Bericht über die BIP-Konferenz in Nürnberg vom 29. bis 31. Mai
- Vierte BIP-Konferenz „Die Zukunft Palästinas“
- Journalist aus Gaza mit dem Nord-Süd-Preis des Europarats ausgezeichnet
- 22 hochrangige ehemalige Politiker aus EU-Ländern fordern EU-weite restriktive Maßnahmen gegen Israel
- Brief aus Gaza
- Der Kampf um Trinkwasser
Die vierte Internationale BIP-Konferenz fand vom 29. – 31.5.26 in Nürnberg statt und widmete sich der Zukunft Palästinas. Die Veranstaltung begann mit der Verleihung des ersten BIP-Menschenrechtspreises an Dr. Victoria Rose. Die Konferenz umfasste drei Tage mit Vorträgen. Sie endete mit einem Appell des BIP-Vorsitzenden Dr. Martin Breidert.
Die 4. Internationale BIP-Konferenz fand in Nürnberg in der Meistersingerhalle vom 29.-31. Mai statt. Das Thema war in diesem Jahr die Zukunft Palästinas. Über 160 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil. Am Freitag eröffnete BIP-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ninon Colneric die Veranstaltung mit einer Begrüßung, die einen Überblick über Ereignisse in und um Palästina in den letzten zwei Jahren gab. Zum Schluss begründete sie, warum BIP erstmals einen Menschenrechtspreis verleiht: „Wir brauchen Vorbilder, ‚role models‘, die uns inspirieren und Kraft geben. Und Menschen, die Vorbildliches geleistet haben, verdienen es, dass ihre Leistungen gewürdigt werden.“ Der erste BIP-Menschenrechtspreis wurde Dr. Victoria Rose verliehen.
Dr. Victoria Rose von der Organisation „Ideals“ mit Sitz im Vereinigten Königreich leistete während des Völkermords ehrenamtliche Arbeit in Krankenhäusern in Gaza, riskierte dabei ihr Leben und arbeitete unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschenleben zu retten. Darüber hinaus berichtete sie unter anderem vor dem Gaza-Tribunal über die in Gaza begangenen Gräueltaten. Die Preisverleihung wurde von Prof. Dr. Michael Barenboim auf seiner Violine musikalisch umrahmt. Riad Othman, Sprecher von medico international, hielt eine einfühlsame Laudatio:
„Ich möchte zum Abschluss aber noch auf eine andere Bedeutung hinweisen, die weniger mit den medizinischen Aspekten und mehr mit Deinen Eltern bzw. speziell Deiner Mutter und mit Mike [ein älterer ärztlicher Kollege, Anm. d. Red.] zu tun hat: und das ist der Aspekt des zwischenmenschlichen Beistands, wie Ihr ihn Euren Kolleg:innen in Gaza und andernorts erweist. Im Angesicht der Not, der absolut existentiellen Not beizustehen, und auch hörbar beizustehen und nicht von der Seite der betroffenen Mitmenschen zu weichen, das ist eine Leistung, die die akute Wichtigkeit lebensrettender medizinischer Maßnahmen in gewisser Weise überschreitet, ja vielleicht transzendiert.
Ich denke, auch deshalb ist der heutige Preis, den Dir unsere Freund:innen von BIP gleich überreichen werden, wohlverdient. Deine Mutter muss sehr stolz auf Dich sein, und ich nehme an, Dein Vater wäre es, wenn er noch lebte.“

Dr. Martin Breidert überreicht Dr. Victoria Rose den BIP-Menschenrechtspreis. Quelle: 2026, Ekkehart Drost.
Victoria Rose schrieb dem Vorsitzenden von BIP nach der Veranstaltung einen Brief, in dem es hieß:
„Diese Anerkennung hat mich tief berührt, aber vielleicht noch mehr die Gelegenheit, Teil einer so bemerkenswerten Zusammenkunft zu sein. So viele nachdenkliche, versierte und intellektuell engagierte Menschen zu treffen, die alle durch ein echtes Bekenntnis zu Gerechtigkeit, Dialog und Frieden vereint sind, war sowohl inspirierend als auch belebend. In einer Welt, die sich oft zunehmend polarisiert anfühlt, war es erfrischend, Zeit mit Menschen zu verbringen, die sich weiterhin dafür einsetzen, Gemeinsamkeiten zu finden und friedliche Lösungen anzustreben. (…)
Ich möchte dem Bündnis auch für den finanziellen Teil der Auszeichnung danken. Die Mittel werden zur Unterstützung unseres laufenden Ausbildungsprogramms für plastische Chirurgie in Gaza verwendet. Der Aufbau nachhaltiger lokaler chirurgischer Fachkompetenz bleibt unser zentrales Ziel. Unabhängig davon, welche politischen oder logistischen Hindernisse auftreten, einschließlich der Möglichkeit, dass mir selbst die Einreise nach Gaza verwehrt wird, wird das Programm fortgesetzt. Durch die Arbeit der Wohltätigkeitsorganisation IDEALS und unserer lokalen Kollegen werden die monatlichen Einsätze und Ausbildungsaktivitäten weitergeführt, um den Aufbau von Dienstleistungen im Bereich der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie für die Patienten zu unterstützen, die diese am dringendsten benötigen. (…)“

Nach ihrer Rückkehr aus Nürnberg erfuhr Victoria Rose, dass Israel ihre Rückkehr nach Gaza „aus Sicherheitsgründen“ verhindert.
