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Das israelische Militär verbietet palästinensischen Bauern während der Erntezeit den Zugang zu ihrem Land

Unter dem Vorwand, Reibereien zwischen Siedlern und Palästinensern vermeiden zu wollen, hindert das israelische Militär während der Erntezeit die Bauern daran, ihre Oliven zu ernten, trennt die Bevölkerung von dem Land, das ihnen gehört und das sie seit Generationen bearbeitet haben und treibt damit die ethnische Säuberung voran.

Die Olivenernte im Herbst ist eine äußerst wichtige Zeit für die palästinensische Wirtschaft im Westjordanland und im Gazastreifen. Oliven, Olivenöl und Olivenölerzeugnisse sind die wichtigsten Produkte der palästinensischen Wirtschaft, die Tausende von Familien und ganze Dörfer ernähren und für die Palästinenser auch ein Symbol ihrer „sumoud„, ihrer Standhaftigkeit sind, auf ihrem Land zu bleiben.

Oliven sind ein Symbol für Palästina. Quelle: Rami Abu Qaadan, Facebook.



Gerade in dieser Zeit verstärken gewalttätige Gruppen jüdischer Siedler ihre Angriffe auf palästinensische Bauern und versuchen, die Ernte zu verhindern. Die Angreifer terrorisieren die Bauern, zerstören landwirtschaftliche Geräte, werfen Steine, verprügeln die Bauern und schießen sogar mit scharfer Munition. Sie stehlen auch Oliven und zerstören die Bäume. Die palästinensischen Bauern haben eine Schutztaktik gegen diese Angriffe entwickelt, die vor allem darin besteht, mit einer großen Zahl von Menschen zur Ernte zu kommen, um die Angreifer abzuschrecken und zu versuchen, die Ernte so schnell wie möglich abzuschließen, um die Oliven in Sicherheit zu bringen. In diesem Jahr wurde eine neue palästinensische Organisation mit dem Namen Fazaa („Verstärkung“ auf Arabisch) gegründet, um die Bauern während der Ernte zu unterstützen.

Die meisten palästinensischen Anbauflächen liegen im C-Gebiet des Westjordanlandes, demselben Gebiet, in dem die illegalen israelischen Siedlungen gebaut werden und in dem nur die israelischen Sicherheitskräfte operieren dürfen. Das israelische Militär ist nach internationalem Recht verpflichtet, die einheimische Bevölkerung unter der Besatzung zu schützen. Wie Amira Hass in Haaretzberichtet, nutzt das Militär die Angriffe von Siedlern auf palästinensische Bauern jedoch als Vorwand, um die Palästinenser am Zugang zu ihrem Land zu hindern. Das Militär behauptet, es wolle „Reibereien“ zwischen den Palästinensern und den Siedlern vermeiden – die Lösung besteht darin, die Palästinenser fernzuhalten und den Siedlern zu erlauben, sich nach Belieben zu bewegen.

Am 11. Oktober versuchten palästinensische Bauern, die Oliven auf dem A-Ras-Hügel auf dem Gebiet von Salfit im Westjordanland, nicht weit von der Siedlung Ariel entfernt, zu ernten. Auf diesem Hügel wurde der illegale Außenposten Nof Avi („Überblick meines Vaters“) errichtet, und so versahen die Soldaten den Olivenhain mit „Betreten verboten“-Schildern und einem Band, mit dem der Olivenhain zu einem „Militärisches Sperrgebiet – Zutritt verboten“ erklärt wurde.

Sogenannte Siedler haben im Oktober 2020 (während der Erntezeit) im Dorf Al-Jab’a bei Hebron 300 Olivenbäume entwurzelt. Quelle: B’tselem, 2020.



