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Israel-kritische Kandidaten der Partei La France insoumise digital diffamiert

  1. Israelische Desinformationskampagne bei den Kommunalwahlen in Frankreich
  2. Niederländischer Erlass über temporäre Sanktionen gegen rechtswidrige Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten
  3. Nationale Einreiseverbote für Ben Gvir
  4. Israelische Siedler und Soldaten greifen Dörfer an und plündern sie

Investigative Journalisten deckten eine groß angelegte Desinformationskampagne auf, die in Frankreich gestartet wurde, um die Linke zu diskreditieren und in die Kommunalwahlen einzugreifen. Französische Behörden schreiben diese Versuche der Einflussnahme dem israelischen Unternehmen BlackCore zu.

In BIP-Aktuell #389 berichteten wir über Israels Desinformationskampagne bei den Wahlen zur Nationalversammlung in Slowenien. Nun sind bei den französischen Kommunalwahlen Kandidaten von „La France insoumise“ (LFI) Opfer einer digitalen Diffamierungskampagne geworden. Die Spuren führen nach Israel.

Betroffen sind in erster Linie Sébastian Delogou und François Piquemal, die in Marseille bzw. Toulouse kandidierten. Beide Kandidaten waren in den letzten Jahren aktiv für die palästinensische Sache eingetreten; sie hatten sich stark gegen die Militäroperationen Israels im Gaza-Streifen engagiert. Die Desinformationskampagne wurde von Haaretz (Quelle auf Hebräisch), LibérationLe Monde und dem französischen investigativen Medienkanal Mediapart untersucht. Aus diesen Recherchen ergibt sich folgendes Bild:

In Marseille veröffentlichte eine Website namens „Sophies Blog“ mehrere Beiträge, die angeblich Aufzeichnungen einer ehemaligen, unter Pseudonym schreibenden Kollegin von Delogou wiedergaben. „Sophie“ behauptete, ihr Ziel sei es, zu beschreiben, wie Sébastian Delogou ihr Leben zerstört habe. Die Texte legten nahe, dass dieser ihr Gewalt angetan hatte. Nacktfotos von Delogou waren beigefügt. Plakate mit einem QR-Code, über den man auf diese Website zugreifen konnte, wurden in der Stadt an mehreren Orten angebracht. Es stellte sich heraus, dass „Sophie“ nicht existiert und die Bilder per KI generiert wurden.

In Toulouse wurde François Piquemal in mittlerweile gelöschten Beiträgen der Pädophilie beschuldigt. Er unterlag in der zweiten Runde der Kommunalwahl mit 46,1 % der Stimmen. Der französischen Verfassungsrat ist nun mit einem Antrag auf Annullierung der Wahl befasst.

Die französischen Behörden schreiben diese Versuche der Einflussnahme dem israelischen Unternehmen BlackCore zu. BlackCore ist in Israel nicht als Firma eingetragen. Dahinter steht ein Zusammenschluss von Akteuren und Einzelpersonen, deren Spuren nach Israel zurückverfolgt werden konnten (Quelle auf Hebräisch). Recherchen von Le Monde und Le Canard enchaîné zur digitalen Infrastruktur von BlackCore enthüllen ein Geflecht aus gefälschten Social-Media-Konten, KI-generierten Fotos und erfundenen Beiträgen. Eine kürzlich gelöschte Website fasst die Aktivitäten von BlackCore so zusammen:„Trendmanipulation“, „Gruppeninfiltration“, „Gegennarrative“ und mehr. All dies stand in Verbindung mit einem weiteren Unternehmen, das sich hinter einer Vielzahl von IP-Adressen und Subdomains verbarg: Galacticos mit Sitz in Tel Aviv. Libération enthüllt die enge Beziehung zwischen Galacticos und Yigal Unna, dem ehemaligen Generaldirektor der israelischen nationalen Cybersicherheitsbehörde. Auf einer Website desselben Netzwerks wird er als „Herr Yigal Unna von Galactivos AI“ vorgestellt.

