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Moralische Verletzungen, Traumata, Drogenmissbrauch

  1. Krise im Bereich der psychischen Gesundheit in Israel
  2. Bemerkenswert: Verein Jüdische Stimme darf nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden
  3. Menschenrechte: Rattenangriff in Gaza – Eine wachsende Rattenplage quält die Zeltstädte im Gazastreifen

Das israelische Gesundheitssystem ist von einer beispiellosen Krise überfordert: Traumata, Schlaflosigkeit, Zwangsstörungen, Drogenabhängigkeit. Psychische Störungen sind besonders unter Soldaten weit verbreitet, wo die Selbstmordrate seit Beginn des Völkermords in Gaza stark angestiegen ist. Da die Regierung keine ausreichenden Mittel zur Bewältigung des Problems bereitstellt, warnen Organisationen, die sich mit der psychischen Gesundheit in Israel befassen und Behandlungen anbieten, vor weitgehenden Auswirkungen. Die psychische Gesundheitskrise ist nicht nur auf Angst infolge des Krieges zurückzuführen, sondern vor allem auf moralische Verletzungen: Schuldgefühle der Soldaten und der Zivilisten, die sie unterstützen, wegen der Gräueltaten in Gaza.

Das israelische Gesundheitssystem war nicht darauf vorbereitet, die Krise zu bewältigen, die sich während des Völkermords in Gaza entwickelte. Sie ist nicht nur durch die Abwanderung von Ärzten verursacht worden, sondern auch durch die psychische Belastung, die dadurch entstanden ist, dass Israel die von ihm begangenen Gräueltaten leugnet und gleichzeitig versucht, sie zu rechtfertigen.

Im Jahr 2024 gab Israel nur 7,3 % seines BIP für das Gesundheitswesen aus, verglichen mit einem Durchschnitt von 9,3 % in den OECD-Staaten (Quelle auf Hebräisch). Ein Drittel dieser Kosten wurde von den Betroffenen aus eigener Tasche bezahlt und nicht über das Krankenversicherungssystem. Jeder dritte Israeli benötigt irgendeine Form psychologischer Behandlung, und viele, die sich diese nicht leisten können oder durch das soziale Stigma abgeschreckt wurden, greifen zu illegalen Drogen. Prof. Shauli Lev-Ran, Gründer des ICA (Israeli Center for Addictions), schätzte, dass die Zahl der Drogenabhängigen in Israel in den Jahren 2024–2025 von 3 % auf über 5 % gestiegen ist (Quelle auf Hebräisch). In diesem Jahr ist die Lebenserwartung in Israel sowohl für Männer als auch für Frauen um 4 Monate gesunken, wobei die Auswirkungen von Kriegsopfern auf die Statistik nicht berücksichtigt sind (Quelle auf Hebräisch).


Der jordanische Sender Roya News berichtete über die Krise im Bereich der psychischen Gesundheit in Israel. Quelle: 2025, Instagram.



Das israelische Gesundheitssystem genoss im internationalen Vergleich früher einen guten Ruf, ist jedoch nicht darauf ausgerichtet, eine psychische Gesundheitskrise dieses Ausmaßes zu bewältigen.

Der Haaretz-Journalist Gid’on Lev (nicht zu verwechseln mit Gideon Levy) legte in einem ausführlichen Artikel das Ausmaß der psychischen Gesundheitskrise in Israel dar (Quelle auf Hebräisch, Stand: April 2026): Im Jahr 2026 ergaben Laboruntersuchungen von Abwasser in Israel, dass der Koffeinkonsum um 425 % gestiegen war, sich der Zigarettenkonsum verdoppelt hat und die Spuren von Stresshormonen in den Abwasserkanälen um 50 % zugenommen haben – im Vergleich zum Ausgangswert vor dem 7. Oktober 2023. Lev berichtet, dass Gesundheitsumfragen zufolge 21 % der Israelis posttraumatische Symptome im klinischen Bereich aufwiesen, wobei die Zahl der Fälle klinischer Schlaflosigkeit seit dem 7. Oktober 2023 von 5 % auf 28 % der Bevölkerung anstieg. Klinische Schlaflosigkeit ist definiert als Schlafstörungen an mindestens drei Nächten pro Woche, die sich auf die Leistungsfähigkeit am Tag auswirken. Die Rate der Zwangsstörungen (Obsessive Compulsive Disorder = OCD) stieg auf 7 % der Bevölkerung, was fast dem Vierfachen des weltweiten Durchschnitts entspricht.

