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Regisseur wird als Verräter beschimpft 

Bildschirmfoto_Foxtrot_dw
Der Film FOXTROT von Samuel Maoz ruft Kontroversen hervor (Screenshot: dw)
„Israel wird zusehends zu einer Trutzburg, es ist immer weniger ein gemütliches Zuhause.“. Das Zitat David Grossmans fasst die Aussage des Films adäquat zusammen  — ein Film, der zeigt, wie das Leben in Israel durch militärisches Denken dominiert wird.

Grossmans Zitat wirft vor allem eine Frage auf: Wie konnte Israel bisher für die allermeisten Israelis ein „gemütliches Zuhause“ sein, angesichts der Tatsache, dass alle Israelis — Männer wie Frauen — seit Anbeginn des Staates ihren Militärdienst leisten, also auch in den vergangenen 51 Jahren der militärischen Besatzung des palästinensischen Westjordanlandes. Wie kann eine ganze Zivilgesellschaft, die von ihren Wurzeln her militärisch geprägt und ausgebildet ist, es sich „gemütlich“ einrichten in ihrer Inseldemokratie, während sie gleichzeitig selbst dazu beiträgt, eine andere Bevölkerungsgruppe militärisch zu dominieren? Was Soldatinnen und Soldaten einer Besatzungsarmee erleben, haben Breaking the Silence in Hunderten von Interviews offengelegt. Anhand ihrer Zeugnisse und des Kontextes, den sie herstellen, kann man sich ein Bild darüber machen, wie das System der Besatzung durch Militär, aber auch durch Lenkung moralischer Vorstellungen, durch Angst vor Bedrohung, durch Abstumpfung und Tabuisierung und nicht zuletzt durch Abspaltung aufrecht erhalten werden kann. Sehr empfehlenswert hierzu der knapp siebenminütige ttt-Beitrag von 2012 mit der ehemaligen Soldatin Dana Golan.


In Samuel Maoz‘ Spielfilm FOXTROT erfährt ein israelisches Ehepaar, dass sein Sohn während des Dienstes in der Armee gefallen ist. Was die Eltern noch nicht wissen: Ihr Sohn hat an einem Checkpoint im besetzten Westjordanland vier junge Palästinenser erschossen. Der Kommandant vertuscht den Mord, die Toten werden im Sand verscharrt.

Bei seinem Start in den Kinos in Israel sorgte der Film insbesondere wegen dieser Szene für einen Eklat. Kulturministerin Miri Regev empörte sich, so etwas würden israelische Soldaten niemals tun, der Film beschmutze das Ansehen der israelischen „moralischsten Verteidigungsarmee der Welt“, und man werde keine Filme mehr fördern, die den Namen Israels besudeln (Quelle: Deutsche Welle). Auch Teile der Gesellschaft reagierten aggressiv: Regisseur Samuel Maoz wurde bedroht und als Verräter beschimpft.

Der Film ist am 12. Juli in Deutschland angelaufen. Unten sehen Sie den offiziellen Trailer, hier eine Berichterstattung auf Aljazeera; hier können Sie Besprechungen des Films im Spiegel, in der Süddeutschen Zeitung und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nachlesen.

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