BlackCore nutzte 1.600 gefälschte Social-Media-Profile. Es setzte seine Armee gefälschter Avatare dazu ein, die Argumente von ELNET, der israelischen Lobbyorganisation in Europa (BIP-Aktuell #376), zu verbreiten. BlackCore verbreitete zudem gefälschte Flugblätter und Links, um muslimische Wähler auf die Website des Gründers der LFI Jean-Luc Mélenchons zu leiten, mit dem Ziel, „Frankreich muslimischer zu machen“ und so Spaltungen innerhalb der LFI zu herbeizuführen.

Es ist zu befürchten, dass französische Wahlen auch in Zukunft eine Zielscheibe für Deformationskampagnen aus israelischen Kreisen sein werden. Frankreich spielt als bevölkerungsreiches Land auf EU-Ebene eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Deutschland ist Frankreich nicht fanatisch einer pro-israelischen „Staatsräson“ verpflichtet. Frankfreich hat im Oktober 2025 den Staat Palästina anerkannt. Frankreich verbot israelischen Rüstungsunternehmen 2024 die Teilnahme an der Rüstungsmesse Eurosatory und verdeckte 2025 die Stände israelischer Rüstungsunternehmen mit schwarzen Vorhängen. Bei den Wahlen 2024 in Frankreich gewann das pro-palästinensische, linke Wahlbündnis Noveau Front Populaire die meisten Sitze. Präsident Macron brach zwar mit der Tradition, den Premierminister aus dem größten Block zu ernennen, doch die starke Unterstützung der Bevölkerung für die Linke in Frankreich könnte Frankreichs Beziehung zu Palästina verändern, insbesondere nach den Präsidentschaftswahlen 2027.


Auf der Eurosatory in Paris wurden die Stände israelischer Rüstungsunternehmen mit schwarzen Leinwänden verdeckt. Quelle: 2025, Screenshot von „Türkiye Today“.

Israel betrachtet die Linke in Frankreich deshalb als Bedrohung für seine Straffreiheit. Im August 2025 warf Netanjahu Präsident Macron Antisemitismus vor, weil dieser versprochen hatte, den Staat Palästina anzuerkennen. Im April 2026 kündigte Israel an, den Waffenhandel mit Frankreich einzustellen. Hinter den Kulissen arbeitet Israel daran, die linken Kräfte in Frankreich zu diskreditieren und die extreme Rechte zu unterstützen. Israel beherbergt Desinformationsunternehmen, die mit technologischen Mitteln über soziale Medien Lügen verbreiten (BIP-Aktuell #248), beispielsweise das Unternehmen Black Cube, das eingesetzt wurde, um in die Wahlen in Slowenien einzugreifen (BIP-Aktuell #389). Die Angriffe auf Frankreichs Demokratie dienen israelischen Interessen und  zielen darauf ab, die Solidarität mit den Palästinensern zu unterdrücken.

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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 398 Bemerkenswert:
Niederländischer Erlass über temporäre Sanktionen gegen rechtswidrige Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten
Der niederländische Ministerrat hat am 22.5. einen Erlass über vorübergehende wirtschaftliche Beschränkungen zur Bekämpfung der Aufrechterhaltung der rechtswidrigen Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten verabschiedet und ihn dem Staatsrat zur beschleunigten Stellungnahme vorgelegt.
Hier ist der Text des Erlasses:  https://www.tweedekamer.nl/downloads/document?id=2026D24318