Am Samstagmorgen wurde die Konferenz mit einem Augenzeugenbericht aus Gaza von Prof. Dr. Abed Schokry eröffnet. Schokry, der Professor für Arbeitsschutz, Qualitätsmanagement und Ergonomie an der Islamischen Universität in Gaza ist und mit seiner Familie aus Gaza fliehen konnte, berichtete authentisch über die Lebensbedingungen in Gaza unter dem sogenannten „Waffenstillstand“, in dessen Rahmen weiterhin Palästinenser getötet werden. Er schilderte die Lage in Bezug auf Infrastruktur, den Zugang zu Nahrungsmitteln und Wasser sowie das Gesundheits- und Bildungswesen. In seiner Präsentation, die seinen Vortrag mit bewegenden Fotos illustrierte und mit Statistiken untermauerte, verglich er das heutige mit dem früheren Leben in Gaza. Trotz aller Entbehrungen halten die Palästinenser ihre Hoffnung aufrecht.
Das Thema Hoffnung wurde auch von Prof. Dr. Raef Zreik aufgegriffen, der am Ono Academic College, am Tel-Aviv Academic College, am Georgetown Law Center der Brown University sowie an der Yale Law School und der Harvard Divinity School lehrt. Seine Forschung befasst sich mit Fragen der Rechts- und Politiktheorie sowie mit Themen wie Staatsbürgerschaft und Identität, Zionismus und der Palästinenserfrage. Zreik erörterte die Kluft zwischen der bedrückenden Realität und der politischen Rolle der Hoffnung. Sein Vortrag basierte auf einem noch unveröffentlichten Artikel, von dem jedoch eine Version auf Französisch erschienen ist. Die Quintessenz seiner Ausführungen: Action is hope. There is no hope without action. Dieser Appell, diese Einsicht zog sich durch viele Referate und Diskussionsbeiträge. Zreik hatte an der Watson School of International and Public Affairs vor einiger Zeit einen Vortrag zum Thema „The Question of Palestine“ gehalten, der beeindruckend die großen Entwicklungslinien des Kampfes um Palästina aufzeigte. Er fasste diesen Vortrag für die Teilnehmer der BIP-Konferenz auf eine Nachfrage aus dem Publikum kurz zusammen.
Anschließend erörterte Prof. Dr. Dr. Kai Ambos, Rechtswissenschaftler und Richter an internationalen Gerichten, in einem kurzweiligen Dialog mit unserem BIP-Mitglied Prof. Dr. Lothar Zechlin anhand einer Reihe von Leitfragen sein gerade erst am Vortag erschienenes Buch „Staatsräson nach Gaza“. Er erläuterte, inwiefern die deutsche Staatsräson zur Unterstützung der Sicherheit des Staates Israel eine Herausforderung für die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland darstellt.
Am Nachmittag stellten Prof. Dr. Michael Barenboim, Geiger und Musikprofessor an der Barenboim-Said-Akademie, sowie Dr. Imad Mustafa, Referent für Menschenrechte bei der Organisation Medico International, die neu gegründete Organisation „Verein Palästinensischer und Jüdischer Akademiker*innen (PJA)“ vor. Sie fragten sich und uns, wie sich eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts fördern lässt. Ihre Zusammenarbeit ist ein gelungenes Beispiel für ein nachhaltiges Engagement, das unter anderem sichtbar wird in dem von Barenboim und Freunden gegründeten Programm „Make Freedom Ring“ https://www.makefreedomring.co.uk/team/ Auf Einladung reisen sie quer durch die Republik und ziehen das Publikum nicht nur in ihren Bann, sondern machen auch deutlich, dass nur eigenes Handeln – im Rahmen des Möglichen – Hoffnung gibt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ihr Motto: „co-resistance“.