Die palästinensischen Bauern waren nicht an einem Protest interessiert, sondern wollten nur ihre Oliven ernten. Sie versuchten, das abgesperrte Militärgebiet zu umgehen, um ihre Bäume zu erreichen, und wurden von den Soldaten angegriffen. Muhammed al-Khatib aus dem Dorf Bil’in gehört zu den prominenten Organisatoren von Fazaa, ein Mann, der bereits unzählige Male von den israelischen Soldaten verhaftet wurde. Er wurde von den Soldaten geschlagen, und einer der Soldaten stellte seinen Fuß auf seinen Rücken, als er am Boden lag. Al-Khatib wurde zusammen mit zwei israelischen Aktivisten verhaftet, die die Bauern begleiteten und sich mit den Soldaten stritten. Den israelischen Aktivisten wurde eine vorzeitige Entlassung in den Hausarrest angeboten, doch sie lehnten ab und verlangten, einem Richter vorgeführt zu werden. Dank des Drängens der israelischen Aktivisten wurde Al-Khatib am nächsten Tag ebenfalls freigelassen, einige Stunden nach den beiden Israelis und nicht erst nach vier Tagen, wie es bei verhafteten Palästinensern üblich ist.

Das Militär schickte Haaretz eine offizielle Stellungnahme und rechtfertigte die Verhaftungen mit der Behauptung, die Aktivisten hätten die Soldaten angegriffen, obwohl die Aktivisten ein Video haben, das das Gegenteil beweist. Das Militär sagte auch, dass es „unangemessen“ war, einen Fuß auf den Rücken von Al-Khatib zu stellen, es wird aber den Soldaten, der dies getan hat, nicht bestrafen.

In einem späteren Artikel in Haaretz schrieb Amira Hass, dass die Ereignisse vom Montag, dem 11. Oktober, Teil einer weit verbreiteten Strategie seien. Sie bezeichnete die Gewalt der Siedler als „privatisierte Gewalt“, weil das Militär die Siedler als Instrument zur Konfiszierung von palästinensischem Land im Westjordanland und als Vorwand benutzt, um Palästinensern am Zugang zu ihrem eigenen Land zu hindern. Einige Landwirte erhalten die – in der Regel befristete – Erlaubnis, ihre Ländereien nur für einige Tage im Jahr zu betreten, um wichtige Arbeiten zur Erhaltung der Bäume durchzuführen, aber Amira Hass beobachtet, dass die langfristigen Auswirkungen der vom Militär verhängten militärischen Sperrgebiete in der Nähe illegaler Außenposten darin bestehen, dass den Palästinensern große Teile des C-Gebietes entzogen werden. Dieses „leere“ Land, das früher für die Landwirtschaft und als Weideland genutzt wurde, steht nun für die Errichtung neuer oder die Erweiterung bestehender Siedlungen zur Verfügung. Das Ziel ist die schrittweise ethnische Säuberung („ongoing Nakba“).

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Wir laden ein zum BIP-zoom- Gespräch mit Michael Lynk, UN-Sonderberichterstatter für Palästina:
Human Rights for Palestinians – A Challenge  for Europe

Donnerstag, 11. November, 19 Uhr
Der Vortrag findet auf Englisch statt.
https://bibjetzt.wordpress.com/michael-lynk-human-rights-for-palestinians-a-challenge-for-europe/

Anmeldungen an: martin.breidert@gmx.de

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina, die in unseren Medien zumeist nicht erwähnt werden.

Odeh Bisharat schreibt am 12.10. in Haaretz “A Nobel Truth Prize for Gideon Levy”


“In Israel gibt es eine ganze Reihe von Journalisten, die die Wahrheit ans Licht bringen und dafür einen hohen Preis zahlen. Dafür müssen wir dankbar sein, aber das Problem ist, dass die meisten Israelis trotzdem das Monster im Raum – die Besatzung – nicht einmal bemerken.“

Hinzufügen möchte das Redaktionsteam von BIP Aktuell: Auch zu viele Deutsche verschließen die Augen vor dem „Monster im Raum“ – man denke nur an das jüngste Treffen zwischen Angela Merkel und Naftali Bennet. Am 15. Oktober schreibt Gideon Levy:

Angeschossen, gefesselt, geschlagen, ohne Essen: Die Tortur zweier palästinensischer Jungen in den Händen der israelischen Truppen


„Insgesamt 29 Stunden lang waren die beiden minderjährigen palästinensischen Cousins Mohammed und Mustafa Amira in der Hand der israelischen Streitkräfte und anschließend in Polizeigewahrsam. Sie wurden gefesselt und geschlagen, erhielten keine Nahrung und keinen Zugang zu einer richtigen Toilette. Wie üblich erhielten die besorgten Familien der Jungen keine Information über ihren Verbleib. Ihr Vergehen: Sie spielten ein Kinderspiel, das sie auf Youtube gesehen hatten. Erst in der folgenden Nacht wurden sie von einem Militärgericht freigelassen.