Die psychische Gesundheitskrise zeigt sich besonders bei den israelischen Streitkräften. Über zweitausend israelische Soldaten wurden getötet und Tausende verletzt. Psychische Traumata haben zu einem beispiellosen Ausmaß an psychischen Belastungen geführt. Die Selbstmordraten bei Soldaten und ehemaligen Soldaten haben sich vervielfacht (Quelle auf Hebräisch). Daten zu Selbstmorden (nur unter aktiven Soldaten und unter Berücksichtigung ausschließlich vollendeter Selbstmorde) zeigen, dass in den zehn Jahren vor 2023 die durchschnittliche Zahl der Selbstmorde pro Jahr bei 12 lag. Die Zahl der Selbstmorde unter Soldaten ist in den Jahren 2023, 2024, 2025 und im ersten Quartal 2026 dramatisch gestiegen. Im Jahr 2024 stieg sie um 75 % an, im Jahr 2025 um weitere 5 % und im Jahr 2026 um 36 %. Den offiziellen Berichten zufolge gab es zwischen 2017 und Juli 2025 124 Fälle von Selbstmord. Mehr als ein Drittel davon ereignete sich nach dem 7. Oktober 2023. Während bis 2022 etwa 42 % bis 45 % der Selbstmorde unter Soldaten während ihres Einsatzes verzeichnet wurden, stieg dieser Anteil im Jahr 2024 auf 78 %, was darauf hindeutet, dass Soldaten, die direkt am Völkermord beteiligt waren, häufiger unter psychischen Problemen litten. Die Selbstmordzahlen stiegen 2025 weiter an und erreichten einen Höchststand von 22 Soldaten, die sich im aktiven Dienst das Leben nahmen, wobei wiederum diejenigen nicht mitgezählt wurden, die nach ihrer Entlassung Selbstmord begingen (Quelle auf Hebräisch). Die offizielle Erklärung des Militärs für die Zunahme der Selbstmorde lautet „Aktivierung des Reserveapparats“, als ob der einzige Grund für mehr Selbstmorde darin läge, dass es mehr Soldaten gibt.

Eine vom Knesset-Forschungszentrum auf Antrag des Knesset-Abgeordneten Ofer Cassif durchgeführte Untersuchung zu Selbstmorden unter Soldaten hat ergeben, dass das israelische Verteidigungsministerium Selbstmorde und Selbstmordversuche von Soldaten nicht erfasst, wenn diese nicht im aktiven Dienst stehen (Quelle auf Hebräisch). Solche Vorfälle, die sich ereignen, wenn die Soldaten nach Hause zurückkehren und beginnen, die von ihnen begangenen Gräueltaten zu verarbeiten, gehen in die offiziellen Berichte nicht ein. Die Zahl der Soldaten, die nach ihrer Entlassung Selbstmord begangen haben, ist unbekannt, doch der Journalist Tom Levinson schätzt sie auf 30 % der Zahl der Soldaten, die während ihrer Dienstzeit Suizid begehen. Das bedeutet, dass sich die Gesamtzahl um ein Drittel erhöhen würde, wenn man sie mitzählen würde. Diese Schätzung berücksichtigt weder gescheiterte Selbstmordversuche noch andere Formen der Selbstverletzung. Diejenigen, die nach dem Ablegen ihrer Uniform Selbstmord begehen, werden vom Militär ignoriert und erhalten weder ein militärisches Begräbnis noch den Status als „Kriegsopfer“. Aussagen von Hinterbliebenen geben Aufschluss über die Gründe für die Selbstmorde: Traumata durch den Verlust von Kameraden sowie durch das Miterleben und Begehen von Gräueltaten, Überlebensschuld und ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation aufgrund der Art und Weise, wie der Krieg unter starker Abhängigkeit von Technologie geführt wurde, wodurch er sinnlos und nicht als Verteidigungsakt erschien (Quelle auf Hebräisch).

Selbstmorde sind sowohl unter Berufssoldaten als auch unter Reservisten weit verbreitet. Die meisten Selbstmorde ereignen sich unter Soldaten, die zuvor keine psychologische Unterstützung erhalten hatten (Quelle auf Hebräisch). 75 % der Soldaten, die sich 2025 das Leben nahmen, waren nicht durch einen Militärpsychiater behandelt worden (Quelle auf Hebräisch). Auf jeden Selbstmord kamen etwa sieben gescheiterte Selbstmordversuche, von denen einige zu schweren Verletzungen führten.


Der Komiker Udi Kagan. Quelle: 2026, TikTok.