Der folgende Abschnitt der Konferenz widmete sich der Frage der Staatlichkeit und der politischen Regelungen für die Zukunft Palästinas. Prof. Dr. Leila Farsakh, die an der University of Massachusetts in Boston lehrt, sprach über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Besatzung und über Boykotte gegen Israel als Mittel, um Gerechtigkeit einzufordern. Farsakh nannte konkrete Beispiele dafür, warum Hoffnung besteht, dass sich die geopolitische Lage verändert und dass Israels Kolonisierung, Apartheid, Besatzung und Völkermord nicht auf Dauer haltbar sind. Sie entwickelte politische Perspektiven für die Zukunft im Rahmen eines demokratischen Staates mit gleichen Rechten für alle Bürger.
Dr. Rula Hardal von der Organisation „A Land for All Initiative“, Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation Adalah, stellte die Initiative und ihr Konzept vor, das die Gründung zweier Staaten – eines palästinensischen und eines jüdischen Staates – nebeneinander ermöglichen könnte, wobei die individuellen und kollektiven Rechte aller Bürger beider Staaten gewahrt und demokratische Strukturen sowie die Sicherheit beider Staaten gewährleistet würden. Als mögliches Modell sah sie die EU an.
Die Vizepräsidentin der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft DPG e.V. Ursula Mindermann präsentierte am Abend das Buch „1 million drachen – Kindergedichte aus Gaza“ und zeigte zu den verschiedenen Themen, die in den Gedichten angesprochen wurden, bewegende Fotos von drei palästinensischen Fotografen. Für das Buch wurden Kindergedichte und Zitate von Kindern im Zeitraum von 2023 bis 2024 gesammelt und von Leila Boukarim übersetzt und editiert. Die Zeichnungen in dem Buch erstellte Asaf Luzon. Die in „eine million drachen“ veröffentlichten Zitate und Gedichte der Kinder in Gaza stellen sich der Entmenschlichung von Palästinensern entgegen. Durch diese Gedichte werden aus Zahlen Geschichten, Menschen, Kinder. Der Erlös des Buches geht an das Al Jawad Camp, ein Waisenhaus in Gaza Stadt. Aus den bis Anfang 2025 verkauften ca. 30.000 Exemplaren wurden schon 8.000 Dollar an das Waisenhaus geschickt.
Der Sonntagvormittag brachte zwei weitere Konferenz-Highlights: Zunächst sprach Kristin Helberg, eine renommierte Berliner Journalistin, die über den Nahen Osten berichtet, über die Voreingenommenheit der deutschen Medien gegenüber den Palästinensern und darüber, wie Leser durch Kritik an Propaganda und Lob für Artikel Druck ausüben können, um den Diskurs zu verändern. Bettina Marx als Moderatorin des per Zoom geführten Gespräches war eine außerordentlich kenntnisreiche Moderatorin, die genau die Aspekte in den Mittelpunkt des Gesprächs stellte, die die Teilnehmer ganz besonders interessierten. Kristin Helberg führt seit einiger Zeit eine Gesprächsreihe mit dem Titel „Zeit zu reden“ durch: https://zeitzureden.org. Das nächste Gespräch findet am 18. Juni in Karlsruhe statt, u.a. mit Kai Ambos und Daniel Marwecki.
Dr. Dalal Iriqat sollte eigentlich den letzten Vortrag halten, war aber kurzfristig verhindert. Dank unserer sehr freundschaftlichen Beziehung zu Dr. Sven von Burgsdorff, der uns auf der BIP-Konferenz 2024 einen Vortrag mit großer Strahlkraft präsentiert hatte, nahm der Vorstand unmittelbar nach der Absage Kontakt zum Ex-Diplomaten auf. Von Burgsdorff sagte sofort zu, per Zoom über das Thema „Die fehlgeleitete Politik gegenüber Netanyahu und Trump“ zu referieren. Er sprach über die Debatte zu Israel und Palästina innerhalb der EU, über die Heuchelei und das Versagen beim Schutz der Menschenrechte und der Beachtung des Völkerrechts, aber auch darüber, wie sich dies gerade verändert. Sein Vortrag basierte auf seinem kürzlich erschienenen Artikel in der Zeitschrift Zenith, in dem es heißt: „Europa zahlt den Preis für ein zutiefst besorgniserregendes Versagen deutscher Regierungspolitik. Die heftigen Nachwirkungen des Angriffs Israels und der USA auf Iran sowie Teherans Vergeltungsmaßnahmen gegen Länder am Golf, die wirtschaftliche Schockwellen, geopolitische Instabilität und eine eskalierende humanitäre Katastrophe verursachen, sind auch die Folge einer anhaltenden europäischen und – letztlich – deutschen Handlungsverweigerung: das bewusste Versäumnis, eine kriegstreiberische israelische Regierung und eine nur nach Eigennutz handelnde US-amerikanische Administration in die Schranken zu weisen, als es darauf ankam. Ohne jeden Zweifel verdient das mörderische iranische Regime die Verurteilung durch jeden, dem die Menschenrechte am Herzen liegen. Doch der Angriff der USA und Israels, der von der überwiegenden Mehrheit der Rechtswissenschaftler als rechtswidrig und unrechtmäßig beurteilt wird, erforderte eine klare europäische Reaktion, die auf dem Völkerrecht beruht und nicht auf der Angst vor US-Vergeltungsmaßnahmen.“

Konferenzteilnehmer, die sich anstellen, um Fragen zu stellen. Quelle: 2026, Ekkehart Drost.