Mohammeds 15-minütiges Polizeiverhör, bei dem es nach seinen Angaben vor allem um Yousef ging, begann, bevor der Anwalt eintraf. Mustafa wurde eine halbe Stunde lang verhört. Von den beiden Verdächtigen wurden Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen. Auf diese Weise holt sich die Armee mehr und mehr biometrische Daten der palästinensischen Bevölkerung. An den Füßen aneinander gefesselt wurden sie dann in einem Jeep zu einem Militärstützpunkt gefahren – Mohammed weiß nicht, zu welchem. Man gab ihnen Matratzen und eine dünne Decke und befahl ihnen zu schlafen. Es war sehr kalt in dem Raum, erinnert sich Mohammed, und er konnte nicht einschlafen. Die Matratze war kalt und nass.
Am Dienstagmorgen bekamen die Cousins schließlich zum ersten Mal etwas zu essen, ein paar Kekse, und wurden dann zu einer medizinischen Untersuchung in ein örtliches Krankenhaus gebracht – Mohammed wusste nicht, in welches -. Irgendwann wurden sie per Video von einem Militärrichter verhört. Der Richter, Major Merav Hershkowitz Yitzhaki, der mit Vertretern beider Seiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit sprach, gab bekannt, dass man sich auf die Freilassung der beiden Verdächtigen geeinigt habe, sofern ein Familienmitglied garantiere, dass sie innerhalb eines Jahres keine ähnliche Straftat – die so genannte Beteiligung an einem feindlichen Terrorakt – begehen würden, oder sich verpflichte, eine Geldstrafe in Höhe von 3.000 Schekel ($ 930) zu zahlen, falls sie es doch täten. Safi, der im Gerichtssaal anwesend war, aber im Gerichtsprotokoll fälschlicherweise als der Bruder der beiden Jungen bezeichnet wurde, unterzeichnete die Garantie, und der Richter ordnete die Freilassung der Jungen an.
Die IDF-Sprechereinheit erklärte auf eine Anfrage von Haaretz: „Während des fraglichen Vorfalls wurden zwei palästinensische Verdächtige dabei beobachtet, wie sie eine Explosion mit einer improvisierten Vorrichtung entlang der Sicherheitsbarriere in der Nähe von Ni’lin, nahe der Gemeinde Hashmonaim auslösten. Anschließend flüchteten die Verdächtigen, und bei dem Versuch der Truppen, sie festzunehmen, stürzte einer von ihnen zu Boden und erlitt leichte Prellungen im Gesicht; er wurde von den Truppen sofort medizinisch behandelt. Die beiden wurden später zur weiteren Behandlung an die israelische Polizei übergeben. Die Behauptungen, dass ihnen das Essen verweigert wurde, wurden überprüft und es wurde festgestellt, dass sie unbegründet sind; die Verdächtigen bekamen Essen und Getränke.“
„Am Dienstagabend wurden die beiden Jugendlichen in das Ofer-Gefängnis bei Ramallah gebracht; sie schliefen in einem Militärjeep ein, der stundenlang vor der Einrichtung stand. Safi wartete in der Nähe des Gefängnisses auf sie, denn der Anwalt hatte ihm gesagt, dass sie dort freigelassen werden würden. Die IDF hatten jedoch beschlossen, sie am Eingang von Nil’in abzusetzen, wo niemand auf sie wartete. Inzwischen war es 21:30 Uhr am Dienstag, etwa 29 Stunden nach Beginn ihrer Tortur. Passanten brachten sie zu ihren Häusern. Mohammed kann immer noch nicht gut schlafen und leidet unter Albträumen. Das Stück Stoff aus der Armee, mit dem ihm die Augen verbunden wurden, hat er als Andenken behalten.“

https://www.haaretz.com/israel-news/.premium.MAGAZINE-shot-at-beaten-deprived-of-food-palestinian-boys-ordeal-at-hands-of-idf-1.10295952?utm_source=mailchimp&utm_medium=email&utm_content=author-alert&utm_campaign=Gideon%20Levy&utm_term=20211015-00:18

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. 
V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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