Nationale Einreiseverbote für Ben Gvir
Am 20.5. veröffentlichte der israelische Minister für Sicherheit Ben-Gvir in den sozialen Medien ein Video, in dem er Aktivisten der Globalen Sumud Flotilla verhöhnt, die auf dem Weg nach Gaza in internationalen Gewässern von israelischen Streitkräften nach Kapern und Beschädigen ihrer Schiffe festgenommen und nach Israel verschleppt worden waren. In dem Video ist unter anderem zu sehen, wie Ben-Gvir eine israelische Flagge über den Festgenommenen schwenkt, die mit gefesselten Händen vornüber gebeugt am Boden knien, und wie er lächelnd „Am Yisrael Chai“ – hebräisch für „Das Volk Israel lebt“ – zu einem von ihnen ruft. Weitere Videos zeigen, wie Festgenommene zu Boden gedrückt werden und wie sie mit der Stirn auf dem Boden liegen, umringt von bewaffneten Wachen, während die israelische Nationalhymne erklingt. Die Videos lösten weltweit Empörung aus.
Frankreich und Polen verhängten umgehend Einreiseverbote gegen Ben Gvir. Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland und Norwegen hatten bereits im vergangenen Jahr ein Reiseverbot gegen Ben-Gvir sowie gegen den israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich verhängt; sie warfen den Ministern vor, zu Gewalt gegen Palästinenser im besetzten Westjordanland aufzustacheln.
Zu weiteren Reaktionen der Staaten auf die Misshandlung der Flotilla-Aktivisten siehe https://time.com/article/2026/05/25/israel-europe-france-poland-italy-ben-gvir-sanctions-gaza-flotilla/

