Christliche Zionisten drängen Israel aus theologischen Gründen dazu, zu töten und zu erobern.
- Evangelikaler christlicher Zionismus
- Vier Personen wurden von einem griechischen Gericht für schuldig befunden und zu Haftstrafen verurteilt, nachdem 2022 ein Abhörskandal das Land erschüttert hatte.
- Israelische Streitkräfte haben einen 17-jährigen palästinensischen Jungen im nördlichen Teil des besetzten Westjordanlands getötet.
Das evangelikale Christentum in den USA ist ein Zweig des protestantischen Christentums, der eng mit dem christlichen Zionismus verbunden ist, einer Theologie, die glaubt, dass Gott den Juden das biblische Land Israel gegeben hat und dass das Ende der Zeit und die Wiederkunft Christi von ihrer Rückkehr in das „verheißene Land“ abhängt. Obwohl christliche Zionisten eigentlich Antisemiten sind, unterstützen sie den Staat Israel, dessen Gründung sie als Erfüllung biblischer Weissagungen ansehen. Der derzeitige US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, ist evangelikaler Pastor und christlicher Zionist. In einem kürzlich geführten Interview mit Tucker Carlson äußerte er, dass es in Ordnung wäre, wenn Israel gemäß der göttlichen Verheißung das gesamte Land vom Euphrat bis zum Nil einnehmen würde.
Das evangelikale Christentum in den USA ist eine Form des protestantischen Christentums, dessen Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. In einer Zeit, in der progressive und pazifistische Ideen in den protestantischen Kirchen der USA vorherrschten, bildete sich das evangelikale Christentum als Gegenbewegung heraus, die Ideale wie Männlichkeit („Cowboy-Christen“), Militarismus, Nationalismus und Kapitalismus hochhielt.
Zu den bekanntesten Führern der Bewegung gehörte Billy Graham aus North Carolina, ein Pfarrer der Southern Baptist Church, der mit der Bürgerrechtsbewegung in Verbindung stand und neben Martin Luther King predigte. Er unterstützte den Vietnamkrieg und hatte den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“. Über die Juden äußerte er gegenüber Nixon im Zusammenhang mit dessen Überzeugung von der jüdischen Dominanz bei den Medien:
„Viele Juden sind gute Freunde von mir, sie umschwärmen mich und sind freundlich zu mir, weil sie wissen, dass ich Israel gegenüber freundlich gesinnt bin und so weiter. Aber sie wissen nicht, wie ich wirklich über das denke, was sie diesem Land antun, und ich habe keine Macht und keine Möglichkeit, mit ihnen umzugehen, aber ich würde mich unter den richtigen Umständen zur Wehr setzen.“
Wie der Theologe Mitri Raheb in seinem Buch „Faith in the Face of Empire: The Bible Through Palestinian Eyes“ (deutsche Ausgabe: Glaube unter imperialer Macht. Eine palästinensische Theologie der Hoffnung) gezeigt hat, gab es christliche Zionisten schon vor den jüdischen Zionisten. Der Zionismus ist eine koloniale Bewegung, aber der christliche Zionismus ist darüber hinaus antisemitisch, da er Juden auffordert, ihre Heimat zu verlassen und ein fernes Land zu kolonisieren. Christliche Zionisten streben nicht danach, Palästina selbst zu kolonisieren, sondern vielmehr, Juden aus ihren Heimatländern zu entsenden, um Palästina in ihrem Namen zu kolonisieren; sie sind somit eine antisemitische Bewegung. Die evangelikalen Christen in den USA fanden im christlichen Zionismus eine Lösung für den scheinbaren Widerspruch zwischen ihrem Hass auf die Juden und ihrer Liebe zum Staat Israel.
Im Jahr 1878 veröffentlichte William Blackstone, ein Schüler des bekannten amerikanischen Evangelisten Dwight Moody und Anhänger der biblischen Wiederherstellung Israels, ein Buch mit dem Titel „Jesus Is Coming“ (Jesus kommt). Blackstone behauptete, dass Gott das verheißene Land dem jüdischen Volk gegeben habe, ein Glaube, der unter evangelikalen Christen in den USA weit verbreitet ist. Blackstone fügte jedoch hinzu, dass die Juden das Land nur so lange regieren würden, bis Jesus nach Jerusalem zurückkehren würde, um die Gläubigen in den Himmel zu holen.