Die Konferenz wurde vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Martin Breidert mit einer nachdenklichen Abschlussrede beendet:
„Seit 10 Jahren besteht nun BIP und hat sich zu einem ‚Scharnier‘ entwickelt zwischen Wissenschaft und Politik, zwischen Palästina-Aktivismus und Medien. Ich hörte auf dieser Konferenz Stimmen, die fragten: Was können wir tun? Schreiben Sie ihre Ideen und Gedanken an den BIP-Vorstand. Ich darf Sie/Euch einladen, Mitglied bei BIP zu werden, falls Sie es noch nicht sind. Wir tauschen Informationen und Meinungen aus und überlegen gemeinsam, was wir mit unserer kleinen Kraft für die Zukunft Palästinas und der Palästinenser tun können. (…) Ich kenne nur wenige Worte Arabisch, aber ein wichtiges Wort habe ich gelernt: Sumud, d.h. Beständigkeit, Beharrlichkeit, Widerstandsfähigkeit, Ausdauer. Eines können wir von den Palästinensern lernen, die wir nicht bei Tag und Nacht mit Raketenangriffen rechnen müssen, die wir ein Dach über dem Kopf haben und jeden Tag etwas zu essen: Aufgeben ist keine Option.
Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns nicht resignieren, sondern gerade jetzt, da die Menschenrechte und das Völkerrecht auf einem Tiefpunkt angekommen sind, dafür mit unseren bescheidenen Kräften kämpfen.“
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Werde Mitglied im Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) und unterstütze unsere Arbeit. Jahresbeitrag für stimmberechtigte ordentliche Mitglieder 150 €, für Fördermitglieder 100 €.
Ein Aufnahmeantrag ist an den Vorstand zu stellen: info@bip-jetzt.de.
Weitere Informationen: www.bip-jetzt.de
Wenn Sie die Arbeit von BIP unterstützen möchten – dies ist unser Spendenkonto: BIP e.V., IBAN: DE 43 2545 1345 0051 0579 58, BIC NOLADE21PMT
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BIP-Aktuell macht urlaubsbedingt eine zweiwöchige Pause. Die nächste Ausgabe von BIP-Aktuell, Nr. 401, erscheint am 6. Juli.
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!
BA 400 Bemerkenswert:
Journalist aus Gaza mit den Nord-Süd-Preis des Europarats ausgezeichnet
Am 19. Mai wurde der palästinensische Journalist Rami Abou Jamous mit dem Nord-Süd-Preis des Europarats ausgezeichnet. Jamous war Gründer der Agentur GazaPress, die westlichen Journalisten Hilfe und Übersetzungen anbot. Im Oktober 2023 musste er unter dem Druck der israelischen Armee seine Wohnung in Gaza-Stadt zusammen mit seiner Familie verlassen. Sie flohen nach Rafah, dann nach Deir El-Balah und später nach Nusseirat. Nach einer erneuten Flucht infolge des Bruchs des Waffenstillstands durch Israel am 18. März 2025 kehrte Rami am 9. Oktober 2025 mit seiner Familie nach Gaza-Stadt zurück. Bei der Preisverleihung in Lissabon las Portugals Präsident António José Seguro aus dem «Gaza-Tagebuch« von Rami Abu Jamous vor.
