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Israel greift palästinensische Flüchtlingslager an

  1. Ethnische Säuberungen im Westjordanland
  2. Bemerkenswert: Europäische Bürgerinitiative zur Aussetzung des Assoziierungsabkommens EU-Israel
  3. „Eine Handvoll Kinder?“ Eine Armee israelischer Jugendlicher wird eingesetzt, um Palästinenser aus dem Westjordanland zu vertreiben

Die seit Januar 2025 andauernde israelische Operation „Eiserne Mauer” im Westjordanland richtet sich insbesondere gegen palästinensische Flüchtlingslager, die von der UNRWA betrieben werden und umfasst Militärangriffe, Gewalt durch Siedler und Hauszerstörungen. Laut UN-Berichten töteten israelische Streitkräfte zwischen Oktober 2023 und November 2025 über 1.000 Palästinenser im Westjordanland (darunter 223 Kinder) und vertrieben etwa 40.000 Menschen – die Hälfte davon allein aus dem Flüchtlingslager Jenin.

Während in Gaza ein offizieller Waffenstillstand besteht, den Israel allerdings regelmäßig verletzt (BIP-Aktuell #370), gibt es im Westjordanland keinen Waffenstillstand. Israel setzt die Operation „Eiserne Mauer ” im Westjordanland fort. Sie ist nach dem gleichnamigen Essay von Ze’ev Jabotinsky aus dem Jahr 1923 benannt, in dem er erklärte, dass der Zionismus ein Kolonialprojekt in Palästina sei und dass die Zionisten einen ewigen Krieg gegen die indigene Bevölkerung Palästinas führen müssten, die niemals eine Fremdherrschaft über sich akzeptieren würden. Die Operation „Eiserne Mauer“ wurde am 21. Januar 2025 begonnen und dauert damit seit einem Jahr an.


Palästinenser, die gezwungen sind, das Flüchtlingslager Jenin zu Fuß zu verlassen. Quelle: 2025, Medical Aid for Palestinians.



Der israelische Angriff auf das Westjordanland konzentriert sich auf die Flüchtlingslager, die von der UNRWA betrieben werden (BIP-Aktuell #324). Palästinensische Flüchtlinge, die 1948 während der ersten Nakba aus ihren Häusern im heutigen Staat Israel vertrieben wurden, sind damit weiteren Vertreibungen ausgesetzt. Die Angriffe werden sowohl von israelischen Soldaten als auch von Siedlern durchgeführt. Viele der Siedler sind Minderjährige (siehe Abschnitt Menschenrechte unten), die ungestraft angreifen. Das israelische Militär zerstört Häuser von Palästinensern entweder mit Bulldozern und Sprengstoff im Rahmen der Aktionen gegen palästinensische Dörfer oder als kollektive Bestrafung aufgrund von Abrissverfügungen. Die Palästinenser haben zwar beim israelischen Obersten Gerichtshof gegen die kollektive Bestrafung und den ihres Erachtens illegalen Abriss ihrer Häuser Klage eingereicht. Der Gerichtshof hat jedoch die Fortsetzung der Abrissmaßnahmen genehmigt.

Das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen berichtet, dass Israel zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 27. November 2025 1.030 Palästinenser im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, getötet hat. Unter ihnen sind 223 Kinder. Etwa 40.000 Palästinenser wurden in dieser Zeit aus ihren Häusern im Westjordanland vertrieben.

Das Flüchtlingslager Jenin im Norden des Westjordanlands war Ziel mehrerer israelischer Angriffe. Im Januar 2025 stürmten israelische Streitkräfte das Lager und versuchten, alle Bewohner zu deportieren. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, veröffentlichte am 26. November 2025 eine Erklärung, in der er die Hinrichtung von zwei Palästinensern in Jenin verurteilte. Von den 40.000 Palästinensern, die aufgrund der Operation „Eiserne Mauer” aus ihren Häusern vertrieben wurden, stammte die Hälfte aus dem Flüchtlingslager Jenin.

Ein weiteres Lager, das von israelischen Streitkräften angegriffen wurde, ist Nur A-Shams in der Nähe der Stadt Tulkarem im Norden des Westjordanlands. Bereits am 1. Juli 2024 fand ein Journalist in den Überresten einer israelischen Rakete, die auf dieses Flüchtlingslager abgefeuert worden war, einen Druckregler der deutschen Firma „Jumo“ aus Fulda. Deutschland ist völkerrechtlich verpflichtet, den Export von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck nach Israel einzustellen, die zur Fortsetzung der Besatzung genutzt werden können. Sanktionen gegen „Jumo“ wurden nicht verhängt. In der ersten Januarwoche zerstörten israelische Streitkräfte 25 Häuser in Nur-A-Shams. Darüber berichtete auch die FAZ-Korrespondentin Franca Wittenbrink am 13.1. unter dem Titel „Belagerte Heimat“.




Der Druckregler in der Rakete, hergestellt von der israelischen Firma Rafael, stammt von der deutschen Firma Jumo in Fulda. Quelle: 2024, Fuldazeitung.



Ein Artikel von Shatha Hanaysha auf Mondoweiss beschrieb detailliert die Eskalation der israelischen Gewalt gegen Flüchtlingslager im Westjordanland. Ein Artikel von Penny Green in Middle East Eye bot weitere schockierende Details und zeigte, dass das Westjordanland einem orchestrierten Plan der ethnischen Säuberung unterworfen ist, während der Völkermord in Gaza weitergeht.