Evangelikale Christen in den USA vertreten eine Auslegung der Bibel, die sich auf die Prophezeiung der Endzeit und Harmagedon (Armageddon), die endzeitliche Entscheidungsschlacht in der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 16, 16), konzentriert. Sie glauben, dass ein Krieg im Tal von Megiddo (etwas außerhalb des Westjordanlands zwischen der palästinensischen Stadt Jenin und der israelischen Stadt Yokne’am) ausbrechen werde. Dieser Krieg, bei dem es sich um einen Atomkrieg handeln werde, würde das Ende der Welt und die Wiederkunft Christi einläuten. Christen werden gerettet werden. Muslime werden zur Hölle verdammt werden, und Juden werden eine letzte Chance haben, zum Christentum zu konvertieren, oder ebenfalls zur Hölle verdammt werden.

Screenshot des Artikels von Henry Carnell und Sam Van Pykeren in Mother Jones über die Aussage von Reverend John Hagee, dass Gott Hitler gesandt habe, um Israel zu gründen. Quelle: 2023, Mother Jones.
Im Jahr 2006 gründete Reverend John Hagee die CUFI (Christian United for Israel), die größte und mächtigste evangelikale und christlich-zionistische Organisation in den US. CUFI hat etwa 10 Millionen Mitglieder. Tristan Sturm, Wissenschaftler am Institut für globalen Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit der Queen´s University Belfast, zufolge gibt es in den USA insgesamt mehr als 30 Millionen christliche Zionisten. Ihre Anführer haben ein mediales Imperium aufgebaut. Evangelikale Radio- und Fernsehstationen erreichen seit Jahrzehnten überall in den USA ein Millionenpublikum. Die meisten gehören evangelikalen Kirchen im Südosten und Süden der USA an. Diese Region wird oft als „Bible Belt“ bezeichnet.
Hagee sagte, Gott habe Hitler gesandt, um Israel zu schaffen. Er entschuldigte sich allerdings später für diese Aussage. Hagee ist ein guter Freund von Netanjahu und außerdem ein begeisterter Anhänger von Trump. Er und andere evangelikale Pastoren bezeichnen Trump als „König Kyros“. Der persische König Kyros II. hatte den Juden im babylonischen Exil die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau des Tempels erlaubt. Christliche US-Zionisten glauben, dass der Nahostkrieg das Ende der Welt herbeiführen wird. Dementsprechend betrachten sie Trumps Rolle in diesem Krieg als entscheidend.
Der US-republikanische Senator Lindsey Graham ist ebenfalls Pfarrer der Southern Baptist Church. Er vertritt die evangelikale und christlich-zionistische Ideologie im US-Senat. Am 22. Oktober 2023 forderte Graham Israel auf, „Gaza dem Erdboden gleichzumachen“. Er unterstützte damit die damals in Israel vorherrschende Völkermordrhetorik (BIP-Aktuell #277).
Christliche Zionisten finanzieren extremistische Siedlerorganisationen, um das Ende der Welt zu beschleunigen. Wie der Film „Till Kingdom Come“ zeigt, sind jüdische Siedler, die unter christlichen Zionisten Spenden sammeln, zwar von der Theologie der christlichen Zionisten und ihrem Wunsch, Juden zum Christentum zu bekehren, peinlich berührt. Aber die Spenden nehmen sie gern an. In Deutschland wirbt die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem, die aus den USA gelenkt wird, für die christlichen Zionisten.
Organisationen wie HaYovel haben Hunderte von amerikanischen christlichen Freiwilligen für die Arbeit in landwirtschaftlichen Projekten in israelischen Siedlungen gewonnen, insbesondere während des Gaza-Krieges, als jüdische Israelis zum Militärdienst einberufen wurden. Viele befürworteten auch nachdrücklich die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem durch US-Präsident Donald Trump im Jahr 2018. Bei der Eröffnung der Botschaft in Jerusalem sprach der evangelikale christlich-zionistische Pastor Robert Jeffress ein Gebet. Während Israel 52 unbewaffnete palästinensische Demonstranten in Gaza tötete, lobte Jeffress Präsident Trump und den Staat Israel. Zuvor hatte er allerdings gesagt, alle Juden würden in die Hölle kommen, wenn sie sich nicht zum Christentum bekehren. Den Islam hatte er als eine „Häresie aus den Tiefen der Hölle“ bezeichnet.