Der Preisträger konnte bei der Zeremonie wegen der Besatzung des Gazastreifens nicht physisch anwesend sein. Die eindrucksvolle Dankesrede, die er von Gaza aus hielt, ist hier nachzulesen: https://www.pressenza.com/de/2026/06/israel-darf-mit-dem-gazacide-nicht-durchkommen/
22 hochrangige ehemalige Politiker aus EU-Ländern fordern EU-weite restriktive Maßnahmen gegen Israel
Am 15. Juni wollen die Außenminister der EU-Länder in einen Ratstreffen über das Thema „Sanktionen gegen Israel“ diskutieren. Vor diesem Hintergrund forderten 22 hochrangige ehemalige europäische Politiker in einem Gastkommentar, der EU-weit an führende Zeitungen versandt wurde, solche Sanktionen zu verhängen. Zu den Unterzeichnern gehören sieben ehemalige Regierungschefs. Auch der ehemalige deutsche Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und die ehemalige deutsche Justizministerin Herta Däubler-Gmelin unterschrieben den Appell.
Im Einzelnen wurden die folgenden Forderungen erhoben: Die EU muss den präferenziellen Handelszugang Israels im Rahmen des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel aussetzen, was sich auf ein Drittel des gesamten Warenhandels Israels mit der Welt auswirken würde. Bis zu einem entsprechenden Beschluss muss die EU unverzüglich handeln, um zu verhindern, dass Exporte aus illegalen Siedlungen im Westjordanland in die EU gelangen. Parallel dazu sollte die Liste der sanktionierten israelischen Minister, Beamten, Personen und Organisationen, die mit den Siedlungen in Verbindung stehen und einem Visumverbot sowie einem Einfrieren ihrer Vermögenswerte unterliegen, erweitert werden. Die EU sollte zudem die Teilnahme Israels an EU-Forschungs- und anderen Programmen mit israelischen öffentlichen und privaten Einrichtungen, die gegen das Völkerrecht verstoßen, aussetzen sowie den Handel mit militärischen und „dual use“ Gütern einstellen.
Soweit ersichtlich, ist es das erste Mal, dass sich deutsche Politiker, die jahrelang Regierungsverantwortung getragen haben, öffentlich der Aufforderung nach solchen Sanktionen gegen Israel wegen der dem Land vorgeworfenen Völkerrechtsverbrechen angeschlossen haben.
BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
Aus einer E-Mail, die Martin Breidert am 4. Juni 2026 von einer Familie aus Gaza erhielt:
„Was die Lage hier betrifft, so unterscheidet sie sich stark von dem, was in den Nachrichten zu sehen ist. Der sogenannte Waffenstillstand existiert vor Ort nicht wirklich. Die Bombardements haben wieder begonnen, die Angst hat uns nie verlassen, und die Anspannung ist allgegenwärtig. Manchmal fühlt es sich an, als würde der Krieg noch andauern, als hätte sich außer dem Namen nichts wirklich geändert.
Die humanitäre Lage ist extrem schwierig geworden. Das tägliche Leben selbst ist zu einem Kampf ums Überleben geworden. Es geht nicht mehr nur um Angst, sondern um jedes Detail des Lebens. Die finanzielle Lage ist sehr schwierig geworden, und selbst die Sicherung der Grundbedürfnisse wie Nahrung und Wasser ist nicht mehr einfach.
Wir leben in Zelten, die weder Schutz vor der intensiven Sommerhitze noch vor Insekten und Ratten bieten, die sich weit ausbreiten. Der Schlaf wird immer wieder unterbrochen, und echte Erholung ist fast unmöglich. Unter diesen Bedingungen haben sich Krankheiten ausgebreitet, insbesondere Hautkrankheiten, während der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung sehr begrenzt ist.
Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und noch mehr Erschöpfung als der vorherige. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir einfach nur versuchen, durchzuhalten und weiterzumachen, ohne zu wissen, wie lange wir noch durchhalten können.
Trotz alledem versuchen wir, stark zu bleiben und an jedem kleinen Funken Hoffnung festzuhalten, der uns hilft, weiterzumachen.“
Der Kampf um Trinkwasser
Trinkwasser ist für die Vertriebenen in Gaza zum täglichen Kampf geworden. In einer Stellungnahme erklärte der UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf sicheres Trinkwasser und Sanitärversorgung, Pedro Arrojo-Agudo, dass der Gazastreifen mit einer beispiellosen humanitären Katastrophe konfrontiert sei wegen der weitgehenden Zerstörung der Wasserinfrastruktur. Er beschuldigte Israel, Wasser als Kriegswaffe einzusetzen, was gegen das humanitäre Völkerrecht verstoße.
https://www.pressenza.com/de/2026/06/hilfe-fuer-gaza-trinkwasser-ist-fuer-die-vertriebenen-zum-taeglichen-kampf-geworden/
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.