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
„Sie haben unsere Schafe gestohlen, meinen Sohn getötet“: Israelische Siedler und Soldaten greifen Dörfer im Westjordanland an und plündern sie
Der 16-jährige Yousef Kaabneh wurde erschossen, als Siedler, unterstützt von Soldaten, drei Dörfer nördlich von Ramallah stürmten und gewaltsam 900 Schafe mitnahmen
Von Oren Ziv in Jiljilya, im besetzten Westjordanland
27. Mai 2026
„Die Armee hat unsere Schafe gestohlen und meinen Sohn getötet“, sagte Ali Kaabneh, wobei er an der Stelle stand, an der sein 16-jähriger Sohn Yousef im Dorf Jiljilya nördlich von Ramallah im besetzten Westjordanland erschossen wurde, als Siedler und israelische Soldaten am vergangenen Mittwoch in das Gebiet eindrangen. Etwa 900 Schafe wurden den lokalen palästinensischen Bewohnern während des Überfalls gewaltsam weggenommen.
Während Siedler häufig palästinensische Gemeinden überfallen und Vieh stehlen, wurde die gesamte Operation in diesem Fall in Abstimmung mit – und unter dem Schutz der – israelischen Armee durchgeführt, die den Diebstahl sicherte und die Siedler durchgehend unterstützte.
„Sie haben unsere Herde gejagt, sie gestohlen, uns ausgeplündert und ausgeraubt und meinen Sohn kaltblütig getötet“, sagte Kaabneh gegenüber Middle East Eye. „Das ist die Politik einer terroristischen Regierung, die tötet und plündert.“ Der Überfall wurde gestartet, nachdem Berichte eingegangen waren, dass in den frühen Morgenstunden des Mittwochs 120 Schafe aus einem Gehege der Tzur-Levavi-Farm – einem illegalen Außenposten, der von der Familie Maguri betrieben wird – gestohlen worden waren, der sich in Jabal al-Batin in Gebiet A befindet, dem Teil des besetzten Westjordanlands, der nominell unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde steht. Der Außenposten selbst liegt auf Land, das den Dörfern Sinjil und al-Mazra’a ash-Sharqiya gehört. Später am Vormittag überfielen Dutzende Siedler in Begleitung israelischer Soldaten die Dörfer Sinjil, Jiljilya und Abwein, drangen in Schafställe ein und räumten diese aus.
Israel National News (Arutz 7), ein den Siedlern nahestehendes Medium, berichtete, dass die Beschlagnahmung der Schafe „durch eine gemeinsame Aktion von Sicherheitskräften und zivilen Freiwilligen ermöglicht wurde, die in voller Abstimmung mit den Suchkräften operierten“. Während des Überfalls errichtete die israelische Armee im gesamten Gebiet Straßensperren, um den Siedlern Bewegungsfreiheit zu ermöglichen.
Mitglieder der Familie Kaabneh, die in einer kleinen Siedlung im Wadi zwischen Sinjil und Jiljilya leben, sahen, wie Siedler begannen, sie zu umzingeln, und flohen mit ihren Schafen in Richtung des bebauten Gebiets von Jiljilya. Die Armee umzingelte sie mithilfe von Drohnen, beschlagnahmte die Schafe und verhaftete vier Familienmitglieder, darunter den Vater des getöteten Jungen. Die Festgenommenen wurden noch am selben Tag wieder freigelassen.
„Wir waren zu Hause und haben mit den Schafen gearbeitet. Die Siedler kamen unter dem Schutz der Armee“, sagte Ali Kaabneh. „Wir haben sie nicht angegriffen, wir haben nichts getan. Wir haben die Schafe etwa zwei Kilometer weit weggetrieben, und die Armee hat sie mithilfe von Drohnen aufgespürt.“
Um die Stelle herum, an der sein Sohn Yousef erschossen wurde, war ein Kreis aus Steinen gelegt worden, und auf dem Boden waren noch Blutflecken zu sehen.
„Die Armee hat meinen Sohn absichtlich getötet. Sie haben ihm in die Brust geschossen, und er starb auf der Stelle“, sagte er. „Er war 16 Jahre alt – was war sein Verbrechen? Er wollte seine Schafe zurückhaben, und sie reagierten darauf, indem sie auf ihn schossen. Welche Gefahr stellte er für sie dar? Er hatte nichts in den Händen, er war unbewaffnet. Sie hätten ihn festnehmen können, aber stattdessen haben sie ihn erschossen. „Wie jedes Kind wollte er sich in Zukunft ein Zuhause aufbauen und heiraten. Aber hier arbeiteten wir tagsüber und hielten nachts in Schichten Wache, ohne zu schlafen.“
Die Stelle, an der Yousef erschossen wurde, liegt nur wenige Dutzend Meter von der Hauptstraße entfernt, auf der die gestohlenen Schafe getrieben wurden.