Nicht alle evangelikalen Christen sind Zionisten. Tucker Carlson hat sich pro-palästinensisch geäußert, allerdings nur in Bezug auf christliche Palästinenser. Er hat auch Pastor Munther Isaac interviewt.

Am 16. Juli 2025 nahm Mike Huckabee mit einer Bugs-Bunny-Puppe in der Hand an der Verhandlung gegen Premierminister Netanjahu in Jerusalem teil. Die Puppe steht für Netanjahus Argument, dass die Vorwürfe gegen ihn absurd sind. Nach dieser Aktion sagte auch US-Präsident Trump, dass Israels Präsident Herzog Netanjahu begnadigen müsse. Quelle: 2025, Twitter.
Carlson besuchte Israel und veröffentlichte ein Interview mit dem dortigen US-Botschafter Mike Huckabee, der ein evangelikaler christlicher Zionist ist (BIP-Aktuell #335). In dem Interview sagte Huckabee, es wäre in Ordnung, wenn die Nachkommen Abrahams das gesamte in der Bibel versprochene Land, also „vom Euphrat bis zum Nil“ bekämen. Einschränkend fügte er allerdings hinzu: „So weit würden wir nicht gehen. Es wäre schließlich ein riesiges Gebiet.“ Bei den Verbündeten der USA im Nahen Osten sorgte das Interview für Empörung. Huckabee sagte in dem Interview auch, dass das Gebiet C des Westjordanlands „Israel“ sei. Dies steht im Widerspruch zur Politik der USA, die die Annexion des Westjordanlands abzulehnen.
Die EKD distanziert sich von den evangelikalen Christen in den USA. Während die evangelikalen Christen es ablehnen, an ökumenischen Aktionen wie dem Ökumenischen Rat der Kirchen teilzunehmen, ist die EKD eine Mitgliedskirche dieses Rates. Dennoch gibt es einige beunruhigende Ähnlichkeiten zwischen der Theologie der evangelikalen Christen und der EKD, wenn es um Israel geht. Die Erklärung der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, dass die Gründung des Staates Israel ein Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk sei, muss im Zusammenhang mit dem Antisemitismus der protestantischen Kirchen in der Nazizeit gesehen werden.
Der palästinensische Menschenrechtsaktivist Rifat Kassis, Gründer der palästinensischen Sektion der Organisation Defense for Children International und Mitverfasser des Kairos-Palestina-Aufrufs christlicher Palästinenser an die Welt, kritisierte, dass die EKD versäumt habe, anzuerkennen, dass Israel Völkermord begeht, genauso wie sie es versäumt habe, anzuerkennen, dass Israel gegenüber den Palästinensern Apartheid betreibt. Der theologische und politische Rahmen der EKD räume der Erinnerung an den Holocaust und der Verantwortung Deutschlands gegenüber den jüdischen Gemeinden den Vorrang ein, während die ebenso wichtige Pflicht, Israels Verstöße gegen das Völkerrecht anzusprechen, in den Hintergrund gedrängt werde.
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Angesichts der zumeist sehr deprimierenden Berichte in unserem Newsletter steht an dieser Stelle die Rubrik „Bemerkenswert“ – in der Hoffnung, dass diese Meldungen uns allen Mut machen, denn „Aufgeben ist keine Option“!
BA 385 Bemerkenswert:
„Vier Personen wurden von einem griechischen Gericht für schuldig befunden und zu Haftstrafen verurteilt, nachdem 2022 ein Abhörskandal das Land erschüttert hatte.
In dem als ‚Griechenlands Watergate‘ bekannt gewordenen Fall wurde eine Überwachungssoftware namens Predator eingesetzt, um 87 Personen zu überwachen – darunter Minister, hochrangige Militärs und Journalisten.
Die vier Personen, die die Software vermarktet hatten, wurden von einem Athener Gericht wegen Verstoßes gegen die Vertraulichkeit der Telefonkommunikation und des illegalen Zugriffs auf personenbezogene Daten und Gespräche für schuldig befunden.
Das Gericht verurteilte die vier Angeklagten zu langen Haftstrafen, die bis zur Berufung ausgesetzt wurden. (…)
Premierminister Kyriakos Mitsotakis, der den EYP direkt seiner Aufsicht unterstellt hatte, bezeichnete dies als Skandal, aber kein Regierungsbeamter wurde vor Gericht angeklagt, und Kritiker werfen der Regierung vor, die Wahrheit vertuschen zu wollen.
