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Israelische Viehzüchter nutzen die Trennmauer, um in palästinensisches Land einzudringen

Die israelische Rindfleischproduktion wird durch Weideland gestützt, das Palästinensern gehört, aber israelische Viehzüchter nutzen die Tatsache aus, dass Palästinenser ihr eigenes Land auf der anderen Seite der Trennmauer nicht erreichen können, und weiden ihre Kühe auf gestohlenem Land. Amira Hass schrieb einen investigativen Artikel für die israelische Zeitung  Haaretz über dieses Phänomen.

Von Dienstagabend bis Mittwoch, 25. und 26. April, wurde der Unabhängigkeitstag in Israel zum 75. Mal gefeiert. Zu den Feierlichkeiten gehört das Grillen von Fleisch in großen Mengen. Obwohl das meiste Fleisch, das in Israel konsumiert wird, importiert wird, steigt die Nachfrage nach einheimischem Rindfleisch, und in nur zwei Jahren ist die Zahl der vom israelischen Landwirtschaftsministerium registrierten Rinder für Fleisch von 70.000 auf 110.000 gestiegen (Quelle auf Hebräisch), was einer Zunahme von mehr als 50 % entspricht. Die Haaretz-Journalistin Amira Hass fand heraus, dass dieser Anstieg zum Teil durch die Ausweitung von Weideflächen auf palästinensisches Privatland im besetzten Westjordanland ermöglicht wurde. Hass widmet einen großen Teil ihres Artikels auch dem Wohlergehen der Kühe selbst und der Tierquälerei in der Fleischindustrie, aber wir konzentrieren uns auf den Teil des Artikels, der sich mit der Besatzung befasst (Quelle auf Hebräisch).


Karte des nordöstlichen Westjordanlands mit den palästinensischen Dörfern al-Mutilla und Jalbun sowie den israelischen Kibbuzim Meirav und Ma’ale Gilboa. Ein genauer Blick zeigt die Lücke zwischen der Grünen Linie und der Trennmauer. Quelle: Google Maps.

Hass stellte fest, dass die zwischen 2000 und 2004 errichtete Trennmauer, die ständig erweitert und verschoben wird, immer tiefer in das besetzte Westjordanland hineinreicht und den palästinensischen Dorfbewohnern den Zugang zu ihren Grundstücken erschwert, die auf der anderen Seite der Mauer eingeschlossen sind. Die Palästinenser versuchen, ihre Grundstücke zu markieren, besuchen sie so oft wie möglich und erhalten dabei Hilfe vom Roten Kreuz, aber sie entdecken immer häufiger Kühe auf ihren Grundstücken. Die Kühe gehören Israelis, die auf ihrer Seite der Mauer leicht Zugang zu den palästinensischen Grundstücken haben. Sie beschlagnahmen das Land faktisch und nutzen es für ihre Viehzucht. Die Kühe in israelischem Besitz schädigen die palästinensische Landwirtschaft. Die großen Kühe und Bullen beschädigen Olivenbäume und zerstören sie manchmal sogar.

Amira Hass besuchte zwei Gebiete im Norden und im Süden des besetzten Westjordanlandes. Im Norden liegen die Dörfer Jalbun und Al-Mutilla direkt an der Mauer. Es ist eines der wenigen Gebiete, in denen es auf der östlichen Seite des Westjordanlandes israelische Städte und Dörfer gibt, und dort liegen Meirav und Ma’ale Gilboa u.A. ganz nah am Westjordanland. Das Gebiet, in dem Palästinenser keine Bauten in der Nähe der  Mauer errichten dürfen, wurde von 150 Metern auf 200 Meter ausgeweitet, aber die beiden Kibbuzim namens Meirav und Ma’ale Gilboa (über die wir im BIP-Gespräch #12 gesprochen haben) gelten nicht als Siedlungen und unterliegen keinen solchen Beschränkungen, da ihr Land vor 1967 innerhalb der Grünen Linie ein Teil des israelischen Gebietes war, aber die Trennmauer erleichtert ihnen den Zugang zu palästinensischem Land, das an ihr eigenes Land angrenzt.

Im Süden des Westjordanlandes besuchte Amira Hass die Stadt Idhna, westlich von Hebron. In Idhna wissen die Bauern, dass die Kühe, die auf ihrem Land grasen, aus dem israelischen Dorf Amatsya stammen. Hass befragte den Viehverwalter von Amatsya, Shimi Rozen. Rozen bestätigte, dass einige der Kühe von Amatsya auf dem Land von Idhna weiden: „Die Bewohner von Idhna gehen ja nicht mit ihren Schafen dorthin, sie können sich nicht dorthin bewegen, sie können dort nicht weiden“, sagte er.




Shimi Rozen, der Manager der Kühe von Amatsya. Quelle: Facebook.



Die Trennungsmauer wurde in einem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) aus dem Jahr 2004 für völkerrechtlich illegal erklärt. Trotz des IGH-Gutachtens schneidet die Trennungsmauer tief in das besetzte Gebiet ein, so dass 9,4 % des Westjordanlands für die auf der palästinensischen Seite der Mauer lebenden Palästinenser unzugänglich sind. Im Jahr 2006 stimmten die Vereinten Nationen für die Einrichtung eines Registers der durch die Mauer verursachten Schäden, um es den Palästinensern zu erleichtern, Entschädigungen für die entstandenen Schäden zu fordern, aber die israelische Regierung weigerte sich, Vertretern der Vereinten Nationen zu erlauben, das Gebiet zu besuchen und die Schäden zu messen. Der Artikel von Amira Hass ist nur ein weiterer Hinweis darauf, wie die Mauer das Leben der Palästinenser beeinträchtigt und ihrer Wirtschaft schadet, und in diesem Fall der israelischen Wirtschaft Profit bringt.

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Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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