In einem von seinem Vater gefilmten Video sind mehrere Soldaten zu sehen, die gegenüber der Gasse stehen, in der Familienmitglieder standen und aus Protest gegen den Diebstahl schrien, als die Herde vorbeizog. In dem Filmmaterial sind mehrere Schüsse zu hören, von denen einer offenbar Yousef traf.
Der Vater wurde kurz darauf festgenommen und erfuhr erst bei seiner Freilassung vier Stunden später, dass sein Sohn getötet worden war.
„Die ganze Welt hat in den sozialen Medien gesehen, wie die israelische Armee vor und hinter der Herde stand“, sagte er.
Auch die Reaktion der israelischen Armee am Tag des Vorfalls wirft Fragen auf. Ein Militärsprecher räumte ein, dass sich der Außenposten in Gebiet A befand, behauptete jedoch, die Soldaten seien „eingedrungen, um die Zivilisten zu entfernen“, nicht um sie zu begleiten, „nachdem gemeldet worden war, dass eine Reihe israelischer Zivilisten das Dorfgebiet betreten hatte, nachdem Vieh aus einem illegalen Außenposten in Gebiet A gestohlen worden war“.
„Bei ihrer Ankunft am Tatort gingen die Streitkräfte [der israelischen Armee] und die Grenzpolizei so vor, dass sie alle israelischen Zivilisten aus dem Dorf entfernten, Spannungen in der Gegend verhinderten und das Vieh sicherstellten“, fügte der Sprecher hinzu. „Mehrere Verdächtige des Viehdiebstahls wurden von den Streitkräften festgenommen.“
Angesichts dieser Reaktion bleibt unklar, wie die Armee und die Siedler das Gebiet mit 900 Schafen verlassen konnten.
Fawaz Kaabneh, ein weiterer Bewohner, dem rund 200 Schafe gestohlen wurden und der ebenfalls festgenommen wurde, sagte: „Wir hatten Angst, dass sie die Häuser erreichen würden, also gingen wir hinaus. Wir waren schockiert über die Anzahl der Siedler. Sie packten mich und übergaben mich der Armee, und von dort wurde ich zur Polizei gebracht. Sie brachten mich nach Sha’ar Binyamin. Ich sagte ihnen, die Schafe gehörten mir.“ Wie die anderen Festgenommenen wurde er verhört und noch in derselben Nacht freigelassen – ein Hinweis darauf, dass selbst die Polizei erkannte, dass die Vorwürfe gegen die Festgenommenen kaum Substanz hatten. Am nächsten Tag kehrte er zurück, um bei derselben Polizeistation Anzeige zu erstatten, und später am Tag wurden mehrere Dutzend Schafe zurückgegeben, nachdem die Armee sie in Richtung des Dorfes freigelassen hatte.
Iyad Ghafar, ein Aktivist aus dem Dorf Sinjil, dokumentierte den Viehdiebstahl. Um 11:06 Uhr filmte er einen Siedler, der die gestohlene Herde begleitete und mit gezogener Pistole auf ihn zulief. Sechs Minuten später wurde Yousef Kaabneh erschossen, offenbar von Soldaten. In anderem Filmmaterial sind maskierte Siedler zu sehen, die Steine werfen. Ghafar sagte, die Schafe seien in Richtung des Außenpostens Maguri getrieben worden, der sich innerhalb palästinensischer landwirtschaftlicher Anlagen in Gebiet A befindet – demselben Gebiet, in dem Soldaten und Siedler im Juli zwei junge Männer töteten, als diese versuchten, ihr Land zu verteidigen. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums starb einer der Getöteten, Saif al-Din Musallat, ein 20-jähriger US-Bürger, an den Folgen der erlittenen Schläge.
Ghafar rekonstruierte die Ereignisse während einer Tour durch das Gebiet: „Als wir von dem Vorfall hörten, nahm ich meine Kamera und ging hinaus. Es begann am Rande von Sinjil, und danach griffen sie Jiljilya an. Wir schafften es, rechtzeitig dort anzukommen, und ich filmte die Siedler und die Armee sowie die Richtung, aus der sie kamen. Die Siedler verfolgten uns. Einer von ihnen zog eine Waffe und kam direkt auf uns zu. Wir stiegen ins Auto und fuhren davon. Die Militärpatrouille hielt an und begann, auf uns zu schießen – wir wären fast gestorben. Es war eine gemeinsame Operation von Armee und Siedlern, die gleichzeitig gemeinsam handelten. Gemeinsam drangen sie in Häuser ein, gemeinsam jagten sie die Hirten, gemeinsam nahmen sie die Herde mit.“
In dem Gebiet zwischen Jiljilya und Sinjil hatten etwa 20 palästinensische Familien – insgesamt rund 200 Menschen, allesamt Flüchtlinge, die ursprünglich aus dem Osten von Ramallah stammten – gelebt. Nach dem Diebstahl und den Schüssen sind alle Bewohner geflohen.