In einem viralen Monolog mit dem Titel „Shell Shock“ sprach der Komiker Udi Kagan über seine eigene posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach seinem Militärdienst in Jenin während der zweiten Intifada (BIP-Aktuell #268). Er erklärte, dass der Bewältigungsmechanismus, den er und viele Soldaten wie er angewandt haben, darin bestand, Drogen zu nehmen, um der Realität zu entfliehen und die immer wiederkehrenden Gedanken und Erinnerungen auszublenden. In dem 20-minütigen Monolog bemerkte er kurz: „Für das, was ich dort getan habe, verdiene ich es nicht zu leben.“ Das klingt fast wie ein Schuldeingeständnis, doch Kagan gibt nach wie vor keine Details darüber preis, was er als Soldat in Jenin getan hat. Kagans Monolog (siehe dazu auch BIP-Aktuell #374) zeigt den direkten Zusammenhang zwischen den von den Soldaten begangenen Gräueltaten und dem Trauma, unter dem sie leiden, ein Phänomen, das israelische Psychologen als „moralische Verletzung“ bezeichnen. Eine „moralische Verletzung“ wird definiert als psychische Krise, die aus einer Diskrepanz zwischen der moralischen Weltanschauung eines Individuums und den von ihm ausgeführten Handlungen resultiert. Ein Beispiel hierfür ist ein Soldat, der glaubt, dass es falsch ist, Kinder zu töten, aber dennoch Kinder in Gaza umbringt (Quelle auf Hebräisch). In einem sehr emotionalen Bericht in Haaretz vom 17.4. schildern israelische Soldaten ihre Empfindungen: Ich fühlte mich wie ein Monster. In ungewöhnlicher Deutlichkeit berichtete 3Sat-Kulturzeit am 30.4.26 über die Gräueltaten der israelischen Armee und die Traumata und moralischen Verletzungen vieler Soldaten.

Zu sehen, wie die Expertenrunde von Channel 14 einerseits die Bilder des Hungers aus dem Gazastreifen genießt, sie andererseits aber anzweifelt und Witze darüber macht, dass die Mutter eines verhungerten Mädchens „nicht dünn genug aussah“ und „vielleicht ihre Tochter gegessen hat“, ruft bei Außenstehenden ein Gefühl des Ekels hervor. Es ist ein kranker Humor, krank im klinischen Sinne. Witze über Kriegsverbrechen und der Stolz darauf, Gräueltaten begangen zu haben, können zu kognitiver Dissonanz und Traumata führen. Diejenigen, die sich von solchen Äußerungen abgestoßen fühlen, sich aber schämen, ihre Gefühle zu zeigen, versuchen manchmal, durch Drogenkonsum der Realität zu entfliehen. Israel verzeichnet angesichts des anhaltenden Gaza-Kriegs einen starken Anstieg der Suchterkrankungen.

Die Krise der psychischen Gesundheit ist schwerwiegend, was auf verschiedene Gründe zurückzuführen ist, darunter gezielte Desinformationskampagnen, moralische Verletzungen und die enttäuschten Erwartungen an die von Netanjahu gemachten Versprechen, einen „totalen Sieg“ zu erringen. Israelische Psychologen bezeichnen die israelische Gesellschaft als einen „Staat im Trauma“. Das Nationale Traumazentrum Israels („Natal“) verzeichnete jedes Mal, wenn Israel von Raketen aus dem Iran angegriffen wurde, aber auch jedes Mal, wenn Israel einen Waffenstillstand verletzte, einen sprunghaften Anstieg an Notrufen von Menschen, die unter Panik oder Selbstmordgedanken litten (Quelle auf Hebräisch). Die Krise der psychischen Gesundheit ist daher nicht einfach nur existenzielle Angst, sondern eine Krise der Realitätswahrnehmung. Wenn die Regierung, die die israelische Gesellschaft vertritt, behauptet, der Krieg sei für die Sicherheit notwendig und ein Waffenstillstand sei erforderlich, um die Freilassung israelischer Geiseln zu sichern, dann aber den Waffenstillstand bricht, schafft dies einen Vertrauensbruch, und die Menschen beginnen, ihre gesamte zionistische Erziehung in Frage zu stellen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der psychischen Gesundheitskrise lassen sich nur schwer beziffern, da sie sich auf unvorhersehbare Weise auf die Produktivität, Kreativität und Zuverlässigkeit der Arbeitskräfte auswirken. Die israelischen Dienste für psychische Gesundheit sind nach einem Reformplan aus dem Jahr 2015 stark unterfinanziert, was sie geschwächt und unvorbereitet auf den dringenden Bedarf an psychologischer Unterstützung nach dem Angriff vom 7. Oktober zurückließ. Die unzureichende Ausstattung der Dienste für psychische Gesundheit wurde bereits in einer Studie vom Mai 2023 thematisiert (Quelle auf Hebräisch). Der israelische Rechnungshof schätzt, dass 900.000 Israelis psychologische Hilfe benötigen, doch das israelische Gesundheitssystem ist nicht dafür ausgestattet, diese Leistungen zu erbringen. Das israelische Verteidigungsministerium hat die sog. emotionale Unterstützung für Soldaten – ein Programm, das die Soldaten emotional auf die Rückkehr ins zivile Leben vorbereiten sollte – gestrichen (Quelle auf Hebräisch). Yfat Reuveni, Ökonomin der israelischen Organisation Natal für psychische Gesundheit, berechnete, dass die Bewältigung der Krise mindestens fünf Jahre dauern und mindestens 500 Milliarden NIS (143 Milliarden Euro) kosten wird. Zum Vergleich: Das gesamte Budget des israelischen Gesundheitsministeriums für 2026 beläuft sich auf 63 Milliarden NIS bzw. 18 Milliarden Euro (Quelle auf Hebräisch).