Der Fall geht auf den Sommer 2022 zurück, als der derzeitige Vorsitzende der griechischen Sozialistischen Partei Pasok, Nikos Androulakis – damals Mitglied des Europäischen Parlaments – von den IT-Experten des Europäischen Parlaments darüber informiert wurde, dass er eine bösartige Textnachricht mit einem Link erhalten hatte.
Die Spyware Predator, die von dem in Athen ansässigen israelischen Unternehmen Intellexa vertrieben wird, kann auf die Nachrichten, die Kamera und das Mikrofon eines Geräts zugreifen. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Verwendung in Griechenland illegal, aber ein neues Gesetz, das 2022 verabschiedet wurde, hat seitdem die Verwendung von Überwachungssoftware durch den Staat unter strengen Auflagen legalisiert.
Androulakis entdeckte außerdem, dass er aus „Gründen der nationalen Sicherheit” von den griechischen Geheimdiensten überwacht worden war.
Der Skandal hat sich seitdem zu einer Debatte über die demokratische Rechenschaftspflicht in Griechenland ausgeweitet.“ (übersetzt mit deepl.com)
https://www.bbc.com/news/articles/cj6dx4886rpo
Ähnlich in Haaretz: https://www.haaretz.com/israel-news/security-aviation/2026-02-26/ty-article/.premium/ex-top-israeli-officer-and-intellexa-founder-found-guilty-in-greek-spyware-case/0000019c-9af6-dfa9-a7bd-daffe4ef0000
BIP Aktuell berichtet an dieser Stelle von Menschenrechtsverletzungen, die in deutschen Medien kaum Beachtung finden
Israelische Streitkräfte haben am frühen Sonntagmorgen einen 17-jährigen palästinensischen Jungen im nördlichen Teil des besetzten Westjordanlands getötet.
Ramallah, 24. Februar 2026
„Mohammad Wahbi Abdulaziz Hanani, 17, hatte am 21. Februar gerade um 20:20 Uhr sein Abendgebet in der Zalmout-Moschee in der palästinensischen Stadt Beit Furik beendet, als israelische Streitkräfte in schwer gepanzerten Militärfahrzeugen in der Gegend eintrafen, wie aus Unterlagen hervorgeht, die von Defense for Children International – Palestine zusammengestellt wurden. Mohammad und andere junge Palästinenser sollen etwa zwei Minuten lang Steine auf die Militärfahrzeuge geworfen haben, bevor israelische Streitkräfte das Feuer eröffneten und Mohammad aus einer Entfernung von etwa 40 Metern (131 Fuß) in den Kopf trafen.
Soldaten eilten zu Mohammad, der am Boden zusammengebrochen war, und durchsuchten die Gegend, bevor ein israelischer Militärkrankenwagen eintraf und die Militärsanitäter mit der Ersten Hilfe begannen. Wenige Minuten später traf ein palästinensischer Krankenwagen am Unfallort ein, und israelische Soldaten hinderten die Sanitäter daran, zu Mohammad zu gelangen. Nach einer mehrminütigen Diskussion erlaubten die israelischen Soldaten den palästinensischen Sanitätern, unter ihrer Aufsicht Erste Hilfe zu leisten.
Um 20:30 Uhr transportierte der palästinensische Krankenwagen Mohammad zum Rafidia-Krankenhaus in Nablus. Unterwegs stieß er auf einen geschlossenen Militärkontrollpunkt, wodurch sich die Fahrt um einige Minuten verzögerte.
Mohammads Herz hörte im Krankenwagen auf zu schlagen, und die Sanitäter führten eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch, bis sie das Krankenhaus erreichten.
Ärzte brachten Mohammad in den Operationssaal, wo die Wunde gereinigt und die Blutung gestillt wurde. Anschließend wurde er auf die Intensivstation verlegt, wo er verblieb, bis er am 22. Februar um 00:25 Uhr für tot erklärt wurde.“
https://www.dci-palestine.org/israeli_forces_fatally_shoot_17_year_old_palestinian_boy_in_the_head_near_nablus
Das Redaktionsteam von BIP-Aktuell besteht aus dem Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Shir Hever. V. i. S. d. P. Dr. Götz Schindler, BIP-Vorstand.