Die Schafställe stehen nun leer, während die Zelte noch immer mit Matratzen, Kleidung und Babybetten gefüllt sind – Zeugnisse des Lebens, das dort bis vor wenigen Tagen noch existierte. Diese Woche kehrten Bewohner kurz zurück, um einige ihrer Habseligkeiten zu holen und zurückgelassene Hunde einzufangen.
Die Geschichte der Familie Kaabneh verkörpert die aktuelle Realität im besetzten Westjordanland: wiederholte Vertreibung; Angriffe von Siedlern, die sich bis in die Zonen B und A ausdehnen, die eigentlich zumindest teilweise unter palästinensischer Kontrolle stehen sollten; ein Fokus auf die Beschlagnahmung von Vieh; und die Errichtung von Siedlungsaußenposten an strategischen Punkten, um große Landflächen zu erobern und Siedlungsblöcke miteinander zu verbinden – alles unter dem Schutz der israelischen Armee. Israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland sind nach internationalem Recht illegal.
Die Familie lebte ursprünglich in der Gegend zwischen dem Negev und Masafer Yatta, aus der sie 1948 vertrieben wurde. Von da an bis Oktober 2023 lebte sie in Mu’arrajat Centre, nahe der Taybeh-Kreuzung. Zu Beginn des israelischen Krieges gegen Gaza vertrieben Siedler und Soldaten sie; einige zogen an den Rand des Dorfes Lubban ash-Sharqiya, während andere in das Gebiet al-Batin umzogen. Die letzten Bewohner verließen dieses Gebiet vor etwa einem Jahr, nachdem dort ein Außenposten errichtet worden war und Soldaten zwei junge Männer, Musallat und Mohammad Razek Hussein al-Shalabi, getötet hatten.
Ali Kaabneh und andere ließen sich daraufhin am Rande von Lubban ash-Sharqiya in der Nähe der Route 60 nieder. Am 6. April griffen Siedler sie an und steckten zwei Autos sowie ein Zelt in Brand, in dem einige Familienmitglieder geschlafen hatten. Ein Verwandter wurde durch einen Schlag mit einem Knüppel verletzt. Die Siedler sprühten zudem die Parolen „Price Tag“ und „Zionistische Rache“ auf die Zelte. Dieser Angriff erfolgte nach der Räumung des Außenpostens Ora Yisrael, der in Wadi Salfit tief im Gebiet B errichtet worden war. Der Außenposten lag weit entfernt von der Familie Kaabneh, doch sie sagen, sie seien ins Visier geraten, als Siedler die unbefestigte Straße entlangfuhren, die dorthin führte – eine Straße, die zuvor von palästinensischen Bewohnern genutzt wurde und in der Nähe der Siedlung an die Route 80 anschloss.
Nach dem Angriff zogen sie in das Familiengelände in Jiljilya, von dem aus letzte Woche die Schafe gestohlen wurden. Sie hatten gehofft, dass es dort sicherer sein würde. „Wir sind von Mu’arrajat nach Lubban ash-Sharqiya gezogen. Dort wurden wir am 6. April angegriffen, also sind wir hierher gezogen. Dies steht unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde, also dachten wir, es wäre sicherer, aber es gibt keinen sicheren Ort“, sagte Ali Kaabneh.
Es ist nicht das erste Mal, dass vertriebene Beduinenfamilien nach ihrer Umsiedlung erneut angegriffen wurden. Im April 2025 griffen Siedler, die einen weiteren Außenposten im Gebiet von Sinjil errichtet hatten, vertriebene Bewohner aus Wadi as-Siq an und brannten Fahrzeuge und Wohnzelte nieder.
Als Reaktion auf die Festnahme der Palästinenser und den Diebstahl der Schafe erklärte die israelische Polizei: „Die Verdächtigen, die zur Polizeistation gebracht wurden, wurden verhört und nach Abschluss ihrer Vernehmung unter Auflagen freigelassen. Gleichzeitig ging bei der Polizei eine Gegenanzeige ein, die derzeit geprüft wird, um die Wahrheit herauszufinden.“
Die israelische Armee erklärte: „Nach einer Untersuchung des Vorfalls vom 13. Mai 2026 im Dorf Jiljilya stellte sich heraus, dass einige der Israelis, die das Dorf betraten, Tiere von Anwohnern mitnahmen. Israelische Streitkräfte gaben etwa 40 Tiere an die Dorfbewohner zurück. Der gesamte Vorfall wird weiterhin geprüft und ist noch Gegenstand von Ermittlungen.“ https://www.middleeasteye.net/news/israel-army-settlers-steal-sheep-kill-palestinian-teen-west-bank

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

Tag: 1. Juni 2026