/.premium.HIGHLIGHT.MAGAZINE-a-teen-leaves-for-work-minutes-later-his-body-is-pierced-by-12-bullets-1.10698949?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Gideon%20Levy&utm_term=20220326-10:06
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.