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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 380 Bemerkenswert:
Europäische Bürgerinitiative zur Aussetzung des Assoziierungsabkommens EU-Israel
Eine Europäische Bürgerinitiative mit dem Titel „Gerechtigkeit für Palästina“ fordert die EU auf, das Assoziierungsabkommen EU-Israel angesichts der Menschenrechtsverletzungen Israels auszusetzen.
Wenn die Initiative eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Ländern erhält und in jedem dieser Länder die vorgeschriebene Mindestanzahl von Unterschriften erreicht (in der BRD beispielsweise 72.000), muss die Europäische Kommission die Organisatoren der Bürgerinitiative empfangen, damit sie im Detail die darin angesprochenen Aspekte erläutern können. Die Kommission muss innerhalb von drei Monaten in einer Mitteilung ihre rechtlichen und politischen Schlussfolgerungen zu der Bürgerinitiative sowie ihr weiteres Vorgehen bzw. den Verzicht auf ein weiteres Vorgehen und die Gründe hierfür darlegen. Den Organisatoren wird innerhalb der 3-Monats-Frist die Möglichkeit gegeben, die Bürgerinitiative im Europäischen Parlament im Rahmen einer öffentlichen Anhörung, bei die Kommission vertreten sein muss, vorzustellen.
Hier kann jeder EU-Bürger/jede EU-Bürgerin die Petition unterschreiben: https://eci.ec.europa.eu/055/public/#/screen/home


BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden

„Eine Handvoll Kinder?“ Eine Armee israelischer Jugendlicher wird eingesetzt, um Palästinenser aus dem Westjordanland zu vertreiben
«Einige kommen aus normalen Familien, andere sind gefährdet, manche sind noch nicht einmal Teenager – diese „Handvoll“, von der Netanjahu spricht. Sie werden ausgesandt, um palästinensische Dörfer zu terrorisieren, ihre Gewalt ist gut dokumentiert, und Israels Zivilverwaltung in der Westbank ist machtlos
Ein Teenager trat Yotam, einem linken israelischen Aktivisten, in den Unterleib. Ein jüngerer Teenager trat Yotams Freund. Die beiden Jungen waren mit Knüppeln und Messern bewaffnet und hatten eine Ziegenherde dabei. Es war Samstagmorgen, der 21. Juni, und sie hatten gerade das Wohngebiet der Beduinen des Ka’abneh-Clans am Rande von Mukhmas, südöstlich von Ramallah im Westjordanland, betreten.
Die israelischen Behörden kennen den Namen des jüngeren Teenagers, den ich K. nennen werde. Er stammt ursprünglich aus einer der älteren Siedlungen im Regionalrat Mateh Binyamin im Westjordanland.
K. hat viel Zeit in der illegalen Siedlung Sde Yonatan verbracht, die auf Privatgrundstücken im Dorf Deir Dibwan errichtet wurde. K. wurde auch in einer neueren Siedlung, Kol Hamevaser, gesehen. Die israelische Zivilverwaltung im Westjordanland reißt diese beiden Siedlungen immer wieder ab, und die Siedler bauen sie immer wieder auf. Am 28. Juni wurden K. und ein weiterer Jugendlicher dabei beobachtet, wie sie mit einem Geländewagen auf das Gelände fuhren, einen Zaun durchbrachen, zwischen den Häusern hindurchfuhren und sich in einem Garten niederließen, als gehöre ihnen der Ort.
Yotam hat die Belästigungen in Mukhmas dokumentiert, um sie zu unterbinden, im Rahmen einer sogenannten „schützenden Präsenz”-Aktion. Er und ein weiterer Aktivist, Yoram Sorek, meldeten K. der israelischen Zivilverwaltung in der Westbank und erhielten die Auskunft, dass die Beschwerde von den zuständigen Stellen gründlich geprüft werde. Vier Tage nach Erhalt dieser Antwort, an einem kalten und regnerischen 15. Dezember, wurde K. allein dabei beobachtet, wie er eine Herde auf einer Asphaltstraße im Dorf Deir Dibwan führte.
Zwischen Juni und Dezember wurde K. mehrmals in der Beduinengemeinde in Mukhmas gesehen; einmal kam er um 1 Uhr morgens mit einem Traktor an, pflügte Privatland und beschädigte dabei eine Leitung. Er wurde auch dabei gesehen, wie er zwischen den Häusern Ziegen hütete, versuchte, einen Wassertank zu leeren, seine Ziegen mit gestohlenem Futter fütterte und versuchte, in Häuser einzubrechen. Manchmal wurde er von einem anderen Jugendlichen begleitet. Einmal wurde er dabei gefilmt, wie er zwischen Häusern urinierte, und ein anderes Mal spielte er in der Nähe laute Musik.
Jede Woche werden Dutzende Minderjährige wie K. gefilmt, während sie sich in illegalen Siedlungsaußenposten im Westjordanland aufhalten. Von dort aus brechen sie auf, um Vandalismus und Belästigungen zu begehen.
Das Phänomen ist so bekannt, dass Premierminister Benjamin Netanjahu letzte Woche auf eine Frage von Fox News zur Gewalt von Siedlern antwortete, er gebe „einer Handvoll Kinder“ die Schuld daran. (…).»
https://www.haaretz.com/israel-news/2026-01-09/ty-article-magazine/.premium/an-army-of-israeli-youths-is-being-deployed-to-expel-palestinians-in-the-west-bank/0000019b-98b5-d3de-a5db-9cf7875d0000

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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