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Werde Mitglied im Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) und unterstütze unsere Arbeit. Jahresbeitrag für stimmberechtigte ordentliche Mitglieder 150 €, für Fördermitglieder 100 €. 
Ein Aufnahmeantrag ist an den Vorstand zu stellen: info@bip-jetzt.de.
Weitere Informationen: www.bip-jetzt.de
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Vierte Internationale BIP-Konferenz vom 29. – 31. Mai 2026 in Nürnberg:
Wir möchten Sie zur Vierten Internationalen Konferenz einladen, die das Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP) vom 29. bis 31. Mai 2026 in der Meistersingerhalle in Nürnberg ausrichtet. Das Thema heißt: Die Zukunft Palästinas.
Es werden Referenten aus Israel, Palästina, USA und Deutschland sprechen.
Programm: https://bip-jetzt.de/bip-konferenz/
Zu Beginn der Konferenz wird der Menschenrechtspreis andie britische Ärztin Dr. Victoria Rose verliehen, die während des Gazakrieges unter Einsatz ihres Lebens unzählige Schwerverletzte versorgte. Musikalisch umrahmt wird die Preisverleihung von Prof. Michael Barenboim.
Das ZDF-heute journal berichtete darüber in einem Interview mit Dr. Rose:
https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/sgs-sievers-rose-100.html
Für Rückfragen stehen zur Verfügung:  Prof. Dr. Ninon Colneric: ninon.colneric@t-online.de oder Ekkehart Drost: e1944drost@gmx.de
Konferenzanmeldungen sind noch möglich per E-Mail an Dr Götz Schindler: goetz.schindler@t-online.de
Frau Marina Popp vom Reservierungsbüro des Ramada-Hotels in Nürnberg teilte uns heute mit, dass bis mindestens zum 4.5. noch Zimmer im Rahmen des vergünstigten BIP-Kontigents verfügbar sind: reservierung@ramada-nuernberg.de
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!

BA 394 Bemerkenswert:
Verfassungsschutzbericht 2024: Verein Jüdische Stimme darf nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts

Berlin vom 27.04.2026 (Nr. 21/2026)
Der Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost – EJJP e.V. Deutschland darf in dem vom Bundesministerium des Innern herausgegebenen Verfassungsschutzbericht 2024 nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden. Das hat das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren entschieden.
Der Antragsteller ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein; er bildet die deutsche Sektion des Dachverbands „European Jews for a Just Peace“. Nach seiner Satzung will der Verein Personen jüdischer Herkunft eine Plattform dafür bieten, sich für Völkerverständigung und insbesondere für eine gerechte Friedenslösung zwischen Israel und Palästina einzusetzen. In dem vom Bundesministerium des Innern herausgegebenen Verfassungsschutzbericht 2024 wird der Verein als gesichert extremistisch bezeichnet und u.a. als ein Beispiel des säkularen propalästinensischen Extremismus aufgeführt. Er lehne in öffentlichen Beiträgen das Existenzrecht Israels ab und verharmlose bzw. rechtfertige terroristische Gewalttaten gegen den Staat Israel. Damit bestärke der Verein terroristische Gruppierungen in ihren Gewalttaten. Hiergegen begehrte der Antragsteller gerichtlichen Eilrechtsrechtsschutz.
Die 1. Kammer hat dem Eilantrag hinsichtlich der Einstufung im Verfassungsschutzbericht 2024 stattgegeben; der Verein dürfe dort nicht als gesichert extremistisch bezeichnet werden. Zwar zeige eine Gesamtschau der Belege der Antragsgegnerin, dass der Verein das Existenzrecht Israels verneine und teilweise Verständnis für Gewalttaten gegen den Staat Israel äußere. Es fehle jedoch die nach dem Bundesverfassungsschutzgesetz notwendige Gefährdung der auswärtigen Belange durch die Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen. Ferner habe die Antragsgegnerin auch keine Bestrebungen des Vereins aufgezeigt, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung richteten. Dies setze voraus, dass der Antragsteller in den internationalen Beziehungen Gewalt oder vergleichbar schwerwiegende völkerrechtswidrige Handlungen aktiv propagiere und fördere. Explizite Gewaltaufrufe oder eine eindeutige Sympathie für die Terrororganisation HAMAS und die von dieser verübten Angriffe könnten jedoch unter Berücksichtigung der Meinungsäußerungsfreiheit des Antragstellers nicht mit ausreichender Gewissheit festgestellt werden.
Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.
Beschluss der 1. Kammer vom 27. April 2026 (VG 1 L 787/25)
https://www.berlin.de/gerichte/verwaltungsgericht/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1665248.php

BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
Eine wachsende Rattenplage quält die Zeltstädte im Gazastreifen

„Wir leiden unter zwei Kriegen“, sagte Majd Sukar, der Leiter der Abteilung für Präventivmedizin in Gaza-Stadt. „Dem Krieg der Bomben und dem Krieg der Ratten.“
Nahla Al-Majdob wachte letzte Woche mitten in der Nacht auf, als ihre siebenjährige Tochter Aya in ihrem Zelt schrie. „Ich schaltete das Licht meines Handys ein, sah aber zunächst nichts“, erzählte Al-Majdob Drop Site News. „Dann bemerkte ich Bissspuren an Ayas Zeh.“ Es war nicht das erste Mal. „Ich bin schon oft nachts aufgewacht und habe Ratten um unsere Matratzen herum entdeckt“, sagte sie. „Manchmal sind sie direkt neben uns und schnüffeln.“
Wie fast alle Palästinenser in Gaza wurden Al-Majdob und ihre Familie
durch den Krieg aus ihrem Zuhause vertrieben und leben seitdem in einem armseligen Zelt in der Nähe des ehemaligen Hafens an der Küste von Gaza-Stadt.
Zu den Strapazen der Vertreibung kommt eine wachsende Population von Nagetieren hinzu, die Familien in der gesamten Enklave bedrohen.
„Die Ratten kommen aus den Trümmern und dem Müll“, sagte Al-Majdob.
„Sie krabbeln über unsere Kleidung und versammeln sich dort, wo wir Lebensmittel lagern. Wenn wir etwas liegen lassen, wird es verseucht.“
Al-Majdob, ihr Mann und ihre Tochter sind alle Diabetiker, was sie besonders anfällig für Infektionen durch Rattenbisse macht. Ihre Familie hat Angst vor der Nacht, wenn die Ratten im Dunkeln auf Futtersuche gehen und sich durch Zelte, Kleidung und Fleisch nagen.
„Vor dem Krieg hätte ich niemals etwas gegessen, das von Nagetieren berührt wurde, aber jetzt, wenn ich sie im Weißmehl finde, siebe ich es und verwende es trotzdem“, sagte sie.
„Wenn ich alles wegwerfe, werden wir verhungern.“ Sie fügte hinzu, dass die Nagetiere auch mutiger geworden zu sein scheinen, da ihre Zahl gewachsen ist. „Sie haben keine Angst mehr vor uns“, sagte sie. „Ich verscheuche sie mit einem Stock oder allem, was ich finden kann, aber sie kommen nach ein paar Minuten immer wieder zurück.“
Palästinensische Familien in Gaza leben in überfüllten Zelten und behelfsmäßigen Unterkünften, umgeben von Müll und Trümmern, mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Zu den weit verbreiteten und schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken, die sich aus diesen Bedingungen ergeben, gehört laut einem Bericht der Vereinten Nationen von diesem Monat die Vermehrung von Nagetieren sowie von Kakerlaken, Fliegen und anderen Schädlingen, was zur Übertragung von Krankheiten beiträgt.
Praktisch alle betroffenen Familien berichteten von Hautinfektionen, darunter Krätze, Läuse und Bettwanzen, wobei im Jahr 2026 bisher mehr als 70.000 Fälle registriert wurden.
https://www.dropsitenews.com/p/gaza-rats-rodents-disease-displaced-palestinians-tents

Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.

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